Probefahrten
Kommentare 28

Probefahrt: Der neue Mercedes-Benz SL 500 BlueEFFICIENCY Edition 1 (R231)

Ich bin Frühaufsteher. In der Regel stehe ich morgens immer gegen 5 Uhr auf. Wenn der Wecker aber um 4 Uhr klingelt, steht meist etwas Gutes an, denn freiwillig stehe ich vor 5 nun wirklich nicht auf. Mercedes-Benz hatte mir vor ein paar Wochen eine Einladung zukommen lassen. Ich könne den neuen Mercedes-Benz SL – den R231 – nachdem ich die Weltpremiere bei der National American International Auto Show in Detroit 2012  miterleben und fotografisch begleiten durfte – nun auch selbst fahren. Und als wäre das an sich schon nicht grossartig genug, fand eben jene Probefahrt im schönen Spanien – genauer in Andalusien – statt.

Ich will hier gar keine grosse Dramatik aufbauen. Der neue Mercedes-Benz SL R231 ist der absolute Hammer. Ich hatte ja damals mit Robert Basic in Detroit schon im Wagen gesessen und wir waren uns einig, dass uns der neue SL richtig gut gefällt – und waren nun auch gespannt, ob er uns beim Fahren ebenso viel Spass macht, wie eben beim reinen Betrachten. Hat er. Und ich muss gestehen, mehr als ich mir vorstellen konnte.


Der neue Mercedes-Benz SL R231 ist ein wundervoller Cruiser, der sich auch sehr sehr sportlich fahren lässt, wenn man denn will. Du sitzt auf fantastischen Sesseln, die Dich je nach Zusatzausstattung auch massieren, und lässt den 4.6 Liter-V8 des SL 500, den ich fahren durfte, locker bei 2000 U/min blubbern. Und wenn es Dich packt oder Du mal fix überholen musst, weil ein langsamerer Verkehrsteilnehmer Dein Cruise-Tempo reduziert, dann trittst Du eben auf das Gaspedal und der SL röhrt los. 435 PS reissen dann – wie mit knallender Peitsche angetrieben – an der Hinterachse, welche auch hin und wieder das Heck ein Stück ausbrechen lässt. Nicht zu viel, nur eben genug, dass man merkt, dass die Pferde jetzt galoppieren wollen. Die serienmässige 7-Gang Automatik, die Mercedes-Benz 7G-TRONIC PLUS nennt, schaltet stets butterweich. Beim Cruisen lässt sie es ein wenig lockerer angehen, im Sportmodus kommt dann Drehzahl mit ins Spiel, was Motor und Auspuffanlage mit einem das-Grinsen-ins-Gesicht-zaubernden Sound quittieren. Hin und wieder habe ich bei Überholvorgängen auch die Schaltwippen genutzt, die sich ergonomisch optimal hinter das Lenkrad schmeicheln.

Selbstverständlich ist der SL 500 ein Luxusgefährt und bei einem Kaufpreis ab 117.100 Euro (den SL 350 mit dem 306 PS starkem V6 gibt es ab 93.500 Euro) auch nicht für jedermann erschwinglich, dennoch hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl im Luxus zu ertrinken. Nein, vielmehr habe ich mich an den zahlreichen nützlichen und durchdachten Detaillösungen und Features erfreut.

Das Erfreuen hat sich während des ersten Tages und den knapp 200 km, die ich im Mercedes-Benz SL 500  zusammen mit Jens von Rad-Ab.com verbracht habe, so aufsummiert, dass ich am Abend gestrahlt habe – wie ein kleiner Junge, der endlich das langersehnte Fahrrad zu Weihnachten bekommen hat. Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich im Flugzeug auf meinem Weg von Malaga nach Zürich, von wo aus es dann weiter nach Hannover geht. Und ich grinse immer noch. Ich strahle und werde dies wohl auch noch die nächsten Tage tun, wann immer eine Erinnerung der letzten Tage meine Gedankenwelt durchstreift.

Ich weiss nicht, wo ich anfangen soll und vor allem wie. Eben ohne einen halben Roman zu schreiben. Auf der Abendveranstaltung hat uns der Entwickler des Seitenspiegels erklärt, wie bei dem Mercedes-Benz SL verhindert wird, dass bei Regenwetter Seitenspiegel oder Scheibe verdrecken. Super spannend und auch ziemlich cool (wann man mal ein anderes Fahrzeug gefahren ist, bei dem man im Winter auf der Autobahn bei jedem Parkplatz rechts raus musste, um Spiegel und Scheibe vom Schmutzfilm zu befreien)!

