Probefahrten
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Unterwegs mit dem Höllenhund: 30 Minuten mit dem Nissan GT-R

Disclaimer für die Transparenz: Nissan hat mich zur Testfahrt des Nissan Juke-R und GT-R eingeladen, d.h. sie haben alle Reisekosten und die Bewirtung übernommen. Wer meint, dass dies mein Urteil beeinflusst, sollte den nachstehenden Artikel erst gar nicht lesen.

Ein letzter Blick in den Rückspiegel, hinter mir kommt niemand. Ich bringe den Wagen zum Stehen. Vor mir liegen etwa 800m gerade Landstrasse. Ich atme einmal kurz durch. Und dann trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Der Nissan GT-R fängt an zu beschleunigen. 40 km/h steht auf der Digitalanzeige unten im Rundinstrument, was mir zentral im Cockpit die Drehzahl des 550 PS starken 3.8 Liter V6 Bi-Turbo-Motors anzeigt.

Wenn in einem beliebigen Science-Fiktion-Film das Raumschiff auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, dann werden ja aus den Sternen lustige Streifen. Während der GT-R weiter beschleunigt tut sich in meiner Wahrnehmung ein ähnliches Phänomen auf. Die Digitalanzeige springt von 40 direkt auf 80 und dann weiter auf 120 km/h. Für einen Augenschlag überkommt mich ein panisches Gefühl der Hilflosigkeit. Dann funktioniert mein Gehirn wieder und ich nehme einfach den Fuss vom Gas und leite den Bremsvorgang ein.

ALTER SCHWEDE! staune ich. Mit RAWETTER unterstreiche ich meine Verblüffung. Wir Blogger können ja am besten schreiben, wenn wir etwas erlebt haben. Seit langem finde ich nicht die richtigen Worte, um das Erlebte auf den Punkt bzw. in meinen Blogbeitrag zu bringen.

Einen Teil meiner Kindheit habe ich auf einem Segelflugplatz verbracht. Beim Windenstart steht da am Ende der Startbahn ein Gerät, was man Seilwinde nennt. Mit einem dicken Motor angetrieben, wird ein Drahtseil eingeholt. An diesem Drahtseil hängt am anderen Ende der Startbahn das Segelflugzeug. Der Windenfahrer beschleunigt langsam die Winde. Somit nimmt das Segelflugzeug Fahrt auf. Der Wind sorgt für den Auftrieb des Seglers, der Pilot sorgt dafür, dass sich das Flugflug mehr oder weniger plötzlich in einem 90° Winkel abhebt. Du sitzt dann in Deinem Sitz und starrst in den Himmel, bis sich das Flugzeug in Bogenform gestiegen wieder parallel zum Boden befindet. Wer einen Windenstart schon einmal mitgemacht hat, weiss sofort, wie sich die Beschleunigung beim Nissan GT-R anfühlt.

Du hast noch nie einen Windenstart mitgemacht. Ok, zweiter Versuch. Vor gut 25 Jahren habe ich im Rahmen meiner Schullaufbahn ein Praktikum bei einem Elektro-Installateur gemacht. Der Meister fuhr einen BMW M5. Als er auf der Autobahn den Kickdown genutzt hat, habe ich das erste Mal in meinem Leben gespürt, wie einen die Beschleunigung in einem Auto in die Sitze drücken kann. Beim GT-R presst es Dich nicht in die Sitze – man braucht zwar ungefähr eine halbe Stunde bis man sich den Sitz richtig eingestellt hat, aber danach ist man quasi mit dem Auto verschmolzen, da kann man nicht gepresst werden – vielmehr hast Du das Gefühl, dass es Dein Gehirn für einen Moment durch den Kopf schnellen lässt.

Für Jens Wilde ist der Nissan GT-R “das böseste Auto, was ich je gefahren bin”. Ich verstehe so, was er meint. Vor meinem Start unterhalten sich zwei Andere über das Auto. Ich höre den einen sagen, dass viele den Nissan GT-R nicht so mögen, weil er zu einfach zu fahren ist. Es wäre zu viel Technik integriert, so dass das Auto alles mitmachen würde. Ja klar. Sicher. Ich bin eben nur ein normaler Autofahrer. So genial die Beschleunigung des GT-Rs auch ist, ich finde den Wagen anstrengend. Wer das Gaspedal nicht zärtlich mit dem Fussballen streichelt, kann auch gleich seinen Führerschein verbrennen. Die Bremsen sind griffig und auf den Punkt. Der GT-R liegt auf der Strasse wie ein Brett, dass sich mittels Unterdruck niemals von der Fahrbahn lösen wird. Alles prima. Alles perfekt. Der Sound ist dumpf grollend. Im Prinzip hast Du ständig das Gefühl, dass der Nissan Dich fragt “Was willst Du denn mit mir auf dieser Strasse, wo ist die Rennstrecke?”.

Und sonst? Entschuldige, ich bin gefahren. Ich kann nicht mal sagen, was der an Ausstattung hatte. Doch. Ein Bose-System. Habe ich auch angemacht. Nur damit ich später nicht nur über die Beschleunigung schreiben kann. Das Bose-System schafft es, den Motor zu übertönen. Mehr weiss ich nicht. Ich habe es gleich wieder ausgestellt. Radio hören kann ich den ganzen Tag. Den GT-R Motor hören ging eben nur diese 30 Minuten.

Ach ja. Ich hatte ein bisschen Spaß. Uhm. Ein bisschen …