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Der mit der Hutze: 2012 Toyota Hilux 3.0 D4-D Doppelkabine Executive

Seit 1968 wird der Toyota Hilux als Pickup gebaut – 12 Millionen Exemplare sind seitdem entstanden. Ich bin jetzt ein paar Tage die siebte Generation des japanischen Pick-ups gefahren, den man getrost als automobile Ikone bezeichnen kann. Vielleicht nicht in unseren Breiten, was aber nur daran liegt, dass wir hier nicht die größte Nation der Pick-up-Fahrer sind. Der Toyota Hilux KUN, die aktuelle Generation, wurde 2005 vorgestellt und hat 2011 ein Facelift erhalten. Der Toyota Hilux wird weltweit erfolgreich verkauft, die Modelle für den europäischen Markt werden in Durban, Südafrika gefertigt.

Das uns zur Verfügung gestellte Modell verfügte über den aus dem Toyota Landcruiser bekannten 3,0-l-Commonrail-Dieselmotor D4-D, welcher 171 PS leistet. Schalten durfte ich selbst, 5 Gänge stehen zur Verfügung, auch beim Automatikgetriebe. Meine erste Fahrt führte mich von Bielefeld nach Frankfurt, wo ich meinen Nachbarn abgeholt habe, der just aus Südafrika eingeflogen kam. Allerdings nicht aus Durban. Während ich es ja aus Amerika kenne, dass man mit einem Pickup überall hinfahren kann, kommt einem hier in Deutschland der Weg über die Autobahn in einem allradgetriebenen Pick-Up eher befremdlich vor. Aber das eingebaute Navigationssystem – was im Übrigen mich sehr gut geleitet hat, bis zum Flughafen in Frankfurt, wo ich mich ein wenig verloren habe, was ich aber eher der wirren Verkehrsführung dort zuschreibe – hatte auf dem Weg ein paar nette Überraschungen parat. Statt nur platt die Autobahnen abzureiten – A2, A33, A44, A7, A5, A3 – schickte es mich von der A44 über die Landstrassen. Auf der Autobahn lässt sich der Hilux mit dem großen Diesel bequem fahren, auch wenn er ab 130 km/h doch recht laut im Innenraum wird, aber der Landstrasse macht er aber durchaus Spass.

Der Spassfaktor hat meines Erachtens damit zu tun, dass man stets die Lufthutze auf der Motorhaube im Blick hat. Sicherlich, aufgrund der hohen Sitzposition vergisst man zu keiner Zeit, dass man in einem Pick-up sitzt, aber die Hutze im Blick lässt einen doch hin und wieder von Musclecars träumen. Ich finde die schlichtweg cool. Und selbst wenn sie null Nutzwert haben sollte, den Wohlfühlfaktor im Auto steigert sie doch ungemein. Dazu kommt, dass der Toyota Hilux sich mit dem 3Liter Diesel durchaus spritzig (also in Relation zu seiner Fahrzeug-Klasse, wir verstehen uns) über die Landstrasse scheuchen lässt. Die Lenkung könnte freilich etwas direkter sein, gerade im Stadtverkehr wünscht man sich das, da muss man doch ganz schön kurbeln. Sonst hatte ich in der Stadt keine Probleme, Dank der in der Heckklappe integrierten Rückfahrkamera klappt auch das Ein- und Aus-Parken problemlos. Man muss bloss reichlich am Lenkrad drehen.

Im Innenraum selbst, geht es sonst – auch in der höchsten Ausstattungslinie “Executive” japanisch bieder zu. Plastik so weit das Auge reicht. Selbst die metallisch anmutenden Applikationen lassen nicht so richtiges Premium-Gefühlt aufkommen. Aber der Hilux ist auch kein Fahrzeug zum Flanieren auf der Party-Meile, sondern ein Arbeitstier. Zweckmässig soll es zugehen. Ausziehbare Getränkehalter links und rechts im Armaturenbrett nehmen breitwillig den Kaffee auf und in der Mittelkonsole spenden gleich 12Volt-Stromanschlüsse den Saft für die Geräte, die man aufladen will. Über mangelnde Ablagefläche kann man sich auch nicht beklagen. Zweckmässig ist der Innenraum. Nachbessern sollte Toyota auf jeden Fall die Aufhängung des Innenspiegels. Aufgrund der Vibrationen des Motor hat man durch den Rückspiegel zu keiner Zeit ein ruhiges Bild, was nervt. Ich gucke eh kaum in den Innenspiegel, habe mich sehr früh angewöhnt nur noch Aussenspiegeln zu fahren. Diese sind am Toyota Hilux sehr angenehm gross ausgefallen, so dass man den Verkehr von hinten stets gut im Blick hat.