Als Jens und mir in Malaga am Auto Museum Museo Automovilístico de Málaga (in dem man eine wirklich ungewöhnliche und schöne Sammlung sehen kann, aber dazu später mal mehr) unser Mercedes-Benz SL R231 ausgehändigt wurde, ist Jens erstmal gefahren. Also habe ich mir mein iPhone geschnappt, es per Bluetooth mit dem Comand Online Entertainment System [Serie im SL 500, sonst 2.500 EUR Aufpreis] verbunden (1 .. 2 .. 3 – fertig) und habe dann meine Teststücke abgespult. Das Harman Kardon System Logic 7 [1.310 Euro Aufpreis] Surround-Soundsystem mit Frontbass (Subwoofer links und rechts im Fussraum – wer das einmal erlebt hat, möchte es nie wieder missen, weil der Bass so herrlich den Unterkörper in Schwingung bringt) – hat geknallt, wo es knallen sollte und war klar, wo Klarheit gewünscht war. Ich war runum begeistert und für den restlichen Tag war die Läutstärke auch selten unter Maximum in unserem SL. Bei dem alternativ angebotenen Bang & Olufsen BeoSound AMG [5.770 Euro Aufpreis] System war das Klangbild noch beeindruckender – der audiophil-ansprungsvolle Kunde hat also noch Luft nach oben im Vergleich zum HK-System.

Vorhin – grosser Jammer, grosse Not – mussten wir unseren SL doch tatsächlich wieder am Flughafen in Malaga abgeben. Ich wäre den auch gerne noch bis Stuttgart gefahren. Dort haben wir noch eine Mercedes-Benz Mitarbeiterin gesprochen, die am Dach des SL mitgewirkt hat. Dach? Ja, richtig, ich erinnere mich dunkel. Wir hatten an beiden Tagen strahlenden Sonnenschein – ok, am ersten Tag auch eine Stunde sowas wie Wolken – und haben nur einmal kurz das Dach geschlossen – um zu sehen wie das so ist. Geschlossen zu fahren. Ist auch prima. Offen macht aber deutlich mehr Spass und dafür ist der SL ja da. In unserem Modell war das Panorama-Variodach mit MAGIC SKY CONTROL [3.000 Euro Aufpreis] verbaut. Auf Knopfdruck kann man bestimmen wie lichtdurchlässig das Glas sein soll. Nett, lustig, aber im Zweifel ein Feature, was ich mir schenken würde.

Nicht so die bengalroten Ledersitze. Die Sitze sind mein persönliches Ausstattungs-Highlight gewesen. Die elektrische Verstellung liess überhaupt keinen Wunsch offen, ich habe perfekt gesessen. Und auf dem letzten Teilstück des ersten Tages habe ich dann die Massage-Funktion entdeckt, die ich schon jetzt schmerzlich misse. 4 unterschiedliche Massageprogramme verwöhnen den Rücken bei der Fahrt. Hach! Ach! Hach! Wundervoll! Dazu die Möglichkeit mittels Sitzklimatisierung die Leistung der Sitzheizung zu verstellen. Mehr am Rücken, weniger am Po. So. Prima. Die 2.850 Euro Aufpreis würde ich AUF JEDEN FALL!!!!1111elf in Kauf nehmen. Wie auch den AIRSCARF (650 Euro), der den Hals mittels Luftdüsen mit warmer Luft versorgt. Ich behaupte, dass man den SL mit dieser Kombination auch im kältesten Winter offen fahren kann, denn bei zusätzlich geschlossenen Fenstern und hochgefahrenem Windschott, sitzt man schön im mollig Warmen und spürt trotzdem, dass man offen fährt.

Am zweiten Tag der Veranstaltung habe ich Jens genötigt, mit mir um 5 Uhr aufzustehen, damit wir als Extrawurst schon um halb sechs den Wagen in Empfang nehmen konnten. Wir sind dann erst durch nächtlich-morgendliche Marbella gecruised und haben die Clubgänger in Augenschein genommen – um dann pünktlich zum Morgengrauen auf einer kleiner Landzunge am Strand im perfekten Licht die in meinen Augen wirklich wunderschöne Karosse des SL in Szene zu setzen. Dafür hatte ich mir eigens bei der Fahrzeugausgabe ein mattsilbernes Modell erbeten, welches als „Edition 1“ auch mit dem AMG Sportpaket ausgestattet war. Genauere Daten zu „meinem“ SL 500 liefere ich die Tage nach. Aber hey – war das ein Licht!

Ende März kann der neue Mercedes-Benz SL R231 also beim Händler besichtigt und bestellt werden. Mangels Liquidität werde ich nicht zu den Kunden gehören – ganz im Gegenteil, zu dem graumelierten und älterem schweizer Jogger, der sich bei unserer Foto-Session am Strand zu uns gesellte und mit strahlenden Augen und einem vielsagenden Lächeln um den SL wanderte „Ich fahre noch das alte Modell“. Trotzdem möchte ich hier festhalten: Ich habe mich verliebt. Und ich freue mich, wenn der neue Mercedes-Benz dann bald unser Strassenbild aufhübschen wird, weil jede Sichtung, die Erinnerung an meinen beiden fantastischen SL-Tage wieder auffrischen wird.

Und ich hatte wirklich 2 fantastische Tage. Als Sahnehäubchen hätte man mich vielleicht noch einen alten SL fahren lassen können. Zum Beispiel den Merecdes-Benz Gullwing SL 300. Hätte .. können? Ha! Dazu aber in einem späteren Beitrag.

Habt Ihr Fragen, dafür gibt es ja die Kommentar-Funktion!

Update: Jens hat jetzt auch seinen Beitrag über den Mercedes-Benz SL veröffentlicht.