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Mini Road Trip – Valencia – Barcelona

Wie definiert sich eigentlich ein “Road Trip”? Durch eine besonders lange Wegstrecke? Durch ein besonderes Fahrzeug? Für mich definiert sich ein Road Trip eher durch andere Faktoren. Wichtig sind die Personen. Wichtig ist die Strecke. Wichtig ist die Musik, die man während derFahrt hört. Und vor allem macht die Stimmung eine ganze Menge aus.

Jens und ich sind Dienstag früh um 6 Uhr in einem Hotel hinter Valencia aufgebrochen, um mit einem Leihwagen – einem Ford Focus Diesel – nach Barcelona zu fahren. Die Strecke ist gerade mal 350 Kilometer lang – wenn ich von Bielefeld nach Berlin fahre, lege ich mehr Wegstrecke zurück. Aber die Strecke ist dann landschaftlich nicht halb so reizvoll, immerhin bewegen wir uns die ganze Zeit an der Mittelmeerküste Spaniens entlang. Rechts das Meer, links die Berge. Das architektonisch reizvolle Valencia durchqueren wir noch bei absoluter Dunkelheit, gegen halb acht setzt die Dämmerung ein und beschert uns einen sehenswerten Sonnenaufgang über dem Meer.

Der Nachtportier im Hotel war ein mürrischer Glatzkopf. Ich mochte nicht – ob unserer extra frühen Abfahrt – nach einem Kaffee fragen. Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt sinkt meine Laune ins Bodenlose. Es ist von Vorteil, wenn Dich Dein Road Trip Partner kennt. Ich brauche kein Snickers, ich brauche einen Kaffee und Jens steuert zielsicher den nächsten Rasthof an. “Ola! A large coffee to go, please” glänze ich weltgewandt. Der Spanier lächelt mich freundlich an. “Coffee?” Ich nicke. Für 1.65 Euro bekomme ich einen Pappbecher in der Größe XXL-Fingerhut. Der Kaffee ist heiss und so stark, dass ich wohl für den restlichen Tag kein Koffein mehr zu mir nehmen muss.

Während eines Road Trips sollte der Weg das Ziel sein, auch wenn ein Wegziel zu einer bestimmten Zeit zu erreichen ist. Wir nehmen uns die Zeit für einen kurzen Abstecher an den Strand. Irgendwo auf der Strecke, die Sonne versteckt sich noch hinter dem Horizont, leuchtet die wirren Wolkenformationen aber in wundervoll bizarren Farben an.

Der geflügelte Satz während unser Fahrt lautet “Das war doch wirklich eine tolle Idee!” Ja. Verdammt, das war wirklich eine tolle Idee. Alternativ hätten wir um 4 Uhr aufstehen können, uns zum Flughafen bringen können und dann mit einem Zwischenstop in Madrid nach Barcelona fliegen können. Was wäre das für eine Verschwendung gewesen. Aber das wissen wir auch nur, weil wir im Auto sitzen und die Natur links und rechts der Autobahn geniessen können.

Hin und wieder passieren wir Orangen-Plantagen – kleine Orangenbäumen stehen übrigens auch einfach so in Valencia und den Vororten als Begrünung an den Strassen. Dann wieder Plantagen mit irgendwelchen lila blühenden Bäumchen. Ich bin kein Botaniker – ich kenne mich mit dem Gestrüpp eher schlecht aus. Es sieht auf jeden Fall gut aus.

Gegen halb zehn nimmt der Verkehr auf der Autobahn AP-7 (E-15) leicht zu. Auch wenn ich gegen ein allgemeines Tempolimit auf deutschen Autobahnen bin, muss ich immer wieder feststellen, dass es doch verdammt angenehm zum Fahren ist. Hier in Spanien ist die Höchstgeschwindigkeit auf 120 km/h begrenzt und nur ab und an schiesst mal ein Fahrzeug auf der linken Spur mit vielleicht 140 km/h vorbei. Entspanntes Fahren. Ich will aber auch die Maut-Stationen nicht verschweigen. Für die knapp 350 Kilometer haben wir am Ende unserer Fahrt fast 40 Euro bezahlt.

Aus den Serienlautsprechern des Focus plärrt der Inhalt von Jens USB-Stick. Musik ist wichtig auf einem Road Trip. Entweder muss sie extrem gut sein – oder extrem schlecht. Es ist Jens USB-Stick der uns bespasst. Immerhin – zwischenzeitlich rocken wir zu Gangman Style den Ford – was sage ich – die ganze spanische Autobahn.

Die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel. Es ist kurz nach halb elf als wir den Flughafen in Barcelona erreichen. Schön war es. Und Spass gemacht hat es auch. Gerne wieder.