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Probefahrt: Der Porsche Cayman R – Radikal!

GASTBEITRAG: Kim-Christopher Granz schreibt unter designlovr.net über Design, Fotografie und Werbung. Im Dialog mit der Werbebranche und mit deren Persönlichkeiten im Fokus, stellt er täglich neue Bewegungen und Trends vor und diskutiert diese und alles, was die Welt im kreativen Sinne sonst noch bewegt.

Mein 23. Geburtstag stand unter dem Stern: „Reduzierung – auch eine Art, Extreme zu steigern.“ Schon die Headline des Leihvertrages macht mir unmissverständlich klar, dass Porsche mit dem kleinen Bruder des 911 Carrera einen hochspezialisierten Jäger, gezeichnet von Kraft, Agilität und gute Reflexe, auf die Straße gebracht hat, der vermutlich das Fahrerlebnis eines Sportwagens um einiges zu schärfen vermochte. Nach einer kurzen Unterschrift auf dem Leihvertrag wurde mir der Schlüssel für den Zuffenhausener Rennboliden überlassen und meine viertägige Reise – selbst an meinem Geburtstag saß ich 16 Stunden im Auto – konnte beginnen!

Alleine der Gedanken nun für vier Tage einen Porsche sein Eigen nennen zu dürfen, war ein absolut geniales, ach was, ein einfach unglaubliches Gefühl sage ich Dir! Schon durch das tiefe Einsteigen in den Porsche Cayman R verspürte ich eine angenehme Verbundenheit mit dem Auto und schnell wurde das Verlangen nach „Mehr“ in mir geweckt! Doch immer ruhig mit den „jungen Pferden“.
Als eigentlicher Design Enthusiast galt es sich erst einmal ein gesamt Bild bezüglich des Ex- sowie Interiors zu verschaffen: „Maximieren durch reduzieren“, so lautet resultierend die Faustformel beim Design des Porsche Cayman R.

Aus den gewonnenen Design-Eindrücken ließ sich schließen, dass der Cayman R kompromissloser, schärfer und radikaler sein sollte als je ein Porsche zuvor und dabei war den Ingenieuren anscheinend jedes Mittel recht, solange es dem Fahrer zugute kommt – ein konsequentes Mittelmotorkonzept in Verbindung mit rigoroser Gewichtseinsparung und nochmals gesteigerter Leistung im Gegensatz zum kleineren Porsche Cayman S. Kurz: 55kg weniger und 10 Pferdestärken mehr!
Mittlerweile ging einige Zeit ins Land und so langsam hielt mich nichts mehr! Ich musste den Schlüssel umdrehen: Ein absolut geiles Geräusch beim Anlassen des 3,4-Liter-Boxermotors bot sich mir. Mein Gefühl in dem Moment als die Sechszylinder geflutet werden? Ich kann es Dir kaum beschreiben!

Glücklicherweise befindet sich hinter meiner Haustür eine meist unbefahrene Autobahn mit rund 12 Kilometer Wegstrecke. Eine ideale Länge für die 330 Pferdestärken des Cayman R!
Kaum an der Autobahnauffahrt angekommen noch schnell das kleine „Zauberknöpfen“ Sport+ gedrückt und schon ging es ab! Auf die abrupte Kick-Down-Berührung des Gaspedals reagierte der Cayman R mit radikalem Vorwärtsdrang und beschleunigte in rund 5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Und damit nicht genug! Bei 280 km/h hörte der Cayman auf zu beschleunigen! Kaum war die Spitzengeschwindigkeit erreicht, folgte auch ein fast schon erwarteter Kommentar von der Beifahrerseite: „Mehr geht nicht?!“ – HALLOOO – 285 – ZWEIHUNDERTFÜNFUNDACHTZIG?! Mehr muss denke ich nicht dazu gesagt werden, oder was meinst Du?!

Das Fahrgefühl des Cayman R ist durch das 20mm tiefergelegte und neu abgestimmte Fahrwerk im Gegensatz zum Cayman S ein echtes Erlebnis für den Rücken! Durch die unterschiedlichen Druckstufen der 4 Stoßdämpfer ist selbst eine Langstrecke von rund 550 Kilometer an einem Stück möglich, ohne das irgendwelche Beschwerden auftreten! Vielleicht kann es aber auch sein, dass ich einfach so viel Benzin im Blut hatte, dass mein Rücken gar keine Zeit gefunden hat, irgendwelche Wehwehchen zu signalisieren *schmunzel*.

Die Zeit mit „meinem“ Porsche verging wie im Flug. Schnell waren die vier Tage um. Doch dann bot sich mir am letzten Tag noch ein besonderes Schmankerl: Auf der Autobahn irgendwo in Mitteldeutschland überholte mich in einer 120er Zone ein Lamborghini LP 570-4 Spyer Performante. Konnte ich mir das so einfach bieten lassen? Mit bedacht das der Lamborghini mit seinen rund 570 PS meinen kleinen Alligator vermutlich nur zum „spielen“ hernehmen würde, lies ich mir die Chance nicht entgehen: Sport+ Taste gedrückt und Gas!
Nach zwei, drei kleinen Sprints unter Berücksichtigung der Straßenverkehrsordnung zog ich gleich auf. Wir lächelten uns an und verständigten uns auf einen gemeinsamen „Boxenstop“ auf dem nächstgelegenen Parkplatz. Das Ende vom Lied? Eine Einladung in die Privatgarage eines Liebhabers, der neben Lamborghini seit rund 32 Jahren Porsche fährt und einen 911 Carrera GT3 RS in seiner Garage stehen hat!

Nach 96 Stunden hieß es dann „Auf Wiedersehen Cayman R!“. Mit einer Träne im Auge winke ich „meinem“ davon fahrenden Porsche hinterher und denke mir: Welche nächste Bank lohnt es sich zu überfallen?!
Für mich als mittlerweile 23-jährigem einstigen „Ich-mach-kein-Führerschein-Muffel“ – ich habe meinen Führerschein erst mit 20 gemacht – ist in diesen 4 Tagen ein wahrer Traum in Erfüllung gegangen: „Ein mal im Leben einen Porsche fahren!“

Bedanken möchte ich mich abschließend noch einmal bei Jan, der mir einige Textzeilen hier in seinem Blog zur Verfügung gestellt hat, um zu erfahren was es heißt ein „Auto-Blogger“ zu sein. Ebenso möchte ich mich auch hier noch einmal bei der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG für die tolle Unterstützung bedanken – Vielen vielen Dank!

Fotos: Kim-Christopher Granz, Camillo Pfeil