Probefahrten
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Erste Probefahrt: Mit dem 2013 VW Beetle Cabrio 1.6 TDI durch Schnee in den Bergen zu Palmen am Strand

Du hast es gut! mault meine Tochter am Vorabend meines Abfluges nach Nizza. Die Cote D’azur – Sonne – Strand. Manno. Und dann auch noch Cabrio fahren. Gut 15 Stunden später stehe ich im Hang und blicke auf eben jene zauberhafte Mittelmeerküste im Süden Frankreichs. Ich schreibe „blicke“, denn sehen kann ich nichts – schon gar nicht das azurblaue Wasser. Aus den Bergen zieht der Schnee ins Tal und trübt den Blick, so dass ich gerade mal die ungefähren Umrisse der Küste erkennen kann.

Ich bedenke meine Tochter mit einem „Wenn Du wüsstest!“, wische die getauten Schneeflocken von der Kamera und lasse mich in den Sitz des neuen 2013 Volkswagen Beetle Cabriolet fallen. Immerhin versprüht die Lackierung mit dem Namen „saturn yellow“ einen Hauch von Sommergefühlen. Das gelb sieht ein ganz bisschen wie ausgewaschen oder ausgegilbt aus, ich mag die Farbe aber, man will ja keinen Post-Käfer Cabrio fahren. Cabrio ist das Stichwort. Das Dach muss ab – trotz der Temperaturen von 4° Celsius. Also runter vom Berg und ran ans Meer. Dann steigt doch auch die Laune. Einfach mal Richtung Norden – vorbei an Monaco, was ich persönlich ja eh vollkommen überbewertet finde und hoppla – nach Italien. Zwischenzeitlich regnet es nicht mehr, also Dach auf. Dafür muss man nicht einmal anhalten – bei Geschwindigkeiten bis zu 50 km/h kann man das Dach des VW Beetle problemlos während der Fahrt öffnen und schliessen (in 9.5 Sekunden, wie ich las, ich habe es aber nicht nachgemessen ) .

So. Sitzheizung aufgedreht, Heizung an, Gebläse an und weiter. Dabei lädt der kleine 1.6 Liter TDI mit seinen 105 PS zum Bummeln ein. Den beherzten Tritt aufs Gas sitzt der Diesel erstmal locker lässig aus, bleibt der Fuss hingegen auf dem Pedal, so wird der Diesel irgendwann laut, was aber nicht mit einer flotten Beschleunigung einhergeht. Bummeln. Dafür eignet sich der Motor und dazu passt auch das 7Gang-DSG-Automatikgetriebe ganz prächtig. Beschaulich auf der Seestrasse von Nizza nach Italien. Ohne Hetze. Und wenn ein Laster etwas langsamer fährt – man ist ja nicht auf der Flucht.

Das Fahrwerk, so scheint es mir, ist durchaus für deutlich sportlicheres Vorankommen ausgelegt. Unkomfortabel ist es nicht, aber doch durchaus straff ausgelegt. Vor den Tempo-runter-Schwellern auf den französischen Hafenstrassen sollte man deutlich vom Gas gehen, sonst wird es ungemütlich. Die Lenkung kommt mir sehr entgegen. Sehr direkt nehmen die Vorderräder meine Anweisungen entgegen. Sieht man mal vom Motor ab, könnte man auf den nahe liegenden Bergstrassen durchaus eine Menge Spass haben. Das Lenkrad selbst, ist schlank, klein, mit Leder bezogen und fühlt sich ebenfalls sehr sportlich an. Man kann es auch kippen und weit zu sich heranziehen, die Verstellmöglichkeiten sind optimal. Die Sportsitze hingegen bieten wohl Sitzkomfort, für mich aber zu wenig Seitenhalt. Vielleicht liegt es auch an der glatten Oberfläche meiner Winterjacke, jedenfalls habe ich das Gefühl, dass mich die ausgeprägten Seitenwagen so gar nicht halten wollen, sondern mich einfach nach aussen rutschen lassen.

Kurz hinter der französisch-italienischen Grenze liegt das kleine Städtchen Ventimiglia. An der langen Strandpromenade kann ich endlich den Beetle neben eine Palme stellen und ein passenden Foto schiessen – auch wenn der Himmel nicht so richtig mitspielen will. Die Sonne scheint einen Tag Urlaub genommen zu haben. Niemand muss den neuen Beetle mögen, aber nicht mal ich – durchaus retro-kritisch eingestellt – kann mich seinem Charme entziehen, wie ich jetzt beim Fotografieren merke. Und das, obwohl das Cabrio nun alles andere als Familienfreundlich ist. Stelle ich mir den Fahrersitz bequem ein – und ich bin mit meinen 1.80 Meter auch kein Riese oder habe überproportional lange Beine, so kann ich nicht wirklich im Fond auf der linken Seite sitzen. Es geht leidlich, aber ich schätze mal nach spätestens 90 Minuten in dieser Haltung fangen meine Knie an zu zicken. Clever ist es wohl, die hinteren Sitze als zusätzliche Ablage für das Gepäck zu nutzen, denn der Kofferraum ist naturgemäß alles andere als üppig in seinen Ausmassen. Das Urlaubsgepäck eines jungen oder jungbliebenen Päarchens in Form von einem großen Koffer und zwei kleinen Reisetaschen kann man aber durchaus in den 225 Liter fassenden Kofferraum schieben. Die Breite der Kofferraum-Luke beträgt 82,6 cm. Wer mag, kann die Rücksitzbank auch noch umklappen und längere Gegenstände durchladen.

Die Fotos sind „im Kasten“ und das Ende unserer Fahrtzeit rückt schnell näher. Auf dem Rückweg fahren wir auf der Autobahn – 110 km/h sind hier erlaubt. Mit 100 oder 120 km/h – auch offen – im Verkehr mitschwimmen. Prima. Er kann wohl auch schneller, wenn man ihn lange genug laufen lässt. Mir persönlich ein Hauch zu bummelig.

Wem bei der Fahrt mit geöffnetem Dach es am Hals etwas zu zugig wird, der kann ein (optional zu kaufendes) Windschott einsetzen, welches bei Nichtbenutzung zusammengeklappt seinen speziellen Platz im Kofferraum findet. Das Windschott hat gleich zwei Funktionen. Zum einen beruhigt es den Luftzug auf den vorderen Plätzen durchaus, zum anderen sichert es die Materialien im Fond. Wer möchte kann über das geöffnete Verdeck, was sich übrigens im Stile der klassischen Käfer Cabrios elegant zusammen faltet, noch eine Persening ziehen. Man muss aber nicht im Sinne des Verkehrsschutzes.

Den Innenraum des neuen VW Beetle Cabriolets finde ich sehr gelungen. Sympathisch schlicht nenne ich das. Die Aussenfarbe findet sich auch großflächig im Innenraum wieder – im Fall meines saturn yellow lackierten Beetles erhellt es den Innenraum auf eine angenehme Art. Am Original angelehnt hat man das kleine Käfer-Handschuhfach (und darunter noch ein Größeres) wieder aufleben lassen. Die drei Rundinstrumente in der Mitte des Armaturenbretts finde ich hingegen vollkommen überflüssig, wenn nicht störend. Gerade bei dem kleinen Diesel – eigentlich bei allen verfügbaren Motorisierungen des Beetle Cabrios – ist die Anzeige der Öltemperatur meines Erachtens vollkommen überflüssig, zumal man sie auch in der MFA zur Anzeige auswählen kann. Das Instrument in der Mitte ist eine Stopp-Uhr. Ok? Und ganz rechts wird die Aufladung des Turbos in bar visualisiert. Überflüssig. Find ich. Die Rundinstrumente hinter dem Lenkrad hingegen sind zeitlos schön, schlicht und gut abzulesen.

Das Infotainment-System entspricht dem Standard aus dem Volkswagen-Konzern. Das Display lässt sich gut ablesen. Das integrierte Navigationssystem zeigt die Karten sehr ordentlich an, zudem lassen sich die aktuellen Anweisungen zur Route auch prominent im MFA ausgeben. Leider liess sich mein iPhone5 nicht per Bluetooth mit dem System verbinden, so dass ich meinen üblichen Soundcheck nicht mit meinen üblichen Musikstücken vornehmen konnte. Besitzer eines iPhone4 können dieses auch im unteren Handschuhfach direkt mit dem System verbinden. Das verbaute Fender Premium-Soundsystem (8 Lautsprecher im Innenraum mit einer gesamtleistung von 400 Watt und ein Subwoofer im Kofferraum) hat mich nicht vollständig überzeugen können. Während die Bässe auch bei der Fahrt mit geöffneten Verdeck angenehm den Zuhörer erreichen, fand ich die hohen Töne bei voller Lautstärke anstrengend (Ich muss aber darauf hinweisen, dass meine Ohren in diesen Sachen sehr geschult sind und der durchschnittliche Konsument mit diesem Soundsystem wohl mehr als zufrieden sein dürfte – zumal der Aufpreis von gerade mal 655 Euro für dieses System voll und ganz in Ordnung geht). Hübsch fand ich die Ambientebeleuchtung (3-farbig) der Lautsprecher in den Türen.

Obschon die Rundumsicht im VW Beetle Cabriolet gut ist – lediglich bei geschlossenem Verdeck musste ich meinen Schulterblick doch immer noch einmal absichern – würde ich mir zum Einparken eine Rückfahrkamera wünschen. Zwar verfügt das Cabrio über Abstand-Warner, die auch im Display des Infotainment-System die Abstände visualisieren, aber gerade bei den hohen Bordsteinkanten in Frankreich hätte ich mir die Kamera gewünscht.

Nach 4 Stunden Zeit mit dem Auto ein sinnvolles Fazit zu ziehen ist wohl kaum möglich. Ich kann festhalten, dass ich das Beetle Cabriolet von Volkswagen sehr sympathisch finde. Das Facelift ist den Wolfsburg meiner Meinung nach gut gelungen. Der kleine Diesel wird seine Käuferschaft finden, ich würde aber den 2.0 Liter TDI mit 140 PS denn Vorzug geben, zumal dieser nicht mal 2.000 Euro mehr kostet. Offen fahren macht Spass mit dem neuen VW Beetle Cabrio – zumal man durchaus geschützt sitzt und somit auch bei eher kühleren Temperaturen das Dach herunterlassen kann. In der Basis-Ausstattung liegt das VW Beetle Cabriolet mit dem 1.6 Liter TDI und dem DSG bei 26.000 Euro. Zur Markteinführung – die Fahrzeuge stehen heute schon bei Händler und können auch online konfiguriert werden – gibt es zahlreiche Sondermodelle bei denen man bei der Ausstattung ein paar Euro sparen kann.

Ich habe einen Beitrag zu den Daten und Fakten des VW Beetle Cabriolets verfasst. Zudem bin ich am zweiten Tag auch noch den 2 Liter TDI mit Handschaltung gefahren. Bei Jens gibt es eine Kaufberatung zum VW Beetle Cabriolet. Zahlreiche Kollegen waren mit mir in Nizza, es werden wohl auch noch einige Beiträge folgen. In meiner Galerie gibt es noch weitere Detailbilder und Fahraufnahmen vom Volkswagen Beetle in saturn yellow.