Probefahrten
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Mit dem Mercedes-Benz CLS 63 AMG Shooting Brake (X218) unterwegs in der Toskana

Samstag mittag. Vor dem Flughafen in Florenz in Italien. Ich fühle mich ziemlich groggy. 24 Stunden zuvor stand ich noch vor dem Flughafen in San Francisco. Und den Fahrbericht habe ich als 3 Zeiler in meinem Kopf eh schon fertig geschrieben.

Der Mercedes-Benz CLS Shooting Brake ist nicht ganz so schön wie der richtige CLS. Dafür hat er eine grosse Klappe am Heck. Sonst ist er aber wie der CLS ein tolles Auto. Fertig.

Entsprechend unambitioniert schlurre ich auf den matt weissen (als designo kaschirweiss magno kann man die Farbe bestellen und ja, diese ganzen designo magno Mattlacke finde ich wirklich sehr sehr schick ) Mercedes-Benz CLS 500 Shooting Brake zu, den man uns für den ersten 93 km langen Fahrabschnitt vom Flughafen Florenz zum Castello di Casole zugeteilt hat. Meinem Partner für diese Fahrveranstaltung, Teymur Madjderey, drücke ich sofort die Schlüssel in die Hand. Der beste Motor ist eh der 350 CDI, den ich ja unlängst 2 Wochen fahren durfte. Und ja, die Reihe von Shooting Brake, die da zu sehen ist, sieht schon gut aus. Ich kann mich allerdings noch nicht dazu durchringen, den Shooting Brake wirklich schön zu finden. Schön ist ja nur der einzig wahre CLS. Basta.

Ich lasse mich also auf den Beifahrersitz rutschen. Siehste. Alles wie im CLS. Also alles zum Wohlfühlen vorhanden. Wobei – in Kalifornien bin ich den neuen Mercedes-Benz SL gefahren – mir fehlen die runden Lüftungsdüsen, die ja nunmehr nicht nur im SL, sondern auch im SLK sowie in der neuen A- und neuen B-Klasse zu finden sind. Ich mag diese runden Dinger einfach. Aber der CLS basiert nun mal auf der E-Klasse und da wird wohl erst im kommenden Jahr das neue Modell vorgestellt. Die Ledersessel sind furchtbar komfortabel und die Kopfstütze irgendwie nett puffig. Nachdem es sich mein Sitznachbar ebenfalls in seinem Sessel bequem gemacht hat und den Wählhebel der 7-Gang-Automatikgetriebes auf Drive gestellt hat, gleiten wir vom Parkplatz auf die Autobahn. Die Sonne scheint und die Toskana zeigt sich von ihrer schönen Seite. Selbst die Italiener glänzen durch Abwesenheit und scheinen uns mit ihrem wilden Fahrstil nicht den Spass verderben zu wollen.

Nach einem Weilchen stehen zwei ebenfalls matt-weisse Mercedes-Benz CLS Shooting Brake in einem Feldweg am linken Strassenrand. Die Kollegen machen Fotos und geniessen den wundervollen Ausblick an eben jener Stelle. Ich hingegen kann meine Augen nicht wirklich von den beiden anderen Fahrzeugen lassen. Hm. Irgendwie doch ganz schön schön, dieser Shooting Brake. Nach einem weiteren Fotostop unsererseits finde ich die Linie der C-Säule wirklich verdammt gut gelungen. Und den Shooting Brake vom Design her doch irgendwie ähnlich schön, wie den normalen CLS.

Am Wendepunkt des ersten Tages kippt meine Stimmung komplett. Das hat zwei Gründe. Zum einen öffne ich das erste Mal die Kofferraumklappe. Und verdammt will ich sein – ich bin doch vollkommen überrascht, wie gross dieser Kofferraum wirklich ist. Von wegen Lifestyle-Kombi. Sicher, die Dachkante ist schon ziemlich niedrig, aber der Raum hat eine enorme Tiefe. Schon der normale CLS hat einen grossen Kofferraum, aber der Shooting Brake bietet doch noch mal eine Ecke mehr Platz. Ich bin mir nicht sicher, warum mich das so überrascht, vielleicht weil ich von den anderen Lifestyle-Kombis doch anderes gewöhnt bin.

Der zweite Grund liegt zur Weiterfahrt auf meiner Hand. Es ist der Schlüssel zum einem AMG Modell. Ausgeschrieben heisst das Fahrzeug dann Mercedes-Benz CLS 63 AMG Shooting Brake. Das Modell, was wir bekommen hat einen matten grauen Lack, den Daimler designo alanitgrau magno getauft hat. Die Farbe passt meines Erachtens hervorragend zu dem Fahrzeug. Wenn dann diese! Im Innenraum findet sich eine Lederausstattung mit dem Namen designo platinweiß pearl. Ich habe 2 Kinder, ich kann Innenausstattungen, die weiße Elemente haben, nicht ernst nehmen. Wohl aber schön finden. Und genau das tue ich. Ok. Ich bin den AMG gefahren und da wird wohl niemand fragen „Hey welche Farbe hatte der denn? Und innen so?“

Im Innenraum neben dem AMG-Automatikl-Wahlhebel, der sich entgegen den Serienmodellen nicht am Lenkrad, sondern in der Mittelkonsole befindet, begrüssen mich drei runde Knöpfe. Von vorne nach hinten: Feuer, Hart, Gefährlich – Übersetzt: AMG Sport+-Programm aktivieren, Fahrwerk auf Sport einstellen und ESP deaktivieren. Die ersten beiden drücke ich, den Dritten belasse ich in der Grundstellung. Mit einer weiteren leichten Drehung lasse ich den Motor erwachen. Achja. Ein V8 eben.

