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GL wie Glücklich – 2012 Mercedes-Benz GL 350 BlueTEC 4MATIC (X166)

Als Jens im Juni zur Fahrveranstaltung der neuen Mercedes-Benz GL-Klasse (X166) geflogen ist, habe ich ihm dies nicht nur großzügig gegönnt – nein, ich hatte nicht mal ansatzweise Interesse. Tzzzzz. Der GL. Noch so ein Riesen-SUV, dem die Parkplätze auf der Düsseldorfer Kö zu klein sind. Noch so ein Reiche-Frauen-Kinder-zum-Kindergarten-Transportier-Vehikel mit amerikanischen Ausmassen. Um es auf den Punkt zu bringen – ich wusste, dass es den GL in der Modellpalette von Mercedes-Benz gibt, aber es war mir egal, ich habe es sogar ein wenig verdrängt.

Als ich den 2012 Mercedes-Benz GL 350 BlueTEC 4MATIC (X166) dann letzte Woche bei Jens abgeholt habe, war meine Motivation dementsprechend. Jejeje. Klar fahre ich den auch mal. Sicher mache ich auch Fotos – wenn mein Weitwinkel denn überhaupt reicht, um das 5.12m lange Ungetüm abzulichten. Ich habe mich dann auf den Fahrersitz gehievt. Und dann hat es schon wieder angefangen. Ich bin ein Mercedes-Fanboy und kann mich kaum dagegen wehren, dass mir – sobald ich mich in einen Mercedes setze – ein zufriedener Seufzer entfährt. Das Interieur der aktuellen Daimler-Flotte sagt mir nun mal ungemein zu und es ist immer ein wenig “nach Hause” kommen. Meine Kinder habe ich auch schon infiziert – so fragt meine Tochter mich gleich nach dem Einsteigen mit einem zufriedenen Lächeln “Wie lange können wir den behalten?”

Eine Woche. Eine Woche bin ich in dem tenoritgrau metallic-farbigen Mercedes-Benz GL 350 BlueTEC 4MATIC (X166) unterwegs gewesen und habe dabei knapp 1.500 km abgespult. Davon alleine über 1.000 Kilometer auf der Autobahn. Ich komme zu dem Schluss, dass der GL 350 – wie auch schon der Mercedes-Benz CLS 350 CDI eine perfekte Reiselimousine ist. Reisen kann man sich kaum angenehmer vorstellen.

Dies liegt zum einen an der Motorisierung. Mit seinen 258 PS hat der 3 Liter-V6-Dieselmotor zu keiner Zeit Probleme, die 2.4 Tonnen Leergewicht des GL in Fahrt zu bringen, genauso wenig ist man aber versucht auf Teufel komm raus schnellst möglich von A nach B zu gelangen. Die Beschleunigung von Null auf 100 km/h in weniger als 8 Sekunden lässt erahnen, dass da schon einiges geht, aber wenn man ehrlich ist, will man das so gar nicht. Entspanntes dahingleiten – das will man. Beschleunigt man auf der Autobahn von 120 km/h hoch bis 210 km/h (mehr war nicht möglich wegen der Winterreifen, die Höchstgeschwindigkeit gibt Daimler mit 220 km/h an), so funktioniert auch das problemlos, wohl aber in einem nicht zu hektischen Tempo.

Zum anderen spielen für mich da zwei Ausstattungsmerkmale zusammen, die dafür sorgen, dass ich mich einfach wohl fühle. Serienmäßig wäre da die AIRMATIC (so nennt Mercedes-Benz die Luftfederung) zu nennen, die dafür sorgt, dass Fahrbahnunebenheiten dezent weggeschluckt werden. Das Luftfedersystem arbeitet in Kombination mit der vollautomatischen Dämpferverstellung ADS, die sich permanent der jeweiligen Fahrsituation anpassen kann, und ermöglicht so selbst bei kleinen Fahrbahnunebenheiten einen ausgezeichneten Abrollkomfort. Zudem ist es möglich, das Fahrzeug auf schlechten Strecken oder ungünstigen Auffahrten anzuheben und so die Bodenfreiheit zu erhöhen. Bei kontinuierlicher Fahrt mit höherer Geschwindigkeit wird das Fahrzeug automatisch abgesenkt. Besonders das Anheben macht bisweilen Spass, weil man anschliessend beim Ein- und Aussteigen wirklich vom Bock springt bzw auf ihn klettert. Und dann wären da noch die optionalen (also mit Mehrkosten verbundenen) Ausstattungsfeatures Multikontursitze für Fahrer und Beifahrer, die mit einer Massage-Funktion daherkommen (1.300 Euro Aufpreis) in Verbindung mit der Sitzklimatisierung (nochmal 1.300 Euro extra), die es ermöglicht, den Sitz zu beheizen und zeitgleich zu belüften. Besser kann man nicht in einem Auto sitzen und reisen, wage ich mal zu behaupten.

