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2012 Mercedes-Benz G 63 AMG (W463) – Rock’n’Rock

Wenn man aus dem Mercedes-Benz G Professional aussteigt und danach alsgleich in einen Mercedes-Benz G 63 AMG einsteigt, bekommt man mitunter einen Kulturschock der ganz besonderen Art. So sehr sich die Aussenhaut der beiden Fahrzeuge doch gleich, im Innenraum ist der Unterschied so gross wie Tag und Nacht.

Heult mein MÄNNERherz im G Professional noch laut jubelnd auf, so versinkt meine Seele im Mercedes-Benz G 63 AMG eher im totalen Wohlgefallen. Der Geruch von Leder und gewienerte Oberfläche der edlen verbauten Materialen versetzen mich in Verzücken. Kann man dies noch toppen. Oh ja, man und auch Mann kann. Ich kann auch. Ich drehe den Zündschlüssel. Uhhhh … YEAH! Die in V-Stellung angeordneten 8 Zylinder des 5,5-Liter-AMG-Biturbomotor beraten in Wallung. Und mit Ihnen mein Blut. Ich drücke kurz den wunderschönen, in der Mittelkonsole platzierten Wahlhebel der AMG SPEEDSHIFT PLUS 7G-TRONIC, wie Mercedes-Benz/AMG das Automatikgetriebe bezeichnet, nach hinten. D wie Drive! Ich will fahren. Ich will Spass. Los geht es.

Ich bekomme Spass. Vorerst lenke ich die G-Klasse noch durch das niedliche französische Bergstädtchen zum Ortsausgang. Noch kurz ein Klick auf die netten Knopf neben dem Wahlhebel. Comfort habe ich schon, jetzt soll Sport passieren. Ein beherzter Tritt auf das Gaspedal.

5 Minuten später fahre ich rechts ran und gucke unter den Wagen. Irgendwo muss da ein kleines Männchen sitzen, was mit einem Hammer auf ein Blech schlägt. Immer, wenn ich beschleunige. Verdammt. Den haben die Ingenieure doch gut versteckt. Ich steige wieder ein. Fuss aufs Gas. Der Schläger nimmt wieder seinen Dienst auf und das Hämmern fährt durch meine Glieder direkt in meinen Kopf, wo es in einem breiten Grinsen endet. Verdammt, wie verdammt cool! Ein Blick auf die AMG Sportabgasanlage beweist, dass die Faszination trotz zahlreicher Fortschritte bei der Effizienz nicht zu kurz kommt: Zwei vor den Hinterrädern platzierte Doppelendrohre je Fahrzeugseite sind für den emotionalen, AMG-typischen Achtzylinder-Sound verantwortlich. schreibt Daimler da so nüchtern in die Pressemitteilung. Blasphemie! denke ich beim Lesen dieser Zeilen. Der Sound, den die Jungs da gezaubert haben ist schlichtweg atemberaubend.

Und passt damit hervorragend zu den Fahrleistungen. 544 PS leistet der V8 mit seinen 5461 cm3 Hubraum. Dabei springt dann ein Drehmoment von 760 Newtonmetern heraus. Damit sprintet der 2012 Mercedes-Benz G 63 AMG allradgetrieben dann mal eben von null auf 100 km/h in gerade mal 5,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 210 km/h elektronisch begrenzt. Zahlen pah. Ab auf die Landstrasse. Vor mir nichts ausser eine lange Gerade, hinter mir nicht. Kurz die G-Klasse zum Stehen bringen. Fuss aufs Gas. Und bevor Du richtig anfangen kannst zu grinsen, weil Du wegen dem Gefühl in Deinem Bauch auch gar nicht anders kannst, hat die Nadel des Rundinstrumentes bereits die 100 km/h-Marke bereits erreicht. Anders gesprochen. Versuch mal 2.5 Tonnen auf 275er Reifen zu schieben. Und jetzt überleg Dir, was passieren muss, ob den Block auf 100 km/h zu beschleunigen. Hammer. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Wie eben dieses Männchen, was die da irgendwo versteckt haben.

Man möge mich übrigens nicht falsch verstehen. Der Mercedes-Benz G 63 AMG ist nicht laut. Mitnichten. Der sportliche Klangkunstwerk von Motor und Abgasanlage sind das einzige, was man überhaupt hört, wenn man denn mit dem Gas-Pedal und dem Sportpaket spielt. Sonst läuft die AMG G-Klasse butterweich über die Bergstrassen. Man hat einiges getan, um den Geräuschkomfort noch zu steigen, erklärt mir einer der Experten vor Ort später. NVH-Maßnahmen heisst das im Fachjargon und bedeutet in Fall des G 63 AMG, dass Daimler die Lagerungen von Getriebe und Motor optimiert hat, um Vibrationen und somit auch den Geräuschpegel zu senken. Auszublenden mag man fast sagen.

Zum Beispiel für das dringend anzuratende Sitzkomfort-Paket (1600EUR), das stimmige Harman/Kardon-Logic7-Surround-Soundsystem (900EUR), Parktronic mit Rückfahrkamera (1400EUR) oder die DISTRONICPLUS (1900EUR), die ich ja in jedem Daimler dazu bestellen würde. So empfiehlt sich der AMG wohl eher für eine Käuferschicht, die sich über Benzinpreis und Verbrauswerte keine Sorgen machen muss. Bei der angegebenen Effizienz-Klasse steht das G auf keinen Fall für geizig.

Was bekommt der Käufer für sein Geld. Ein geländegängiges Fahrzeug (denn JA, das G beim G 63 AMG steht nach wie vor für G-Klasse und das heisst: 22 cm Bodenfreiheit, 60cm Wattiefe, Steigfähigkeit bis 80% und fahrstabil bis Schräglagen von 54%), was einem das Sicherheitsgefühl vermittelt, man würde in einem Panzer fahren, hingegen den Komfort einer S-Klasse bietet und mit sportlichen Fahrleistungen aufwartet, die man von einem Vehikel mit dem AMG-Schriftzug eben erwartet.

Andere Stimmen: Kiki Albrecht, ihres Zeichens Fashion-Bloggerin, hatte mir beim Warten auf den Rückflug schon verraten, dass die Mercedes-Benz G-Klasse auf der Liste Ihrer Lieblingsfahrzeuge ganz oben steht – wer mehr wissen will, liest ihren Beitrag: Designobjekt der Begierde: Die neue G-Klasse & der GLK von Mercedes-Benz. Chromjuwelen-Ralf Becker hat Ralf Bielefeld nach Frankreich geschickt, der mit ohne Führerschein trotzdem seinen Spass hatte: Mercedes-Benz: Thronjubiläum für die G-Klasse. Und Kollege Ralf Berendt hat auch schon seinen Bericht veröffentlicht: Mercedes-Benz G: G wie Gipfelstürmer.