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Mit dem Mercedes-Benz SL zu Besuch in George Lucas‘ Skywalker Ranch

Disclaimer für die Transparenz: Mercedes-Benz hat mich zu dem nachfolgend beschriebenen Event eingeladen, d.h. alle Reise-, Kost- und Hotelkosten bezahlt. Wer meint, dass dies mein Urteil beeinflusst hat, sollte erst gar nicht weiterlesen.

Es gibt doch diese Möglichkeiten, die sich einem manchmal auftun, die schlicht und einfach zu toll sind, um wirklich zu einem Ereignis zu werden. Diese Gelegenheiten bei denen selbst ein bester Freund nur ein völlig zerknirschtes „Ich freue mich für Dich. Wirklich!“ herausbekommt – und gedanklich ein „Ich hätte es aber mehr verdient als Du …“ nachschiebt. Diese Art von Gelegenheiten, die dann spätestens in allerletzter Minute einfach in Luft verpuffen.

Vor ein paar Wochen klingelt mein Handy. Jan, hast Du Lust, mich nach San Francisco zu begleiten? Wir wollen Euch den neuen Signature Sound präsentieren. Ist eine ganz spannende Sache, wir werden die Skywalker Studios besuchen. Und für Dich als Audio-Experte ist das doch bestimmt was? Manch einer hätte jetzt kühlen Kopf bewahrt. Lass mich mal in meinen Kalender gucken. wäre vielleicht eine gute Antwort gewesen. Ist das Thema denn auch autolastig genug? hätte ich auch als Gegenfrage stellen können. Stattdessen bin ich auf einem Bein im Kreis durch das Büro gehüpft und habe JAA, ICH WILL! geschrieen.

Die kommenden Wochen waren dann purer Nervenkrieg. Das gespannte Abwarten, was denn schief gehen würde. Meine Gattin erteilte mir trotz mangelnder Absprache ihren Segen. Mein ESTA-Antrag musste nur erneuert werden. Mein Chef bewilligte meinen Urlaub. Und dann landete das UFO bei der Lufthansa und es wurde mit Streik gedroht. Ein weiterer Anruf Jan, wegen dem potentiellen Lufthansa-Streik .. AUS AUS, ALLES AUS UND VORBEI. ACH MENSCH! wollen wir einen Tag früher fliegen mit einer anderen Fluggesellschaft. Ist das ein Problem für Dich? Ich kenne keine Probleme, ich kenne nur Herausforderungen, denen ich in diesem Fall zur Not auch mit Gewalt entgegentreten werde. Kein Problem. war meine kurze Antwort.

So finde ich mich am einem Dienstag früh auf dem Flughafen in Hannover wieder. Ich verschweige hier, dass mein Sohn sich am Abend vorher gut übergeben hat, meine Frau aber meinte, sie würde das schon alles alleine hinbekommen (Danke! Danke! Danke!). Erst geht es mit einem kleinen Hüpfer von Hannover nach Zürich, von dort setzen wir dann zum großen Sprung über den Teich an. 12 Flugstunden später landen wir in San Francisco. Ich bin tatsächlich dort. Mein erstes Mal im Westen der USA, den Osten habe ich schon ein paar Mal bereist. Homeland security lässt mich auch problemlos passieren. Mein Grinsen, während ich vor dem Flughafengebäude meine erste Zigarette drehe, ich unmenschlich breit.

