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Richtfest der Audi e-gas-Anlage in Wertle

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Heute war ich auf einem Richtfest. Das hat ja schon sehr wenig mit meiner Leidenschaft für Autos und mit meiner Tätigkeit als Autoblogger zu tun. Eigentlich gar nichts. Und doch in diesem Fall eine ganze Menge. Denn der Richtkranz zierte den Rohbau von Audis nigelnagel neuer e-gas-Anlage nahe dem beschaulichen Wertle. Dort war bereits vor 10 Jahren eine Biogas-Anlage gebaut worden. Biogas ist eigentlich eine feine Sache. Man nimmt organische Stoffe und lässt sie salopp gesagt so lange faulen bis sie Gase erzeugen. Zack – Biogas ist fertig. Ganz so einfach ist es nicht und das Image von Biogas ist auch nicht so lupenrein. Zum einen ist es in Verruf gekommen, weil in vielen Anlagen beispielsweise Mais genutzt wird. Der landet also nicht mehr auf dem Teller sondern als Bremmstoff. Und das ist – gerade auf die dritte Welt bezogen – ein böses Problem. Der andere Haken: man lässt die Biostoffe natürlich nicht so lange in der Anlage rumliegen, bis sie Gase erzeugen. Man erhitzt das Material um den Prozess zu beschleunigen. Dafür braucht man Wärme und um Wärme zu erzeugen wiederum Energie. Energie, die man doch eigentlich erzeugen will. Ein Teufelskreis. Zudem werden bei der Biogas-Erzeugung neben dem begehrten Methan (CH4) auch das weit weniger begehrte CO2 produziert. Eben das CO2 wollen wir ja nicht bei der Energie-Erzeugung produzieren. Eigentlich wollen wir – nein, wir müssen – verhindern, dass zu viel CO2 produziert wird, damit wir unsere Ozonschicht behalten und die Erderwärmung verlangsamen.

Für jemand, der eine e-gas-Anlage betreiben will, ist so eine Biogas-Anlage hingegen eine ganz tolle Sache. Das fängt damit an, dass man bei der Produktion von e-gas CO2 benötigt. Prima, nimmt man doch gleich das Zeug, was beim Biogas über ist. Zudem wird bei der Erzeugung von e-gas ziemlich viel Wärme erzeugt. Praktisch, die kann man doch gleich nutzen, um die Gewinnung des Biogases zu beschleunigen. Und zu Guter letzt wird Biogas auch in unser Erdgas-Netzwerk eingespeist, soll salopp heissen, dass die Rohre dort auch schon liegen. Top. Also haben sich die Ingenieure von Audi und der Energieversorger EWE AG, denen die Biogas-Anlage gehört, zusammengesetzt und beschlossen, die Audi e-gas-Anlage auf das Gelände der Biogas-Anlage zu bauen. Besonders praktisch, denn die EWE betriebt diverse Windparks wie alpha ventus in der Nordsee und an deren Küste. Zum Erzeugen von e-gas benötigt man nämlich auch Strom. Das ist eigentlich ja nicht so toll. Wenn der Strom aber aus Windkraft gewonnnen wird, ist es schon mal nicht so schlimm. Und wenn man nur den Windstrom nimmt, den er sonst keiner haben möchte (Wir können uns ja nicht aussuchen, wann der Wind bläst. Und wenn der gerade mal nachts bläst, wo alle schlafen und kaum jemand Strom braucht, dann wird das Windrad einfach abgeschaltet. Nun läuft es weiter und der Strom wird genutzt, um das Audi e-gas zu erzeugen).

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Power to Gas” habe ich als neues Buzword auf der Pressekonferenz gelernt. Power to Gas nennt sich das Verfahren mittels Elektrolyse unter dem Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien Gas zu gewinnen. Ein paar flotte Redner hatte sich Audi zum Richtfest eingeladen. Und von jedem habe ich ein paar Dinge mitnehmen können. Die Leiterin der niedersächsischen Staatskanzlei, Staatssekretärin Dr. Christine Hawighorst, nebenbei auch noch Mitglied des Aufsichtsrats der AUDI AG, sieht das Projekt als Chance für das Land Niedersachsen. Dieses hat nämlich beschlossen, bis zum Jahr 2020 25% ihres Bedarfs aus erneuerbaren Energien zu ziehen. Sie mahnt aber auch an, dass die Industrie auch markfähige Produkte anbieten muss. Da ist Audi mit dem neuen Erdgas-A3 TCNG, der ab dem dritten Quartal 2013 verfügbar sein soll, am arbeiten.

