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2012 Citroën DS4 HDi 165 SpotChic aus der Sicht eines Citroen DS-Liebhabers


Ohne Frage bin ich ein Fan der Marke Citroën. Anders kann man es wohl kaum beschreiben, zieren doch zwei Ansichten der Citroën DS meinen Oberarm. Vor einigen Jahren haben meine Frau und ich uns den Jugendtraum erfüllt und seitdem befindet sich auch eine Citroën DSpecial von 1972 in unserem Besitz. Umso kritischer war ich, als Citroën 2010 Jahren die neue DS-Linie vorgestellt hat. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Gerüchte um eine Retro-Version der DS gegeben. Aber was Citroen dann 2010 in Form des Citroen DS3 vorstellte war im Vergleich zu den anderen Ansätzen von Mini, Alfa Romeo oder Volkswagen kein Retro-Mobil, sondern eher eine futuristische Interpretation mit dem Spirit der klassischen DS. Wobei ich sagen muss, dass für meinen Geschmack dieser Spirit ein wenig zu kurz kommt, war doch die Ur-DS ihrer Zeit damals in so ziemlich allen Belangen weit voraus. Die neue DS-Linie hingegen überzeugt mich eher durch ihr frisches Design, nicht aber aber durch bahnbrechend Innovationen.

Der Erfolg der DS-Linie zeigt jedoch, dass Citroën wohl ziemlich viel richtig gemacht hat. 300.000 Einheiten der DS-Linie hat man verkauft seit dem Launch des DS3 2010. 200.000 Einheiten fallen dabei auf den Citroen DS3, 65.000 Einheiten des Citroen DS4 fanden einen Käufer und 35.000 Citroen DS5 (jeder 5te DS5 ist übrigens ein Hybrid-Modell) fahren in der Welt herum. Entscheidend für den Erfolg der Serie ist aber auch, dass man mit der neuen Linie Neukunden erreicht. 60% aller Neuwagenkäufer, so sagt Citroen, haben vorher ein Fahrzeug eines anderen Herstellers gefahren. Grund genug also, sich den Citroën DS4 mal genauer anzusehen, zumal ich mit dem Citroen C4 sehr zufrieden war und Citroen DS3 durchaus in mein Herz geschlossen haben (auch jüngst als Citroen DS3 Cabrio-Limousine).


Natürlich lässt sich der DS4 so gar nicht mir meiner alten DSpecial vergleichen, die beiden gegenüber zu stellen, konnte ich mir aber nicht verkneifen. Während die Ds seinerzeit als obere Mittelklasse bis Oberklasse eingestuft wurde, handelt es sich beim Citroen DS4 um ein Fahrzeug der Kompaktklasse, der DS4 konkurriert also in dem Segment mit Mercedes-Benz A-Klasse, Volkswagen Golf, Audi A3, BMW Einser, Alfa Romeo Giulietta, VW Beetle und Ford Focus. Der mir zur Verfügung gestellte Citroën DS4 HDi 165 SpotChic in Hickory Braun mit der 6-Gang-Schaltung und allen Extras kostet etwa 35.000 Euro. Ungeachtet den Faktoren wie Versicherung, Wiederverkaufswert und laufender Unterhalt – ein deutscher Kompakter in gleicher Aussattung wird wohl eher 10.000 Euro mehr kosten. Aber zurück zu meinem unsinnigen Vergleich. Das reisen in meiner altwürdigen DS ist Entspannung pur – zumindest wenn man nicht schneller als 120 km/h fährt, denn alles was darüber hinausgeht wird doch unangenehm laut (der DS4 hingegen ist auch bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h angenehm ruhig im Innenraum, aber auch im Stadtverkehr ist der Diesel bemerkenswert leise).

Ich war mit dem Citroen DS4 in Berlin. Von Bielefeld nach Berlin sind es um die 400 km. Auf dem Heimweg hatte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 170 km/h und dabei habe ich mich an alle Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten. Übrigens bei einem Durchschnittsverbrauch von weniger als 12 Liter/ 100km, was ich beachtlich wenig finde, habe ich bei ähnlichen Fahrten mit einem Diesel auch schon mal gut und gerne weit über 16 Liter verbraucht. Ich bin also, wann immer es möglich war, über 200 km/h schnell gewesen. Und nein, ich bin nicht gerast und ja, die Autobahn war komplett frei. Zu Hause angekommen, bin ich aus dem Citroen DS4 ausgestiegen und war – trotz der 150-minütigen Konzentrationsphase ziemlich locker und entspannt. Direkt nach der Fahrt habe ich ein Zwischenfazit verfasst: Der Citroen DS4 HDi 165 SpotChic ist ein wundervolles Auto, was sich sportlich fahren lässt und eine ganze Menge Komfort mitbringt, die das Fahren von langen Strecken zu einer angenehmen Reise macht. Ich bin wirklich einfach nur begeistert. Lediglich das Fahrwerk dürfte für meinen Geschmack ein wenig straffer sein, oder aber – sich idealweise als Hydropneumatik (nein, die gibt es nicht für den Citroen DS4) von Komfort auf Sport schalten lassen.

Interessant ist der DS4 aber sicherlich vor allem in der Stadt und im urbanen Bereich. Wer sich an die Schaltempfehlungen des Autos hält und behutsam mit dem Gaspedal umgeht, kann den vom Hersteller angegebenen Norm-Verbrauch zwischen 4.3 Litern auf der Landstrasse und 6.6 Litern in der Stadt durchaus erreichen – es sind keine Fantasie-Werte. Ins Reich der Fantasie wandert allerdings die Anschaffung eines Citroen DS4 für mich und ich kann mir auch wirklich nicht erklären, wie irgendjemand im Hause Citroen absegnen konnte, den DS4 mit starren Fenstern im Fond zu bauen. Ich mag das Auto wirklich und es passt auch zu unserer Familie, aber wenn ich mit einem Fahrzeug nach Hause komme, bei dem die Kinder hinten nicht die Fenster herunterlassen können, kann ich vermutlich in den Keller ziehen.

Dies ist wirklich im doppelten Sinne bitter. Ich habe sonst keine weiteren nennenswerten Kritikpunkte. Mit starren Gurtpeitschen und Beleuchtung (so können sich die Kleinen am besten alleine anschnallen) im Fond gibt sich der DS4 ansonsten im Fond auch sehr kinderfreundlich. Sicherlich könnte der Kofferraum noch ein wenig größer sein – 385 (in der Version ohne Reserverad) sind nicht die Welt, reichen aber für den Wochenendeinkauf, wenn man nicht gerade 4 Wasserkisten mitnehmen will. Die Sitze vorne wie hinten sind sehr angenehm – die Massagefunktion der optionalen Lederausstattung könnte für meinen Geschmack etwas kräftiger sein, ist aber durchaus angenehm bei längeren Strecken. Schade auch, dass die Schaltelemente für Sitzheizung (gut!) und Memory-Funktion (sehr nützlich für alle, die sich ein Auto teilen – in diesem Fall aber nur 2 Speicherplätze) an der Aussenseite des Sitzes untergebracht wurde. Ich schätze es mehr, wenn ich die Schalter im Blick haben kann. Das Platzangebot ist Innenraum ist nicht üppig, aber zufriendenstellend für einen Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern. Die 220 Volt Steckdose (bei SportChic Serienausstattung) in der Mittelkonsole ist super. Das Premium-Hifi-System mit Denon-Lautsprechern nicht die Sperrspitze, was im audiophilen Bereich machbar ist, aber durchaus apart. Das Navigationssystem eMyWay funktioniert akzeptabel, unerklärlich ist mir jedoch, warum man in dem 7″ Display nicht – zumindest optional – eine Rückfahrkamera-Funktion integriert hat.

Was mir extrem gut gefallen hat, war der Bezug des Armaturenbretts in Leder. Ich finde, dass diese Option die Anmutung des Innenraum enorm aufwertet und so auch mein Wohlfühlfaktor deutlich gesteigert hat. Leder statt Plastikwüste – für mich nicht nur eine Form der Individualisierung des Fahrzeugs, sondern auch ein Muss bei der Bestellung eines Privatwagens, den man nicht nur 2 Jahre fahren will. Sowieso mochte ich die Lederausstattung. Ich weiss von meinen Ansprechpartnern bei Citroen, dass sie auf das Material, die Verarbeitung und das Design bei der DS-Linie besonders stolz sind. Meines Erachtens zurecht. Zudem erinnern mich die Sitze vom Bezug her ein wenig an meinen alten Citroen CX Break (2. Serie, Bj 89).

Bei Rad-ab hat die Freundin von Jens den DS4 getestet. Bjoern Habbeger hatte ebenfalls den gleichen Testwagen, der im Übrigen auch die Recken beim Citroen Blogger Trip begleitet hat. In der nachstehenden Galerie gibt es dann noch einige Detailschüsse.