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Kurz gefahren: 2012 Infiniti M35h Hybrid GT Premium

In den kommenden Tagen läuft ja der neue James Bond-Film bei uns an. Während ich den Infiniti M35h Hybrid gefahren bin, hatte ich irgendwie immer ein wenig das Gefühl, als Geheimagent unterwegs zu sein. Morgens ganz elektrisch und somit flüsterleise – die Hybrid-Technik machts möglich – durch das Wohngebiet. Später dann ausserhalb der city-limits Fuss aufs Gas und wie bei einer Verfolgungsjagd zum Vordermann aufschliessen. Dabei die ganze Zeit in einem edlen Interieur sitzend, was durchaus den Charmes eines englischen Salons versprüht. Die Aussenhülle auf dem ersten Blick durch die schwarze (Black Obsidian) Lackierung eher unscheinbar, auf den zweiten Blick aber durchaus mit aufregenden Formen – entgegen dem aktuellen Trend mit mehr Rundungen denn karten Kanten in der Fahrzeuglinie.

Der Infiniti M35h Hybrid ist ein angenehm anderes Auto. Nichts passt so richtig zusammen, aber im Gesamtbild dann doch wieder. Und da passt es dann auch irgendwie richtig gut zusammen. Bei der Aussenform fängt dies schon an. Limousine oder 4-türiges Coupé? So ganz sicher bin ich mir nicht. Vorne der Infiniti-übliche lange Vorbau, hinten ein eher kurzes Heck (was sich auch bei der Größe des Kofferraums bemerkbar macht). Motorisiert mit einem 3,5-Liter-V6-Motor, der stattliche 364 PS leitet und den Infiniti M35h Hybrid in nur 5,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt. Das ist schon fast ein Sportwagen-Wert und lässt so machen Proll-Kollegen an der Ampel mit großem Fragezeichen zurück. Zudem schickt der Motor seine Kraft durch das 7-Gang-Automatikgetriebe an die beiden Hinterräder. Wer also Spass haben will, kann das ESP ausschalten und auch mal das Heck kommen lassen. Warum Infiniti bei diesen sportlichen Werten den M35h Hybrid nicht mit Schaltwippen am Lenkrad ausstattet, kann ich nicht nachvollziehen.

Im Kontrast dazu ein ECO-Fahrmodus der den Fahrer auch physikalisch erzieht. Ist der Modus aktiviert, lässt sich das Gaspedal nur mit stärkerem Widerstand drücken. Gib sanft Gas wird dem Fahrer suggeriert. Wer diesem Tipp folgt, der wird feststellen, dass der 50 kW (68 PS) starte Elektromotor immer öfter den Verbrenner ablöst, der sich dann nur meldet, wenn die 1,4-kWh-Lithium-Ionen-Batterie keinen Strom mehr liefert. Ein Gegensatz, der wirklich Spass macht. Sport-Modus auf der Landtrasse und Autobahn, ECO-Modus im Feierabend Stop-and-Go Verkehr. Und wer den Vorgaben des ECO-Modus brav folgt, kann den Infiniti M35h Hybrid trotz des über 300 PS starken V6-Benziners ganz deutlich unter 10 Litern fahren. Die Hersteller-Angabe von knapp 7 Litern auf 100 Kilometern habe ich zwar acuh überschritten, dies aber nur, weil Geheimagent Jan doch hin und wieder mal den Sport-Modus nutzen musste.

Wirklich genossen habe ich meine Fahrten im Infiniti M35h Hybrid aber eigentlich aufgrund des wirklich zauberhaften Innenraums (allein die Bezeichnung Weißesche mit Silberstaubfarbe für die Innenverkleidung sagt doch schon alles, oder?). Dies verdeutlicht vielleicht auch, dass ich das erste Mal als erstes Artikelbild einen Innenraum zeige. Innen fand ich den Infiniti wirklich einfach nur schick. Und dazu noch sehr komfortabel. In unseren Breiten ist es ja nun deutlich kälter geworden. Eine Lenkrad-Heizung hört sich immer ein wenig nach Warmduscher an, ist aber wirklich eine feine Sache, wenn man am Morgen ins kalte Auto einsteigt. Die Sitzheizung funktioniert auch prima, im Sommer kann man stattdessen die Sitzbelüftung nutzen. Die Sitze an sich haben bei meinem sensiblen Rücken einen guten Eindruck hinterlassen. Das Entertainment-Paket funktioniert prima, die 16 Lautsprecher aus dem Hause BOSE machen einen guten Eindruck, könnten nach meinen – zugegeben mittlerweile recht anspruchsvollen, da verwöhnten – Ohren aber ein wenig natürlicher die Töne verteilen.

Die restliche Serien-Ausstattungsliste der GT Premium-Linie läßt eigentlich keinen Wunsch offen. Kurvenbremsassistent, Spracherkennung (nicht getestet), Low Speed Following, Totel Winkel Warnsystem, automatisch schliessender Kofferraumdeckel, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit adaptiven Kurvenlicht, LED Rücklichter – you name it, he got it. Wie ein englischer Gentlemen eben. Bringt alles mit, macht aber eben nicht viel Aufsehen deswegen. Und ist – angesichts der Leistung und dem Ausstattungspakets – auch noch preiswert.

61.600 Euro steht auf dem Preisschild. Wer in dieser Preisklasse einen 4-Sitzer sucht, aber keinen Wert auf einen üppigen Kofferraum (Geheimagenten haben eh nur kleines Gepäck) legt, sollte den Infiniti M35h Hybrid als GT Premium auf jeden Fall mal in Augenschein und zur Probefahrt nehmen. Fahrspass garantiert.

Da ich mir die Fahrzeuge ja immer mit Jens teile und der wesentlich flinker mit seinen Beiträgen ist, kann man in seinem Blog schon seit ein paar Tagen seine Eindrücke des Infiniti M35h GT Premium nachlesen. Sebastian Bauer ist den M35h ebenfalls schon gefahren. Weitere Impressionen wie immer in der Galerie: