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Totgeburt Wechselkennzeichen

Eigentlich hätte man sich den ganzen Gesetzentwurf- und Verwaltungsaufwand gleich sparen können. Das Wechselkennzeichen ist hierzulande eine Totgeburt. Was in der Schweiz oder in Österreich seit Jahren erfolgreich funktioniert, wurde von unseren Volksvertretern erfolgreich vor die Wand gefahren.

Mit dem Wechselkennzeichen können maximal zwei (wow, so viele..!) Fahrzeuge aus der gleichen Kategorie (Pkw, Motorrad usw.) auf öffentlichen Straßen bewegt werden. Zwei Motorräder. Tolle Sache. Oder zwei Anhänger bis 750 kg zul. Gesamtgewicht: Super! Immerhin: Ein Pkw und ein Wohnmobil würde gehen. Aber ein Motorrad und ein Pkw, eine Kombination, die in der Praxis wenigstens einigermaßen häufig vorkommt, ist nicht gestattet. Selbstredend darf das Fahrzeug, das gerade nicht mit dem Kennzeichen versehen ist, nicht auf öffentlichem Gelände stehen. Boing! Damit ist es schon mal für alle uninteressant, die in der Regel ihr Fahrzeug unter der Laterne parken.

Im Gegensatz zu den Vorbildern unserer Nachbarn wären (ich wollte erst “sind” schreiben, aber ich glaube nicht, dass überhaupt eines der Schilder ausgegeben wird) beide Fahrzeuge steuerpflichtig. Auch bei den Versicherern reagiert man mehr als reserviert hinsichtlich günstiger Tarife. Insbesondere ist es fraglich, ob es Tarife geben wird, die mehr Vorteile bringen als die ohnehin schon verfügbaren Zweitwagentarife.

Gerade für Oldtimerbesitzer wäre das Wechselkennzeichen interessant gewesen. Aber ob man sich den Stress antut, die Zulassung von einem H-Kennzeichen auf so ein Wechselkennzeichen zu ändern mit dem ganzen Stress und den Auflagen, die damit verbunden sind? Immerhin kann der Oldtimer den H-Status behalten kann. Aber das Kennzeichen muss für beide Fahrzeuge das gleiche Format haben, oder wie ist dieser Satz von der Homepage des Verkehrsministeriums zu verstehen:

Mit der Beschränkung auf die gleichen Kennzeichengrößen wird gesichert, dass die ordnungsgemäße vorgeschriebene Beleuchtung der hinteren Kennzeichen gewährt ist.

Schon mal einen VW Käfer oder Fiat 500 mit einzeiligem hinteren Kennzeichen gesehen, wie es am Alltagsauto angebracht ist? Geht nicht.

Viele haben ein altes Motorrad und einen alten Pkw in der Garage: Geht nicht. Und dann auch nur für zwei Fahrzeuge! Wenn eh schon jedes Fahrzeug versteuert werden muss, versteht man diese Beschränkung erst recht nicht mehr.

Werfen wir noch einen weiteren Blick auf die Homepage des Verkehrsministeriums:

Da das Wechselkennzeichen zwei Fahrzeugen zugeteilt wird, jedoch zur gleichen Zeit an nur einem von diesen Fahrzeugen geführt werden darf, kann es als ein Kriterium bei der Bemessung der Prämie für die Haftpflichtversicherung durch die Versicherer herangezogen werden.

Kann! es ein Kriterium bei der Bemessung sein. Muss also nicht. Politiksprech, der uns etwas schmackhaft machen möchte, klingt anders.

Wechselkennzeichen können auch Impulse setzen, sich für kürzere Strecken einen sparsamen Zweitwagen anzuschaffen.

Ähm. Warum jetzt genau, wenn ich mehr Aufwand habe, aber praktisch keinen finanziellen Nutzen? Ich muss das Kennzeichen umbauen, bevor ich mit der Citygurke losfahren kann? Vielleicht sollte man die Sit-ups, die ich dabei mache, noch in die Liste großartiger Vorteile im Sinne der Volksgesundheit aufnehmen.

Bislang ist jedenfalls überhaupt kein Mehrwert zu erkennen. Vielleicht sollte man einen Preis ausloben: Wer als erstes ein Fahrzeug mit Wechselkennzeichen sieht, bekommt eine Handvoll Wechselgeld.