Stephan Kohler, seines Zeichens Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), habe ich so verstanden, dass Power to Gas leider noch nicht den Stellenwert in der Denkweise der Regierung einnimmt, wie er es sich wünscht. Die einen halten das Verfahren für noch nicht ausgereift genug, die anderen meinen, erst 2040 oder gar 2050 (ich will gar nicht rechnen, wie alt ich dann bin, bzw ob ich überhaupt noch bin) wäre ein Bedarf für das Verfahren gegeben. Ich bin da bei ihm. Strom in Akkus zu speichern, kommt mir wirklich sehr antiquiert vor. Das e-gas finde ich hingegen richtig charmant. Zumal wir ja auch immer noch das Problem haben, dass wir mangels ausreichender Starkstrom-Trassen von Nord nach Süd, den ganzen Öku-Strom der Nordsee gar nicht nach Bayern schaffen können. Und die Akzeptanz für Starkstrom-Trassen bei der Bevölkerung ist ja verständlicherweise nicht besonders gross, soll doch das Leben an so einer Trasse nicht gesund sein. Der Mann, der selbst einen Erdgas-Passat fährt, hat mich wirklich beeindruckt mit dem was er da erzählt hat. Die ganzen Zahlen konnte ich nicht so schnell aufschreiben – wenn ich es richtig verstanden habe, dann haben wir eine Windkraft-Kapazität von 130.000 MegaWatt, an einem Wintertag benötigen wir etwa 80.000, an einem schönen Sommertag gerade mal 30.000 Megawatt. Wie blöd ist es denn, dann einfach die Räder auszuschalten, statt die Energie zu speichern – in e-gas, was man selbstredend auch zur Wärmegewinnung im Eigenheim verheizen kann oder durch Gasturbinen wieder in Strom zurückwandeln kann.

In das gleiche Horn hat dann Reiner Mangold, Leiter Nachhaltige Entwicklung der AUDI AG, gestossen. 200 TeraWatt können heute schon im Gasnetz eingespeisst werden – klingt wirklich logisch diese e-gas-Geschichte weiter zu verfolgen. Bei Gelegenheit sollte ich mich da noch mal etwas fundierter schlau machen. Erwähnt haben, möchte ich auch noch den Gast Dr. Michael Specht, Leiter des Fachgebiets Regenerative Energieträger und Verfahren am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), der mich bei seinem Kurzvortrag irgendwann abgehängt hat. Trotzdem war es sehr interessant mal die wissenschaftliche Sicht zu hören. Er hatte auch noch eine Randnotiz, die ich sehr spannend finde. Er sagte, dass das Verfahren für die Gewinnung von e-gas zwar schon lange bekannt ist, aber er in unserer Zeit wurde es so perfektioniert, dass die Qualität des gewonnenen Gases auch effizient brauchbar ist.

Am 9. Juli 2012 erster Spatenstich zur e-gas-Anlage. Heute, am 13.12.2012 – also knapp ein halbes Jahr später, kam der Richtkranz. Im zweiten Quartal 2013 will man mit den Bauarbeiten abgeschlossen haben. Dann folgt die Erprobungsphase und zum Ende des Jahres 2013 will man in den Produktiv-Betrieb gehen. Dann können auch 1.500 der Audi A3 TCNG Käufer als Option ein Paket kaufen, bei dem sie an 900 DKV-Tankstellen das e-gas für 15.000 Kilometer beziehen können. 2015 will Audi ein zweites TCNG-Modell auf A4-Basis auf den Markt bringen. Da hat sich dann der Kreis geschlossen. Für das e-gas project wurde die AUDI AG im November 2012 ausgezeichnet. Die Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e. V. (ASUE) verlieh Audi in der Kategorie Umweltschonende Mobilität den auf 15.000 Euro dotierten Preis der Deutschen Gaswirtschaft für Innovation und Klimaschutz. Eher ein kleiner Tropfen auf dem 20 Millionen schweren Investitionsstein der Ingolstädter.

Mehr zum Audi A3 Sportback TCNG haben ich auch noch parat. Und die Entwicklung von Audis e-fuel möchte ich auch im Auge behalten. Das e-gas bildet ja nur eine Säule. Noch spannender finde ich persönlich das Audi e-benzol und den Audi e-diesel. Ich arbeite daran, noch mal in Ingolstadt in Ruhe mit den Verantwortlichen dieses Thema vertiefen zu können.