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Mit dem 2013 Nissan Juke Nismo über spanische Bergstrassen


Ich war wohl noch nie vor einer Fahrzeugpräsentation so skeptisch wie beim 2013 Nissan Juke Nismo, den ich diese Woche im Umland von Barcelona über enge Bergstrassen geschubst habe. Und das hat eine Vorgeschichte. Wir hatten hier in Bielefeld einen 190 PS Nissan Juke mit CVT-Automatikgetriebe und ich bin mit dem Auto so überhaupt nicht klargekommen. Mir muss ja auch nicht jedes Auto gefallen. Aber wie ich heute weiss, lag die Disharmonie zwischen mir und dem Juke ganz eindeutig am Automatik-Getriebe. Der Kollege Can Struck hat das CVT sehr schön beschrieben. Der Motor dreht irgendwie anders. Teilweise beschleunigt man, der Motor dreht aber immer gleich schnell. Es wird eine ganze Menge Leute geben, die das als angenehm empfinden. Für mich war es gar nicht. Ich und der Juke – das war nichts.

Nun ein zweiter Versuch. Mit dem 2013 Nissan Juke Nismo. Nismo? Das steht für Nissan Motorsport. Die Jungs von der Motorsport-Sparte haben sich den Juke vorgenommen. Ein paar Spoiler drangeklascht, 10 PS mehr aus dem 1.6 Liter Benziner rausgeholt und den Innenraum aufgemotzt. denke ich als ich am Flughafen Barcelona vor dem Auto stehe. 20 Stunden später steige ich an gleicher Stelle aus dem Fahrzeug aus und habe meine Meinung ganz schön revidiert.

Der Nissan Juke ist ein Cross-Over. Eine Mischung zwischen Kompaktwagen und SUV. Also kein Kompakt-SUV. Das ist verwirrend, oder? Finde ich schon und definiere es für mich so, dass man im Juke sitzt, wie in einem SUV, aber fährt wie in einem Kompakten. Und so wirr sich das auch anhören mag, eigentlich ist es ehrlich, zumindest wenn man sieht, was andere Hersteller als Kompakt-SUV bezeichnen – also einem Fahrzeug mit dem man zumindest mal ansatzweise durch den Wald fahren kann. Der Juke hat in meinen Augen zwei großen Schwächen, die aber die Zielgruppe – junge Menschen – wenig stören wird: Der Kofferraum ist wirklich klein und der Platzangebot im Fond nicht so ausgelegt, dass man mit 4 Erwachsenen mal eine längere Strecke zurücklegen kann.

Der Juke hat in meinen Augen aber auch zwei große Pluspunkte: Der Erste ist ganz klar die Sitzposition. Man sitzt erhöht – einfach ein- und aussteigen, auch für Menschen meines Alters – und sieht prima. Zudem finde ich die Aussicht auch sehr angenehm. Die Fans aus Zuffenhausen mögen jetzt ruhig laut aufjaulen, aber der Blick nach vorne erinnert mich schon ein wenig an meine Fahrten mit den Sportwagen aus Stuttgart. Der zweite Punkt betrifft die Ausstattung, die umfangreich und durchdacht ist.

Ich persönlich finde den Nissan Juke nicht wirklich schön, muss aber dazusagen, dass er ein paar schöne Ansichten hat. Nun haben die Ingenieure aus dem Nismo-Team dem Nissan Juke eine Fronspoiler-Lippe, Seitenschweller und einen Spoiler und einen Diffusor am Heck spendiert. Und ich finde, dass diese Anbauteile dem Wagen gut stehen. Ich finde, dass er dadurch auf eine knuffige Art bullig wirkt. Auch die 18″ Felgen passen meines Erachtens besser zu dem Crossover als die 17″ Alus der „normalen“ Serienversion.


Ob sicher der Nissan Juke Nismo mit seinen 10 Mehr-PS den Motorsport-Freunden empfehlen wird, denke ich nicht. Soweit ich es verstanden habe, geht es Nissan aber gar nicht darum. Sie möchten ihren Nismo-Kunden vielmehr ein Fahrzeug bieten, was einen betont sportlichen Flair bietet. Während der Kollege Bjoern Habegger, der sich stets für einen Fahrersitz in einer Rennserie empfiehlt, mit dem Fahrwerk des Juke Nismo nicht zufrieden war, war ich – als Durchschnittsautofahrer – sehr angetan. Bei flotter Fahrt über die spanischen Bergstrasse hatte ich das Gefühl, dass das Fahrwerk straff und ordentlich für den nötigen Bodenkontakt gesorgt hat, dabei aber meinen Rücken aber von jeglichen bösen Stößen bewahrt. Das manuelle 6-Gang-Getriebe? Super! Hach! Danke. Ich fahre ja lieber Automatik, aber ich hatte Spass am Schalten – die Schaltwege sind kurz und knackig sportlich.

Auf der Rückfahrt am frühen Morgen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt hatte ich dann in den Serpentinen hin und wieder Probleme mit Juke. Zum einen wollte die Reifen im zweiten Gang hier und da nicht so richtig greifen, zum anderen schiebt der Nissan Juke Nismo in Kurven auch gerne mal etwas über die Vorderräder. Man hatte uns aber auch Sommerreifen aufgezogen – ich vermute mal, dass zumindest ersteres damit zu tun hatte. Lobend möchte ich – ich schwelge in meinen Erinnerungen gerade durch die Serpentinen – die Nismo-Sportsitze hervorheben. Diese lassen sich zwar nur manuell verstellen, hat man aber die richtige Einstellung gefunden, sind sie nicht nur bequem sondern bieten auch perfekten Seitenhalt. Auch das verbaute Nismo-SportLenkrad – bezogen mit einem Mix aus Leder und Alcantara – hat eine angenehme Größe und liegt gut in der Hand. Leider lässt es sich hoch und runter kippen, aber nicht näher zum Fahrer hinziehen.

26.400 € ruft Nissan als Startpreis für den Juke NISMO mit Frontantrieb und manuellem Sechsgang-Getriebe auf. Allrad-Antrieb wird es nur in Verbindung mit der Automatik geben. Sehr cool ist übrigens die Nismo iPad.app (Jens hat dazu ausführlich im iPad-Blog geschrieben) mit der man sich allerlei Information aus dem Auto anzeigen lassen kann. Und ist das iPad eh im Auto würde ich es auch als Navi nutzen, das Nissan-Infotainment-Paket hat für meinen Geschmack das kompakte Display etwas zu tief verbaut. Das iPhone war einfach per leicht zugänglicher USB-Buchse verbunden, der Klang im Fahrzeug in Ordnung.

Der Nismo kosten nur knapp 3.000 Euro mehr als der „normale“ 190-PS Juke. Dafür bekommt man ein optisch aufgewertetes Fahrzeug mit einem Hauch mehr Power und vor allem auch einer angenehmen Innenausstattung. Ich bin mir ziemlich sicher – würde ich über den Kauf eines Jukes nachdenken, ich würde den Nismo wählen. Vor allem wegen dem aufgewerteten Innenraum.

Weitere Stimmen zum Nissan Juke Nismo gibt es auch noch bei Jens (der in einem eigenen Beitrag auch noch mal alle Unterschiede zwischen dem Nismo und dem „normalen“ Nissan Juke niedergeschrieben hat), Mikhail, Milos und Thomas zu lesen. In der nachstehenden Galerie wie immer noch zahlreiche weitere Fotos und Detailbilder.