Probefahrten
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2012 Nissan 370Z GT-Edition – urban street machine

Auf dem Weg von Bielefeld nach Osnabrück nehme ich immer die Nebenstrecke. Zwischen einem Kaff namens Dornberg und einem anderen Kaff namens Werther (Ja, dem Namensgeber von Werther’s Echte.) gibt es ein langgezogene Kurve bergauf mit einer Auslaufgeraden bis dann auf der rechten Seite so ein olles 70 km/h-Schild steht. Auf diesem Stück kann man wunderschön hochbeschleunigen (natürlich nur bis 100 km/h). Wenn niemand vor einem her schleicht. Mit 60. Dann hat man nämlich die Pappnase auf, weil auf dem Stück aus verständlichen Gründen eine durchgezogene Linie das Überholen verbietet. Prima. So einen hatte ich vor mir.

Nachdem man dann durch Werther gefahren ist, kann man allerdings überholen. Direkt nach dem Ortschild ist erst noch eine unübersichtliche Kurve, sofort danach presse ich das Gaspedal des Nissan 370Z voll durch und schere links aus. Das Gaspedal hat einen leichten Widerstand. Tritt man es nur ein Stückchen, schaltet das 7-Gang-Automatikgetriebe einen Gang zurück, nach dem Widerstand sind es glich zwei Gänge. Der Nissan 370Z schiesst nach vorne. Der 328 PS starke 3.7 Liter V6 gibt mit einem lauten Röhren seine Energie an die Hinterachse weiter.

Ein paar Augenschläge später habe ich 3 Fahrzeuge passiert und schere wieder ein. Ein kurzer Blick in den Rückspiegel. Holla. Ein schwarzer Ford Mustang überholt ebenfalls die Schleicher und schliesst zu mir auf. Aus den Bose-Lautsprechern drücken die Bässe von Saliva’s „Click Click Boom“. Für einen Augenblick bin ich versucht das Gaspedal noch einmal bis zum Anschlag durchzudrücken. The fast and the furious eben. Die Vernunft siegt bis zum nächsten Kreisel. ESP raus. Und im lockeren Drift durch den Kreisel, lasse ich den Mustang-Fahrer meine beiden Auspuffrohre aus den Augen verlieren. Uhm. Naja. In meinem Tagtraum. Während ich den Nissan 370Z jedoch flott durch den Kreisel steuere, biegt der Mustang schon an der ersten Ausfahrt ab.

In einer Woche habe ich mit dem Nissan 370Z GT-Edition gut 600 km mit einem Durchschnittsverbrauch zwischen 12 und 15 Litern (Nein, ich bin nicht sparsam gefahren, somit sind diese Zahlen auch nicht wirklich representativ) als daily driver zurückgelegt. Lediglich für den Wocheneinkauf habe ich ihn stehen lassen. Und ich mag den Wagen wirklich richtig gerne! Wie unsere ganze Familie. Für mich ist der Nissan 370Z ein richtig ehrliches Auto. Er hat 2 Sitze. Fertig. Nicht irgendwelche Pseudo-Notsitze im Heck, wo eh niemand länger als 10 Minuten sitzen kann. 2 Sitze. Das muss eben reichen (Die Kinder habe ich einzeln zu Schule und Kindergarten gebracht. Nicht wirklich effizient, aber den beiden hat es gefallen). In den Kofferraum (235 Liter) passen 2 IATA-Kabinen-Trolleys oder eben stattdessen ein großer Koffer. Und selbst dann ist noch Platz für kleine Taschen. Hätten wir keine Kinder – so sind meine Frau und ich uns sicher – der Nissan 370Z wäre ein Auto, was wir definitiv in die engere Wahl ziehen würden.

Im Innenraum fühlt man sich geborgen, sportlich verpackt (die Türverkleidungen in Rauleder-Optik fand ich sehr ansprechend) und hat doch ausreichend Platz. Das Dashboard ist aufgeräumt und übersichtlich. Das Touchdisplay und die zugehörige Knöpfchen-Konsole sind einfach zu bedienen. Das iPhone ist fix ge’pair’t und ich mag dieses kleine pfiffige Detail des Fachs unter der Armablage in der Mittelkonsole, welches die Durchführung des iPhone-Kabels vom innenliegenden USB-Anschluss nach aussen zulässt, ohne dass man das Kabel einklemmt (Ein anderes Highlight ist für mich auf jeden Fall der im seitlichen Z-Logo integrierte Blinker!). Das sollten sich wirklich alle anderen Hersteller mal abgucken! Beide Sitze sind 2fach (vor/zurück und die Lehne) verstellbar, den Rest erledigt man über die Drehregel an der Sitzwange. Der Fahrersitz hat zudem noch eine mechanische Lordose-Stütz-Verstellung. Das Lederlenkrad ist angenehm griffig und man kann vom Lenkrad aus alle notwendigen Funktionen mitbedienen. Die Schaltwippen finde ich sehr gelungen, vor allem die schwarze Gummierung an den Kanten hat einen sportlichen Touch. Ein Blogger-Kollege meinte (allerdings ohne den 370Z selbst mal gefahren zu sein), ihm würde die Haptik des Nissan nicht gefallen. Dazu kann ich nur „Tztztztz“ sagen. Ich empfehle dringenst eine Probefahrt beim nächstgelegen Nissan-Händler.