San Francisco empfängt uns mit einem dort wohl eher alltäglichen Naturschauspiel, was mir den Atem raubt. Über der Hügelkette, welche die Stadt vom Meer trennt, liegt eine Wolkenschicht, die augenscheinlich langsam ins Tal kriechen will, von der wärmen Luft wohl aber gebremst wird. Der Shuttle-Fahrer lenkt den Mercedes-Benz GLK entspannt durch den Verkehr und gibt uns breitwillig Ratschläge für Sehenswertes in Hotelnähe. Die erste Nacht verbleiben wir in der Stadt, ein sehr schöner Nebeneffekt des frühen Fluges. Mein Grinsen hat mittlerweile etwas chronisches. Das Hotel liegt 2 Fussminuten vom Union Square Park entfernt. Mittendrin statt nur dabei. Im Hotel ergattere ich das letzte Raucherzimmer, ich hatte nicht gedacht, dass es so etwas überhaupt noch gibt und mit Robert Basic gemeinsam erkunde ich die Market Street. Eigentlich will ich eine AT&T Prepaid-Daten-Karte erstehen. Aber so, wie ich mir das vorgestellt habe, geht es nicht und US$ 50 sind mir bei dem aktuellen Wechselkurs einfach zu viel Geld für ein wenig Facebook-Gepose.


Am Abend essen wir Deutschen zusammen als Gruppe in einem netten Restaurant und nach einem kurzen Absacker in der Hotelbar, in der Gemälde hängen, deren Protagonisten mit ihren Augen durch den Raum schauen – jaja, es sind Flatscreens mit Filmen, aber es ist mein Absacker und ich bin fast 36 Stunden oder so auf den Beinen – es ist freaky, schlafe ich seelig ein. Um drei Uhr morgens kann ich nicht mehr schlafen. Die neun Stunden Zeitverschiebung kann ich zwar realisieren, aber irgendwie ist es schon seltsam, wie emsig die Leute in Deutschland in der Zwischenzeit waren. Nach einem sehr guten Frühstück, schlendern wir zum Moscone Center, wo wir mit unseren VIP Tickets direkt in der zweiten Reihe der Vorstellung des Apple iPhone 5 beiwohnen können. Uhm. Nein. Hört sich aber schon gar nicht mehr unrealistisch an, oder? Wir müssen leider draussen bleiben, ich finde es aber schon extrem cool, die Location überhaupt zu sehen.



Gegen 12 Uhr mittag stehe ich mit Sack und Pack vor dem Hotel, erfreue mich an dem Anblick eines Pontiac GTO aus den 60iger Jahren (Mitte 60iger sage ich mal), der hochgewienert an mir vorbei brabbelt, bis mich dann unser Shuttle-Fahrer bittet, in der Mercedes-Benz S-Klasse auf dem Vordersitz Platz zu nehmen. Have you been to Frisco yet? Da zwei von drei Insassen diese Frage verneinen, fährt er gebürtige San Francisco’er für uns eine besondere Route. Der gute Mann ist nicht nur ein toller Fahrer, er könnte auch sofort als Fremdenführer arbeiten. Die ersten paar Meilen bin ich etwas panisch. Zuerst fahren wir bergauf. Die Strassen sind quasi als Terassen in den Berg gehauen und immer wenn man eine dieser Stufen erreicht fährt man quasi blind in den Horizont. Was da auf einen wartet, kann man nicht erahnen, höchstens wissen. Danach geht es bergab und das ist im Prinzip das Gleiche. Aber: Ich sehe die Bay Bridge und Alcatraz sowie die Grundschule von OJ Simpson, wir überqueren die Golden Gate Bridge. Punkt.




Ich bin über die Golden Gate Bride gefahren (und ja, sie lag im Nebel). Yay! Später werden wir noch auf den Knast San Quentin und den Weinberg von Francis Ford Coppola aufmerksam gemacht. Letzterer liegt schon im Napa Valley, dem Weingebiet in Kalifornien, in dem sich ebenfalls der Endpunkt unserer Tagesreise – das Örtchen Calistoga – befindet. Ich bin beeindruckt von der Landschaft. Das ist doch ganz anders, als das was ich aus dem Osten kenne. Die Gegend hat für amerikanische Verhältnisse geradezu einen italienischen Flair.

