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Audi rettet uns den V8-Verbrenner – dank ökologischem Benzin und Diesel

Disclaimer für die Transparenz: Audi hat mich eingeladen, dass heisst sämtliche Reisekosten übernommen. Wer meint, dass dies mein Urteil beeinflusst hat, sollte erst gar nicht weiterlesen.


Letzte Woche war ich beim Audi Technologie Workshop 2012 in Ismaning bei München eingeladen. Ich bin da eher ohne große Erwartungen hingeflogen und wurde sowas von positiv überrascht, dass ich mir arg Mühe geben muss, dies alles in die richtigen Worte zu fassen. Die Überschrift ist vielleicht etwas überzogen, aber im Hinblick darauf, dass unsere fossilen Brennstoffe ja nun mal extrem endlich sind und die meisten meiner Leser doch durchaus den Klang eines V8s zu schätzen wissen, habe ich mal ein bisschen dicker aufgetragen. Zumal ich die Programmpunkte für mich selbst erst als Marketing Blabla bewertet hatte, nach dem Workshop aber wie ein Wendehals dastehe. Ich habe auch nicht das ganze Programm mitmachen können, weil ich erst gegen Mittag anreisen konnte. Passend zur Vorpremiere des neuen Audi A3 Sportsback, der uns in einer Erdgas-Ausstattung präsentiert wurde: dem Audi A3 Sportsback TCNG – als e-gas Projekt.

e-gas steht hier für ein eigens von Audi eingeführtes Label. Pragmatisch gesehen handelt es sich bei dem Audi A3 Sportsback TCNG um ein „normales“ Erdgas-Fahrzeug. Soll heissen, der Wagen hat neben einem Erdgas-Tank auch noch einen Benzin-Tank. Mit dem neuen Audi A3 Sportsback werde ich mich wohl zu einem späteren Zeitpunkt dieses Jahres noch einmal genauer befassen können, es wird wohl noch eine Fahrveranstaltung kommen.

Aber das e-gas, das ist schon spannend. Normalerweise verwenden wir in diesen Fahrzeugen heute Erdgas, also einen fossilen Brennstoff. Dieser ist aber nun mal, wie wir alle wissen sehr endlich. Nun hat man mit Unterstützung von Audi, den beteiligten Energiebetreiber habe ich vergessen – ein Verfahren entwickelt, mit dem man e-gas erzeugen kann, einen alternativen Brennstoff, der nur aus regenerativen Energien gewonnen wird. Man nehme eine Ladung Ökostrom und Wasser und füge beides in eine Elektrolyse. Das Ergebnis ist Wasserstoff. Diesen Wasserstoff verbindet man wiederum mit Kohlenstoffdioxid (CO2) im Rahmen einer Methanisierungsanlage. Das ist jetzt kein schrecklich neues Verfahren, aber die Idee dahinter, dass ganze mit Ökostrom zu erzeugen ist neu.

Wir haben ja das Problem, dass wir ökologisch erzeugten Strom nicht auf die Sekunden abrufen können, in der wir ihn brauchen. Strom zu speichern ist aufwendig. Mit diesem Verfahren nimmt man nun den Strom zu dem Zeitpunkt wo er erzeugt wird und nicht anderweitig genutzt werden kann und erzeugt e-gas, was man ohne das Audi-Branding Synthetic Natural Gas. Das so erzeugte Gas kann man dann wieder in die vorhandenen Systeme einspeisen. Ein Abfallprodukt gibt es auch: sauberes Wasser.

Beim Verbrennen des Gases wird aber wieder CO2 erzeugt. Und im Sinne dieses Konzeptes wird aber nur genau so viel CO2 verbraucht, wie man benötigt, um das Gas zu erzeugen, was man benötigt, um eben da CO2 beim Betrieb des Motors zu verbrennen. Es wird also kein zusätzliches CO2 erzeugt, was uns ja den Klimawandel beschert, sondern es bleibt in einem Kreislauf. Super! Eine erste Versuchsanlage wird derzeit im Emsland gebaut und wer sich einen Audi A3 Sportsback TCNG kauft, der kann sich dazu noch ein Kontingent an Ökogas hinzukaufen. Das ist nicht nur cleveres Marketing, sondern in meinem Augen auch eine feine Sache für Mutter Natur.

Aber Audi geht mit einem Kooperationspartner in den USA noch weiter. Dort arbeitet man erfolgreich an einer ökologischen Lösung um einen umweltfreundlichen Benzin- und Diesel-Ersatz – e-ethanol und e-diesel -zu schaffen. Das Ganze ist nicht wirklich abgehoben, sondern schon in der Mache und erste Tests zeigen auch, dass es funktioniert. Die Idee mit dem CO2-Kreislauf wird wieder aufgenommen, die Generierung erfolgt aber auf einem anderen Weg. Man nimmt eine ganze Menge von einer bestimmten Zellform und bettet sie in ein Fussballfeld voller Schläuche. Nun fügt man Brach- oder Salzwasser hinzu, wie eben auch CO2. Das Ganze setzt man dann ein Weilchen der Sonne aus und die Zellform verwandelt beides zusammen in eine Molekül-Kette, die unserem Benzin sehr ähnlich ist. Die Erstellung des Diesels funktioniert ähnlich, ist aber ein wenig komplexer. Und der Hit kommt auch noch – man rechnet aktuell damit, dass man den künstlichen Treibstoff zu dem gleichen Preis anbieten kann, wie das Benzin heute kostet. BÄM! Ich will dieses Thema auf jeden Fall noch einmal gesondert vertiefen, weil ich es wirklich extrem spannend finde.

In einem weiteren Workshop hat man uns erklärt, was dieses ganze „Audi Urban Future“-Zeugs bedeutet. Ganz platt sagt der Name eigentlich schon alles. Urbanes in der Zukunft. Städteentwicklung. Nun will Audi keine Städte entwickeln, ist aber schon daran interessiert, was die Städteplaner so für Visionen entwickeln, um dort entstehende Trends früh genug zu erkennen und in die eigene Visionsentwicklung aufzunehmen. Damit dieser Wissenstransfer auch wirklich funktioniert hat Audi eine Stabsgruppe ins Leben gerufen, die sich aus Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Abteilungen zusammen setzt.

Aktuell läuft ein Wettbewerb, bei der sich Städteplaner aus 8 Regionen weltweit um Lösungen für ihre Heimat bemühen. Teams aus Boswash (bezeichnet die Metropolenregion zwischen Boston und Washington in den USA), Sao Paulo, Istambul, Mumbai, das Pearl River Delta und Tokio konkurrieren miteinander. Jedes Team hat einen anderen Schwerpunkt, denn schon allein die Auflistung der einzelnen Regionen zeigt, dass man vor Ort jeweils ganz unterschiedliche Probleme zu bewältigen hat. Ende dieses Monats wird in Instambul der Gewinner der aktuellen Ausschreibung bekannt gegeben. Und wenn ich es richtig verstanden habe, dann wird der Gewinner-Vorschlag wohl auch (zumindest aber in Teilen) umgesetzt werden.

Ein bisschen Erfahren gab es dann auch noch. Zum einen war ich ein paar Minuten in einem Audi A7 Hybrid unterwegs. Einem Prototypen – was die Technik unter der Haube angeht, mit dem man – wie beim Mercedes-Benz E300 Hybrid – segeln kann. Soll heissen, dass sich der Verbrenner, sofern er nicht benötigt wird, ausschaltet und dann mit dem Elektroantrieb fahren kann. Zum anderen habe ich einen Audi A1 etron eine viertel Stunde durch die Gegend gefahren. Dabei handelte es sich ebenfalls um einen Prototypen, auch wenn der Name sehr verwirrend ist, da es ja schon einen A1 etrom gibt. Der gefahrene Technologie-Träger setzt nicht auf ein Range-Extender, wie das bereits bekannte Modell. Vielmehr hat er gleich drei Aggregate verbaut. Fuhr sich gut und vor allem auch zackig – vielleicht nicht ganz so sportlich wie der Audi A1 1.4 TFSI. Interessant fand ich aber das Feature, dass man über das MMI Strom reservieren konnte. Geht man davon aus, dass bestimmte Teile von Innenstädten irgendwann nicht mehr mit Verbrennern befahren werden dürfen, so reserviert man sich für die Durchfahrt eben dieser Bereiche explizit den notwendigen Strom und fährt in der Zwischenzeit per Verbrenner.

Rundum hat mich die Veranstaltung durchaus begeistert und ich hoffe einige der Themen doch noch einmal weiter, ausführlicher und wesentlich mehr Zeit vertiefen zu können. Auf jeden Fall ein spannender Blick in die Zukunft.