Probefahrten
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Echter Kerl: 2012 Isuzu D-Max Space Cab Custom 4WD 2.5 TD Pickup


Ok, ich bin weder ein Colt für alle Fälle noch gleicht der neue 2012er Isuzu D-Max Space Cab auch nur im Ansatz dem GMC K-2500 Wideside, den Lee Majors damals fuhr. Trotzdem, auf den ersten Metern im Isuzu D-Max fing ich unbewusst an zu summen: I might fall from a tall building .. I might roll a brand new car .. Cause I’m the unknown stuntman .. That made Redford such a star Ich bin halt ein Kind der Achtziger. I might jump an open drawbridge .. Or Tarzan from a vine .. Cause I’m the unknown stuntman .. That makes Eastwood look so fine

Der Isuzu D-Max Space Cab ist der erste einer Reihe allradgetriebener Fahrzeuge, die Jens und ich in den kommenden Wochen testen wollen. Ein Pick-up. In Deutschland immer noch eher eine Seltenheit, in anderen Ländern gehören Pickups zum ganz normalen Strassenbild. Ich erinnere mich noch an meine ersten Tag in einem kleinen Städtchen in Kentucky, in dem ich Ender der 80iger ein Jahr als Austauschschüler verbracht hatte. In Deutschland sah man hin und wieder mal einen VW Caddy, als wirkliche Pickups – Fehlanzeige. In dem kleinen, durchaus ländlich angehauchtem Städtchen in Kentucky schien mir jedes zweite Fahrzeug ein Pickup zu sein.

Ich bin ja kein Freund von SUVs, aber echte Geländewagen und allradgetriebene Pickups? Haaarrrr Harrrrr Haaaarrrrrr! Und nachdem ich den Isuzu kurz vor dem Genfer Autosalon für mich entdeckt habe, wollte ich den D-Max auch gerne einmal fahren.


Gut 7 Monate später klingelt ein freundlicher, älterer Herr an meiner Haustür und überreicht mir die Schlüssel zu “meinem” 2012 Isuzu D-Max Space Cab Custom. Custom steht für die gehobene Ausstattungsvariante und bedeutet zugleich, dass der 163 PS starke 2.5 Liter Twin-Turbo-Diesel nicht über ein manuelles 6-Gang-Getriebe, sondern durch das 5-Gang-Automatikgetriebe seine Kraft auf die hintere oder wahlweise beide Achsen überträgt. Space Cab betitelt die mittel von drei wählbaren Aufbauvarianten des Isuzu D-Max. Während die Single Cab nur zwei Sitze (und dafür die größte Ladefläche) bietet und die Double Cab als Doppelkabine fünf Personen Platz bietet, findet man in der Space Cab-Variante 4 Sitzmöglichkeiten. Die hinteren Notsitze erreicht man über eine kleine Selbstmördertür.


Nachdem sich der freundliche Fahrer veranschiedet hat, stehe ich fast ehrfürchtig vor dem mineral gray metallic-farbenen Isuzu D-Max. Die Dachkante befindet sich in einer Höhe von 179 cm. Um den Fahrsitz zu erklimmen heisst es also aufwärts, im Gegenzug rutscht man beim Aussteigen sehr bequem vom Sitz nach draussen. Bei einer Gesamtfahrzeuglänge von 5.29m und einer Breite von 1.86m ist der D-Max alles andere als handlich. Hat man den Fahrersitz aber erst einmal erklommen (und die feine Aussicht genossen) stellt man schnell fest, dass der Pickup durchaus sehr übersichtlich ist. Nach dem 5. Mal Einparken schaffe ich es auch schon ohne Schweissausbrüche. Eine Rückfahrkamera mag zwar unmännlich sein und nicht so recht zu dem Charakter des D-Max passen, ich würde sie auf jeden Fall begrüßen.

Auf den ersten Metern durch die vollgeparkte Einbahnstrasse bin ich geradezu verblüfft, wie einfach sich der Isuzu D-Max Space Cab fährt. Wie ein PKW. Wirklich. Meine erste richtige Strecke führt mich über die Autobahn zum Flughafen nach Hannover. Selbstverständlich sind wir zu spät losgekommen und jetzt muss es zügig gehen. Und auch das kann der D-Max. Mit 160 km/h auf der Autobahn. Nicht schwerfällig, sondern auch irgendwie wie ein PKW. Dazu ist die Geräuschkulisse im Innenraum so angenehm, dass man sich bequem unterhalten kann, ohne auch nur ansatzweise die Stimme zu heben.

Probleme mit dem Isuzu D-Max haben auf der Autobahn eher andere. Dumme Gesichter auf der rechten Spur als wir überholen. Leider ist das Überholprestige bei dem Wagen mies! So kann ich aber bestätigen, dass die innenbelüfteten Scheibenbremsen mit 2-Kolben-Bremszange an der Vorderachse (iVm den Trommelbremsen an der Hinterachse) auch bei hohen Geschwindigkeiten prima greifen. Trotzdem sollte man mit dem Wagen sehr vorausschauend fahren, wenn man etwas fixer unterwegs ist.

