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Probefahrt mit dem neuen 2013 Jaguar F-Type V6 durch Odenwald – meine Erfahrungen

Als ich heute um 2 Uhr erschöpft ins Bett falle, habe ich einen befremdlichen Moment. Ich komme gerade aus Michelstadt zurück, wo ich mit Jens den neuen 2013 Jaguar F-Type V6 gefahren bin. Von Bielefeld fährt man gut 4 Stunden zum Odenwald – und eben 4 Stunden wieder zurück. Verrück, nur um 3 Stunden ein anderes Auto zu fahren. Aber dann. Der neue F-Type soll ja den legendären Jaguar E-Type beerben und – Hey! – wir sind schliesslich Autoblogger, da macht man sowas selbstverständlich.

Vor Ort angekommen hatten wir die Wahl zwischen dem Jaguar F-Type V6, dem V6S und dem V8, wobei letzterer nur auf einem geschlossenen Handling-Parcours bewegt werden konnte. Der “kleine” V6 leistet 340 PS, die S-Variante 380 PS und der V8 kommt mit strammen 495 PS daher. Da wir den V8 nicht mit auf die Strasse nehmen konnten und auch nur 3 Stunden Zeit zur Verfügung hatten, haben wir uns für das “Einsteigermodell” entschieden. Für Euch haben wir natürlich wieder keine Mühen gescheut und zusätzlich ein Video erstellt, dass Euch die kommenden 6 Minuten fesseln sollte:

Irgendwie hatte ich den Jaguar F-Type kleiner in Erinnerung. Zumindest war er kleiner in meinen Erinnerungen, die ich von seiner Vorstellung in Paris gespeichert hatte. Die Gesamtlänge des F-Type beträgt – bei einem Radstand 2.62m – 4.47m (zum Vergleich, der alte Jaguar E-Type Erste Serie ist 4.43m lang, ein Golf VII misst von Stoßstand zu Stoßstange 4.26m); er ist 1.92m breit (ohne Aussenspiegel) und 1.30m hoch. Nach einer kurzen Einführung und Ermahnung “ESP bitte nicht ausschalten” und “Drosselklappen-Steuerung bitte innerorts nicht öffnen” bin ich auf den Fahrersitz gerutscht. Schon nach dem Betätigen des Start-Knopf brüllt der Jaguar einmal heiser auf. Das ist zwar erst einmal eine feine Sache und führt unmittelbar dazu, dass sich die Mundwinkel brav nach oben ausrichten, könnte aber beim Verlassen einer Gesellschaft spät nachts in einer Wohnsiedlung auf wenig Gegenliebe stossen. Den Wahlhebel der 8-Gangautomatik (von ZF, die wirklich ein Gedicht ist und auch beim “manuellen” Schalten über die günstig am Lenkrad positionierten Wippen blitzschnell reagiert – und richtig, den F-Type gibt es nur mit eben diesem Automatik-Getriebe) auf D, Fuss von der Bremse und butterweich und arg geschmeidig setzt sich die Jaguar F-Type in Bewegung.

Öffnet man nicht die Klappensteuerung der Abgasanlage, so muss man schon ziemlich vehement aufs Gas treten, um die Katze zum Fauchen zu bringen, der F-Type gibt sich auf den ersten Metern sehr kultiviert. Und auch stelle ich verwundert fest, dass das Fahrwerk selbst bei dem Acker, den die Michelstädter “Strasse mit Baustelle” nennen, höchst komfortabel eine Menge Stöße einfach wegschluckt. Aber keine Bange. Der Jaguar F-Type ist nicht nur preislich zwischen Porsche Boxster Speedster und Porsche 911 positioniert, er ist ein Sportwagen. Drum findet man gleich neben dem Wahlhebel der Automatik einen Fahrprogramm-Schalter, der sich in zwei Richtungen bewegen lässt. Nach vorne schieben und man aktiviert das Winterprogramm – das haben wir mangels Schnee nicht ausprobiert, aber der gute Mann von Jaguar sagte, dann würde der Wagen den Druck aufs Gaspedal weit weniger direkt interpretieren und umsetzen. Zieht man den Schalter zu sich hin, so leuchtet in dem kleinen farbigen Display zwischen den beiden Rundinstrumenten – die im Übrigen für meinen Geschmack ein wenig zu viel Plastik-Charme versprühen – die Meldung “Dynamikmodus bestätigt” auf. Prompt wird die Erbse auf der Strasse zum tiefen Schlagloch, will sagen, das Fahrwerk wird sehr straff und auch der Druck aufs Gaspedal wird viel direkter umgesetzt. Ich meine auch, dass die Lenkung noch ein Stück direkter geworden ist. Ortsausgangsschild Michelstadt. Ade Ihr Michel. Hallo Klappensteuerung. Ein sanfter Druck auf den Taster mit dem Auspuffsymbol und die geschmeidige Wildkatze brüllt wild und lauthals los. Gefühl sogar im Stand. Landstrasse. Zumindest bis 100 km/h darf ich das Gaspedal mal durchdrücken. Kurze Freude. Von 80 auf 120 km/k beschleunigt der Jaguar F-Type mit seinem “kleinen” Motor in gerade mal 3.3 Sekunden. Stoppt das mal mit. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert gerade mal 5.3 Sekunden. Die Fahrt zur Burg Breuberg vergeht wie im Flug. Dabei zeigt sich auf den letzten Kilometern, dass man mit dem Jaguar nicht nur prima schnell geradeaus fahren kann, sondern auch in Serpentinen (zumindest aber sehr kurvigen Landstrassen) eine ganze Menge Spass haben kann.

Die elektrisch verstellbaren Sitze sind bequem (und auch beheizbar, die Steuerung der mir stets so wichtigen Sitzheizung habe ich erst kurz vor Ende der Probefahrt entdeckt, man muss auf den Schalter des Klimaanlagen-Reglers drücken). Das Lenkrad könnte vielleicht einen Hauch kleiner sein, lässt sich dafür aber elektrisch verstellen. Mit meinen 1.80m Körpergröße habe ich Platz im Überfluss. Für das Telefon und die Geldbörse gibt es ein Fach im Mitteltunnel (dort liegt auch ein USB-Anschluss), zwischen den Sitzen befindet sich noch ein weiteres kleines Fach. Englisch elegant und durchaus charmant, das Handschuhfach öffnet man über einen kleinen silbernen Knopf im Armaturenbrett. Weniger üppig ist der Kofferraum. Die Angabe von 200 Litern ist eher schmeichelhaft, denn der Kofferraum ist arg verwinkelt. Mein Kabinen-Trolley, ein Rucksack, zwei Stative und zwei Jacken – dann war das Ding voll. Für den Wochenendausflug sollte es dennoch reichen. Mit dem Infotainment-System haben wir uns gar nicht beschäftigt (das Navi hat uns von A nach B geleitet. Problemlos.). Es war in unserem Fahrzeug auch kein Premium-Soundsystem verbaut und bei dem bisschen Zeit, was wir mit dem Fahrzeug hatten, wollten wir den Motor hören.

Wir sind die ganze Zeit offen gefahren. Auch durch die kleinen Schauer. Ab 80 km/h wird man nicht nass, wenn man nicht langsamer wird. Fährt man nicht schneller als 50 km/h, kann man aber auch das Verdeck während der Fahrt schliessen. Das dauert gerade mal 12 Sekunden – geht als ratzfatz (wer mitstoppen will, wir zeigen es im Video). Obschon die Fahrt im offenen F-Type mir zu keiner Zeit zu windig vorkam – auch nicht bei den heruntergelassenen Seitenscheiben – ist das Dach geschlossen, wird es deutlich ruhiger im Innenraum. Mein Lieblingsdetail am Rande möchte ich Euch nicht vorenthalten – der Jaguar F-Type hat einen Spoiler, der sich ab 100 km/h automatisch ausfährt. Man kann aber auch einen Taster drücken, um ihn auszufahren. Steht der Spoiler, so kann man ihn im Rückspiegel sehen und schaut dazu noch auf das Jaguar-Logo, welches sich auf dem Spoiler befindet. Sieht gut aus und hat meinen Grinsefaktor noch verstärkt. Hübsch und irgendwie auch extrem lässig sind die Türgriffe, die sich nach dem Entriegeln durch die Zentralverriegelung automatisch ausfahren und sich auch genauso automatisch wieder versenken, wenn die Katze Fahrt aufnimmt.

Der V6-Motor hat 3L Hubraum. Nach Herstellerangaben soll er den Jaguar F-Type mit einem Durchschnittsverbrauch von 9 Litern/100 km bewegen können. Wer Spass haben will, verbraucht aber mal gut und gerne mehr als das Doppelte. Vor allem, wenn er die Höchstgeschwindigkeit auskosten will. Die liegt – böse, böse Jaguar, gab es da nicht mal ein Gentleman-Agreement, die Höchstgeschwindigkeit generell bei 250 km/h erstmal abzuregeln? – bei 260 km/h. Der größere V6 mit seinen 380 PS erreicht 275 km/h und der V8 wird erst kurz vor 300 km/h abgeregelt.

Mein Fazit: Der Jaguar F-Type ist ein feines Auto, was wirklich Spass macht. Für meinen Geschmack hätte man sich noch einen Hauch mehr an die Formen des legendären E-Types halten können, aber ich finde den F-Type schön. Es macht auch wahnsinnig viel Spass mit ihm zu fahren. In der Basis-Ausstattung kostet der F-Type mit dem kleinen V6 genau 73.400 Euro. Nicht wirklich ein Zweitwagen für den Normalverdiener, aber irgendwann kommen ja auch die ersten Gebrauchten auf den Markt.

Jens hat natürlich auch schon seinen Fahrbericht zum Jaguar F-Type V6 verfasst und ich denke in den kommenden Tagen könnt ihr auch in einigen anderen einschlägigen Blogs weitere Stimmen zu dem neuen Zweisitzer von Jaguar lesen. Das 2+2sitzige Cabrio von Jaguar bin ich ja letztes Jahr schon gefahren – hier mein danieder geschriebenen Erfahrungen zum Jaguar XK V8 Cabriolet. In der nachstehenden Galerie findet ihr dann noch reichlich Fotos und Detailbilder zu “unserem” 2013 Jaguar F-Type V6. Das Weiß heisst übrigens “Polaris White”.