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Fyksens Tankstelle

Warum nicht mal eine Romanempfehlung?

Für Autodeppen gibt es ja wenig ansprechende Erzähl-Literatur. Die großen Literaten sind eher nicht gerade technikaffin. Diejenigen aber, die wissen, wie herum man einen Schraubenzieher hält, haben es nicht so mit der großen sprachlichen Ausdruckstiefe.

Ein schraubender Freund drückte mir kürzlich Fyksens Tankstelle von Lars Mytting in die Hand: “Hier, das ist auch was für dich!” Die Geschichte, die in Norwegen spielt, dreht sich um eine Tankstelle, von der wohl jeder Schrauber träumt: So eine alte Tankstelle im 60er-Jahre Design als Insel der Glückseligkeit. Auf den Leser warten nicht nur viele alte Autos, die Hauptrollen spielen ein Pontiac GTO, ein Ford F150 und ein Facel Vega (ok, und ein Opel Ascona), sondern auch viele nette schrauberische Details rundum kaputte, alte Autos, samt Haynes-Werkstatthandbüchern und Kartons mit Luftfiltern (new old stock).

Der Plot ist im Wesentlichen, dass die Straße, an der Fyksens Tankstelle liegt, durch eine Umgehungsstraße ersetzt werden soll. Daraus entwickeln sich natürlich etliche Probleme, die größtenteils in Fyksens Vergangenheit verwurzelt sind. Mal geht es auf den örtlichen Schrottplatz, mal in das Hauptquartier der Tankstellenkette als Inkarnation des Bösen. Ok, die Story ist jetzt nicht so der Spannungsburner, aber das Buch ist einfach schön zu lesen, weil man sich als Schrauber immer mal wieder in den Sorgen und Nöten des Protagonisten wiedererkennt: Wie er die Autos seiner Kundschaft repariert, und das teilweise mit erstaunlichen Mitteln, wenn z. B. das ganze Dorf insgeheim ein fahrendes Ersatzteillager ist. Und es kommen auch Frauen drin vor. Mehrere. Und zwei Tote.