Wegdiskutieren lassen sich aber nicht Gewicht und Abmessungen des 2012 Mercedes-Benz GL 350 BlueTEC 4MATIC (X166). Über 5 Meter lang, und fast 2 Meter breit (1.93m um genau zu sein) ist der Koloss, der von Mercedes-Benz auch mit Offroad-Eigenschaften beworben wird. Da leuchten doch gleich mal alle Signal-Leuchten, wenn es ums Einparken geht. Ich halte mich ja wirklich nicht für den schlechtesten Einparker (und bin ja von uns Blogger-Kollegen mal Zweiter bei einer Einparkmeisterschaft geworden), bei solchen Ausmassen und der erhöhten Sitzposition habe ich aber schon Respekt. Unübersichtlich würde ich den GL übrigens nicht bezeichnen, aber die hohe Sitzposition iVm der Länge des Fahrzeugs sorgt eben u.a. dafür, dass man aus der Heckscheibe ab und an mal nur die Autodächer des folgenden Verkehrs sieht. Um diese Ängste den potentiellen Kunden zu nehmen, bietet Daimler für den GL das Park-Paket mit 360°-Kamera an. Die 1650 Euro Aufpreis sind meines Erachtens bei dem Auto gut investiert. Wie in dem nachstehenden Video ganz gut zu sehen ist, erzeugen 6 Kameras eine Rundumsicht um das Auto herum. Entweder lässt man sich per Splitscreen zwei unterschiedlichen Sichten anzeigen, die das Einparken ungemein erleichtern, oder aber man wählt eine bestimmte Kamera-Perspektive im Vollbild. Allerdings helfen auch die ganzen Kameras im Dunkeln nur bedingt weiter, bei Tageslicht sind sie jedoch eine große Hilfe.

Im Dunklen soll aber der Nachtsicht-Assistent Plus helfen (Im Video ab 1:39 zu sehen). Für nicht ganz 1.500 Euro Aufpreis wird die Front mit 2 Infarkt-Scheinwerfern bestückt. Wenn man es so nennen will, spendiert man der Mercedes-Benz GL-Klasse damit ein Nachtsichtgerät. Das Infarkt-Licht kann man nicht sehen, es kann somit auch niemand blenden. Aber in Verbindung mit einer Infarkt-Kamera kann man die Szenerie vor sich so künstlich ausleuchten. Das Ergebnis wird auf dem Display vom COMAND Online angezeigt. Ich habe mich in der Woche nicht an das Feature gewöhnen können. Der Blick auf das Display im Dunklen hat mich zu sehr irritiert. Ich muss aber gestehen, dass sich beispielsweise Fussgänger mit diesem System wesentlich besser im Dunklen erkennen lassen. Vor allem, wenn sie in dunkler Kleidung unterwegs sind.

Als Familienvater, dessen Kinder auch Sport treiben und zu allem Überfluss auch noch Freunde haben, ist das Platzangebot der Mercedes-Benz GL-Klasse natürlich verlockend. Dass man die dritte Sitzreihe, wo optional noch einmal zwei Personen Platz finden, allerdings elektrisch umlegen kann, ist selbst mir zu viel des Guten. Sicherlich ist das unglaublich einfach und charmant (auch weil sich nicht nur um Kofferraum entsprechende Schalter befinden, sondern auch an den Seiten der Fond-Sitzplätze), hier hätte man indes aber durchaus ein wenig Gewicht einsparen können. Zugang zur dritten Sitzreihe verschafft man sich, in dem man die äußeren Sitze der zweiten Reihe umklappt. Dazu ist ein Mechanismus entwickelt worden, der so einfach ist, dass ihn auch die Kinder bedienen können (im Video ab 1:03 Minuten). Wem das noch zu umständlich sein sollte, kann dies auch für nicht ganz 500 Euro als elektrische Version ordern. Die Heckklappe öffnet sich übrigens sehr fix elektrisch. Bei vielen Autos hat mir das bislang zu lange gedauert. Der GL schafft das in 5 Sekunden.

In den Kofferraum passt schon einiges, wenn man alle drei Sitzreihen nutzen muss oder möchte. In Litern ausgedrückt: 680 (und im Vergleich, der Kofferraum der B-Klasse bietet 488 Liter). 2.300 Liter sind es, wenn man alles an Sitzen umlegt. Mit einer zusätzlichen Dachlast von 100 Kilogramm wird der GL zum wahren Packesel. Die zulässige Anhängelast liegt bei 3.500 kg, damit kann man also problemlos Boote, Pferde oder Autos am Haken durch die Gegend ziehen.

104.000 Euro steht auf dem Preisschild des gefahrenen Mercedes-Benz GL 350 BlueTEC 4MATIC (X166). 72.500 Euro entfallen auf den Grundpreis, die weiteren 27.500 Euro kommen der Sonderausstattung zu Gute, bei dem das AMG Sport-Paket Exterieur mit fast 5.000 Euro einer der größten Posten neben dem COMAND Online System iVm dem Harman Kardon® Logic7® Surround-Soundsystem darstellt. Man kann da sicher einiges streichen, ich würde schon auf einiges verzichten können. Was man bekommt ist eine S-Klasse mit Offroad-Eigenschaften. Eben diese habe ich nicht testen können. Das Offroad-Fahrprogramm unterstützt den Fahrer beim Offroadfahren durch angepasste Einstellungen für Motorleistung, Automatikgetriebe, Anti-Blockier-System (ABS), Elektronisches Stabilitäts-Programm (ESP®) und Elektronisches Traktions-System 4ETS. Das entsprechende Fahrprogramm wird über die Offroad-Taste in der Mittelkonsole aktiviert. Eine Kontrollleuchte im Schalter und eine Anzeige im Kombiinstrument zeigen den Status des Systems an. Wer wirklich den Wagen auch im Gelände nutzen will, kann für weitere 2.300 Euro Aufpreis das ON&OFFROAD-Paket dazubestellen. Das Paket gibt dem Fahrer mehr Kontrolle über die Fahreigenschaften des Fahrzeugs – sowohl Onroad als auch Offroad. Über einen Drehschalter wählt der Fahrer zwischen 6 verschiedenen voreingestellten Fahrprogrammen. Die Fahrprogramme passen die Fahrzeugkonfiguration bestmöglich an die Fahrsituation und die Fahrbahneigenschaften an.

Mercedes-Benz gibt einen Durchschnittsverbrauch des Mercedes-Benz GL 350 BlueTEC 4MATIC (X166) von 8 Litern Diesel auf 100 km/h an. Unser nicht repräsentativer Verbrauch bei gefahrenen 2000 km lag bei 11.2 Liter auf 100 km. Die Druchschnittsgeschwindigkeit von 63 km/h zeigt wohl, dass wir nicht immer langsam unterwegs waren. Als kleines Highlight möchte ich zum Schluss noch auf den Getränkehalter in der Mittelkonsole hinwiesen. Dieser kann Getränke sowohl warm halten als auch kühlen. Je nach zustand verändert sich die Beleuchtung des Halters. Nichts, was man zwingend braucht, aber wenn man es einmal genutzt hat, möchte man es nicht mehr missen.

Mein Fazit: Vor einer Woche hatte ich den GL noch gar nicht auf meinem Schirm. Innerhalb einer Woche hat er mich aber überzeugt, dass er zwar gross und sperrig, mit ein paar Helferchen aber einfach zu handeln ist. Zudem bietet er wirklich Platz ohne Ende, zur Not auch mal für eine Volleyball-Mannschaft inkl. Ball. und Sporttaschen. Wer sich eine geländefähige S-Klasse für knapp 100.000 Euro leisten kann und will, bekommt einen wirklich tollen Mercedes.

Jens hat natürlich auch schon seine Meinung zum GL veröffentlicht. Weiterführende und sehr detaillierte Informationen kann man der Mercedes-Benz Pressemitteilung zur neuen GL-Klasse entnehmen. Ja. Natürlich hatte ich an dem Tag, an dem die Sonne geschienen hat, keine Zeit und musste meine Bilder dann im Regen schiessen. Toll. All diese Bilder und dazu noch einiges Datei-Schüsse findet ihr wie immer in der nachstehenden Galerie: