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Mit dem Porsche 911 Carrera S auf dem Sachsenring

Disclaimer für die Transparenz: Porsche hat mich zum Sachsenring eingeladen, d.h. sie haben die Reise- und Hotelkosten übernommen. Wer meint, dass dies mein Urteil beeinflusst, sollte den nachstehenden Artikel erst gar nicht lesen.

Ich bin Kontaktlinsenträger. Und ich habe gute Linsen, die nicht so schnell austrocknen. Damit Linsen nicht austrocknen, muss man hin und wieder mal blinzeln. Nach 6 Runden auf dem Sachsenring in einem  Porsche 911 Carrera S waren meine Linsen nahezu ausgetrocknet. Mein erstes Mal, dass ich ein Fahrzeug auf einer kompletten Rennstrecke bewegen durfte. Wahnsinn.

Porsche hatte mich nach Chemnitz auf den 3670 Meter langen Sachsenring eingeladen. Es galt die Agilität des neuen 911ers auf der Rennstrecke, auf der auch der Große Preis von Deutschland der Motorrad-WM ausgetragen wird, kennen zu lernen. Und die Effizienz der Porsche Panamera V6 Modelle im Umland des Sachsenrings. Um kurz vor acht Uhr morgens setzt mich der Fahrer am Sachsenring ab, ich bin als erster Teilnehmer vor Ort. Neun Stunden später muss ich den Kollegen von Speedheads loseisen, damit uns – als letzte verbliebene Teilnehmer – der Fahrer noch pünktlich zum Flughafen Dresden bringen kann. Neun Stunden Sachsenring. Neun Stunden in denen ich ein Medley aus “Flieger, grüß mir die Sonne” von Extrabreit und “Mambo” von Grönemeyer nicht aus dem Kopf bekomme:

Piloten ist nichts verboten, Wenn es sein muß drum gib Vollgas und flieg um die Welt! / Es trommeln die Motoren, es dröhnt in meinen Ohren. / Dein Leben, das ist ein Schweben durch die Ferne, die keiner bewohnt!

Die Rennstrecke ist am frühen Morgen noch an einigen Stellen nicht ganz abgetrocknet, so dass ich zuerst mit dem Kollegen Struck den Porsche Panamera Hybrid durch das Umland bewege. Kollege Habegger begleitet uns in einem Porsche Panamera V6. Dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt in einem ausführlichen Artikel. Nur so viel schon mal – es macht viel Spass mit Kollegen zusammen zu arbeiten, die auch nicht mosern, ein und denselben Streckenabschnitt immer und immer wieder zu fahren, um Videoeinstellungen in den Kasten zu bringen und ein paar schöne Fotos zu schiessen.

Nach der Mittagspause geht es dann für mich das erste Mal auf die Rennstrecke. In einem Porsche 911 Carrera S. Ich, warte mal, ICH(!) fahre in einem PORSCHE(!) auf die RENNSTRECKE(!). Ich bin angespannt. Wie verrückt. Und komme mir auch wie ein Fahranfänger vor. Im Vorfeld habe ich den Porsche-Mitarbeitern und den Kollegen gelauscht. Die kennen anscheinend jede Kurve auf jeder beliebigen Rennstrecke in Europa nicht nur vom Namen, sondern fachsimpeln welchen Gang man da nimmt und in welcher Geschwindigkeit man die Kehre eben wie am besten nimmt. Jo. Sicher. Gibt mir mal bitte noch 10 Jahre, dann rede ich mit. Mein Porsche ist rot. Soviel kann ich sagen. Wobei ich von der Außenfarbe dann nicht mehr all zu viel mitbekomme.

Denn ich sitze jetzt erstmal im Porsche. Spiegel und Sitz sind perfekt auf mich eingestellt. Vor mir rollt ein Porsche 911 Carrera S Cabrio an. In dem Wagen sitzt unser Fahr-Instruktor, der mir und den 2 Kollegen hinter mir die zu fahrende Ideallinie aufzeigen wird. Neben mir in der Türablage liegt ein Walkie-Talkie über das ich noch zusätzlich Anweisungen von ihm erhalte. “Los geht’s! Folgt mir.” Verstanden. Ich nehme den Fuß von der Bremse und mein Porsche setzt sich langsam in Bewegung. Mein Hände umschliessen das Lenkrad so fest, dass es eigentlich vor Schmerz aufschreien müsste. Durch die Boxengasse. Dann nimmt das Cabrio langsam Fahrt auf und ich folge. Eine enge Rechtskurve und wir sind auf der Rennstrecke.

