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smart ebike – ein Erfahr’ungsbericht

smart war so nett und hat eine meiner führerscheinlosen Wochen mit der Teststellung eines smart ebikes versüsst. Insgesamt bin ich 70 km mit dem smart ebike gefahren. Heute ist es leider wieder abgeholt worden. Zeit um ein kleines Fazit zu ziehen:

Ich bin begeistert! Das smart ebike ist eigentlich genau das „Fahrrad“, was ich bräuchte. Entsprechend meiner nicht optimalen körperlichen Verfassung unterstützt es mich da, wo mein Körper (noch) nicht die erforderliche Leistung bringen kann. Dabei bewege ich mich! Und im Ernst, jede Bewegung ist besser als keine Bewegung. Zudem macht es Spass!

Fangen wir aber ganz von vorne an. Das smart ebike ist ein Fahrrad, welches über einen Hinterradnaben-Elektromotor verfügt. Dieser bekommmt seinen Strom von einer mittig im Rahmen angebrachten Lithium-Ionen-Batterie, die sich zum Beladen auch herausnehmen lässt und 3.3 kg wiegt.

Häme und Spott habe ich von einigen geerntet, als ich mit dem smart ebike vor oder vorbei gefahren bin. Faulpelz! hat man mich genannt. „Unwissende“ kann ich dazu nur sagen. Das smart ebike fährt nicht von selbst. Es gibt auch keinen Gashebel und kein Gaspedal. Man muss schon selbst in die Pedale treten. Dabei unterstützt das ebike dann in 4 Stufen, die man an dem kleinen, abnehmbaren Cockpit vorwählen (während der Fahrt aber auch verändern) kann. Zu den 4 unterstützenden Stufen gibt es auch 4 Stufen, bei denen man den Akku wieder aufladen kann. Dabei muss man dann aber schon mächtig in die Pedale treten. Und gefühlt ist der Energiegewinn nicht allzu gross. Bei jeder Bergabfahrt hingegen ist das ein feines Feature, wenn ich auch anmerken muss, dass ich mir hier die Umschaltung am Griff wünschen würde, denn bei Tempo 40 dann am Cockpit rumzufummeln empfinde ich als etwas gefährlich.

Vor jeder Bergabfahrt steht ja in der Regel eine Bergauffahrt. Bei jeder einzelnen wäre ich am liebsten abgestiegen und hätte das smart ebike geküsst. Denn hier spielt das Bike seine volle Stärke aus. Ein Berg oder Anstieg, der mit einem „normalen Fahrrad“ unebzwingbar scheint, ist für den Lenker des smart ebikes keine Hürde. Nebenstehender Screenshot (von der iPhone.app runtastic, die ich bei meinen Fahrten habe mitlaufen lassen) zeigt dies ganz prima. Ungeachtet der Anstiege kann man die Geschwindigkeit fast problemlos halten. Die Höchstgeschwindigkeit bis zu welcher der Elektromotor unterstützend eingreift ist 25 km/h. Danach kann man nur noch durch Muskelkraft höhere Geschwindigkeiten erreichen. Dafür braucht man eben keinen Führerschein, um das smart ebike zu bewegen. Man muss auch kein Helm tragen, wie mein Modell Jens auf dem Aufmacherbild zeigt, man sollte aber aus Selbstschutz!

Ich bin mit dem smart ebike ein wenig vor der Haustür herum gefahren und habe auch Nachbarn und Freunde eine Runde drehen lassen. Zudem bin ich zwei Mal mit dem smart ebike ins Büro gefahren (4x20km). Dabei hatte ich eigentlich immer das Licht angeschaltet und bin auch mit voller Unterstützung des Motors gefahren. Der Akku hat also ohne erneutes Beladen gehalten knapp 90 km, wobei ich auch nicht sicher bin, ob er bei Übergabe wirklich ganz voll war. Das vollständige Beladen des Akkus dauert 12 Stunden, das Netzteil entspricht in Größe und Gewicht einem Notebook-Netzteil und kann bequem überallhin mitgenommen werden.

Ist die Batterie jedoch mal unerwartet vollends entladen, so kann man mit dem smart ebike wie mit einem ganz normalen Fahrrad weiterfahren. Mit der 3-Gang-Nabenschaltung kommt man so auch ganz gut von Fleck, allerdings melden die Beine dann schon recht schnell zurück, dass das Rad mit eingesetztem Akku 22 kg wiegt und nicht gerade ein Leichtgewicht ist. Trotzdem ist dies natürlich ein grosser Vorteil gegenüber dem Elektro-Auto, bei den man ohne Strom halt da stehen bleibt, wo einem der Strom ausgeht.

Das Handling des smart ebike ist – wenn man sich das hohe Gewicht vor Augen hält – völlig einfach. Sowohl bei schnellen Bergabfahrten als auch in der Innenstadt beim Zirkeln um die Fussgänger hat mich das ebike überzeugt. Die Scheibenbremsen greifen hervorragend. Der Elektromotor ist nicht hörbar. Die Geräuschkulisse des ebikes entspricht der eines normalen Fahrrads mit Nabenschaltung. Die Pedalen sind gross und ergonomisch, man kann sie aber auch beispielsweise gegen Click-Pedale austauschen. Dank Carbon-Zahnriehmenantrieb hat man auch keine Kettenschmiere am Beinkleid zu fürchten. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich auch nur ansatzweise unsicher gefühlt. Was mir aber gefehlt hat – und ich denke, da wird smart bei der nächsten Modell-Revision auch noch nachlegen – ist eine gefederte Vordergabel. Ich brauche kein vollgefedertes Rad, aber auf dem Weg zur Arbeit waren die Wege nicht allzu gut beschaffen und jeder Schlag rutscht sofort in die Handgelenke. Für den Einsatz im Wald eignet sich das smart ebike somit nur in Grenzen. Wobei – damals™ als ich noch jung war – wir hatten ja nichts – sind wir auch ohne Federungen durch die Wälder gerast. Selbst nachrüsten kann der geneigte Käufer ja eine gefederte Sattelstütze. Auch wird Smart wohl weiteres Zubehör (iPhone-Halterung, Gepäckträger, …) anbieten, so ist es zumindest auf der Webseite angekündigt, auch wenn auf der Preisliste noch kein optionales Zubehör zu finden ist.

Der Preis des smart ebike findet man dort schon. Egal ob nun in weiß/grün, wie sich mein Test-ebike auf den Bildern präsentiert oder in grau/orange – das smart ebike kostet 2849 Euro. Wem das auf einen Schlag zu viel ist, der kann über die Mercedes-Benz Bank auch finanzieren: 638 Euro anzahlen und dann 99 Euro monatlich 2 Jahre lang.

Ich sehe vier spannende Anwendungsgebiete für das smart ebike. Erstmal wäre es für mich selbst interessant. Mit der elektrischen Unterstützung ist die Fahrt zur Arbeit kein reiner Kraftakt, sondern eine angenehme Möglichkeit, sich an der frischen Luft sportlich zu betätigen – ohne später vollkommen verschwitzt bei der Arbeit anzukommen. Würde ich in einer Grossstadt wie Berlin oder Hamburg wohnen, dann wäre die Anschaffung eines smart ebikes jetzt von der Familie schon beschlossene Sache. Nicht jeder braucht ein eigenes, aber ein Familien-ebike. Ich kann damit zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren, der Nachwuchs nimmt es dann abends um fix von A nach B zu kommen. Als Agenturchef in einer der hippen Metropolen würde ich das smart ebike (oder 2-3) meinen Mitarbeitern für die Mittagspause und für Botengänge zur Verfügung stellen. Und zu guter Letzt – für Personen, die keinen Sport finden, mit dem sie ihr Übergewicht bekämpfen können sowie für ältere Leute (sofern sie die Möglichkeit haben, das ebike bei Nichtnutzung ebenerdig abzustellen), die sich gerne mit dem Fahrrad bewegen, aber trotzdem gerne etwas mehr Sicherheit hätte, ist das smart ebike wie gemacht.

Ich freue mich, vielleicht das Brabus ebike testen zu dürfen. Das ist deutlich schneller, zum Lenken benötigt man aber einen Führerschein …

Weitere Fragen? Die beantworte ich gerne in den Kommentaren! Hier noch einige Impressionen:

Andere Blogger über das smart ebike: Auto-Diva, Alternativantriebe, Autorild und rad-ab.com zum Brabus ebike.