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Porsche 911 Carrera S oder Pure Geschmeidigkeit

Disclaimer für die Transparenz: Die Dr. Ing. h.c. Porsche AG hat mir für die Anreise nach Stuttgart zum Porsche Tennis Grand Prix einen Porsche 911 Carrera S gestellt. Wer meint, dass dies mein Urteil beeinflusst, sollte den nachstehenden Artikel erst gar nicht lesen.

Um 5:15 Uhr weckt mich jeden Morgen mein Wecker. Das macht mir nichts aus, ich bin Frühaufsteher und komme mit wenig Schlaf aus. Am Freitag morgen wache ich um 4:30 Uhr auf. Ich habe Kopfschmerzen und Herzklopfen. Beruhige Dich, es sind noch einige Stunden. versuche ich mich zu beruhigen. Erfolglos. Nach Büroschluss wird mir ein Porsche 911 Carrera S geliefert. Wahnsinn. Ich fahre das erste Mal in meinem Leben Porsche. Ich werde zum ersten Mal in meinen Leben in einem Porsche sitzen. Wahnsinn. Es ist nicht so, dass ich nicht schon vorher die Möglichkeit gehabt hätte. Aber ich habe mir einmal vorgenommen, nur in einen Porsche zu steigen, wenn ich ihn auch einen Tag lang fahren kann.

Es fällt mir wirklich schwer auf dem Weg vom Büro nach Hause nicht sämtliche Verkehrsregeln zu brechen. Ich stehe sogar 10 Minuten im Feierabendstau ohne vollkommen auszuflippen. Als ich dann in unsere Strasse einbiege, sehe ich ihn. Blau. Liegt er da. Die Fahrertür lässig geöffnet. Der gute Mann vom Fahrdienst erwartet mich schon. Herzklopfen bis zum Hals. Kribbeln in den Händen. Zunächst muss ich noch den Leihvertrag unterschreiben. Leihvertrag zwischen der Dr. Ing. h.c. F. Porsche Aktiengesellschaft […] und „Auto.Geil“ […] lese ich. Und unterschreibe. Niemand kann von mir erwarten, dass ich diesen langen Text wirklich lese. Ich will den Schlüssel. Und bekomme ihn auch prompt ausgehändigt. 20 Stunden lang gehört er nun mir. 20 Stunden lang nenne ich ihn „meinen Porsche“.

Ich bringe den Fahrer zum Bahnhof. Meine ersten Meter in einem Porsche. Man sitzt, ich bin irgendwie überrascht, sehr bequem. Und hat eine gute Übersicht – nach vorne. Und der Wagen ist sehr leise. Hinten brabbelt der Boxer-Motor sobald man das Gaspedal betätigt. Der Fahrer weist mich kurz vor dem Aussteigen noch auf den Knopf „Sport“ hin – Damit beginnt die Kapelle. Direkt darunter befindet sich ein weiter Knopf, der mit Sport Plus beschriftet ist. Ich muss grinsen. Und damit höre ich auch nicht wieder auf. Ich bin verliebt. Mit Ansage. Es ist bezeichnend. Ich habe über 20 Jahre auf diesen Tag erwartet. Viel Zeit um eine unerfüllbare Erwartungshaltung aufzubauen. Doch ich werde nicht enttäuscht. Im Gegenteil.

Er ist nicht perfekt. Nein. Ich habe einen (1!) Kritikpunkt. Das Audio-System überzeugt mich überhaupt nicht. Die Anlage verfügt über ein Touchscreen, das finde ich gut. Die anderen ganzen Knöpfe finde ich so überflüssig wie auch verwirrend. Der Klang des Burmeister-Systems überzeugt mich auch nicht. Somit bleibt die Anlage auch aus. Wozu auch, der Motor macht die Musik. Und diese ist traumhaft. Am Volant meines Porsches gab es keinen Lautstärkeregler. Nicht mehr zeitgemäß.

