Suche Mitfahrgelegenheit / Biete Mitfahrgelegenheit

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Als kleiner Junge, also damals™, sind meine Eltern ganz oft mit mir nach Berlin gefahren. Die Transit-Strecken kannte ich schon sehr früh recht gut. Und auch mochte ich das rege Treiben am Checkpoint Bravo, wo immer – und ich meine wirklich immer – eine Menge Tramper standen, die eine Mitfahrgelegenheit in den Westen suchten. Und selbst heute, wenn ich die Avus Richtung Dreilinden fahre, denke ich noch, wenn da ein Tramper steht, kann ich ihn eigentlich mitnehmen. Aber da steht niemand mehr. Seit Jahren schon nicht. Trampen ist out. Die heutigen Leute suchen sich vorab in diversen Mitfahr-Portalen eine passende Mitfahrgelegenheit. Wenig romantisch, aber verständlich. Zum Ende des März hat nun das größte deutsche Mitfahr-Portal seine Spielregeln geändert und einige Mitglieder in Rage versetzt:

Ich habe in der Vergangenheit auch immer mal wieder meine “Leerfahrten” bei Mitfahr-Portalen eingestellt. Das Problem bei diesen Portalen liegt auf der Hand. Ohne entsprechend große Community bleiben die eigenen Angebote ungelesen. Das Portal mitfahrgelegenheit.de hatte es nun geschafft, einen ordentlichen Pool aufzubauen. Um bis zum 31. März 2013 waren wohl auch alle User sehr zufrieden. Nun hat man dort die Spielregeln geändert. Zwangsregistrierung zum Einstellen von längeren Fahrten und eine Vermittlungsprovision von 11% für den Fahrer sind die Neuerungen, die bei den Nutzern nicht wirklich gut ankommen. Der Wiederstand mobilisiert sich beispielsweise in einer Facebook-Gruppe Mitfahrgelegenheit.de Boykott.

Auch wenn ich tendenziell mit Underdogs sympathisiere, so frage ich mich schon hin und wieder, was die Leute denken, wie sich die ganzen Dienste im Internet so refinanzieren. Viele Plattformen werden erst einmal mit venture captial betrieben, um eine bestimmte Größe zu bekommen und natürlich will man irgendwann Geld verdienen. Mathias rechnet drüben vor, warum er 11% für sich zu viel findet. Und auch gibt es ja genügend Alternativen – sich selbst hatte vor einem Weilchen flinc vorgestellt. Auch hat sich aus dem Widerstand selbst eine neue Plattform bessermitfahren.de begründet. Der springende Punkt bleibt aber nach wie vor – ohne entsprechende Community keine Mitfahrer.

Ich habe so das Gefühl, dass der Markt für Mitfahrgelegenheiten in Deutschland doch eher überschaubar ist. Interessant wird die Entwicklung in dem Bereich in den nächsten Monaten auf jeden Fall. Eine weitere Alternative ist fahrgemeinschaft.de.