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Die Herausforderungen der Autobauer in China

Das schönste bei den Fahrveranstaltungen der Hersteller – gleich nach dem Fahren der Fahrzeuge selbst – ist für mich das Dinner. Dabei geht es mir gar nicht, um das Essen selbst, sondern vielmehr darum, dass man die Möglichkeit hat, mit einigen Mitarbeitern des Herstellers anregende und interessante Gespräche zu führen. Zum einen mag ich es sehr, wenn ich merke, dass die Mitarbeiter wirklich stolz sind, auf das was sie da geschaffen haben und auch auf die Marke für die sie arbeiten. Zum anderen erfährt man bei diesen Gesprächen auch eine ganze Menge Dinge, die man sonst nicht so ohne weiteres hören kann.

Bei dem Fahrevent zum neuen Audi A3 Sportsback hatten wir das Glück mit gleich zwei motivierten und freundlichen Mitarbeitern an einem Tisch zu sitzen. Und bei diesem Gespräch habe ich so einiges erfahren, was mir gänzlich neu war. Alle Hersteller legen ja lang und breit ihr Engagement in China offen. Wie viele Werke man dort doch gerade baut und welche Modelle man verkaufen möchte. Über die Herausforderungen bei der Produktion für den chinesischen Markt hingegen, hört man eher selten etwas.

Oft hört oder liest man ja, dass es für den chinesischen Markt Langversionen von Fahrzeugen gibt, die hier nicht angeboten werden. Dies begründet sich damit, dass die wenigsten Chinesen, die ein Premium-Fahrzeug kaufen, dieses auch selbst fahren. Man lässt sich fahren. Somit ist es auch für Fahrzeuge, die für den chinesischen Markt bestimmt sind, weit wichtiger wie die Ausstattung im Fond angeboten werden kann. Rear-Seat-Entertainment ein grosses Thema. Und ich meine damit nicht einmal Staatkarossen, sondern Mittelklasse-Fahrzeuge.

Damit einher geht, dass in China ein Motor ganz anders gefordert wird. Geht man für den europäischen Markt davon aus, dass die Motor zu mehr als 40% unter Last verwendet werden, so ist es in China so, dass die Motor zu 90% im Stand laufen. Das Umweltbewusstsein entwickelt sich dort erst. Die Fahrer warten auf die Fahrzeugeigner eben vor dem Büro und lassen den Motor laufen, damit sie im Winter warm und im Sommer kühl sitzen können. Diese Erfahrungen sind jetzt in die Entwicklung der Motoren für den chinesischen Markt eingeflossen. Zudem ist die Treibstoff-Qualität in China bei weitem nicht so gut, wie in unseren Breiten. Auch dies musste bei der Weiterentwicklung der Motoren berücksichtigt werden.

Des weiteren gibt es in China ein sehr weit verbreitete Pflanze, die wohl ähnlich zu unseren Linden, sehr klebrige Pollen hat. Diese Pollen setzen den Luftfiltern von Klimaanlage und Motor so sehr zu, dass man die Service-Intervalle zum Filterwechsel drastisch verkürzen musste und zudem Vorfilter entwickelt hat.

Ich finde sowas wirklich spannend. Ich war bislang doch sehr naiv und habe gedacht, dass die Anpassungen der Fahrzeuge eher kultureller Natur seien und sich mehr auf Design und Innenausstattung (in Indien wird man wohl keine Innenausstattung mit Rinderleder finden, in Regionen, in denen der Islam die stärkste Glaubensrichtung stellt, wird man hingegen auf Schweinsleder verzichten) beschränken würden. Das Gespräch war für mich ein wirklich erhellender Einblick.