Oldtimer, Probefahrten
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Die Legende im Turbo-Revier: Porsche 911 turbo, 86. Jahrgang

Wie fängt man einen Artikel an, wenn dieser sich um einen Oldtimer dreht? Wie zollt man besonders in diesem Fall dem „alten“ Boliden den nötigen Respekt? Um das hier gleich von Anfang an mal klarzustellen: Ich rede hier nicht von irgendeinem „Turbo“ bzw. „Oldtimer“, sondern von dem „turbo“. Dabei ist besonders die kleine und vor allem kursive Schreibweise von besonderer Bedeutung.
Mit Sicherheit gab es schon vor ihm Serienautos mit dem Zusatz „Turbo“, doch in Sachen Legendenbildung keines mehr so polarisierend nach ihm. Die ersten Testfahrten mit dem Porsche 911 turbo wurden im Jahre 1975 gemacht und schnell war klar: Er war zum damaligen Zeitpunkt das schnellste Auto Deutschlands. Selbst „Der Lange“, auch besser bekannt als Walter Röhrl, soll sich vor dem turbo ein wenig gefürchtet haben. Und das mag schon etwas heißen, der Walter und Angst!

Mit diesen doch eher leicht beängstigen Informationen im Hinterkopf ging es für mich in Richtung „Industriegebiet Stade Süd“, einem kleinen Stadtteil der Hansestadt Stadt. Hier wartete schon Michael May, Gründer und Geschäftsführer der nahezu gleichnamigen KFZ-Werkstadt „kfz-team-may“, mit seiner Lady, seinem Porsche 911 turbo auf mich. Da stand er, der „Über-Elfer“ von Porsche. Echte Enthusiasten schwören darauf, dass die Sportwagen-Welt seit der Vorstellung des 911 turbos eine andere ist.
In Zuffenhausen eigentlich als Basisauto für den Motorsport geschaffen, wuchs der 911 turbo nach einer Reglementänderung zu einem massenkompatiblen Sportwagen für Jederman heran, schwerer und luxuriöser. Die Sitze aus Leder, die vollautomatische Heizung sowie die vier Gänge mussten reichen. Ein Elfer für die Spazierfahrt? Für den Sonntagsausflug? Kaum vorstellbar, doch ich wollte es heraus finden!

Kaum ins Gespräch gekommen fing Michael an zu philosophieren: Frauen, Porsche und eine gewisse Portion aus beidem. Doch letzten Endes kam wir an einen Punkt, der mich kratzig und nervös wurden lies. Michaels Hand glitt in die Hosentasche seines Blaumann. Langsam zog er sie wieder heraus. Er holt aus. Da flog er, der Schlüssel, genau in meine Richtung. Ergänzt um die Worte, die man als „Jungstar“ in Kombination mit einem „echten“ Sportwagen hören möchte: „Viel Spaß mit dem turbo, lass es krachen!“. Diese Chance lies ich mir nicht zwei Mal sagen…

Nach den ersten Metern war klar, dieser Elfer ist anders, aber dennoch ein absolut berechtigter Elfer. An der Autobahn angekommen, begann das Inferno bei hohen Drehzahlen: Der KKK-Lader macht sich bemerkbar. Bei 3500 Touren ging die Post ab, mit 0,8 Bar Ladedruck, und bei 4000 Touren startete dann die Rakete mit solch einer Macht, dass es mich einfach nur noch in Richtung Horizont katapultierte. Schnell und Hart. Der Geräuschpegel tat das, wozu er konzipiert schien, er sorgte für eine freie linke Spur. Als die sich die Tachonadel bei 250 km/h einpendelte, fing ich das erste mal an darüber nachzudenken, was hier eigentlich gerade mit mir passiert: Ich sitze in einem Auto, dass älter ist als ich und dennoch die meisten aktuell produzierten Automobile dermaßen ins Hinterstübchen katapultieren würde, dass ich aus dem Staunen nicht mehr heraus kam. Genau in diesem Moment endete die Autobahn. Scheiße!
Zurück auf der Bundesstraße zuckelte ich über die Dörfer wieder so langsam in Richtung Werkstatt. Um noch einmal auf die Spazierfahrt-Frage zurück zu kommen: Systembedingt kann der 911 turbo für Spazierfahrten genutzt werden keine Frage, doch sollte man diesbezüglich in Sachen Tankkosten und Spritverbrauch keinen Stacheldraht ums Portemonnaie haben!

Wieder in der Werkstatt angekommen, stieg ich mit einem dermaßen breiten Grinsen aus einer echten Sportwagen-Legende, dass selbst Michael als echte Porsche Enthusiast lauthals anfing zu lachen. Doch kein Problem da stehe ich drüber!
Abschließend beschäftigt mich jedoch nach wie vor noch eine wie ich finde absolut berechtige Frage: Wie zollt man besonders in diesem Fall solch einem „alten“ Boliden, einer echten Sportwagen-Legende den nötigen Respekt in Artikelform? Letzten Endes bin ich zu folgendem Endschluss gekommen: Setz dich selber in dieses Auto, drehe den Zündschlüssel um und genieße das anschließende Inferno in vollen Zügen. Gespannt warte ich auf Dein Kommentar hier auf Auto-Geil.de!

In diesem Sinne…