Probefahrten
Kommentare 1

Kurz gefahren: 2012 Chevrolet Cruze Station Wagon 1.4 LTZ

Der Chevrolet Cruze Station Wagon ist der zweieiige Zwillingsbruder des Opel Astra Caravan. Mir hat er sich als geräumiger Kombi präsentiert, mit dem man als Daily-Driver durchaus Fahrspass haben kann. Mein Cruze war in der hochwertigsten Ausstattungslinie LTZ mit einem 1.4 Liter Benziner ausgestattet, der 140 PS leistet. Schalten durfte ich manuell und hatte dafür 6 Vorwärts- und den Rückwärtsgang zur Verfügung. Bei den größeren Motorvarianten kann man auch optional ein 6-Gang-Automatk-Getriebe wählen. Die Schaltung fand ich präzise und angenehm, wer so spritsparend wie möglich fahren will, schaltet früh. Wer dies nicht tut, bekommt im kleinen Monochrom-Display zwischen den beiden Rundinstrumenten eine Erinnerung kredenzt. Wird der Rückwärtsgang eingelegt, hilft mir eine Rückfahrkamera (100 Euro Aufpreis als Bestandteil des MyLink-Entertainment-Paketes) beim passgenauen Einparken – im Grunde ist der Cruze Station Wagon aber sehr übersichtlich und eins dieser Autos, bei denen man auch auf eine Kamera verzichten kann.

Vor dem ersten Einsteigen hat mich die Farbe begeistert: das Deep Espresso Brown Metallic kostet 490 Euro extra, sieht aber meines Erachtens sehr schön aus und gibt dem Auto einen exklusiven Touch. Die schwarze lederne Innenausstattung (Aufpreis 1900 Euro) war nicht nur nett anzusehen, sondern zeigte sich auch wenig schmutzanfällig. Ein grosses Plus für den Familienvater. Das Flair im Innenraum vermag ich schlecht in einem Satz zu beschreiben. Es ist auf jeden Fall amerikanisch angehaucht und das Cockpit lässt mich in Erinnerung an “meinen” Camaro schwelgen, auch wenn es nur die Beleuchtung der gut ablesbaren Rundinstrumente ist, die diese Assoziation weckt. Es ist der Charme der Schlichtheit – nein, der Wagen ist nicht schlicht ausgestattet – der ein ganz eigenes Ambiente vermittelt. Ich mag das durchaus. Ist mir viel lieber als mit Knöpfen und Reglern überfrachtete Mittelkonsolen. In der Ausstattungslinie LTZ ist Keyless Entry (der Schlüssel verbleibt in der Tasche, man kann das Auto einfach öffnen, wenn der Schlüssel in der Nähe ist) im Kaufpreis inbegriffen.

Das Entertainment-Paket besteht aus einem 7″ Touchscreen, der sich einfach bedienen lässt. Der Klang der Serien-Lautsprecher ist für normale Ansprüche akzeptabel. Unsereins kommt einfach zu oft in den Genuss von Premium-Lautsprechersystemen als das er bei einer Standard-Bestückung in Verzückung geraten kann. Auf dem amerikanischen Markt gibt es eine iPhone.app, die mit dem Entertainment-Paket kommuniziert und allerlei Werte visualisieren kann. Diese App ist in unseren Breiten leider nicht verfügbar. Die Anbindung vom iPhone ist kinderleicht und das Telefon wird nach dem Einsteigen auch immer gleich erkannt. Die Qualität der Freisprechanlage schilderten mir meine Gesprächspartner als befriedigend. Das Staufach über dem Touchscreen fand ich höchst praktisch. So lassen sich nicht nur externe Audio-Quelle per Klinkenstecker oder USB in dem Fach anbinden, es ist so gross, dass sich auch sperrige Sonnenbrillen dort gut verstauen lassen und trotzdem im einfach Zugriff sind.

Das Platzangebot ist prima. Vorne wie hinten sitzt man unbeengt und bequem. Station Wagon übersetzt man mit Kombi. Und Kombi darf sich der Cruze durchaus nennen, denn hinter der Rückbank lässt sich noch einiges verstauen. 500 Liter Stauvolumen liest sich das in den technischen Daten. Klappt man die Rücksitze um, hat man fast 1000 Liter mehr Platz.

Das Downsizing der Motoren ist ja durchaus spannend. Den CO2-Ausstoss muss man mindern. Und trotzdem soll der Antrieb einen ordentlichen Vortrieb gewährleisten. So schaltet man den Chevrolet Cruz mit seinem 1.4 Liter Benziner möglichst niedrigtourig. Will man hingegen auf der Autobahn sehr zügig vorankommen, muss man für hohe Drehzahlen sorgen. Letzteres quittiert der Motor mit entsprechendem Durst. Gibt der Hersteller den Durchschnittsverbrauch der Motorisierung mit 5,7 l/100km an, so kann man diesen Wert bei gemässigter Fahrweise wohl durchaus erreichen. Dreht man hingegen stets in den hohen Drehzahlen sind es auch schnell mal 9 l/100km. Ich denke, dass ein Berufspendler, der zwischen 30 und 60 Kilomter täglich fährt und dabei nicht zu viel in der Stadt stehen muss, mit dem Chevrolet Cruz 1.4 Liter sehr glücklich werden kann. Was für mich persönlich so gar nicht funktioniert, ist die Start-Stop-Automatik bei einem Schaltwagen, wie auch im Cruz. Ich bleibe meist auf der Kupplung stehen an der Ampel. Da greift dann die Automatik nicht. Ist aber sicherlich auch nur eine Gewöhnungssache.

Der 2012 Chevrolet Cruze Station Wagon 1.4 LTZ kostet in Vollausstattung etwas über 25.000 Euro. Aktuelle (November 2012) kann man durch einen Einführungsbonus sogar noch 2500 Euro sparen. Dafür bekommt man einen vernünftigen Daily Driver, der sich mit seinen amerikanischen Wurzeln von der europäischen Masse abhebt.

Jens ist den Wagen auch gefahren, hier sein Beitrag. Weitere Impressionen wie immer in der nachstehenden Galerie: