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Probefahrt: 2012 Mercedes-Benz C 63 AMG Coupé (C204)

Disclaimer für die Transparenz: Mercedes-Benz hat mir das Mercedes-Benz C 63 AMG Coupé als Presse-Testfahrzeug zur Verfügung gestellt. Wer meint, dass dies mein Urteil beeinflusst, sollte den nachstehenden Artikel erst gar nicht lesen.

Zuerst hörst Du nur ein dumpfes Grollen. Daraus entwickelt sich das herrliche Blubbern eines V8-Motor. Du drehst Dich um und suchst nach dem Amischlitten, der doch da irgendwo kommen musst und entdeckst – ein Mercedes-Benz C Coupé. Und dann guckst Du erst ungläubig, dann bewundernd. Nein? Doch! Denn so ist die Außenwirkung des 2012 Mercedes-Benz C 63 AMG Coupé aus der Baureihe 204. Ich weiß das, weil ich ihn gefahren bin. Und ich habe Leute wie Dich an der Straße stehen sehen. Und deren Reaktion war fast immer gleich.

Ein Mercedes-Benz C Coupé mit einem 6.3 Liter (6208 cm³ um genau zu sein) V8 Motor und einem Sound, der Schokolade zum Schmelzen bringt. Hinreizend. Wenn Du Dich wunderst, warum der Fahrer dieses Fahrzeugs die Seitenscheibe immer einen Spalt breit offen lässt, so kann ich Dich erhellen. Weil man den Sound so besser im Innenraum geniessen kann. Mehr als einmal habe ich mir gewünscht, ich könnte aus meiner den AMG lenkenden Haut schlüpfen und mich 500 Meter nach vorne beamen – nur um mich selbst vorbeifahren zu hören. Es ist dieser Klang, der in Verbindung mit der Mercedes-Benz üblichen Qualität diesen Wagen so besonders entzückend macht. Ein niedliches Detail am Rande – auf dem Motor befindet sich eine Plakette auf der sich der gute Mann verewigt hat, der eben jenen Motor zusammengeschraubt hat.

Der 2012 Mercedes-Benz C 63 AMG Coupé hat 457 PS und läuft 295 km/h laut Tacho. Ich bin ihn nicht ausgefahren, habe aber anbei gesessen. Es ist nicht so, dass ich es nicht auch mit etwas Aufwand (warte bis die Autobahn frei genug ist) geschafft hätte, aber – ich überrasche mich selbst – es war mir nicht so wichtig. Denn neben dem Klangbild von Motor und der AMG Sportabgasanlage mit zwei verchromten Doppelendrohren war die Beschleunigung des AMG mein persönliches Highlight. Klar ist es nett im Geschwindigkeitstunnel. Sicher spült es eine Menge Adrenalin durch den Körper, aber unter uns – es macht nicht halb so viel Spass wie das Beschleunigen. Eine Beschleunigungszeit von 4,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h gibt Mercedes-Benz an. Zahlen. Pah.

Du trittst aufs Gas und dann heißt es auf brutalste Weise VORWÄRTS! Die Fliehkräfte drücken Dich dabei so in den Sitz, dass Du inständig betest, dass Deine Arme den Kontakt zum Lenkrad nicht verlieren. Die zusätzliche Digitalanzeige der Geschwindigkeit im Rundinstrument scheint in 20iger Schritten hochzuzählen. Und wenn Du dann den Fuss wieder vom Gas nimmst und sachte auf die Bremse steigst, spürst ein wohliges Gefühl von Erleichterung und ein zwanghaftes Grinsen, was sich so gar nicht mehr aus Deinem Gesicht lösen will.

Und dann löst sich Deine Anspannung und Du findest Dich in dem wunderschönen Innenraum eines Mercedes-Benz C Coupés wieder. Der eigentlich über jeden Zweifel erhaben ist. Die Sitze sind wohlgeformt, bieten einen guten Seitenhalt und erzeugen selbst nach 500 km Fahrt in Rücken eines Mannes Anfang 40 nicht für einen Hauch von Rückenschmerzen. Ein hübsches Detail zu den Sitzen: Klappt man die Rückenlehne nach vorne, um jemand in den Fond einsteigen zu lassen – was übrigens auch Erwachsenen zuzumuten ist – so gleitet der Sitz von einem Elektromotor getrieben sanft nach vorne, um das Einsteigen zu erleichtern. Das Sportlenkrad lässt sich nach jedem Wunsch verstellen, ist griffig und fährt sich zum Aussteigen auf Wunsch ebenfalls nach oben.

Ich bin befangen, ich liebe die Haptik von Mercedes-Benz. Ich fühle mich nach dem Einsteigen einfach wohl. Das Mercedes-Benz C 63 AMG Coupé lässt sich durchaus als Familienauto nutzen. Sicherlich sind vier Türen von Vorteil, aber die Kinder sind auch schnell hinten reingesprungen. Der Kofferraum fasst auch gerne einen Wocheneinkauf – am Platzangebot scheitert es bestimmt nicht – zumindest wenn die Familie aus nur 4 Köpfen besteht. Ich möchte den Designer gratulieren, die dem C204 Coupé eine schöne fliessende Linie mitgegeben haben ohne dabei den Innenraum unkomfortabel schrumpfen zu lassen.

Sicherlich muss man keine 457 PS haben. Sicherlich gibt es ökonomisch sinnvollere Fahrzeuge. Aber wenn man sich ein Mercedes-Benz C 63 AMG Coupé leisten kann – die nackte Version liegt bei 73.000 Euro – dann kann ich nachvollziehen, dass man es tut. Denn mit dem C 63 bekommt man nicht nur ein Auto an die Hand, was brachial schnell geradeaus fahren kann. Auf der Landstrasse fängt der Spass erst richtig an. Überrascht hat mich der AMG auf meiner kleinen Teststrecke, deren Strassenbelag wirklich nicht der deutschen Normvorstellung entspricht. Statt wildem Rumgehoppel sass ich da doch sehr komfortabel in meinem Ledergestühl und hatte trotzdem nicht das Gefühl, dass der AMG nicht wie ein Brett auf der Strasse liegen würde. Wunder der Technik!

Um Besitzer seines Führerscheins zu bleiben, empfiehlt es sich übrigens den elektronischen Getriebedrehschalter vorzugsweise im Fahrprogramm „C“ zu belassen. Die Sportlichen Programme „S“ und „S+“ sind bedacht zu wählen. Denn sonst zeigt der Schutzmann hinter der grün gewordenen Ampel auch gerne mal die Kelle, ob der zu hohen Geschwindigikeit, die sich da aus der brachialen Beschleunigung ergeben hat. Wer hingegen mit den Jungs gerne Fast-n-Furious spielt, der darf sich auch die Race Start-Funktion freischalten. Diese sorgt dann dafür, dass der Mercedes auch die Beschleunigungswerte erreicht, die da in den technischen Daten steht. Mir hat Sportplus gereicht.

Das verbaute Comand Online, mit dem ich auch eine Statusmeldung bei Facebook setzen konnte, hat mich in Verbindung mit dem Karman/Kardon-Boxen überzeugt. Blackberry oder iPhone anzuschliessen war ein Kinderspiel, der Klang ist prima, insbesondere die Bässe knallen schön, wenn man will. Meine Autoboxen-Test-Mix hat die Anlage so wiedergegeben, wie ich mir das wünsche. Definitiv meine Empfehlung für die zu wählende Zusatzausstattung!

Mein Fazit: Das 2012 Mercedes-Benz C 63 AMG Coupé C204 ist ein wunderschönes und vor allem dezentes Auto, was einen extrem hohen Spaßfaktor mit sich bringt. Es ist ein gutes Gefühl im eleganten Mercedes-Interieur zu weilen, wohl wissend, dass man mit einem Druck aufs Gaspedal pure gute Laune entfachen kann.

Wer noch mehr Fahreindrücke zum Mercedes-Benz C 63 AMG Coupé lesen möchte – eine Gruppe von 7 Bloggern ist mit dem Coupé zum DTM-Start nach Hockenheim gefahren.