Die erste Runde ist einfach. Naja. Was man so einfach nennt, wenn man nicht schreiben will, dass man begierig alles aufsaugt, was da aus dem Walkie-Talkie kommt und versucht selbiges auch umzusetzen, während man die Linie des voraneilenden Wagens versucht nachzuzeichnen. Auf der Zielgrade gebe ich Gas und fühle mich wie ein verkannter Röhrl. In der zweiten Runde folgt dann auf dem Fuß die totale Ernüchterung. Ich hangle mich tapfer von Pylone zu Pylone, die eigens für uns aufgestellt wurden, um Brems- und Einlenk-Punkte zu markieren. Die Linie des Instruktors treffe ich nur noch zufällig. Auf der Zielgerade schere ich rechts aus, damit der Kollege hinter mir, nun die Spur des Instruktors aufnehmen kann. Während der dritten Runde bricht mein Ego. Zwei Mal spricht die Stimme aus dem Walkie-Talkie zu uns den gleichen Satz “Wie fahren jetzt etwas langsamer, damit die anderen aufschliessen können.” Die anderen. Das bin ich. Der Bremser (Im Gegenteil zum Kollegen Habegger, dessen Artikel sich auch entsprechend dynamisch liest: Elfer Lustspiel am Sachsenring).

In den nächsten drei Runden gebe ich mir einen Ruck. Das Ego lasse ich schmollen und ziehe jetzt meine Runden mit dem Wohlfühl- und Genuß-Faktor. Und nach und nach merke ich auch, dass der 911er weit mehr kann und mitmacht als ich mir das so gedacht hatte. Immer einen Hauch schneller durch die Kurven. Immer ein weniger auf die Bremse. Die Pylonen sind meine Freunde. Als wir nach der 7ten Runde, die zum Abkühlen von Auto und Fahrer genutzt wird, wieder in die Box fahren, freue ich mich wie ein kleinen Kind. Weil wir nach einer kurzen Pause wieder raus fahren werden. Für weitere sieben Runden.

Nach meiner Rückkehr, als ich mit leuchtenden Augen meiner Frau von meinem Tag erzähle, meint diese nur “Ach, Du bist hinter einem anderen hinterher gefahren.” Pah. Ja. Bin ich. Und das war auch gut so. Andernfalls hätte ich vermutlich die 80 km/h Grenze kaum überschritten. An einer Stelle fährt man auf eine Kuppe zu (Große Kuppe – 7). Und sieht nichts. Dahinter verbirgt sich ein leichte Kurve. Selbst beim dritten Passieren ist mir noch unwohl da richtig Gas zu geben. Ähnlich seltsam geht es mir bei der Queckenberg-Kurve (11), in der man bergauf auf die Start/Zielgerade kommt. Am Ende dieser Gerade befindet sich die “Coca Cola”-Kurve. Das die Kurve dort kommt, weiss ich seit der ersten Runde, den richtigen Bremspunkt suche ich bis zum Schluss. Auf den beiden Geraden traue ich mir, mal meine Augen von der Strecke vor mir auf das Rundinstrument schweifen zu lassen. In den 180igern bewege ich mich da.

Der Porsche 911 Carrera S fährt sich einfach phänomenal. Dank PASM, dem Stabilitäts-System des Porsche, kann ich testen, wo meine persönlichen Grenzen liegen. Der Carrera kann aber viel mehr, das lerne ich ein paar Stunden später als mich Konstrukteur als Beifahrer mitnimmt. Kann ich grinsen und gleichzeitig staunend den Mund aufreissen. Ja, kann ich. Weiss ich jetzt. Kann man mit einem Carrera bergauf driften? Ja, kann man. Vielleicht nicht jederman, aber Mann (am Steuer) kann. Diese Runde ist auch meine letzte auf dem Sachsenring und für mich auch der krönende Abschluss. Was für ein Tag. Was für ein Spaß. Was für ein Glückspilz ich doch bin.

“Den 911er braucht eigentlich kein Mensch. Aber man kann ihn sowohl zum Brötchen holen fahren, als auch auf der Rennstrecke.” sagt jemand irgendwann an diesem Tag. Das mit dem Brötchen holen muss ich bei Gelegenheit mal testen, das glaube ich so noch nicht 🙂 Aber das mit der Rennstrecke habe ich jetzt erfahren. Das ist kein Marketing-Blabla. Was den ersten Satz des Statements angeht, so möchte ich das Statement angepasst wissen. Den 911er braucht kein Mensch – außer der Jan. Der braucht den wirklich! Als mir der gute Mann vom Fahrdienst “meinen” Porsche 911 Carrera S übergeben hatte, meinte er sinngemäß dazu “Ich wünsche Ihnen viel Spaß, aber passen Sie auf, der 911er verleidet Ihnen schnell den Spaß an anderen Autos.” Den Spaß an Autos kann mir gar nichts verleiden, aber der Porsche 911 Carrera S ist schon <gollum>meeeiiinn Schaaatz .. meeeeiiiin Schaaaatz, wo ist meieiein Schaaaatz?</gollum>