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Die arme Auto-BILD und das böse Internet

In der aktuellen Auto-Bild findet sich auf Seite 6 der iPad-App die Kolumne „IN FAHRT“ von Michael Voß. Darin schreibt der werte Herr über die mittlerweile vorherrschende Praxis der Auto-Hersteller schon vor den offiziellen Weltpremieren der Fahrzeuge entsprechende Bilder im Internet zu veröffentlichen.

Er schreibt dazu „[…] Schuld daran ist das Internet. […] Bevor die Autos von bösen Bloggern dreist geleakt werden, walzen die Hersteller das Material lieber höchstselbst auf der eigenen Facebook-Seite aus. […]“ (Hervorhebung von mir).

Nun kann man dem werten Herrn Voß ja durchaus nur beipflichten. Es ist schon schade, dass man schon sehr viel von den Neuvorstellungen gesehen hat, bevor man sie dann erstmals live und in Farbe auf dem Genfer Auto Salon in Augenschein nehmen kann. Früher war eben alles besser!

Nun zeugt es aber weder von Sachverstand noch von Weitsicht diese Aussage zu treffen und dabei die bösen Blogger als Buhmann heran zu ziehen. Schon gar nicht in dieser Form der Verallgemeinerung. Wenn wir uns mal die deutsche Auto-Blogger-Szene und ihren Stellenwert bei der Auto-Industrie ansehen, so kann sich die Autobild-Redaktion bislang noch bequem im Redaktionssessel zurücklehnen. In Amerika sieht das selbstverständlich schon etwas anders aus und da bekommen unsere Kollegen von der Industrie auch schon mal Informationen, die einem zeitweiligen Kommunikationsembargo unterliegen. Dumm sind die amerikanischen Kollegen aber auch nicht, und auch dort wird niemand etwas veröffentlichen, was nicht veröffentlicht werden darf.

Aber selbstredend bedienen sich die Hersteller heute erfreut dem Kommunikationskanal Internet. Und einige Firmen, wie beispielsweise Mercedes-Benz oder Porsche tun dies sogar sehr erfolgreich bei Facebook. Dort erreichen sie nämlich den potentiellen Kunden oder auch den innigen Markenfan direkt und ohne Umweg. Und sicherlich nimmt das Internet unseren beiden automobilen Papierplatzhirschen AutoBild und AMS einen Hauch ihrer allgegenwärtigen Machtposition, aber jammern sollten sie doch trotzdem lieber im stillen Kämmerlein.

Sind sie es doch, die kurz vor oder hin und wieder auch nach der Weltpremiere eines Fahrzeuges schon erste Fahrtests in ihren Publikationen abdrucken können. Und wenn ich mir die aktuelle Ausgabe der AutoBild so ansehe, dann nimmt man das zur Verfügung stehende Material der Hersteller ja auch jetzt schon willig mit und publiziert es – ohne dem Leser die Spannung bis zum Öffnen der Pforten des Auto Salons zu lassen.