Probefahrten
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Eleganter Panzer – unterwegs in einem weißen 2012 Lancia Thema 3.0 V6 Multijet Executive

Monatelang hatten der Jens und ich Testfahrzeuge mit Allrad-Antrieb in Bielefeld. Und prompt als der erste Hecktriebler in Form des 2012 Lancia Thema in Bielefeld ankam, lag Schnee. Was hast Du denn? mag da der eine oder andere fragen, da fängt der Spass doch erst richtig an! Wohl wahr, doch mein Leben besteht eben nicht nur aus verwaisten Parkplätzen auf denen ich stundenlang Spass habe, sondern aus dem Alltag. Morgens die Kinder zur Schule bringen. Und da muss ich durch schmale auf beiden Seiten zugeparkte Strassen fahren, die nicht geräumt werden. Bei den Abmessungen des Lancia Themas erstmal gefühlt eine echte Aufgabe, doch kann ich schon mal festhalten, dass sich der amerikanische Italiener aus Österreich (ja, richtig, beim 2012 Lancia Thema handelt es sich in der Tat um einen in Italien veredelten Chrysler 300, der den Lancia Thesis abgelöst hat und der übrigens bei Magna Steyr in Graz zusammengebaut wird [war ursprünglich falsch hier in meinem Artikel: Bis 2010 wurde der Chrysler 300 bei Magna Steyr in Graz gebaut, heute werden die Fahrzeuge in den USA gefertigt] ) auch bei Schnee gut beherrschen lässt. Sicher hat das Hinterteil immer einen leichten Drang nach vorne, aber wenn man zur rechten Zeit das Gas weg nimmt und hin und wieder etwas gegenlenkt, stellt Schnee den Lancia Thema-Fahrer auch nicht vor größere Probleme.

Jens und ich hatten uns schon bei Lieferung einen bestimmten Tag zum Erstellen von Fotos und Video ausgeguckt. Der Schnee war zwischenzeitlich getaut. Dafür war es ein wenig am Nieseln. Da haben wir ja keine Probleme mit. Als wir dann aber endlich an der Stelle angekommen waren, die ich für die Video-Schnipsel und Fahrbilder auserkoren hatte, schüttete es wie aus Kübeln. Meine Winterjacke war innerhalb von Minuten vom Regen durchtränkt. Super. Da half dann auch die sehr gut funktionierende Sitzheizung wenig und die Scheiben wollten sich so gar nicht mehr vom Beschlag befreien lassen – hat die Lüftung dann aber schon noch geschafft. Mein Fazit zur verregneten Foto-Session: Der 2012 Lancia Thema macht auch bei Schmuddelwetter eine gute Figur!

Ich mache kein Geheimnis aus der Tatsache, dass ich amerikanische Autos mag. Und der Lancia Thema kann seine Herrkunft meiner Meinung nach ganz schlecht kaschieren. Er ist durch seine Wuchtigkeit einfach ein Hingucker, so zumindest habe ich beim Fahren die Aussenwirkung des Autos wahrgenommen. 5.06m lang, 1,92m breit – dafür aber keine 1,50m hoch – wuchtig und gross ist er. Was bei amerikanischen Fahrzeug aber nicht immer selbstverständlich ist, die Größe und Weitläufigkeit findet sich auch im Innenraum wieder. Platz hat man. Ohne Ende. Ob nun vorne, im Fond oder im Kofferraum (und da muss die Frage erlaubt sein, warum man den Lancia Thema mit gerade mal 500 kg zusätzlich beladen darf) – beengt fühlt man sich im 2012 Lancia Thema wirklich zu keinem Zeitpunkt. Großzügig auch das Angebot an Staumöglichkeiten und Flaschenhaltern – in der Mittelkonsole befinden sich in der Executive-Ausstattung (nach Gold und Platium die umfangreichste Ausstattungsvariante, wobei die Gold-Ausstattung mehr Features ausweist als die Basisausstattung des Chryslers in den USA) Flaschenhalter, die das abgestellte Nass auf Wunsch kühlen oder warmhalten. Je nach gewählter Funktion wird der Halter dabei rot oder blau illuminiert. Schön auch, dass sich die beiden Halter getrennt voneinander bedienen lassen (also links rot und rechts blau oder eben umgekehrt). Im Übrigen beinhaltet die Executive-Ausstattung ALLES, was an Ausstattungsmerkmalen möglich ist, ausser die Metallic-Lackierung (950 Euro Aufpreis) und das wirklich schön große Panorama-Schiebedach (1350 Euro Aufpreis), was dem Innenraum nicht nur mehr Licht zukommen lässt, sondern ihm dadurch auch noch tiefer – größer – erscheinen lässt.

ALLES steht u.a. (ich werde hier nicht wirklich alles auflisten, hier möge der geneigte Leser die Preisliste studieren) für ein 506 Watt kräftiges Alpine-Audio-System, was gefällt, aber durchaus in der Klangqualität – zumindest für Leute mit audiophilen Ansprüchen – noch Platz nach oben lässt. Die Anlage wird von einem Infotaiment_paket namens uconnect befeuert. Dieses teilt sich einen 8,4″ Touchscreen (das ist groß!) mit dem Garmin-Navigationssystem (was gut funktioniert hat, die Karten auch ganz niedlich – fast comicartig anzeigt) und der Klima-Anlage, sowie dem Steuergerät von Sitzheizung und -lüftung (die man leider nicht gleichzeitig aktivieren kann, wie ich das eigentlich ganz gerne mag) und der Lenkradheizung (diese war in den kalten Tagen eins meiner Lieblingsfeatures, sie wärmt das Volant wirklich prima, allerdings bleiben die Metallapplikationen an den Streben kalt, so dass ich die Daumen dort nur ungern abgelegt habe). Die Heizleistung für den Innenraum und das Enteisen der Front- und Heckscheibe habe ich den kalten Testtagen als gut empfunden. Schön übrigens auch, dass die Rückfahrkamera die volle Größe des Touchscreens nutzt. Das Fahrassistenz-Safety-Paket (unterhalb der Executive-Ausstattung mit 1400 Euro aufpreispflichtig) beinhaltet neben dem Tote-Winkel-Assistent, auch einen Tempomaten mit adaptivem Abstandshalter und Auffahrwarner. Hat bei mir im Gebrauch alles prima funktioniert. Ein kleines Highlight möchte ich noch hervorheben, weil ich es bislang noch in keinem anderen Auto gesehen habe: mittels eines kleinen unscheinbarem Knopf an der Fahrersitzaussenseite kann man die Stellung der Pedale verändern – die Pedale also näher an den Fahrer heranfahren. Wohl ganz praktisch für Personen mit besonders langen oder kurzen Beinen.

So. Und der Motor? “Unser” Lancia Thema wurde von einem 3 Liter V6 Common Rail Diesel angetrieben, der 239 PS leistet. Optional gibt es den Diesel in den Ausstattungsvarianten Gold und Platinum auch mit 190 PS. Das Leergewicht beträgt fast glatt 2 Tonnen – für den Diesel stellt das kein Problem dar. Die Beschleunigung empfand ich stets als angemessen, wenn nicht sogar flott. Die maximale Geschwindigkeit von 232 km/h habe ich nie zu erreichen versucht, aber bis 200 km/h hat der Lancia schön sauber hochbeschleunigt. Das Fahrwerk empfand ich als überraschend angenehm – bezogen auf den amerikanischen Ursprung des Lancias Themas. Statt wie erwartet viel zu weich, habe ich es eher als einen Tick zu straff empfunden. Nicht so richtig zufrieden war ich mit dem 5-Gang-Automatik-Getriebe. Gerade im Stadtverkehr zwischen 50 und 60 km/h agiert es öfters etwas befremdlich. Da würde ich mir durchaus wünschen, dass Lancia bei der nächsten Modellpflege vielleicht die Achtgangautomatik des Benziners für den Diesel adaptiert (Gerüchten zufolge soll dies schon dieses Jahr passieren) oder aber dem Getriebe noch einen weiteren Gang spendiert und dem Bereich ein wenig fein justiert.

Mein Fazit: Bei mir ist der Lancia Thema gut angekommen – wie übrigens auch allen anderen Familienmitgliedern. Ich denke, es gibt zwei Zielgruppen, die der Wagen richtig glücklich macht. Zum einen Personen, die sich mit einem Fahrzeug aus dem Segment der oberen Mittelklasse deutlich von der Masse abheben wollen. Und Sparfüchse, die einen großen luxuriös ausgestatteten Wagen suchen, den sie zu einem kleinen Preis einkaufen können. Das von mir gefahrene Modell – der 2012 Lancia Thema 3.0 V6 Multijet Executive kostet in seiner Vollausstattung gerade mal 53.000 Euro. Im Vergleich zu den Fahrzeugen unserer deutschen Premium-Hersteller auf jeden Fall eher ein Schnäppchen. Ein Blick in ein deutsches Gebrauchtwagen-Portal zeigt mitunter, dass man beim Neuwagenkauf auch noch mal gut 7.000 Euro einsparen kann. Jahreswagen in der Ausstattung liegen soweit ich das überblicken kann im Bereich zwischen 35.000 und 40.000 Euro.

Weitere Bilder aus unseren Regen-Shooting in der Galerie. Sebastian fährt den Lancia Thema gerade als 3.6 Liter Benziner und hat schon seinen ersten Eindruck verschriftlicht. Und bei Mario-Roman findet sich ein Fahrbericht zum Lancia Thema 3.6 V6 Executive. Der Beitrag von Jens zu unserem Lancia wird wohl in den nächsten Tagen folgen.