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Ungezähmt? Meine erste Probefahrt mit dem 2013 Mercedes-Benz CLA 250 “Edition 1″ (C117)

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Alles, was Du schon immer über die neue Mercedes-Benz CLA (Baureihe 117) wissen wolltest – hier bei Auto.Geil – nur einen Klick entfernt.

Man könnte mir vorwerfen, ich wäre befangen, wenn es um den Mercedes-Benz CLA (C117) geht. Schliesslich habe ich in diesem Blog über kein anderes Auto so viel geschrieben. Seit der Vorstellung des Mercedes Concept Style Coupé im April 2012 verfolge ich den Werdegang des kompakten Coupés von Mercedes sehr genau. Als befangen sehe ich mich aber nicht so ganz. Bis zum Freitag hatten sich bei mir vielmehr so hohe Erwartungen an den CLA aufgebaut, dass der Neue eigentlich eher einen ganz schön schweren Stand hatte.

Am Freitag bin ich also endlich den Mercedes CLA gefahren. Ein Flieger hatte mich und eine Menge anderer Blogger und Fernseh-Teams nach Marseille in Frankreich gebracht. Nicht eine Stunde, nachdem ich meinen Fuss auf den französischen Boden gesetzt hatte, sass ich zusammen mit Jens – bereit für eine erste Probefahrt – in einem 2013 Mercedes-Benz CLA 250 “Edition 1″ mit einer wunderschönen mattsilber Lackierung (designo polarsilber magno nennt Daimler diesen Lack). Wie schon bei den letzten Fahrvorstellungen haben wir Euch ein kurzes Video zum “Einsteigen” mitgebracht:

Fange ich erstmal ganz trocken mit ein paar Zahlen und Fakten an. Der Mercedes-Benz CLA wird von einem 2 Liter Turbobenzin-Motor angetrieben, der 211 PS leistet und sein Drehmoment von 350 Nm an die Vorderräder abgibt. Während die drei kleineren Benziner in der Basisversion manuell mit der Hand geschaltet werden (6 Ganggetriebe), wird der CLA 250 serienmäßig mit dem 7-Gang-Automatikgetriebe 7G-DCT ausgeliefert. Laut Angaben von Mercedes verbraucht der CLA 250 im Norm-Durchschnitt 6.1 Liter Benzin. Er lässt sich von 0 auf 100 km/h in 6.1 Sekunden beschleunigen und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h. Der Basispreis für den CLA 250 liegt bei 38.675 Euro.

Die von uns gefahrene Variante wird um die 55.000 Euro kosten. Neben dem “Edition 1″-Paket (5.950 Euro), hatten wir einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz (399 Euro), das Spur-Paket (Spurhalte- und Totwinkelassistent 893 Euro), das Spiegelpaket (351 Euro), die Sonderfarbe designo polarsilber magno (1.725 Euro), die Klimatisierungsautomatik THERMOTRONIC (607 Euro), das Infotainment-System COMAND Online (3.154 Euro), das Drive Kit Plus für das iPhone® 4/4S (690 Euro), das Telefon-Modul mit Bluetooth® (SAP-Profil) (524 Euro), die DISTRONIC PLUS (Geschwindigkeitsregelung mit einer Abstandsregelung – 1023 Euro), die Rückfahrkamera (234 Euro) und das Intelligent Light System (660 Euro) als Zusatzausstattung im Fahrzeug. Gefehlt hat mir das Harman Kardon® Logic7® Surround-Soundsystem (785 Euro) und ich würde auch den Beifahrersitz mit elektrischer Verstellung ausrüsten (333 Euro), sowie das Licht- und Sicht-Paket (428 Euro) ordern, weil letzteres meines Erachtens die Wertanmutung des Interieurs wirklich signifikant steigert.

Ich werde später noch einmal zu einigen Ausstattungsfeatures zurückkommen, aber es zeigt schon, dass der CLA als Coupe im Kompaktsegment nicht gerade ein Schnäppchen ist. Auch und vor allem im Vergleich zur A-Klasse – der Mercedes-Benz A 250 kostet in der Basisaustattung 33.736 Euro, der CLA ist demnach gut 5.000 Euro teurer. Zu Recht? frage ich mich.


