2012 Nissan Pathfinder 2.5l dCI LE – ein guter Freund auch abseits des rechten Weges


Der 2012 Nissan Pathfinder 2.5l dCI LE ist das zweite Fahrzeug in meine Allrad-Reihe, die sich bis in den April kommenden Jahres ziehen wird. Der erste Vertreter war der Pickup Isuzu D-Max Space Cab. Während ich diesen Beitrag schreibe, fahre ich mittlerweile das vierte Allrad-Auto und muss sagen, dass ich wirklich viel mehr Spass mit den Fahrzeuge habe, als ich das bei der Planung je gedacht hatte.

Wenn ich den Nissan Pathfinder mit drei Tags beschreiben würde, dann mit “riesig, spitzig, wendig”. Wobei ich das Bedürfnis habe, alle drei Attribute zu erläutern. Riesig ist der Geländewagen ohne Frage. Ich sollte wirklich anfangen bei allen Autos wenigstens ein Selbstporträt zu schiessen, damit man die Dimensionen des Fahrzeugs besser zeigen kann. Die reinen Zahlen sind da meines Erachtens nicht aussagekräftig genug. Der Nissan Pathfinder ist 4.81 Meter lang. Mein Citroen DS ist 4.84 m lang, wirkt aber deutlich kürzer. Dafür ist der Pathfinder im Vergleich (ja, was für ein sinnloser Vergleich, ich weiss) deutlich handlicher. Die Handlichkeit in Verbindung mit der Größe hat mich schlichtweg umgehauen.

Mit Hilfe der optionalen Rückfahr-Kamera ist das Einparken des Nissan Pathfinder wirklich einfach. Zum einen hat man mit den großen Rückspiegeln so schon gute Sicht und ein “Kombi” kann man ja auch immer so gut einparken, da die Rückscheibe ja quasi das Wagenende markiert, aber mit dem Pathfinder fällt es wirklich extrem auf, Man fährt ein riesiges Auto und kann es doch in der Innenstadt einfach beherrschen. Toll.

Riesig ist ebenfalls der Platz im Innenraum. Ich gestehe, ich habe die dritte Sitzreihe nicht zum Testen genutzt, kann also nicht sagen, wie man dort sitzt, aber sowohl vorne als auch im Fond ist mehr als ausreichend Platz für einen Erwachsenen. Die Sitze vorne sind sehr angenehm und bieten sogar ansatzweise Seitenhalt, lediglich bei der Leistung der zweistufigen Sitzheizung hätte ich mir ein wenig mehr Kraft gewünscht. Klappt man die Rücksitze um, so hat man eine über 2 Meter lange Liegewiese. Wer also mit dem Nissan Pathfinder auf Reisen gehen will, kommt auch gut und gerne mal ein paar Tage ohne Hotel aus. Liegewiese heisst auch, dass es wirklich ein flacher Ladeboden ist – die über 2.000 Liter Volumen lassen sich also schön einfach beladen. Mit allen drei Sitzreihe schrumpft der Kofferraum auf 190 Liter zusammen. Der Platz reicht aber auch noch aus, um eine komplette Volleyball-Mannschaft mit Trainer, Ball- und Sporttaschen zum Auswärtsspiel zu bringen.