Immerhin – so darf ich untertreiben – vertreibt das Motorgeräusch sofort die Jetlag-Mattigkeit. Und zaubert ein breites Grinsen auf mein Gesicht. Also los. 83 km zurück Richtung Florenz, wo die Fahrt dann an unserem Hotel enden wird. Na einem Stückchen Weg, das gerade lang genug ist, um dem Motor die nötige Wohlfühltemperatur zu geben, rutscht mein Fuss aufs Gaspedal ab. Die in Italien auf Landstrassen zulässige Höchstgeschwindigkeit erreiche ich Ruckzuck. Unser Modell ist als Edition1 gekennzeichnet. Eine Sonderedition, die man nur in den ersten 6 Monaten nach Bestellstart ordern kann. Neben dem Vorteil eines vergünstigten Ausstattungspaketes, leistet hier der Motor 557 PS statt 525 PS. Gepaart mit dem 5.5 Liter V8 drückt es einen beim Beschleunigen auch schön in die Sitze. Besonders mag ich auch, wie das Getriebe „die Gänge reinhaut“. Im Idealfall braucht der CMS AMG gerade mal 4.4 Sekunden um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Sportliches Fahrvergnügen und pure Freude am Fahren vereint.

Zuerst denke ich, dass mich die Jungs von Daimler reingelegt haben, als sie mir so großzügig die AMG-Version für den Rückweg anbieten. Nicht, dass 90 km/h schon langsam genug wären, nein, 60 km/h – dann sogar 50 km/h werden da als Höchstgeschwindigkeit angemahnt. Manno. Aber dann folgt da ein Stück Strasse, was mir mehr Spass macht als jede Beschleunigungsorgie. Ein mehrere Kilometer langes Teilstück in dem sich die Strassen in stetig aufeinander folegenden Rechts-Links-Rundungen durch den Berg zieht. In Deutschland hätte man das schon längst begradigt, hier in Italien bekommt man den vollen Spass präsentiert. Ein .. zwei Mal schreie ich vor Glücksgefühl. So viel Spass macht es, den Mercedes-Benz CLS 63 AMG Shooting Brake durch die Kurven zu drücken. Dabei ist der Wagen mit 1.955 Tonnen Trockengewicht nur wirklich kein Leichtgewicht und auch mit einer Länge von fast 5 Metern ist er nicht gerade ein wendiger Sportwagen. Der Fahrspass ist aber enorm.

Irgendwann muss ich einfach rechts ran. Erstmal eine Rauchen. Und dann soll Teymur auch noch ein wenig Spass haben. Hat er auch. Das kann ich auf den folgenden Kilometern in seinem Gesicht lesen und auch von ihm hören.

Kassensturz. Haste mal 118.000 Euro? Nein? Ich gerade auch nicht. Das muss man eben über haben, wenn es die AMG-Variante sein soll. Dafür gibt es gegenüber dem Serienmodell eben noch sportlich modifizierte Kotflügel, Motorhaube und Stoßstangen. Zudem noch serienmässig LED Scheinwerfer mit dem Fernlicht Assistenten. Ok. Hand aufs Herz. AMG. V8. Grossartig. Wer sich den leisten kann, hat eh ein tolles Verhältnis zu seinem Tankwart und macht sich nichts draus. Mir würde der große Diesel schon reichen.

Als wir den Wagen am zweiten Tag am Hotel Villa Stanley in Flughafennähe abstellen, habe ich einen neuen Wunsch-Mercedes. Ja, es tut mir ja auch leid für den normalen CLS, aber der Mercedes-Benz CLS Shooting Brake bietet meines Erachtens nicht nur das extra an Platz, was sich der Familienvater wünscht, sondern sieht sogar noch einen Ticken besser aus. Hach.

Abschliessend möchte ich noch etwas los werden. Ich habe einiges gehört und gelernt in den beiden Tagen. Da hiess es auch immer, die E-Klasse wäre eben das Volumen-Modell und der CLS mehr ein Auto, um das sportliche Image von Mercedes-Benz zu unterstützen. Meines Erachtens hat der Mercedes-Benz CLS Shooting Brake das Potential als Volumenmodell und wird dem E-Klasse T-Modell ganz schon Konkurrenz machen. Auf dem Rückweg bin ich mit Jens über Stuttgart geflogen und wir sind mit dem Mercedes-Benz E300 Hybrid nach Bielefeld gefahren, den ich in der kommenden Woche ein wenig Probefahren kann. Das wäre auch noch eine interessante Motorisierung für den Mercedes-Benz CLS Shooting Brake.

Nachstehend wie immer ein paar Impressionen, dazu gibt es bei SED-CARS noch ein passendes Desktop Hintergrundbild vom Shooting Brake. Weitere Berichten von den Blogger-Kollegen finden sich auf dem Mercedes-Benz social publish Portal. Und als Blick über den Teich – wir hatten auch zwei amerikanische Kollegen in der Gruppe: Cool Hunting und NOTCOT.