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Mercedes-Benz Driving Events – Basic Training in Gross Dölln

Disclaimer für die Transparenz: Mercedes-Benz hat mich zu dem Basic Training von Driving Events eingeladen. D.h. sie haben meine Anreise, eine Hotelübernachtung und die Kosten des Trainings selbst übernommen. Wer meint, dass die meine Objektivität trübt, sollte den Beitrag erst gar nicht lesen – sich aber trotzdem auf jeden Fall mit dem Gedanken beschäftigen, selbst ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren, denn darum geht es.

Ich fahre jetzt seit gut 23 Jahren Auto. Ich hatte ein paar Unfälle, davon zwei bei denen ich wirklich viel Glück hatte. Wie jeder Autofahrer, der im Jahr mehr als 20.000 km im Auto zurücklegt, halte ich mich für einen erfahrenen und auch sicheren Fahrer. Aber mit dem voranschreitenden Alter fällt auch nach und nach die Selbstüberschätzung von einem ab und bei steigender Jahreskilometerzahl mehren sich auch die kritischen Situationen im Strassenverkehr, in die man sich selbst begibt oder oft auch hineingestossen wird. So habe ich meinem Ansprechpartner bei Mercedes-Benz seit unserem ersten Kontakt in den Ohren gelegen – und ich kann auch ziemlich penetrant hartnäckig sein. Nach meinem kleinen Schnupperkurs bei der NISSAN Z Experience, bei der ich mich nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe, bin ich in meinem Drängen noch ein wenig energischer geworden.

Ich glaube nicht, dass mein Drängen wirklich dazu beigetragen hat, aber am letzten Wochenende war ich nun einer von 5 Bloggern, die man eingeladen hatte, auf dem ehemaligen Militär-Flugplatz Templin der Roten Armee in Gross Dölln (Heike hat hierzu einen schönen Artikel geschrieben), beim Basic Training der Mercedes-Benz Driving Events teilzunehmen. Ich will auch gar keinen Spannungsbogen aufbauen: Das Training hat nicht nur extrem viel Spass gemacht, nein, ich habe auch eine Menge gelernt – so hatte ich mir das vorgestellt! Als Teaser für den nachfolgenden, zugegeben recht lang ausgefallenen Text, hier ein Video, welches ich nebenbei noch gedreht habe:

Der Weg zum Übungsgelände, dem Driving Center Gross Dölln, allein eine Reise wert. Wo einst die Baracken der stationierten Soldaten standen, hat man heute Felder von Solaranlagen installiert. Im Driving Center angekommen, sind wir zunächst freundlich begrüsst worden und sind dann in zwei Gruppen aufgeteilt worden, wobei man uns Blogger von den „normalen“ Teilnehmern getrennt hat, damit wir unsere Fotos und Videos drehen konnten ohne die Privatsphäre der Anderen zu verletzten. Die Gruppenstärke beträgt normaler Weise wohl 10 Personen, wobei sich immer 2 Personen ein Fahrzeug teilen und die Übungen im Wechsel absolvieren. Wir hatten den Luxus nur zu sechst zu sein, haben diesen Vorteil aber nicht wirklich nutzen können, weil wir ja unter anderem ein Teil der Zeit verwenden, um unsere Inhalte zu erstellen. Jede Gruppe bekommt dann noch einen Instruktor, dem wiederum immer wieder ein Helfer anbei gestellt wird.

Unser Instruktor Klaus Dieter Waldmann arbeitet schon seit frühen Siebzigern als Instruktor und hat damals schon die Leute von der neu gegründeten GSG 9 trainiert. Sein Fachwissen war dementsprechend – vor allem aber hatte er eine tolle Art dieses Wissen uns zu vermitteln. Auch hat mir imponiert, wie viel Feedback er uns auch während der Übungen via Walkie-Talkie gegeben hat und sein Adlerauge war unglaublich. Wie zur Hölle kann man erkennen, dass der Fahrer in einem Fahrzeug, was mit 70 km/h in einer Entfernung von 30 Meter an einem vorbeifährt nicht beide Hände ordentlich am Lenkrad hat?

Vor jeder Einheit – und im Rahmen des Basic Training gab es 6 Einheiten – gab es eine kurze, vorbereitende Besprechung. Während der Einheit selbst sind wir meist auch kurz für eine Lagebesprechung zusammen gekommen und dazu gab es dann noch ein abschliessendes Meeting. Wer gut aufpasst, kann allein durch diese Besprechungen eine Menge mitnehmen.

Das Basic Training wird übrigens mit Fahrzeugen aus der Mercedes-Benz-Flotte durchgeführt. Uns standen die folgenden Fahrzeuge zur Verfügung: S-Klasse Baureihe (W221), C-Klasse Limousine (W204), C-Klasse T-Modell (S204) C-Klasse Coupe (C204), CLS (W218), E-Klasse Limousine (W212), SLK (R172), SL (R231) plus die AMG Versionen SLK55 AMG, C63 AMG und E63 AMG. Besonders gefallen hat mir, dass wir im Laufe der Übungen die Fahrzeuge gewechselt haben. Bei mir hatte das noch mal einen zusätzlichen Aha-Effekt. Den Unterschied zwischem dem Mercedes-Benz SLK und dem Sl, die ich ja beide in diesem Jahr schon einige Kilometer bewegt habe, hätte ich mir nicht so drastisch vorgestellt, wie ich es im Slalom erlebt habe.

So jetzt aber los, los! Die Namen der Einheiten habe ich aus der Begrüßungspräsentation übernommen:

Einheit 1 – Slalomfahren
Bevor wir uns auf die abgesteckte Slalom-Strecke begeben haben, sollten wir erstmal zeigen, wie wir uns den Sitz einstellen, wenn wir in ein neues Auto steigen. Ich sitze eh meist recht aufrecht im Auto und konnte dem „lässigen im Sessel hängen“ etwas abgewinnen. Trotzdem wurde mir einleuchtend klar gemacht, dass ich nicht optimal sitze. Ich habe das Lenkrad zu weit vor mir. Reicht aber, dachte ich. Eine kleine Demonstration vom Klaus Dieter hat mich nachhaltig umdenken lassen. Setzt Euch in Euere Auto und kurbelt das Fenster herunter. Umfasst das Lenkrad, so wie ihr es immer so macht. Und nun soll eine weitere Person von aussen versuchen, das Lenkrad herumzureissen. Im zweiten Anlauf fasst das Lenkrad mit beiden Händen, so dass die Daumen in den dafür vorgesehenen (mittig) Stellen liegen. Und die Person soll noch einmal ihr Glück probieren. Der zweite Tipp ist ebenso einleuchtend. Wenn ihr das Volant mit nahezu durchgestreckte Armen bewegt, habt ihr wesentlich längere Wege, als wenn ihr es nah vor Euch habt und mit angewinkelten Armen bewegt. Wer mag, kann sich ja auch noch mal alle Ken Block Videos ansehen und da speziell auf die Armstellung achten.

Beim Slalomfahren selbst kann man ebenfalls eine Menge lernen. Ich komme mir fast ein wenig blöd vor, manche Dinge hier niederzuschreiben, der Punkt ist aber, dass man zwar vieles weiss, aber eben nicht anwendet. Durch die Bank weg haben wir bei den ersten Slalom-Fahrten alle wie wild am Lenkrad gerissen. Die Kunst ist es aber, das Fahrzeug mit möglichst leichten und vor allem flüssigen Bewegungen durch die Parcours zu steuern. Reisst man, führt dies zu wildem Reifenquietschen, was nur ein Zeichen dafür ist, dass man die Reifen mehr strapaziert als nötig und diese an Grip / Griff verlieren.

Der zweite grosse Aha-Effekt für mich ist die Voraussicht. Fährt man auf den Parcours zu, so neigt man dazu – zumindest war es bei mir durchaus so – sich völlig auf die Hindernisse zu konzentrieren, denen man ausweichen will. Dies ist vollkommen falsch, weil man automatisch das fixierte Ziel ansteuern. Richtig ist es den „Fluchtweg“ anzuvisieren. Einleuchtendes Beispiel von unserem Coach: die meisten Unfälle bei denen Autos mit einem Baum kollidieren enden so, dass sich das Fahrzeug mittig in den Baum fräst. Eben weil man wie ein Karnickel vor der Schlange die ganze Zeit auf den Baum starrt, dem man eigentlich ausweichen will und nicht auf den Weg am Baum vorbei.

Einheit 2 – Bremsen / Einseitig
In dieser Einheit ging es vornehmlich darum, mal ordentlich auf die Bremse zu treten. Und in dieser Formulierung steckt auch schon der erste Fehler, wie ich feststellen durfte. Man kennt das vielleicht. Eine Gefahrensituation bahnt sich an und man hält für den Fall der Fälle schon mal den Fuß über das Bremspedal um eingreifen zu können. Wenn man aber wirklich eine echte Vollbremsung ausführen möchte, reicht es nicht, das Pedal mit dem Fuss nach unten zu drücken, vielmehr sollte man den Fuß kurz anheben und dann richtig mit Schmackes auf das Pedal hauen. Erst dann reagiert das Auto so, dass man mit dem kürzest-möglichen Weg zu stehen kommt. Bei der Übung sind wir auf eine gewässerte Fläche gefahren, die mit unterschiedlichen Beläge versehen war. Auf der rechten Seite eher handelsüblicher Asphalt, auf der rechten Seite, eine Oberfläche, die Schneeglätte simuliert. In der Mitte eben von jedem Belag etwas.

Zwei große Aha-Effekte hatte die Übung für mich. Der erste scheint eigentlich profan, ist aber schon wichtig. Wenn Du voll in die Bremse steigst, passiert Dir nichts. Das Auto kommt einfach nur zum Stillstand. Selbst bei Schneeglätte hilft das ABS ungemein, dass man ohne jedes Schleudern zum Stehen kommt. Im zweiten Teil der Übung haben wir das ABS deaktiviert und sind lustig durch die Gegend gedreht. Aber auch hier ein echter Denkzettel. Selbst wenn man ins Schleudern kommt – immer voll auf der Bremse bleiben, denn dann dreht man in kleinen Kreisen. Geht man von der Bremse schleudert man dann in noch größeren Kreisen. Der zweite Aha-Effekt war die Relation von Geschwindigkeit zu Bremsweg. Jaja. Tausend mal gelesen. Tausend mal verstanden. Aber das ist nichts, gegen das Erleben. Wenn Du einmal aus 50 km/h eine Vollbremsung hinlegst und dann mit dem gleichen Auto an der gleichen Stelle mit dem gleichen Fahrbahnbelag ebenso voll bremst, aber erst deutlich – und ich meine wirklich deutlich – später zum Stehen kommst, ist das ein Augenöffner der ganz besonderen Art.

Im Übrigen war es nicht nur unterhaltsam bei der Übung mit deaktivierten ABS durch die Gegend zu schleudern, allein dadurch, dass ich es ein paar Mal machen konnte, nimmt es mir ein wenig die Angst einmal in eine solche Lage zu kommen.

Einheit 3 – Glatthandling
Nach einer kurzen Frühstückspause (ich empfehle übrigens am Vorabend nicht zu viel zu trinken, denn wenn man auf dem Übungsgelände ist, braucht man einige Zeit um zur Toilette und wieder zurück zu kommen) haben wir uns dann auf den Glatthandling-Parcours begeben und haben trainiert, die Ideallinie bei Kurvenfahrten zu finden. Bei einem glatten Fahrbahnbelag zeigt dem Fahrer das Auto selbst, wenn man die Ideallinie verlässt. Dann reisst nämlich ganz fix der Kontakt zwischen Reifen und Strassenbelag ab und man muss das Auto erst wieder einfangen.

Beim Fahren hat uns dann auch schon das Slalom-Traning geholfen. Denn wenn man stets – also auch in den Kurven – dorthin schaut, wo man fahren will und dabei mit flüssigen Lenkbewegungen arbeitet, hat man es spürbar einfach sicher ins Ziel zu kommen. Merkt man hingegen, dass man aus der Kurve getragen wird, so sollte man das Gas wegnehmen.

Einheit 4 – ABS Haken
Bei dieser Übung fährt man mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf ein Hindernis zu, um es dann während einer Vollbremsung zu umlenken. In diesem Teil habe ich mich anfangs über mich selbst geärgert. Ich befinde mich in einer Übungssituation, ich weiss genau, was auf mich zukommt. Und trotzdem hatte ich bei den ersten Läufen immer einen leichten Anlauf von Panik, wenn das Hindernis dann auch so plötzlich vor mir auftauchte. Der Instruktor hatte eingangs des Trainings noch gesagt, dass man am besten reagieren kann, wenn man entspannt fährt. Und das war ich eigentlich auch. Nach ein paar weiteren Läufen habe ich dann gemerkt, dass ich diesen Panik-Moment abschütteln konnte und bei der nachfolgenden Einheit kam er auch nicht wieder hoch. Üben, üben, üben. Bringt wirklich etwas.

Beruhigt hat mich diese Übung auch. Eine Vollbremsung aus 70 km/h bei der man noch ein Hindernis umfährt ist nichts, vor dem man sich fürchten müsste.

Danach gab es eine Mittagspause mit einer warmen Mahlzeit.

Einheit 5 – Spurwechsel
Im Rahmen der Einheit Spurwechsel hatten wir das gleiche Szenario wie beim ABS Haken, bloss eben, dass wir statt während der Vorgangs zu bremsen, einfach nur vom Gas gegangen sind. Hier muss man auch das Lenkrad ein wenig heftiger als beim Slalom bewegen.

An sich fand ich diesen Teil eher ziemlich unspektakulär. Die Übung an sich. Das Üben selbst fand ich hingegen super. Wann hat man schon mal die Möglichkeit das Ausweichen bzw einen solchen Spurwechsel mit unterschiedlichen Fahrzeugen und Geschwindigkeiten auszuprobieren. Sicherlich kann man sowas nicht mal eben mit jedem fremden Fahrzeug üben, in das man sich gerade setzt, aber die gesammelte Erfahrung kann mir nun niemand mehr nehmen.

Einheit 6a – Driften
Achtung! Ganz ganz fiese Bauernfängerei. Solltet ihr so ein Training machen und Euer Instruktor fragt Euch, ob ihr mit ihm driften wollt, dann sagt nicht Ja. Widersteht diesem Angebot. Schlagt es aus. Schiebt es auf euren empfindlichen Magen. Das ist nämlich nichts anderes als ganz fiese Bauernfängerei. Ich habe das nicht gewusst. Ich habe mich ins Auto gesetzt. Ich sass auch hinten links. Verdammte Axt – war das ein Spass. Nur das schlichte mitfahren. Ich hatte das ja auch schon mal ansatzweise im Porsche miterlebt. Driften macht einfach nur Spass. Auch, wenn man „nur“ mitfährt. Die Bauernfängerei? Naja, ganz zufällig bietet Mercedes-Benz AMG im Rahmen seiner Driving-Academy einen 4-tägigen „Winterkurs“ an, den man salopp AMG Driften in Schweden nennen könnte – Kostenpunkt 3.890,– EUR (in diesem Sinn NICHT HIER KLICKEN!). Setzt man sich eben in das Auto, werden unweigerlich Begehrlichkeiten geweckt, die sich mitunter nicht zwingend mit den Winterurlaubsplänen der Herzdame vereinbaren lassen.

Einheit 6b – Kreis
Vor der letzten und abschliessenden Übung haben wir noch einmal die Fahrzeuge getauscht. Die letzte Einheit konnten wir dann in den AMG-Modellen absolvieren. Leidenschaftslos beschrieben war die Übung simpel und eintönig. Immer im Kreis herumfahren und mal gezielt übersteuern oder das Heck ausbrechen lassen, um das Fahrzeug dann wieder einzufangen. Für mich war es ein wunderschöner Schlusspunkt, der mir ein Grinsen ins Gesicht geschoben hat, was ich auf meiner langen Heimreise nicht verloren habe und was sich auch jetzt gerade beim Schreiben dieser Zeilen wieder einstellt.

Fazit
23 Jahre Fahrerfahrung und an einem einzigen Tag durch ein paar Übungen unglaublich viel dazu gelernt. Ich kann nur jeder Autofahrerin und jedem Autofahrer – egal wie alt und mit welcher Fahrerfahrung – ein Fahrsicherheitstraining dringend empfehlen. Es muss auch nicht zwingend von Mercedes-Benz Driving Events sein, auch andere Hersteller oder Institutionen wie der ADAC bieten solche Trainings an, ich meine allerdings das so ein Mercedes-Benz Training besonders viel Spass macht. Mit 425,– Euro ist es vielleicht nichts, was man monatlich buchen möchte, aber der Aufpreis im Vergleich zu anderen Veranstaltungen zahlt sich meines Erachtens aus, weil man sein eigenes Auto schonen kann und auf die bereitgestellten Mercedes-Fahrzeuge zurückgreifen kann. Und bevor es am Geld scheitert, das Ganze gibt es für 195 Euro auch noch als Kompakt-Kurs. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, mein Wissen zu vertiefen. Dafür bieten die Driving Events noch ein eintägiges Advanced Training und darüber hinaus ein zweitägiges Perfektion-Training an. Und dann wäre da ja noch das Driften in Schweden …

Die Beiträge und Erfahrungen der anderen Teilnehmer könnt ihr in ihren Blogs nachlesen: Heike (die ihrem Artikel auch schöne mir verborgene Details aus Sicht einer Reisebloggerin spendiert hat), Design-BloggerKim, Lisa und Philipp. Hashtag war übrigens #mbdrivingevents.

Auf zwei der Fotos bin ich selbst am Steuer zu sehen, diese hat mir Heike freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.