Spritzig fand ich den Viertakt-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 65° V6 Viertakt-TurbodieselLadeluftkühlung und VNT-Lader. 190 PS (450 Nm Drehmoment) leistet der Diesel und muss damit je nach Ausstattung um die 2.2 Tonnen Leergewicht in Wallung bringen. Und das schafft er nicht nur, ich habe ihn – auch in Verbindung mit der manuellen 6-Gangschaltung – als durchaus spritzig empfunden. Zumindest fand ich den Nissan Pathfinder weitaus agiler als ich das vor dem Einsteigen erwartet hätte. Rund 11 Sekunden stehen zwischen dem Anfahren und dem Erreichen von 100 Stundenkilometern. Das ist natürlich nicht mit dem Anzug eines Nissan 370Z zu vergleichen, für einen Geländewagen aber doch sehr passabel. Die Höchstgeschwindigkeit von 186 km/h erreicht man. Nicht nur ebenso, sondern auch recht flüssig. Die Schaltung selbst funktioniert problemlos und ist zu keiner Zeit durch irgendetwas negativ aufgefallen. Der Kraftstoffverbrauch wird von Nissan mit 8.5 L/100 km angegeben. Für den Stadtverbrauch soll man laut Hersteller mit etwas 11 Litern rechnen. Ich bin den Nissan mit knapp über 10 Litern Diesel gefahren – weil ich nicht wirklich sparsam mit den Testern fahre; man will ja auch hier und da mal die Beschleunigung testen – denke aber, dass ich da nach ein paar Wochen deutlich drunter liegen würde.

Was mich ein wenig ärgert – ich habe im Moment keinen Anhänger mehr im Zugriff. Gerade die Geländewagen werden ja gerne als Zugmaschinen eingesetzt. Die Anhängelast des Nissan Pathfinders beträgt 3 Tonnen. Auf Kundenwunsch kann sie per Einzelgutachten aber laut Nissan auch auf 3.5 Tonnen aufgelastet werden. So kann man also einiges an Booten und auch locker einen Trailer mit schwerem Auto drauf ziehen. Wie sich der Nissan mit Anhänger fährt, kann ich aber leider nicht sagen.

Zum Fahrwerk möchte ich noch etwas anmerken. Die ersten Kilometer waren sehr gewöhnungsbedürftig. Die Fenderung ist zwar nicht gerade weich, aber der Nissan Pathfinder fährt sich erst einmal irgendwie schaukelig. Soll nicht heissen, dass sich der Geländewagen aufschaukelt, wohl aber, dass man mitunter bei schlechtem Strassenbelag im Sitz hin und her geschüttelt wird. Nach den ersten Kilometern fällt das dann aber nicht mehr gross auf und bei den Autobahnfahrten merkt man auch so gar nichts mehr davon.

Ab ins Gelände? Naja. Nicht so richtig (und ich war mit dem Pathfinder ja auch schon mal im Wald ). Das nächste echte Offroad-Gelände ist über eine Autostunde entfernt. Aber ein paar Feldwege habe ich schon besucht und dann gab es da noch dieses Matschloch. Alles problemlos. Ich würde den Nissan Pathfinder auch nie als SUV bezeichnen – für mich ist es ein Geländewagen. Ob er echtes Gelände durchqueren kann steht bestimmt in einigen speziellen Foren, ich hatte jedenfalls an keinen Punkt jenseits der Strassen auch nur den Hauch eines Problems. Wenn überhaupt, dann beim Aussteigen. Denn ist der Pathfinder mal schön zugemockt, dann sollte man sich nicht so ohne weiteres aus dem Auto gleiten lassen. Dann bleibt man nämlich mit der Wade an dem Tritt hängen und saut sich dei Hose ein. Sobald man dies weiss, stellt es aber kein Problem dar.

Der preiswerteste Ausstattunglinie der Nissan Pathfinder heisst XE – da kostet der Wagen nackt mit manueller Schaltung 40.700 Euro. Mein Testwagen war in der höchsten Ausstattungslinie LE geliefert worden, da kostet der Wagen dann mit manueller Schaltung 48.600 Euro (mit Automatik-Getriebe wird er 2.000 Euro teurer). Nur die LE-Ausstattung kann man noch mit dem Bose® Sound-System (10 Lautsprecher) aufwerten, Kostenpunkt: 800 Euro. Lohnt sich meines Erachtens. Der Klang ist gut und satt, vor allem, wenn man bedenkt, was da an Innenraum befeuert werden will. Mir persönlich ist das System einen Tick zu basslastig und könnte auch in den Mitten und Höhen noch etwas analytischer sein, aber rundum macht es durchaus einen guten Eindruck. Überraschend fand ich auch, wie leise der Nissan Pathfinder im Innenraum ist. Selbst bei 180 km/h kann man sich noch in normaler Lautstärke unterhalten. Ein grosser Pluspunkt. Das Entertainment-Paket mit Festplatten-Navi, Radio, Bluetooth-Freisprechanlage (Sprachqualität gut), Spracherkennung (fand ich zu umständlich) und Rückfahr-Kamera kostet nicht ganz 3.000 Euro Aufpreis. Das Navi finde ich ok, die Rückfahrt-Kamera klasse, ich würde das Paket durchaus mitnehmen.