Hier beziehen wir unsere Hotelzimmer. Und nach einer kurzen Erholungsphase bekommen wir von Dr. Stefan Schwehr, seines Zeichens Senior Manager HMI (Human Machine Interface) Components in der Daimler Forschung und Vorentwicklung, zunächst einmal eine kleine Einführung. Mercedes-Benz hat schon eine ganze Weile mit dem neuen Konzept des Frontbasses geliebäugelt. Bei den Planungen des neuen Mercedes-Benz SL (R231), dessen Weltpremiere in Detroit ich live miterleben durfte und den ich auch schon unter der warmen Sonne Andalusiens gefahren bin, wurde das Konzept vom Start an berücksichtigt. Immer ein Auge auf die Sicherheit gerichtet, erstellte man zunächst einen normalen Rahmen und testete diesen. Im zweiten Schritt wurden dann die vorgesehenen Öffnungen für die Basslautsprecher in die Stirnwand der Karosserie geschnitten und das Ganze dann wieder unter Sicherheitskriterien bewertet. Das positive Ergebnis hat dann die Weiterentwicklung am System gewährleistet. Hinter den Löchern in der Stirnwand befinden sich die Hohlräume der Aluminium-Längsträger, die heute den Basslautsprechern als (ungedämmter) Resonanzraum dienen.

Warum der ganze Aufwand fragt man sich. Gleich drei Vorteile leuchten mir sofort ein: a) Die Woofer nutzen den eh vorhandenen Hohlraum der Längsträger als Resonanzraum. Wer selbst mal einen Subwoofer mit oder Gehäuse verbaut hat, weiss, wie clever und praktisch dies ist. b) Stirnwand, Fahrzeugboden und Unterseite der Instrumententafel bilden eine Art Trichter, der den Schall bündelt und auf die Fahrzeuginsassen konzentriert. Dadurch steigt der akustische Wirkungsgrad deutlich. Eine Druckwelle verstärkt das subjektive Bassempfinden und ist bei den entsprechenden Musiktiteln auch körperlich spürbar. Zudem werden die Bässe nicht bei offenem Verdeck hinfort getragen. und c) Durch den neu gewonnen Platz, der durch das Verschwinden der Bässe in den Fussraum, gebraucht hat, konnten die anderen Lautsprecher optimaler platziert werden. Die Lautsprecher befinden sich in den Türen, auf der Instrumententafel und im Fond einheitlich nahe der Fahrzeugbordkante und damit fast auf Höhe der Ohren. In Kombination mit den Frontbass-Boxen im Fußraum wird der Schall auf diese Weise sehr präzise auf beide Passagiere fokussiert.


Angenehmer Nebeneffekt: Passanten werden durch die Schallbündelung im Fahrzeug auch
bei erhöhter Lautstärke deutlich weniger belästigt als bei herkömmlichen Soundanlagen. Selbstredend beschränkt sich dies auf den Zustand mit geschlossenem Stahldach.

Im Rahmen des Workshops haben wir noch eine Menge Informationen bekommen. Als Laie kann man ja kaum die Probleme erahnen, mit denen sich die Ingenieure auseinander setzen mussten. Dies fängt bei eher auf der Hand liegenden Dingen an: Die Woofer befinden sich in räumlicher Nähe zur Auspuffanlage. Die wird selbstredend ziemlich heiss. Also müssen die Lautsprecher auch hitzebeständig sein. Aus dem Regen in den Fussraum. Natürlich steigt man selbst in den Mercedes-Benz SL mal mit nassem Schuhwerk ein. Also darf auch keine Feuchtigkeit dem Lautsprecher etwas anhaben. Vor allem in einem Roadster, wo es ja auch durch die Unachtsamkeit des Eigners mal reinregnen kann. Wenn man sich einen Lautsprecher mal rudimentär vorstellt, dann ist es ja erstmal ein dicker Magnet. Und bei der ganzen Elektronik in unseren Autos heute, ist es eben nicht das einzige magnetische Bauteil. Also musste auch hier und da abgeschirmt werden.

Gut. Haben wir das Frontbass-System nun genug gewürdigt? Ich denke ja. Anhören war erst später angesagt. Also noch ein paar Worte zum verbauten 5.1-SurroundSound-System. Surround. Raumklang. Also in der Regel 3 unterschiedliche Klangquellen von vorne, 2 von hinten – die „.1“ haben wir mit dem Frontbass ja abgehakt (im Übrigen geht man auch bei Heimkino-Installationen immer mehr dazu über mit 2 Subwoofern zu arbeiten). Raumklang im Auto ist eh alles andere als einfach. Ich weiss das. Ich arbeite bei Bowers & Wilkins und wir stellen ja diverse Raumklang-Lösungen für audiophile Musikliebhaber her. Während man in einem „normalen“ Raum in der Regel das ganze System auf einen Punkt – nämlich die Sitzposition des Lauschenden, den sogenannten sweet spot – einrichtet, sitzen im Auto ja in der Regel mindestens 2 Personen. Im Mercedes-Benz SL haben die Soundexperten sämtliche Hoch- und Mitteltöner des 5.1-SurroundSoundsystems ideal auf einer Ebene rund um Fahrer UND Beifahrer positioniert. Der gute Herr Schwehr hat das ganz besonders hervorgehoben: „Unser Anspruch ist es, auf jedem Sitzplatz ein perfektes 360-Grad-Klangbild zu erzeugen.“ Also hat man da ordentlich an den Multikanal-Raumklang-Prozessoren herum programmiert.

Ende des Workshops. Und eine ganze Ecke schlauer. Und auch mal ein technischer Workshop, wo ich nicht die ganze Zeit wie blöd dagestanden habe. Ich habe es verstanden. Ich bin stolz auf mich. Und hatte mir dann auch das Abendessen verdient. Besonders schätze ich an diesen Abendessen ja den Austausch mit Mitarbeitern und Kollegen. Ich sass im sweet spot der amerikanischen Fraktion. Eine erlauchte Mischung von Top-Livestyle-Bloggern (ich habe jeweils einen Macher von gearpatrol.com und coolhunting.com kennengelernt – lässig und professionell diese amerikanischen Blogger ), Auto- und Audio-Journalisten.

Ich habe mich recht früh verabschiedet, denn am nächsten Morgen wollten wir extra früh aufbrechen, um ein wenig mehr Zeit zum Fahren, Filmen und Fotografieren zu haben. Ein selten dummer Plan, denn um 3 Uhr war dann – dank Zeitverschiebung – die Nacht erneut für mich zu Ende. Die Zeit bis zu dem wirklich bemerkenswert leckerem Frühstück überbrücke ich am Rechner. Um kurz nach sieben, sitzen Teymur Madjderey (Fahrer) und ich in einem schwarzen Mercedes-Benz SL 550 mit Bang & Olufsen Soundsystem – im Navigationssystem ist eine Route vorprogrammiert; der Endpunkt kautet Skywalker Ranch. Im DVD Spieler des Comand ONLINE Entertainment Systems liegt eine Musik-DVD. Diese verbindet den Technik-Workshop des vorherigen Tages mit unserem Tagesziel.

Ich greife kurz vor und springe dann aber sogleich zurück: Die Skywalker Studios haben 15 Popsongs und 10 klassische Musikstücke neu gemischt – und zwar nicht irgendwie – sondern eben ganz konkret auf das Surroundsound-System im Mercedes-Benz SL. Und eben diese Musik-DVD „Signatur Sound“ hören wir auf den ersten Meilen unseres Trips.


Dieser Road Trip führt uns über malerisch schöne Landtrassen. Zuerst sehen wir noch meilenlange Weinstöcke, die an uns vorbeifliegen. Trotz der morgendlichen Frische fahren wir offen. Nur für ein paar Meilen schliessen wir das Dach um die Aussage zu prüfen, dass der Sounprozessor unterscheidet, ob man offen oder geschlossen fährt und den Klang entsprechend anpasst. Ich kann das bestätigen. Überhaupt klingt die Musik von der DVD wirklich klasse. Wobei ich die klassische Musik hier den Popsongs vorziehe (Bei der Klassik sitzt man irgendwie noch mehr im Raum.). Obgleich die Auswahl durchaus ausgewogen ist. Unter den Titeln finden sich Neo-Klassiker wie Seals „Amazing“ genauso wie Evergreens – z.B. Foreigner mit „Cold As Ice“. Auf Lady Gagas „Poker Face“ hätte ich verzichten können. Hingegen ist „You’re Beautiful“ von James Blunt im Raum noch einmal schöner. Mein Highlight – Fine Young Cannibals „She Drives Me Crazy“ – macht Teymur leider crazy und so darf ich es nur einmal hören. Egal. Der Klang ist klasse. Ich kann leider nicht mehr sagen, welcher Song es genau ist, aber bei einem der Stücke kommen die Background-Vocals wirklich von hinten, was ansatzweise unheimlich ist.



Nach und nach ändert sich die Vegetation. Und zwar in einem Masse wie ich es für die doch überschaubare Gesamt-Meilen-Anzahl durchaus bemerkenswert finde. Ich darf nicht vergessen, die Verantwortlichen nach der Route zu fragen, die möchte ich doch gerne noch einmal nachfahren. Zu viele Foto-Gelegenheiten müssen wir rechts und links des Weges ungenutzt passieren lassen. Nach einem Kaffee-Stop bei Starbucks sammeln wir am Wegesrand die ersten Kollegen an.

Zwischendurch haben wir die Musik-DVD durch und quälen uns gegenseitig mit unserem bizarren Musikgeschmack. Also, Teymur quält mich, ich spiele nur die gute Musik von meinem iPhone. Leider hat keiner von uns auch nur eines der Lieder von der DVD auf dem iPhone. Stereo gegen 5.1-Version zu hören wäre auch noch mal richtig interessant gewesen. Und es nur kurz noch zu erwähnen – bei meinen Bass-Test-Klassiker von RUN DMC, 50cent und Kid Rock kann das B&O durchaus punkten. Die letzten Meilen – erst durch eine wunderschöne Hügellandschaft, dann eine ganze Weile längs eines Sees über dessen Ufer wunderschön Nebelschwaden hängen – fahren wir in einem Convoy von drei SL. Ich während ich mal meine Nikon-Foto- mal die gestellte Sony-Video-Kamera aus dem Auto halte, erreichen wir auch schon ein recht schlichtes Holztor, neben dem auf der ebenso schlichten Mauer die Hausnummer 5858 prangt.







Der Wagen hat kaum gehalten, da öffnet sich das Tor einladend. Der folgende Satz ist schwülstig und macht inhaltlich auch keinen Sinn, das weiss ich – aber er trifft es trotzdem: Ehrfürchtig rollen wir im SL durch das Tor. Wir haben es geschafft. Wir sind auf der Ranch. Will sagen: WIR sind auf DER Ranch!!! Ein Stückchen hinter dem Tor befindet sich ein Security-Checkpoint. Der gute Mann hat seinen Humor am Tor abgegeben und weist uns energisch darauf hin, dass Filmen UND Fotografieren auf dem GANZEN Gelände VERBOTEN ist – KEINE AUSNAHMEN. Als ich ihn freundlich und höflich frage, ob ich seine Mütze – hey, nur seine Mütze – fotografieren darf, bekommt er einen so ungehaltenen Blick, dass Teymur, zwischenzeitlich versorgt mit einer Karte und entsprechenden Anweisungen, unseren SL losrollen lässt.

Das Areal der Ranch ist wunderschön natürlich. Eigentlich ist da nur Natur. Und der Weg auf dem wir fahren. Keine Ewoks umringen unser Fahrzeug, kein AT-AT welches uns kontrolliert. Aber doch spüren wir sie. Die Macht. Am blauen Himmel, der mit ein paar Cirren garniert ist, kreist ein Raubvogel .. oder eben eine gut getarnte Drohne. In der parking lane vor dem Gebäude der Skywalker Studios – ein grosses Gebäude aus rotem Klinker – parken schon einige Mercedes-Benz SL – allesamt 550iger im Übrigen. Man(n) mahnt uns zur Eile, wir werden erwartet.


In Form von den mit diversen Grammys ausgezeichneten Musikexperten Herbert Waltl, auf seiner Karte steht Senior Producer und CEO von mediaHYPERIUM, und Leslie Ann Jones – ja, die Dame hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag und ist Director of Music Recording and Scoring bei Skywalker Sound. Herbert verdanken wir die Idee zur Signature Sound Musik-DVD. Er ist mit dieser Idee an Mercedes-Benz herangetreten, Leslie hat das Ganze dann abgemischt. Ich habe das Gefühl, das habe ich jetzt zu lapidar geschrieben. Egal. Keine Zeit. Es folgt eine Führung durch das Studio. DAS Studio. DAS Ding mit den vielen Reglern. DAS Ding, in dem 5 Boxen aus unserer (Bowers & Wilkins) Premium Lautsprecher-Reihe stehen – weil sie eben den natürlichsten Klang bieten (Sorry für das Eigenmarketing). Hinter der Glasscheibe des Studios hat man Einblick in einen riesigen Raum, in dem zweifelsohne ein riesiges Orchester Platz findet. Dementsprechend verloren wirkt dort der Mercedes-Benz SL, den man nochmals in den Aufnahmeraum geschoben hat, um uns zu demonstrieren, wie man seinerzeit gearbeitet hat.




Vom Studio geleitet man uns in das vermutlich coolste Kino der Welt. Allein schon, weil es sich auf dem Areal der Ranch befindet. Allein schon, weil George Lucas sich hier wohl seine ganzen Neufassungen ansieht. Apropos – Teymurs T-Shirt „Han shot first“ bleibt unkommentiert. In dem Kino gibt es eine kleine Bühne, wo sich die beiden Musikexperten und Ralf Lamberti, der Leiter Vorentwicklung Telematik bei Mercedes-Benz, sich zunächst Fragen eines Moderators stellen und dann für unsere Fragen zur Verfügung stehen. Habe ich Fragen? Sorry, ich bin gerade verdammt beschäftigt mich damit abzufinden, dass ich auf der Skywalker Ranch, in den Skywalker Studios im Skywalker Kino sitze. Ich habe zwei Fragen: „Muss ich hier wirklich heute schon wieder weg?“ und „Kann ich jetzt anfangen alles zu Filmen und zu fotografieren?“ Ich frage aber nichts. Und wenn ich etwas gefragt habe, so kann ich mich nicht mehr erinnern.

Das ganze Gedöns von der Bühne fasse ich mal so zusammen. Herbert hatte die Idee. Er konnte Mercedes-Benz für seine Idee gewinnen. Er hat die Songs ausgesucht und die Skywalker Studios an Board geholt. Die haben sich dann von den Künstlern die ganzen Musikspulen schicken lassen und haben angefangen zu mischen. Hervorheben möchte ich dabei, dass es sich bei dem Mischen nicht nur um einen technsichen Prozess sondern vor allem auch um einen Kreativen handelt. Denn wir haben auf dem Weg zur Ranch eben Leslies ganz persönliche SuroundSound-Interpretation der Stücke gehört. Und für sie und ihr Team war es auch extrem ungewöhnlich, das Ermischte nicht auf den vertrauten Boxen, sondern eben in einem Auto zu hören. So mischte man, erstellte einen Master, ging mit dem Master ins Auto (damals noch ein Erlkönig), hörte, suchte nach Optimierungspotential, mischte neu, …


Die so entstandene DVD kann man zwar auch auf einer Heimkino-Anlage abspielen, aber dort klingt sie eben nicht so perfekt wie im SL. Auch kann man die DVD nicht kaufen, sie ist SL-Käufern (die entweder das Harman/Kardon oder das Bang & Olufsen-System als Option bestellt haben) vorbehalten. Anders gesagt ist es eine ziemlich teure DVD bei der man ein Sounsystem in Form eines Mercedes-Benz Roadsters dazu kauft. Mercedes-Benz plant, in Zukunft auch weitere Modellreihen mit dem Frontbass auszustatten. Die jetzige DVD funktioniert aber eben nur im SL. Will man den gleichen perfekten Klang beispielsweise in einer neuen E-Klasse erleben, so muss alles neu gemischt werden.