Und ich denke, die Frage kann sich ein jeder nur selbst beantworten. Die A-Klasse ist ein Kompaktwagen mit Mercedes-Stern. Der CLA ist eine durchdesigntes Lifestyle-Objekt. Vergleicht man seinen größeren Bruder, den CLS mit der E-Klasse, die beiden teilen sich ja auch die gleiche Basis, so wird schnell klar, dass Daimler es sich leisten kann, den CLA gleich 5.000 Euro teurer anzubieten. Design lässt sich eben prima verkaufen. Der CLS ist ja auch weggegangen wie geschnitten Brot.

Ist der CLA denn nun wirklich so schön? Alles Geschmacksache und Geschmack ist subjektiv? In den letzten zwei Tagen, in denen ich den CLA im Strassenbild – auch gegenüber den anderen Fahrzeugen – gesehen habe, halte ich fest, dass er nicht nur auffällt, weil er neu ist, sondern auch, weil die Form wirklich ins Auge sticht (auf eine Art, die nicht weh tut). Ob nun von vorne, von der Seite oder von hinten, der CLA macht wirklich ein gute Figur. Ein kleines Fiasko, was nicht so recht zu dem CLA passen will, sind meines Erachtens die Aussenspiegel, die für meinen Geschmack zu weit vom Fahrzeug abstehen und in der Form auch nicht zu den (Achtung, ich schreibe es wieder) kantigen Rundungen des Mercedes CLA passen. Der zweite Kritikpunkt, den man sich bei Mercedes gefallen lassen muss ist die Größe der Felgen. So zumindest viele Reaktionen zu dem Fahrzeug bei Instagram. Gerade bei den 18″ Alufelgen mit dem schwarzen Vielspeichen-Design, die bei der Edition1 dabei sind, wird dieser Eindruck noch verstärkt, weil man optisch den silbernen Rand der Felgen als Mass nimmt. Ich finde die Felgen optisch nicht zu klein, würde aber schon gerne mal sehen, wie der CLA mit 19″ oder 20″ Felgen aussieht. Kleiner als 18″ kann aber optisch – so denke ich – schon befremdlich wirken. Ein CLA auf den 16″ Stahlfelgen mit Winterreifen geht meines Erachtens dann ganz klar in Richtung *KREISCH!*

Sonst habe ich aber so gar nichts auszusetzen. Wohl aber hinzuzufügen. Auf dem Parkplatz am Flughafen, wo alle CLA so hübsch nach Farben aufgereiht standen (nein, kein Bild), konnte man sehen, wie unterschiedlich die Form des Mercedes-Benz CLA wirken kann. In Weiß macht er sich sehr elegant, in Rot hingegen wirkt er sehr aggressiv – ich mochte ihn am Liebsten in dem matten Silber – aber ich habe auch eine Schwäche für matte Lacke.


Jetzt aber endlich mal losfahren, oder? Den Wahlhebel der Automatisch am Lenkrad nach unten gedrückt, den Fuss von der Bremse und los geht es. Während der Motor beim Auslassen durch die Abgasanlage durchaus einmal kernig zum Leben erwacht, bleibt die Geräuschkulisse fortan eher mau. Ich finde das angenehm. Ich brauche keine Motor, den ich ständig drehen höre. Im Sportmodus (die Automatik hat drei Modi – Eco, Sport und Manuell) oder bei manuellen Bedienen der Schaltwippen am Lenkrad (die aus Plastik gefertig sind und im Innenraum nicht wirklich zu dem Premium-Anspruch des CLA passen) heult er beim Herunterschalten mal auf, der Rest der Zeit schnurrt er aber leise von sich hin. Das Automatik-Getriebe hatte mir bei der A-Klasse mit dem 2 Liter Benziner ja nicht so gefallen. Beim CLA passt es aber perfekt. Vielleicht haben die Herren bei Mercedes da ein wenig Feintuning betrieben, jedenfalls gibt es sich jetzt ganz unhektisch – im Gegenteil, ich finde es sehr harmonisch. Die gefühlte Beschleunigung ist prima. Überhaupt fühlt man sich zu keiner Zeit untermotorisiert.