Gestandene Motor-Journalisten werden über die nachstehende Zusammenfassung lächeln. Alle anderen Leser, die wie ich nicht jeden Porsche und Ferrari der letzten 20 Jahre selbst gefahren sind, werden mich verstehen: Der Porsche fährt sich einfach phänomenal. Er klebt auf der Strasse, so dass jede einzelne Kurve zum Genuss wird. Die Lenkung ist präzise und direkt. Die Bremen fühlen sich einfach nur gut an. Und die Kraftentfaltung von Motor und Getriebe sind über jeden Zweifel erhaben. Ich habe das Gefühl mit dem Porsche zu verschmelzen. Und wie eine geschmeidige Wildkatze durch den Asphaltdschungel zu gleiten. Der Porsche bewegt sich mit einer Geschmeidigkeit, die ich bisher bei noch keinem Fahrzeug erlebt habe. Unterstützt wird die noch von der Form des 911er, die man auch im Fahrzeug sitzend erleben kann. Der Blick nach vorne schweift über die vorderen Kotflügel, der Blick in die Außenspiegel zeigt die geschwungenen, hinteren Backen.

Am Freitagabend breche ich Frankfurt auf. A2, A33, A44, A7, A5 … 300 Autobahnkilometer. Der Porsche 911 Carrera S ist mit Winterreifen bestückt. Mehr als 240 km/h sind nicht drin. Na und? Ganz im Ernst – man muss den Porsche nicht schnell fahren, auch wenn es ein Genuss ist. Mit 160 km/h schwimme ich bequem durch den Verkehr. Und merke dabei, dass sich der 911 als perfektes Reiseauto anbietet. Man sitzt sehr komfortabel und ermüdungsfrei. Bis 200 km/h kann man sich auch bequem unterhalten, erst danach muss man die Stimme etwas heben. Es sei denn … es sei denn, man betätigt den WILDSAU-Knopf. Porsche hat ihn dezent mit SPORT PLUS beschriftet. WILDSAU wäre treffender gewesen. Denn fährt sich der Porsche 911 Carrera S eigentlich wie ein sportliches Auto, so verändert ein Druck auf diesen Knopf sein Wesen wie bei Jeckyll & Hyde. Die Verbindung von Motor und Abgasanlage erzeugt einen Orkan im Rücken, bei jedem Schalten der sonst so fließenden Automatik bekommt man einen Schlag in den Rücken. Vorwärts. Nein. VORWÄRTS! Am kommenden Tag werde ich Muskelkater im Gesicht haben.

Hier noch ein Zusammenfassung von weiteren Informationen:  Die beiden Rücksitze kann man für Kinder nutzen. Glücklich werden diese aber nicht. Ein 2 Meter Mensch kann bequem in einem Porsche sitzen. Der Kofferraum vorne unter der Haube ist grösser als er aussieht. Zwei Blogger können ihr Zeug für ein langes Wochenende darin unterbringen (inkl. Foto und Computerkram). Die Sitzklimatisierung ist sehr angenehm. Das Schiebedach ist groß für die Abmessungen des Sportwagens. Die Belegung des rechten Rundinstrumentes lässt sich durchschalten. Unter anderem können sich die Spielkinder dort die auftretenden G-Kräfte anzeigen lassen. Ich fand die Navi-Ansicht darin sehr nützlich. Der Schlüssel des Porsche hat die angedeutete Form des 911 und hat wohl auch einen Designpreis gewonnen. Gleiches gilt für den Flaschen-/Becherhalter.

Über die Form des Porsche 911 Carrera S muss ich nichts schreiben, oder? Sie ist sowie über alles erhaben. Meine Frau ist auch eine Runde mit dem Porsche 911 Carrera S gefahren. Und war genauso begeistert wie ich. Die Kinder sowieso.

Penisverlängerung. Midlife-Crisis-Limo. Potenzspritze. Und so weiter und so fort. Egal, wie die Leute einen Porsche nennen. Nie wieder wird ihnen so ein Wort über die Lippen kommen, wenn sie selbst einmal einen Porsche gefahren sind. Für mich ist der 911er fortan nur noch die automobile Geschmeidigkeit.

Fragen? In die Kommentare bitte.