Das robust nicht mit komfortlos gleichzusetzen ist, beweist der Isuzu D-Max Space Cab auch mit Leichtigkeit. Obwohl vorne “nur” mit Schraubfedern und hinten gar mit einer Blattfeder für Dämpfung gesorgt wird, kann ich mich weder über die Strassenlage noch über den Komfort im Innenraum beschweren. Sicherlich bin ich meine üblichen Strecken nicht ganz so sportlich angegangen, wie mit so manch anderem Fahrzeug, aber ich hatte durchaus meinen Spass beim Fahren. Auf meiner “Hoppel-Landstrasse” hat mich der Isuzu D-Max sehr nett ans Ziel geschaukelt. Ich mag das! Die Sitze sind durchaus bequem und bietet sogar etwas Seitenhalt. Leider gibt es eine Sitzheizung nur in der Premium-Ausstattung der Doppelkabine. Die Kinder mochten den Isuzu solange sie nicht nach hinten auf die Notsitze verbannt wurden. Ein Erwachsener kann dort auch sitzen, wer seine Freunde behalten will, sollte sie dort aber nicht auf langen Strecken sitzen lassen (siehe Bild in der Galerie).

Im Serienpreis der Custom-Aussstattung ist ein RDS-MP3-Radio mit 6 verbauten Lautsprechern im Preis inbegriffen. Die Qualität der Lautsprecher ist durchwachsen, da möchte man dann doch gerne noch mal nachrüsten, das Radio erlaubt hingegen das Pairen eines Smartphones per Bluetooth, was prima funktioniert. Die Sprachqualität der Freisprechanlage war ok, meine Gesprächspartner hatten allerdings Probleme, mich zu verstehen (Ich habe aber auch nicht nachgelesen, wo das Micro sitzt). Auch Lederlenkrad, manuelle Klimaanlage, Tagfahrlicht und Tempomat erhöhen das Komfortgefühl. Praktisch fand ich zudem die 6 Getränkehalter und das geteilte Handschuhfach.

Die Zeit hat nicht wirklich gereicht, um den (zuschaltbaren) Allrad-Betrieb ausgiebig zu testen. Ironischer Weise war es ja den ganzen Testzeitraum lang vollkommen trocken. Erst am Tag der Abholung kam dann mal etwas Regen. Die beiden Feld- und der Waldweg auf denen ich den Isuzu ausgeführt habe, haben den Pickup nicht wirklich beeindruckt. Auch hätte ich den D-Max gerne noch mal mit einem Anhänger gefahren. Bis zu 3 Tonnen darf man mit dem Isuzu D-Max ziehen, was auch dem zulässigen Gesamtgewicht entspricht. Bei einem Leergewicht von etwas über 2 Tonnen kann man also noch bis zu einer Tonne zuladen. Dafür bietet sich dann die Ladefläche mit ihrer Länge von 179cm und einer Breite von 112 cm (zwischen den Radhäusern, die maximale Breite beträgt 153cm) an. Die bei unserem Testwagen verbaute, abschliessbare Klappe kommt aus dem Zubehör und schliesst die Ladefläche bei der Höhe von 46.5 cm ab.

Ich finde nicht, dass der Isuzu D-Max als reines Nutzfahrzeug zu sehen ist. Sicherlich ist er nicht die erste Wahl für die Grossstadt, aber hier in Bielefeld lässt er sich problemlos fahren. Ich hätte übrigens nicht erwartet, wie sparsam der Isuzu D-Max ist. Wie erinnern uns: 2 Tonnen Eigengewicht. Dazu 255/65r17 Reifen auf 7.0×17 Alufelgen. Automatikgetriebe. Selbst mit den fixen Autobahnfahrten und Stadtverkehr lautet der Durchschnittsverbrauch am Ende unserer Testzeit gerade mal 9.8 Liter auf 100 km (Herstellerangabe liegt bei 8,4 Liter). Ich bin schon deutlich kleinere Autos gefahren, die mehr verbraucht haben. Der Grundpreis des 2012 Isuzu D-Max Space Cab Custom liegt bei 31.400 Euro.

Mein Fazit: Der 2012 Isuzu D-Max Space Cab Custom 4WD 2.5 TD Pickup hat mich in voller Linie positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass man in einem Pickup so komfortabel unterwegs sein kann. Die Fahreigenschaften auf Autobahn, Landstrasse und Stadt waren prima – man kann fix und auch sparsam von einem Ort zum anderen gelangen und auch noch einiges an Ballast mitnehmen. Mir hat der Isuzu D-Max eine Menge Spass gemacht.

Weitere Impressionen und Bilder zur Erläuterung in der Galerie. Jens Gedanken zu dem Isuzu D-Max findet ihr in seinem Blog.