Das Entertainment-System hat sich einfach mit meinem iPhone 5 verbinden lassen – sowohl über Bluetooth als auch über die USB-Buchse. Das Klangerlebnis ist ausreichend für einen Pickup. Das Telefonieren per Freisprechanlage funktioniert prima, mein Telefonpartner war von meiner Sprachqualität aber nicht ganz so begeistert. Das Navigationssystem hatte ich anfangs schon positiv erwähnt, das Touchdisplay ist angenehm groß und lässt sich gut bedienen. Die Rückfahrkamera zeichnet auch ein schönes, weitwinkeliges Bild. Die Beheizung der Ledersitze in der Executive-Ausstattungslinie ist einstufig – sorgt für einen angenehmen warmen Sitz, könnte für meinen Geschmack aber noch ein wenig mehr Feuer mitbringen.

Vorne, wie auch hinten hat man ausreichend Platz zum sitzen. Ich hatte beim Einsteigen auf den Fahrersitz allerdings Probleme meine Beine unter das höhenverstellbare Lenkrad zu zwängen. Beim Fahren selbst – keine Probleme, eben nur beim Einsteigen. Hinten finden 3 Erwachsene Platz zum bequemen Sitzen – auch auf längeren Strecken, für die mittleren Sitz gibt es allerdings nur einen Beckengurt, was ich nicht mehr wirklich zeitgemäß finde. Die Gurtpeitschen hinten sind auch nicht starr, so dass die Kinder eher Probleme mit dem Anschnallen bekommen, das war bei uns aber kein Thema.

So. Pickup. Den Hilux gibt es – wie die meisten Fahrzeuge der Gattung Pick-up – in drei verschiedenen Aufbau-Varianten: Single Cab, Extra Cab (1.5 Sitzreihen) und Double Cab – wie von mir gefahren. Je länger die Kabine, umso kürzer die Ladefläche. Bei einer Gesamtfahrzeuglänge von 5.26m (1.75m breit, 1.85m hoch) verbleiben bei der Doppelkabine 1.52m Länge für die Ladefläche. Die Breite beträgt 1.51m und die Seiten sind 45cm hoch. Zwischen den Radkästen hat man 1.10m Platz – eine Europalette findet also bequem Platz, die Container-Platte muss man dann doch auf einem Anhänger tranportieren – bis zu 2.8 Tonnen darf man mit dem Toyota Hilux ziehen, wenn der Hänger selbst bremst. Das zulässige Gesamtgewicht des Toyota Hilux liegt bei 2.7 Tonnen, leer bringt er zwischen 2 und 2.1 Tonnen auf die Waage. Sitzen also 4 stabile Handwerker im Fahrzeug, bleibt nur noch 200 kg, die man auf der Ladefläche verteilen kann.

Im Durchschnitt soll der Toyota Hilux 3Liter mit manueller Schaltung mit 7.7 Litern Diesel auf 100 Kilomtern auskommen – das Automatikgetriebe sorgt für einen Mehrverbrauch von nicht ganz einem Liter. Wer sich auf der Autobahn die Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h einfordert, verbraucht natürlich deutlich mehr. Ich habe den Hilux nicht unter 10 Liter bewegen können, was aber auch dem hohen Anteil an Autobahn- und Stadt-Fahrten geschuldet ist. Ich bin zu 90% ohne den Allrad-Antrieb gefahren, also Antrieb nur über die Hinterachse. Im Gelände ware ich nicht mal ansatzweise, auf den Feldwegen, die wir genommen haben, glänzt der Hilux aber durchaus mit seinem Federungskomfort.

Mein Fazit nach einer Woche Hilux Doppelkabine: Ein familienfreundlicher Pick-up, der aussen nicht zuletzt durch viel Chrom glänzt, innen eher zweckmässig daherkommt. Fahren lässt er sich problemlos – auch durch die Stadt. Der Einstiegspreis für die Doppelkabine mit dem große Diesel und der manuellen Schaltung in der Executive-Ausstattung liegt bei 38.800 Euro. Für gut 10.000 Euro weniger bekommt man die Doppelkabine mit dem kleinen Diesel in das Basisausstattung. Das größte Plus des Hilux habe ich gar nicht wirklich testen können. Das ist mit Sicherheit seine Zuverlässigkeit – denn ohne diese würde er sich nicht in den großen Stückzahlen in Asien, Australien und Afrika verkaufen lassen.