Die Rundumsicht ist ok. Man sitzt tief und der Sichtschlitz nach hinten reicht auf, um den Verkehr zu überblicken. Beim Einparken hilft die Rückfahrkamera (gehört zu dem 2610 Euro teuren Entertainment-Paket) ungemein. Beim Schulterblick sieht man so gut wie gar nichts. Da heisst es, den umliegenden Verkehr stets im Augen zu behalten. Dies ist eigentlich der einzige Kritikpunkt, den ich wirklich am Nissan 370Z habe.

Was wollt ihr sonst noch wissen? Ach? Die Fahrleistung? Es gibt da im Süden von Deutschland einen Hersteller, der wirbt mit dem Claim „Freude am Fahren“. Nissan kann problemlos für den Nissan 370Z den Slogan anpassen: „Echte Freude am Fahren“. SPASS! Das macht der 370Z. Und zwar ohne Ende. Neulich sass ich im Garten und wartete auf die Rückkehr des Nissan. In Erwartung eines brüllenden Motors habe ich die Ankunft nicht mitbekommen, denn den 370Z kann man auch sehr leise und behutsam bewegen. Kann man. Muss man aber nicht. Wohl ist es aber so, dass der Nissan einem keine rasante Fahrweise aufzwängt. Man kann auch entspannt mit 100 km/h cruisen. Denn man weiss ja, was passiert, wenn man aufs Gas tritt.

Das brüllt der V6 laut auf. Im zentral platzierten Drehzahlmesser gibt es ein Lämpchen, was rot flackert, wenn der Schaltvorgang eingeleitet werden sollte. Die Automatik hat das Schalten ja in meinem Testwagen übernommen. Aber das Lämpchen verrichtet trotzdem seinen Dienst. Beim Hochbeschleunigen von 0 auf irgendwas (auf einer abgesperrten Strecke) ergibt sich dann ein schönes Zusammenspiel zwischen Akustik und Visuellem: Tritt aufs Gass. Der V6 heult auf. Der Zeiger des Drehzahlmessers bewegt sich in den roten Bereich. Kurzes Flackern der Kontrollleute (im ersten Gang auch gerne noch mal Synchron dazu die ESP-Leuchte). Schalten. Drehzahl sinkt ab. Motor wird kurz leiser und brüllt dann wieder los. Usw. Usf. Ein Fest für die Sinne. In 5,6 Sekunden hat man übrigens die 100 km/h-Marke erreicht. Bis man bei 250 km/h (hier wird dann elektronisch abgeregelt) ist, dauert es ein wenig länger, wobei da eher andere Verkehr aufhält als die Leistung des Motors.

Das Fahrwerk ist hart. Trotzdem ist meine Auf-dem-Weg-zur-Arbeit-Hoppelstrecke auch für den Rücken erträglich. Der Nissan 370Z liegt super auf der Strasse. Und ich liebe die direkte Lenkung. Kurven. Das mag der Nissan und ich in ihm. Vorne sorgen 245/40 R19, hinten 275/35 R19 für ausreichenden Grip auf der Strasse. Am meisten Spass hat mir der Nissan gemacht, wenn ich von seinem tollen Durchzug profitieren konnte. Ob nun beim Überholen auf der Landstrasse oder auf der Autobahn. Die Leistung gefällt!

Ich verstehe nicht, warum man nicht mehr Nissan 370Z auf der Strasse sieht. Diese wunderschön sportliche Coupé kostet in der von mir gefahrenen GT-Edition 45.290 Euro. Empfehlen würde ich auf jeden Fall das Entertainment-Paket für 2.610 Euro, die BOSE-Lautsprecher, die ich prima fand, sind in der GT-Edition per Serien-Ausstattung dabei, wie auch die schönen 19″ Felgen. Selbst mit Parkpiepsern und Zick udn Zack, bekommt man den Nissan 370Z GT-Edition für unter 50.000 Euro. Im Vergleich zu dem anderen auf dem Markt befindlichen Spass-Geräten ein verdammt gutes Preis-/Leistungsverhältnis, möchte ich meinen.

Noch Fragen? Bitte gerne in die Kommentare …

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