Beim Auswählen des Fahrzeug hatten uns die Mitarbeiter von Mercedes zwei unterschiedliche Komfort-Modelle angeboten. Die eine Reihe der CLA wären komfortabel, die anderen sportlich. Mit meinen 42 Jahren schiele ich ja schon bittend auf Komfort, wo es nur geht, aber dann erwartet man von einem Autoblogger ja eher, dass er sportlich unterwegs sein will. Ich bin also nicht einmal ein komfortables Fahrwerk gefahren, nur die sportliche Variante. Und diese fand ich alles andere als unkomfortabel. Vielmehr ist das Sport-Fahrwerk meiner bescheidenen Meinung nach einfach perfekt. Ja, es ist straff. Die Strassen in Frankreich sind teilweise weit von dem Standard entfernt, den wir in Deutschland so kennen. Und doch fand ich das Fahrwerk nie zu hart oder gar unkomfortabel. Der CLA liegt prima auf der Strasse. Es macht einfach Spass mit ihm zu fahren – unabhängig ob nun auf der Autobahn oder auf kleinen französischen Bergstrassen.


“Made for people who feel young at heart!” so in etwa hatte Dieter Zetsche die Zielgruppe für den Mercedes-Benz CLA umrissen. Ich fühle mich ja so angesprochen. Die Innenausstattung unseres Mercedes-Benz CLA 250 “Edition 1″ ist mir aber ein Tucken zu young. Die beiden gelb-grünen Neonstreifen, die sich auf beiden Sitzreihen durch das Fahrzeug ziehen, sind zwar irgendwie schon schick, aber für meinen Geschmack nichts, was mich auf Dauer begeistert. Da würde ich eher zu einer klassischen schwarzen Lederausstattung tendieren, auch wenn ich die Haptik der verwendeten Microfaser DINAMICA sehr sehr angenehm fand. Die Sportsitze sind meines Erachtens über jeden Zweifel erhaben. Man sitzt einfach gut und hat auch perfekten Seitenhalt. Personen, die größer als 185cm sind, sollten aber auf jeden Fall erstmal in den Sitzen zu Probe sitzen, denn mangels integrierter und nicht verstellbarer Kopfstützen kann so ein Sportsitz ja auch schnell mal zum Sicherheitsrisiko werden.

Ansonsten ist der Innenraum funktional und dennoch schön, ich habe keine Unterschiede zum Inneren der A-Klasse gefunden, und die hatte mich ja schon begeistert. Bleibt das Platzangebot im Fond. Fange ich mal ganz hinten an. Der Kofferraum ist überraschend und angenehm groß. Da sollten auf jeden Fall zwei große Koffer und ein Kabinen-Trolley Platz finden. Auch der Wochenend-Einkauf unserer Familie hat da Platz. Meine Frau würde aber die Ladekante bemängeln, die sich auch nicht wegdiskutieren lässt. Wer mal etwas mehr Platz zum Beladen benötigt, kann die Rücksitzbanklehnen asymetrisch umklappen und somit auch längere Gegenstände in dem Innenraum transportieren.

Auf der Rücksitzbank wird es eng. Und hier sehe ich den zweiten ernsthaften Schwachpunkt des CLA – hinten bietet er einfach zu wenig Kopffreiheit. Meine Beine haben genügend Platz – auch wenn ich hinter dem auf mich eingestellten Fahrersitz Platz nehme. Mein Kopf hat es nicht und ich bin mit meinen 180cm Körpergrösse nicht mal besonders groß. Ab 1.8m muss man beim Sitzen den Kopf einziehen – auf längeren Strecken möchte man dies niemanden zumuten. Solange die Kinder nicht in die Höhe schiessen, kann man den CLA auch als Familienfahrzeug nehmen. Geht es in Richtung Pubertät und Wachstumsschub, sollte man sich das zwei Mal überlegen. Ich hoffe, dass beim geplanten Mercedes-Benz CLA Shooting Brake die Dachlinie etwas höher gezogen wird. Ich hatte mit meinen 180cm auf den hinteren Plätzen auch den dachholm vor Augen. Die Aussicht war für mich also alles andere als schön. Wer hingegen mehr alleine oder zu zweit unterwegs ist und nur sporadisch andere mitnimmt, muss sich darüber ja nicht den Kopf zerbrechen.


Enttäuscht war ich von den Serienlautsprechern, die wir in dem Auto hatten. Ich hatte beispielsweise Bounce von Timberland mal angespielt. Das macht dann ab einer gewissen Lautstärke keinen Spass mehr. Ich gebe aber auch zu, ich bin da sehr pingelig. Ich würde aber immer und ohne nachzudenken zum Harman Kardon® Logic7® Surround-Soundsystem greifen, die 785 Euro Aufpreis lohnen sich meines Erachtens voll und ganz. An dem Infotainment COMAND Online, was ich ja schätze seit ich 2011 zum ersten Mal wieder einen neueren Mercedes gefahren bin, war mit dem Drive Kit Plus für das iPhone® 4/4S gekoppelt.

Ich habe mir das ja schon bei der Fahrveranstaltung der A-Klasse und auch bei unserem Besuch in Carlsbad anlässlich unseres Blogger Roadtrips #mbrt13 (und auch ein kleines Video erstellt) angesehen, nun aber auch mal ansatzweise unter realen Bedingungen testen können. Das Dumme ist nur dabei, dass das System neben der wirklich sinnvollen Anbindung von SIRI auch eine Menge Schischi mitbringt. Und natürlich habe ich mir das Schischi schön angesehen, SIRI aber nicht ein Mal ausprobiert. Dumm. Von mir. Ein kleiner Exkurs: Man klemmt sein iPhone in die Ladeschale in dem Fach unter der Mittelarmlehne. Dann startet automatisch die Mercedes-Benz Digital Drivestyle App. Diese verbindet sich dann mit dem Infotainment-Paket des Mercedes (und nein, es muss nicht das COMAND Online sein, es funktioniert auch mit dem Audio 20) und gibt diverse Funktionen des iPhones über eine eigene Oberfläche an den Fahrer weiter. Gesteuert wird dann alles entweder per SIRI oder eben über das “normale” Drehrad in der Mittelkonsole. Schischi – man kann per Facebook und Twitter kommunizieren oder per Glympse sein Route aufzeichnen. Bei einem entsprechenden Datentarif kann man auch mittel dem Internetradio AUPEO! Musik hören – allerdings wird bei schlechter Netzabdeckung die Bitrate teilweise so arg kastriert, dass man denkt, man würde per Telefongespäch die Musik streamen. Das System bringt aber auch eine Navigationslösung mit und damit ist es dann schon interessant – man kann sich nämlich den Kauf des 3.150 Euro teuren COMAND Online sparen. Das iPhone5 lässt sich übrigens noch nicht anbinden, man sei aber schon in der abschliessenden Testphase.

Mein Fazit: Zwei Tage im CLA nachdem ich 11 Monate lang auf diesen Moment hingefiebert habe. Ich finde den Mercedes-Benz CLA erst einmal wunderschön. Auf unserer Probefahrt haben wir immer wieder andere CLA gesehen und ich konnte mich kaum sattsehen. Ich mag die Form. Und zwar (von den Spiegel abgesehen) ohne Wenn und Aber. Fahrdynamisch hat mich der Mercedes-Benz CLA 250 insofern positiv überrascht, dass er meines Erachtens deutlich runder läuft als die A-Klasse mit dem gleichen Motor, die ich Ende letzten Jahres bei mir hatte. Wer es sich leisten kann, dem habe ich nicht viel entgegen zu setzen, was sie oder ihn vom Kauf abhält. Ich mag den CLA – heute noch mehr als noch vor 3 Tagen.


Alle Daten und Fakten zum Mercedes-Benz CLA (C117) habe ich ja bereits vor einem Weilchen hier eingestellt. Meine Erfahrungen mit dem allradgetriebenen Mercedes CLA 250 4MATIC habe ich auch niedergeschrieben, in dem Beitrag gehe ich auch noch auf das Panorama-Schiebedach kurz ein.  Jens hat seinen Beitrag diesem CLA auch schon geschrieben: Angetestet: Mercedes-Benz CLA 250 – Kein richtiger CLA Fahrbericht! Mario-Roman Lambrecht ist den CLA schon vor ein paar Wochen – allerdings als CLA 220 CDI – gefahren. Fabian Mechtel hatte den CLA 200. Und Bjoern Habbeger hat in seinem Artikel zum CLA sogar ein Fahrbild von mir. Also ich fahre. Nachstehend findet ihr die wohl umfangreichste Galerie, die ich bislang veröffentlich habe. 59 Fotos und Detailbilder vom 2013 Mercedes-Benz CLA 250 “Edition 1″ (C117) in designo polarsilber magno: