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Gutes Video – böses Video

Geschwindigkeitsmessungen sind schon so eine Sache. Behörden und Kommunen behaupten immer gern, dass man nur an Unfallschwerpunkten und keineswegs zur Sanierung des Stadtsäckels blitzt, Autofahrer plärren grundsätzlich Abzocke und Wegelagerei, wenn sie eines der qualitativ schlechten, aber teuren Schwarzweißfotos nach Hause geschickt bekommen.

Hat man ein bisschen Einblick in die Szene, erkennt man schnell, dass das ganze z. T. wirklich seltsame Blüten treibt, worum sich da gestritten wird und wie hoch die Beweisanforderungen sind: Eher wird ein Mörder nach Indizienlage zu lebenslänglich verurteilt, als dass ein Raser einen Punkt in Flensburg bekommt.

Ein aus Sicht des Technikers ziemlich sicheres Verfahren ist das Leivtec XV2. Eigentlich ist das nichts anderes als eine Videokamera mit einem Zusatzgerät, das Geschwindigkeiten messen kann. Die Informationen des Zusatzgeräts werden auf die Tonspur der Videokassette geschrieben, auf dem Videobild sieht man den Raser.

Tja. Aber nicht nur den. Denn das Gerät steht am Straßenrand und filmt so vor sich hin. Erst später im Warmen in der Auswertestelle wird das Video gesichtet. Dann erst werden die Verstöße extrahiert. Und genau da liegt der Haken. Denn es werden auch jede Menge unbescholtene Verkehrsteilnehmer verdachtsunabhängig gefilmt. Das ist mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung aber nicht vereinbar, selbst dann nicht, wenn die Aufnahmen der braven Fahrer später gelöscht würden. Sie dürfen ohne Einwilligung gar nicht erst erstellt werden.

An anderer Stelle ist man offenbar nicht unbedingt so zimperlich, was das Anfertigen von Videokopien betrifft. In Berichten zu den Verfahren um kino.to findet man doch einige Stimmen, die das nicht so schlimm und juristisch schon gar nicht eindeutig finden. Ich möchte wetten, dass die Beurteilung durch einige Verkehrsjuristen komplett anders ausfiele, würde es nicht z. B. um von kundiger Hand gedrehte, unterhaltsame Straßenszenen gehen, sondern um die mehr als eintönige Aneinanderreihung von Autos, die durch immer dieselbe langweilige behördliche Messstelle fahren.