Ein kleines Highlight ist für mich, dass man die Scheibe der Heckklappe separat aufstellen kann. Für mich als Fotografen ist das super praktisch. So kann man im Kofferraum sitzend nach hinter fotografieren, ohne Angst haben zu müssen, dass man selbst oder auch das Equipment aus dem Auto fällt (natürlich nur auf abgesperrtem Gelände und mit ensprechender Sicherung des Fotografen, etc pp). Aber auch sonst ist es praktisch, wenn man mal schnell was aus dem Kofferraum nehmen will, ohne eben die ganze Klappe öffen zu wollen/müssen.

Der Preisunterschied von fast 8.000 Euro zwischen XE und LE-Ausstattungslinie bedingt sich nicht zuletzt durch diese Austattungs-Features: 18″-Leichtmetallfelgen mit Bereifung 255/60 R18, elektrisch anklappbare Außenspiegel, elektrisch einstellbare Fahrer- (mit Memory-Funktion) und Beifahrersitz, elektrisches Glas-Hub-Schiebedach (relativ klein, dafür aber ohne zu große Nebengeräusche, wenn offen),
separater Klimaanlage im Fond (die Kinder haben sich bedankt), automatische Leuchtweitenregulierung, Mittelkonsole mit Holzoptik Oberfläche, Leder-Sitzbezüge, Xenon-Scheinwerfer und Zentralverriegelung mit Intelligent Key (aka Keyless Entry, dies ist bei Nissan so gelöst, dass ich an alle Türen ein Knopf befindet mit den man die Tür ver- und entriegeln kann, wenn man den Schlüssel in der Tasche hat). Die zwischen XE und LE befindliche SE-Linie bringt Audiosystem: Radio-CD-Kombination mit AUX-/USB-Anschluss und sechs Lautsprechern, Bordcomputer, Dachreling, Einstiegsleisten aus Aluminium, manuell höhenverstellbarer Fahrersitz, Fahrtlichtautomatik, Fußraumbeleuchtung vorne, Geschwindigkeitsregelanlage mit Speed Limiter (finde ich ja bei einem Schalter meist befremdlich, ist aber Dein Freund auf der Autobahn), automatisch abblendenden Innenspiegel, lederummanteltes Lenkrad, Lenkradfernbedienung für Audiosystem und Geschwindigkeitsregelanlage, Nebelscheinwerfer, Regensensor, lederummantelten Schaltknauf bzw. Wählhebelgriff, ab der B-Säule verdunkelte Scheiben und verchromte Türinnengriffe mit (ist also bei der LE Linie auch enthalten).

Mein Fazit: Ich bin den Nissan Pathfinder wirklich gerne gefahren. Es ist ein Auto, was im Innenraum eine ganze Menge Platz bietet, was sich trotzdem einfach in der Stadt bewegen lässt. Und ausserhalb der Stadt kann man den Wagen auch noch sehr flott bewegen, ohne ständig an der Tankstelle halten zu müssen. Wer den Platz braucht, hin und wieder mal abseits der Strassen unterwegs ist oder aber im Winter das deutliche Extra an Traktion braucht, der macht mit dem Nissan sicherlich nichts falsch. Komfortabel ist der Wagen auf jeden Fall.

Jens hat über den Pathfinder ebenfalls geschrieben und im Anschluss noch weitere Bilder in der Galerie: