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Probefahrt: der neue Mercedes-Benz A 200 / 220 CDI BlueEFFICIENCY (W176)

Als Autoblogger kommt man schon ein wenig herum. Ich war in diesem Jahr allein schon vier Mal in Spanien. Mercedes-Benz hatte sich für die Präsentation der neuen Mercedes-Benz A-Klasse eine erfrischend andere Umgebung ausgewählt: Slowenien. Ich muss gestehen, dass ich mit der Erwartungshaltung in den Flieger gestiegen bin, in einem maroden Land mit welkem Ostblock-Charme zu landen. Asche auf mein Haupt. Slowenien hat sich mir als nette Mischung zwischen Bayern und Italien präsentiert – mit schöner Landschaft und tollen Strassen. Und auch wenn uns das Wetter am ersten Tag mit Dauerregen nicht gerade verwöhnt hat, ich hatte zwei wunderschöne Tage in Slowenien mit einem lauschigen Abschluss in der kleinen, aber feinen Hauptstadt Ljubljana.

Am ersten Tag bin ich mit meinem Wingman und Designlovr Kim Granz den Mercedes-Benz A 200 CDI BlueEFFICIENCY gefahren, am Abend hatten wir die Möglichkeit den Mercedes-Benz A 250 Sport über einen gesperrten Flugplatz zu scheuchen (dazu später mehr) und am zweiten Tag hatten wir uns einen Mercedes-Benz A 220 CDI BlueEFFICIENCY ausgesucht. Letzterer wird erst im Herbst eingeführt, findet sich somit noch nicht im Online-Konfigurator und es steht auch noch kein Grundpreis fest. Bjoern ist die Benziner gefahren und hat seine Eindrücke in seinem Blog niedergeschrieben: Mercedes-Benz A-Klasse – Erster Eindruck

Ich bin ja zweifelsohne ein Mercedes-Fan. Das heißt aber nicht, dass ich alles gut finden muss, was Daimler so tut, macht und fabriziert. Als Mercedes-Benz 1997 mit der A-Klasse die Baureihe W168 vorgestellt hat war ich von der Stuttgarter Interpretation eines Kleinwagens mehr als enttäuscht. Für meinen Geschmack einfach nur hässlich und vom Innenraum auch nicht wirklich überzeugend, konnte ich mich mit dem W168 so ganz und gar nicht anfreunden. „Das ist kein Mercedes-Benz!“ habe ich damals gesagt und sehe das auch heute noch so. Daran hat auch die Modellpflege 2004 in Form des W169 etwas geändert. Hässlich. Kein Mercedes-Benz. Basta. Dann hat Daimler 2005 auch noch die B-Klasse (T245) in ähnlich hässlicher Form vorgestellt – bah! Kompakte Daimler – nicht wirklich überzeugend. Letztes Jahr durfte ich dann die neue B-Klasse (W246) testen und war schlichtweg begeistert. Statt behäbigem hässlichen Kompaktesten präsentierte mir Daimler einen kompakten, agilen Mercedes-Benz – innen wie aussen ein gelungener Kompakter, wie ich finde.

Nun hat sich Mercedes-Benz ja auf die Fahne geschrieben, seine Käuferschaft und somit auch seine Modell-Palette zu verjüngen. Und als ich das erste Mal das Concept A gesehen habe, wollte ich nicht glauben, dass es Daimler sooo ernst damit meint. Ich weiss noch, wie ich im Juni letzten Jahres bei Mercedes-Benz im Design-Center vor dem Concept-Car stand und inständig gehofft habe, dass sich das Serienmodell doch bitte, bitte möglichst nah an dem Concept orientieren möge.

In Genf kam dann bei der Präsentation der neuen Mercedes-Benz A-Klasse die Bestätigung: Doch sehr sehr nah an der Studie. Erfrischend nah. Mein erster Eindruck: Endlich ein echter kompakter Mercedes-Benz.

4 Monate später lasse ich mich auf den Beifahrersitz eines Mercedes-Benz A 200 CDI BlueEFFICIENCY in der „AMG Sport“-Linie, den ich aufgrund der Sonderlackierung in designo mountain grey MAGNO gewählt habe, plumpsen. Dabei zerreißt es mir die einzige Shorts, die ich mitgebracht habe. Ich halte fest – die Sitzposition der neuen A-Klasse ist deutlich niedriger – fast 20 Zentimeter tiefer als beim Vorgänger, den älteren Herrschaften wird das nicht gefallen. Mir schon. Die Hose war alt und ich muss eh unbedingt abnehmen. Die Sitzposition ist prima. Die Sitze – in unserem Tester befinden sich die Sportintegralsitze – sind perfekt. Ich mag gar nicht mehr aussteigen. Nicht mal die starren Kopfstützen stossen irgendwie negativ auf. Mein Blick streift durch den Innenraum – aaaaahhhhhh! – ich sitze wirklich in einem Mercedes. Ich mag ja das Design der neuen Luftdüsen, die ich schon aus der B-Klasse und dem neuen Mercedes-Benz SL kenne. Armaturen, Wählhebel der Automatik rechts am Lenkrad, Lenkrad – wie man es aus einem aktuellen Mercedes eben kennt. Alles am richtigen Platz. Ich bin begeistert. Lediglich das Display des Entertainment-Pakets wirkt ein wenig planlos eingesetzt.

Während wir uns auf den Weg zum ersten Treffpunkt machen, zeigt sich Sloweniens Himmel von einer eher unfreundlichen Seite. Es regnet. Und regnet. Und regnet. Auf dem Weg passieren wir einige Kollegen in ihren Fahrzeugen. Und ich stelle für mich fest, dass ich dem Heck der neuen A-Klasse in der freien Wildbahn doch wesentlich mehr abgewinnen kann als ich das aufgrund der Präsentation in der Messehalle erst dachte. Insbesondere bei einsetzender Dämmerung kommt die Rückleuchten besser zur Geltung und zeigen eine doch sehr ansprechende Linie des Hecks. Die Front und die Seitenansicht mochte ich schon bei der Vorstellung in Genf sehr.

Nach der Hälfte der Strecke tausche ich den Beifahrer- gegen den Fahrersitz und lenke den A 200 CDI BlueEFFICIENCY eine 75 km lange Strecke zu unserem Hotel im slowenischen Badeort Portorož. In unserem Tester werkelt ein Reihenvierzylinder mit 1796ccm Hubraum, der 136 PS leistet. Während mich Fahrwerk und Lenkung, sowie die ganze Haptik im Innenraum vollends überzeugen, empfinde ich den 200 CDI BlueEFFICIENCY in Verbindung mit dem 7 Gang Automatikgetriebe (7G-DCT) als wenig agil. Der Druck aufs Gas wird erst nach einer Gedenksekunde der Wagens mit Vortrieb belohnt. Und dieser Vortrieb presst einen auch nicht gerade in die Sitze. Eine nette – vor allem vernünftige – Kombination, die einen prima von A nach B bringt, aber schon etwas an Fahrspass missen läßt.

Am nächsten Tag zeigt sich dann das Wetter von seiner besten Seite. Und wir haben uns einen Mercedes-Benz A 220 CDI BlueEFFICIENCY in polar silber geben lassen. Was ich beim 200 CDI vermisst habe, liefert der 220 sofort. Fahrspass! Der Druck aufs Gaspedal wird sofort in Leistung umgesetzt. Das Automatikgetriebe harmoniert meines Erachtens perfekt mit dem Motor. Ich habe Spass beim Fahren. Und das liegt nicht nur an der strahlenden Sonne, die mein Haupt durch das geöffnete Schiebedach beglückt. Auch das schwarze Leder-Interieur-Paket „Red Cut“ (Teil des AMG Exklusiv-Paket für knapp 1250 Aufpreis – meine Empfehlung ) mit den roten Nähten von Sportlenkrad und Sitzen unterstreicht optisch sehr schön das sportlichere Fahrerlebnis. Der Mercedes-Benz A 220 CDI BlueEFFICIENCY leistet 170 PS, die er aus 2.143 ccm Dieselhubraum zieht. Ich mag diese Kombination wirklich. Auch wenn ich den Benziner A 250, der aus 1991 ccm Hubraum 211 PS zieht und im Sprint von 0 auf 100 km/h mit 6.6 Sekunden den Diesel mit 7.8 Sekunden abhängt, der 220 CDI wäre meine Wahl – definitiv. Agil und laufruhig. So mag ich es.

