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Lese-Empfehlung intersection

Auf meinem Flug nach Detroit sitzt im Business-Sessel neben mir ein Print-Redakteur. Ein Dinosaurier eben, wie ich mir nicht verkneifen kann zu denken. Während des Fluges und auch später während des Aufenthaltes haben wir immer mal wieder Gesprächsblöcke.

Das Magazin, bei dem er stellvertretender Chefredakteur ist, erscheint vier Mal im Jahr und kostet 2 Euro bei einer Auflage von 50.000 Stück. Ich verstehe durchaus die Zahlen, kann mir aber beim besten Willen kein Bild machen. Hat ein solches Magazin überhaupt eine Daseinsberechtigung? Wer liest so etwas denn bitte?

Wieder zu Hause, bin ich neugierig. Ich schicke ihm bei Facebook eine Nachricht. Wo bekomme ich denn Euer totes Holz? Im gut sortierten Zeitschriften-Handel (schönes Synonym für Bahnhofs-Kiosk). Kann man das auch abonnieren (das erscheint mir bei dem Preis wirklich sinnvoller als der Gang zum Bahnhofs-Kiosk)? Nein. Urks. Ok. Der Wochenendeinkauf ist geschafft und ein kurzer Stop beim Bahnhof bietet sich dann doch an.

Nachdem ich das Regal mit den Auto-Zeitschriften gescannt habe – Himmel, wer liest das alles noch und warum? – frage ich leicht enttäuscht den Kassierer. Ich suche eine Auto-Magazin, was vier Mal im Jahr erscheint “Intersection”. Der gute Mann lächelt milde und zieht direkt vor meiner Nase die Zeitung aus dem Regal. Meine Augen wandern nach oben und lesen die Regalüberschrift. MODE. Mein Blick wandert von dem Magazin – ja, der Titel lautet “Intersection”; auf dem Cover sitzt einen Blondine auf einem alten Motorrad; ich lese Lamborghini, BMW, Mercedes, Drive – zur Regalüberschrift, zum Verkäufer und wieder zurück. Ja, das ist eine Modezeitschrift. Hm, denke ich mir, da habe ich wohl was falsch verstanden, aber die zwei Euro habe ich über.

Ein wenig später, zu Hause auf dem Sofa sitzend, blättere ich in dem Magazin. Die ersten vier Doppelseiten sind Werbung. Fiat (500 Gucci), Ralph Lauren (Uhr), Santoni (Klamotten), Audi (Q3). Danach folgt das Inhaltsverzeichnis über drei Seiten, wobei die jeweils gegenüber liegende Seite eben eine ganzseitige Werbung zeigt: Jaeger-LeCoultre (Uhr), VW (up!), Filippa K (Klamotten). Darauf folgend noch zwei einzelne und zwei Doppelseiten Werbung. Die restlichen Seiten des 144 Seiten starken Heftes sind dann vollkommen werbefrei.

Hat so ein Magazin überhaupt eine Daseinsberechtigung? Ja! In den letzten beiden Tagen habe ich die Intersection immer wieder in die Hand genommen. Teils nur die super Fotos angesehen, teils auch die Artikel (quer)gelesen. Gerade die Fotostrecken gehören einfach auf Papier und nicht in ein iPad-Magazin gequetscht.

Autokultur habe ich in den letzten Tagen so oft gehört und auch begriffen, dass ein Auto längst kein schlichtes Fortbewegungsmittel, denn ein Lifestyle-Artikel ist. Und die Form in der die Intersection Autokultur vermittelt gefällt mir extrem gut.

Wer liest so etwas? Keine Ahnung, aber ich weiss, dass mir ich auf jeden Fall auch die nächste Ausgabe kaufen werden. Als Papierausgabe. An einer digitalen Version hätte ich kein Interesse.

Intersection im Internet und bei Facebook. Wer’s lesen will, muss aber zum Bahnhofs-Kiosk …

PS: Weil ich das so schön finde, ein Zitat von Seite 130 der Ausgabe Winter 2011/2012, welches den Fahrbericht des Lamborghini Aventador Lp 700-4 einleitet: Es gibt einige Paradoxien im Alltag eines Autojournalisten. Da ist zunächst die Kluft zwischen seinem Alltag und den luxuriösen Pressereisen. Der junge aufstrebende Autor lebt in einer kleinen Wohnung in mittelguter Lage. Befindet er sich aber in den Händen der Automobilhersteller, fliegt er Business-Klasse, wohnt in Suiten der luxuriösen Hotels der Welt und fährt Autos, die mehr kosten als sein Wohnung (die er ohnehin meistens mietet). […]