Oldtimer
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Flügeltürer in die Presse!

Die allerallerallermeisten von uns werden sich nie einen echten Flügeltürer oder einen echten 356 Speedster leisten können. Was vielleicht eher in Reichweite liegt, ist eine Replika. Jene fragwürdigen Modelle, die weder Oldtimer noch Neuwagen sind. Jene Modelle, die auf Oldtimer-Treffen immer in die Schmuddelecke müssen. Aber auch jene Modelle, an denen man sich ebenso an der atemberaubenden Form des Originals erfreuen kann. Bestes Beispiel ist wohl die AC Cobra, von der es unzählige Nachbauten gibt.

Nachbauten gibt, oder gab (?) es auch vom Mercedes 300 SL, besser bekannt als Flügeltürer. Nun schickt sich Daimler auf ziemlich uncoole Art an, den Repliken ihrer Design-Ikone den Garaus zu machen. Ein vom Zoll einbehaltenes Fahrzeug wurde nun bei Daimler verschrottet. Man beruft sich, als Internet-affiner Mensch kann man das Wort kaum noch hören, u. a. auf Urheberrechte, nebenbei noch auf Markenrechte. Es kommen Unterlassungsansprüchen und Schadenersatz in Betracht.

Ok, die Rechte an dem grandiosen Entwurf darf Daimler ja gern behalten. Ich frage mich nur, welchen Schaden hat Daimler? Außer dem Image-Schaden durch die Negativ-Berichterstattung, die nun eventuell folgen könnte. Daimler wird, da schon seit ein paar Jahrzehnten nicht mehr im Angebot, kaum ein Auto weniger verkaufen, wenn irgendwo ein paar Plastikflügeltürer rumfahren. Ganz im Gegenteil: Gut gemachte Repliken können doch geradezu Markenbotschafter sein. Das vermeintliche Problem ist auch nicht z. B. mit Rolex vergleichbar. Von dort hört man ja auch, dass z. B. zur Reparatur eingeschickte Uhren, bei denen sich im Werk herausgestellt haben soll, dass sie Nachbauten sein sollen, nicht mehr an den Besitzer zurückgeschickt, sondern dem Altmetall zugeführt wurden. Klar. Die Uhren sehen aus wie echt, werden als Originale angeboten, es handelt sich folglich um Betrug. Aber dass ein Flügeltürer aus Plastik als Original angepriesen wird? Nicht im Ernst, oder?

Und so halte ich die Geschichte für eine außerordentliche Dummheit, eine Überreaktion. Sie ist also doch noch da, die alte Markenborniertheit. Es klappt eben doch nicht so leicht, sich in der coolen Hipster-World zurechtzufinden. Dabei wäre es so einfach, eine gute Kopie, als Hommage des Originals zu empfinden.