Man darf nicht vergessen – die A-Klasse ist ein Kompaktwagen. Wenn auch eine Premium-Version, der verfügbare Platz ist begrenzt. In den Kofferraum passen zwei Kabinen-Trolleys und ein paar flache Tasche, das Gepäck einer vierköpfigen Familie bringt man dort nicht unter. Wenn ich fahre, hat ein Erwachsener im Fond hinter mir wenig Spass auf längeren Strecken. Dem heranwachsenden Nachwuchs kann man dies vielleicht durchaus noch zumuten. Dies muss ich mal testen, wenn ich die A-Klasse mal ein paar Tage als Tester bekomme.

Und dann noch: Das Haarmann-Kardon System hat mich nicht völlig überzeugt. Ich kann es nicht in Worte fassen, was mir fehlte – andere Kollegen waren begeistert – mir fehlte irgendwie die Seele in der Musik. Das COMAND ONLINE rockt, wie in allen anderen Daimlers, die ich zuletzt gefahren bin und wäre auf jeden Fall Teil meiner Konfiguration. Die Darstellungsqualität des ansprechend grossen Displays fand ich sehr gut. Das Navigationssystem entspricht dem hohen Daimler-Standard. Die Klimaanlage THERMOTRONIC kühlt perfekt, aber auch das Fahren mit offenen Fenstern und dem grossen Schiebedach (wäre bei 1050 Euro Aufpreis auch Bestandteil meiner Konfiguration) macht Spass bei einem nicht zu hohen Rauschpegel. Die Rückfahrkamera funktioniert so, wie man sich das wünscht. Prima finde ich auch, dass mit dem DISTRONIC PLUS (automatisch Abstand halten) einer meiner favorisierten Assistenten Einzug in die Kompakt-Klasse gefunden hat. Schade, dass ich es versäumt habe, den aktiven Park-Assistent inkl. PARKTRONIC auszuprobieren. Das muss ich dann auch bei einem Vorort-Test nachreichen.

Spannend wird es noch mal ab September 2012. Dann ist man das „Drive Kit Plus für das iPhone®“ als Zubehör lieferbar und wird die Verschmelzung von iPhone und A-Klasse vorantreiben. Wir konnten uns das System zwar präsentieren lassen (habe ich leider zeitlich nicht geschafft), aber noch nicht im Fahrzeug testen. Ich bin gespannt auf die Veröffentlichung.

Mein Fazit nach 2 halben Tagen mit der neuen A-Klasse: Der W176 ist ein richtiger Mercedes-Benz. Innenraum und Aussenhülle haben mich genauso überzeugt wie die Kombination aus 170PS Diesel mit dem 7G-DCT. Preislich genauso premium wie ausstattungsseitig, ist die neue A-Klasse nicht für jedermann erschwinglich, wohl aber durchaus begehrenswert. Ich freue mich schon, wenn man mehr neue A-Klassen im Strassenbild sehen wird.

Fragen?

Weitere Auto-Blogger-Stimmen gefällig? mein-auto-blog.de, autophorie.de, mbpassion.de und auto-diva.de.

Eine andere Sicht gefällig? Reisebloggerin Heike über die neue Mercedes-Benz A-Klasse, Lifestyle-Ikone McWinkels Sicht auf die neue A-Klasse (bei 2:48 im VLOG hört ihr meine fundierte Meinung …), Foto-Blogger Teymur Madjderey mit wundervollen Impressionen oder auch Blogger-Urgestein Robert Basic beschreibt seine Eindrücke.