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Abgefahren: Nissan Juke-R

Disclaimer für die Transparenz: Nissan hat mich zur Testfahrt des Nissan Juke-R eingeladen, d.h. sie haben alle Reisekosten und die Bewirtung übernommen. Wer meint, dass dies mein Urteil beeinflusst, sollte den nachstehenden Artikel erst gar nicht lesen.

Wie erzeugt man Aufmerksamkeit? Unter anderem durch Polarisieren. Und genau das hat Nissan mit dem Nissan Juke-R getan. Sie haben die knuffige Verpackung ihres SUVs Nissan Juke genommen und darin das Herz (V6 Biturbo mit 3,6 Liter Hubraum) und die Technik ihres Sportwagens Nissan GT-R (man spricht es jiiitiiiarrrr und nicht gehtee-rrrr aus, wie ich gestern lernen durfte) implantiert. Eins von zwei dieser Unikate durfte ich selbst lenken.

Mattschwarz foliert mit einem englischen Kennzeichen steht er da in der Einfahrt einer Halle und funkelt mich knuffig böse an. Mein Co-Pilot für die folgenden 45 Minuten heisst Frank Eickholt, der an diesem Wochenende beim 24h Rennen am Nürburgring sein Bestes auf der Strecke zeigen will und dort auch schon etliche Erfolge vorweisen kann. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob Frank auf mich oder den Nissan Juke-R aufpassen soll. Ich bin auf jeden Fall nicht unglücklich, dass er da sitzt.

Erstmal heißt es aber einsteigen. Und das ist gar nicht so einfach. Ein Käfig und Sportsitze weisen mich daraufhin, dass ich mich nicht mal eben in einen Alltagswagen plumpsen lasse. Nein, ich klettere über die Strebe des Überrollkäfigs in den Sportschalensitz und benötige auch noch Hilfe, die ganzen Gurte zusammenzustecken. Immerhin, ich kann noch atmen.

Dieser Atem wird mir dann beim Anlassen der 480 PS Aggregats gleich wieder genommen. Verdammt hört sich diese Kiste böse an. Sei erstmal sehr behutsam mit Gas und Bremse und achte darauf, dass beide Pedale sehr eng zusammen liegen. ermahnt mich mein Beifahrer. Verstanden. Durch eine 30-Zone rolle ich von unserer Location zur Landstrasse. Und da trete ich dann auch das erste Mal auf Gas. Von Sound her habe ich das Gefühl, dass ich direkt auf dem Motor sitze – dieser befindet sich aber vorne unter der Haube. Der Klang den Motor und Abgasanlage erzeugen ist dumpf, grollend. Auf dem Weg zur Autobahn mache ich mich vorsichtig mit Gas und Bremse vertraut.

Dann auf der schönen, guten, deutschen Autobahn bin ich enttäuscht. Das Ding überzeugt mich sogar nicht. Die Tachonadel zeigt auf die 140, das Biest ist verflucht laut dabei. Naja. Mehr Schein als sein. Ich drücke nochmal beherzt aufs Gas, die 200 sollte ich doch wenigstens knacken. Natürlich geht das nicht. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h. Ich bremse runter auf 80, ein etwas längerer Blick auf den Tacho. 80. Herr im Himmel! MEILEN!!!! Äh. Ok. Das hätte man auch erwähnen können, nein? Umrechnung von Meilen auf Kilometer war Faktor 1,6irgendwas. Macht aus 140 mal eben 224 km/h. Ok. Ich bin ganz plötzlich nicht mehr so enttäuscht. Hoffe allerdings, dass bislang nirgendwo jemand mit diesen lustigen Laserpistolen stand, wo ich doch eigentlich völlig regelkonform gefahren bin.

Auf dem Rückweg richte ich mich dann auch nach den kleinen roten Zahlen auf dem Rundinstrument. Und dann ist die Fahrt auch schon vorbei. Die anderen Blogger wollen auch mal. Ich fühle mich mächtig geehrt. Ich bin eben einen von zwei weltweit existierenden Nissan Juke-R gefahren. Der andere ist ein Rechtslenker. Der Wert des Nissan Juke-R wird mit 450.000 Euro angegeben. Grüchten zufolge will Nissan den Juke-R in einer Kleinserie anbieten. Sicherlich wird sich auch dafür eine Käuferschicht finden. Das Spaßmobil mit Motorsport-Ambitionen ist auf jeden Fall interessant.

Ob man den ’normalen‘ Nissan Juke nun mag oder nicht, unstrittig ist wohl schon, dass das R-Spoilerpaket zusammen mit der Tieferlegung und den 20″ Zoll Felgen dem Wagen einen ganz anderen Look geben. Dem Durchschnittsdeutschen sollten die serienmäßigen 190 Turbo-PS wohl auch reichen. Ich werde den ’normalen‘ Juke die Tage mal zum Testen bekommen und bin gespannt, wie sich die „Strassenversion“ im Alltag schlägt.