Da Mercedes-Benz aber mittlerweile schon einen App-Store für das Comand ONLINE-System anbietet, ist es ja nicht zu futuristisch zu behaupten, dass man vielleicht in naher Zukunft auch für das Auto abgestimmte Musiktitel käuflich erwerben kann. Vielleicht sind diese dann nicht mehr von Skywalker selbst abgemischt, die finanzielle Ausstattung vorausgesetzt, ist es aber ein nettes Add-on für des Deutschen liebstes Spielzeug.

Dann gibt es Mittag! Jawohl. Und nicht irgendwo. Nein, im Haupthaus der Ranch. Also eben dort, wo Georg Lucas höchst selbst nächtigt, wenn er sich auf dem Anwesen befindet. Das Essen ist prima. Als Entrée gibt es einen Salat mit selbstangebauten Zutaten von der Ranch. Ich habe sie gegessen. Ich habe nun ein Teil der Macht in mir (gehabt). Na dem Essen gibt es eine kleine Führung durchs Haus. Klein. Der obere Teil des Gebäudes darf nicht betreten werden (die Eingangsterasse schon, da darf man sogar rauchen – nicht wildes Rauchen, sondern richtig mit fest installierten Aschenbechern – Yay!). Gleich am Anfang der Führung stehen zwei Glasvitrinen. In der einen liegen die Laserschwerter. Luke. Darth Vader. Obi Wan. Mir kommen fast die Tränen. Kein billiges Plastik – so viel kann man gut erkennen. Sondern solides Metall. Jedes sieht ganz anders aus. So viel Detailliebe für einen kleinen Knüppel, den man im Film kaum sieht. In der anderen Vitrine liegen zwei Peitschen und ein Hut von Indy.

Irgendwo stehen eine Menge Pokale und Auszeichnungen. Kann mich nicht mehr genau erinnern, die Laserschwerter haben mich umgehauen. Danach stehen wir in einer wunderschönen Bibliothek. Hier recherchiert Lucas. Eine wunderschöne Kuppel aus buntem Glas wirft ein wundervoll warmes Licht. Hier kann ich auch gut bleiben. Aber es geht weiter. Durch eine Art Atrium in dem Bäume stehen – der Raum ist wohl eine Art Mensa für die Mitarbeiter. Und wieder raus. Wir haben ja keine Zeit. Zurück zu den Studios. Händedrücken. Abschiedsgeschenk. Es gibt einen Souvenir-Laden – nichts wie hin – der heute aber geschlossen hat. Also aufsitzen. Den Weg zurück, durch das Tor. Was für ein Erlebnis. Wie ein Traum kommt es mir heute vor.

Auf dem Rückweg nach San Francisco verwehrt uns eine Vollsperrung die Fahrt an der Küste. Stattdessen stehen wir im Stau. Oder besser bewegen uns im Schritttempo durch den Verkehr. An unserem Sammelpunkt, dem Ferry Market (Empfehlung: da hat es ganz viele kleine Läden, die alle leckeres Essen anbieten) gibt es noch einen Happen zu Essen. Dabei spielen wir das Visitenkarten-Spiel. Wenig später geht auch schon der Shuttle zum Flughafen. Und San Francisco verabschiedet sich von mir, so wie es mich begrüsst hat. Mit diesem schönen Naturschauspiel der über die Berge kletternden Wolken.

Auf dem Rückflug nach München geniesse ich das WLAN im Flieger (und bange jetzt ob der Rechnung, die mich da erwartet). Von München nach Hannover ist es geradezu ein Katzensprung. Und als ich endlich in Bielefeld aus dem Auto steige bin ich nur noch glücklich. Und auch dankbar. Glücklich wieder heile zu Hause zu sein und dankbar für diese wunderschönen Erinnerungen, die ich in Ehren halten will.