Frauenauto? Hipster-SUV? Unterwegs mit dem 2013 Range Rover Evoque 2.2 SD4 Pure


Mein blöder Ex-Kollege hat vor einem Weilchen (im letzten Juli um genau zu sein) son ollen Evoque als Firmenwagen bekommen. In dem voran stehenden Satz habe ich ein paar Fehler eingebaut. Mein Ex-Kollege ist ein ziemlich feiner Kerl (schliesslich hat er mich damals als das Auto kam gleich mitgenommen und man kann den Evoque ja alles mögliche nennen, aber “oll” nun wirklich nicht. Vor ein paar Tagen lieferte dann der freundliche Fahrer den 2013 Range Rover Evoque 2.2 SD4 Pure bei mir ab. Wo steht er denn? habe ich mich gewundert. Die Sonne schien, die Gärten unserer Straße glänzten im feinsten Frühlingsgrün. Eben gerade die richtige Tarnung für den Range Rover Evoque, der in der Farbe Colima Lime lackiert worden war. Eine durchaus gewöhnungsbedürftige Farbe, die – abgesehen von meiner Wenigkeit – in meinem Umfeld nicht auf besonders viel Gegenliebe gestossen ist. Ich mag den Ton aber, weil er schön frisch aussieht, auch wenn das Fahrzeug nicht so picobello sauber ist. Über 2.000 Kilometer habe ich in dem Evoque verbracht, so viel fahre ich selten mit einem Testwagen, aber diesmal hatte es sich so ergeben, was mich in die Lage versetzt auch eine ganze Menge zu dem SUV aus dem Hause Landrover zu schreiben. Wer erstmal die komprimierte Form hören möchte, dem lege ich unseren nachstehenden Video-Clip zu dem 2013 Range Rover Evoque 2.2 SD4 Pure ans Herzen:

Wo fang ich an? Mit dem oben bereits erwähnten Kollegen. Mit ihm hatte ich natürlich im Vorfeld gesprochen. Er fährt den Evoque, allerdings die kleinere Maschine nun ja schon fast ein ganzes Jahr und sagt: Ich bin wirklich voll zufrieden mit dem Evoque. Ich habe eine super Ausstattung für mein Geld bekommen. Der Verbrauch hält sich in Grenzen, selbst wenn man nicht immer so drauf achtet. Der einzige Schwachpunkt, der mein Wohlfühl-Faktor stört ist die Klappe vom Handschuhfach, die im Vergleich zu dem Rest des Fahrzeugs eher billig wirkt. Ich ärgere mich bei meiner Konfiguration, dass ich nicht auch das beheizbare Lenkrad genommen habe, weil das gerade mal 80 Euro Aufpreis kostet, im Winter hätte ich mich schon darüber gefreut. Und für meinen Nachwuchs hätte ich doch auch noch das Panorma-Dach nehmen sollen, weil die Fenster hinten ja nun zum einen ziemlich hoch sitzen, und zum anderen auch nicht besonders groß sind. Ok, soweit sein Briefing.

Beim ersten Einsteigen konnte ich seine Aussage zum Interieur schon einmal bestätigen. Es sitzt sich nicht nur angenehm in den Sitzen des Range Rover Evoque, das Ambiente hat mich auch sehr angesprochen (und ich bin zum ersten Mal mitten am Tag eingestiegen – das Ambient-Light hatte ich noch gar nicht gesehen, das ist auch sehr schön, zumal mal die Farbe nach seinem eigenen Gusto noch verändern kann – America läßt grüßen). Das Lenkrad und den Sitz hatte ich mir schnell mechanisch in die richtige Position gebracht (die ich im Übrigen während der Testzeit noch ein paar Mal nachjustieren musste, bis es mir dann richtig passte), die Kupplung fest durchgetreten (Ja, es war der Evoque mit dem manuellen 6-Gang-Schaltgetriebe, ich persönlich hätte ja das 6stufige Automatikgetriebe, was man alternativ ordern kann, bevorzugt, aber das können wir nicht immer steuern.) und dann den Startknopf gedrückt. Der 2,2-Liter SD4 Dieselmotor mit seinen 190 PS erwacht auf sehr dezente Art und Weise. Erfreulicher Weise bleibt es das auch stets – dezent leise im Hintergrund – selbst bei höheren Geschwindigkeiten. Das 6-Gang-Getriebe lässt sich sehr schaltfaul fahren, allerdings liegen mir die Gänge zu nah beieinander. Zumindest in den ersten Tagen habe ich mich hin und wieder verschaltet. Der Diesel-Motor ermöglicht mit seinen 190 PS eine durchaus flotte Fahrweise. Die Beschleunigung (in Zahlen 10 Sekunden von 0 auf 100 km/h – mit Automatikgetriebe dauert es nur 8.5 Sekunden) fühlt sich imposanter an, als es sich auf dem Datenblatt liest.

Bis 180 km/h lässt sich der Evoque bequem hochbeschleunigen, danach wird es etwas zäher, aber nie zäh. Bei 200 km/h ist sowieso Schluss. Ab Geschwindigkeiten von 160 km/h fühlt sich das Fahren erstmal seltsam an – ich weiss es leider nicht besser zu beschreiben – nach dem dritten Tag, war das Gefühl meinerseits aber auch schon verschwunden. Wohl einfach nur die Umstellung. Generell habe ich das Fahren mit dem Evoque stets als angenehm empfunden, sowohl in der Stadt als auch auf der Autobahn. Die erhöhte Sitzposition hat natürlich seine klaren Vorteile. Dafür ist der Schulterblich ein wenig anstregend und auch die Sicht nach hinten könnte etwas besser sein. Hilfreich für das Einparken ist auf jeden Fall die Rückfahrkamera, wobei ich denke, dass – sofern man das Fahrzeug täglich bewegt – auch ohne auskommt.

Laut Landrover soll man mit 5.7 Litern Diesel auf 100 Kilometern auskommen. Wir hatten zum Ende einen Verbrauch um die 9 Liter, was aber auch dem hohen Anteil von Autobahnfahrten geschuldet ist. Da wurde der Evoque dann meist zwischen 140 und 160 km/h bewegt.

Das Ambiente des Innenraums hat mir zugesagt, das habe ich bereits beschrieben. Hervorheben möchte ich dabei noch das Premium-Soundsystem von Meridian (ein englischer Hersteller). 10 Lautsprecher und einen Subwoofer hat man im Fahrzeug verteilt und kann diese mit 380 Watt befeuern. Das Klangbild habe ich als sehr sauber empfunden und gemessen an dem Aufpreis halte ich es für sehr empfehlenswert. Das Infotainment-System an sich ist zu erst ein wenig “kompliziert”, will sagen, ich habe ein wenig länger gebraucht, bis ich verstanden habe, wie ich die Musik vom verbundenen iPhone abspielen kann. Im Prinzip bietet das System aber alle Anschlussarten, die man sich heute so wünscht und man kommt damit auch prima zurecht. Den Empfang des Radios hingegen habe ich teilweise als weniger gut buw leistungsstark empfunden. Wer gerne und viel Radio hört, sollte gegebenenfalls über die Bestellung des DAB-Moduls nachdenken, was verhältnismäßig preiswert ist. Das Navigationssystem hat problemlos funktioniert, die Aussprache der Stimme hat hin und wieder ein paar lustige Momente, aber nichts was die Routenführung wirklich stört. Das 8″ große Touchscreen-Display bietet eine Menge Platz und somit auch große Schaltflächen, welche die Bedienung bei der Fahrt erleichtern. Es ist allerdings leicht schräg verbaut und somit bei bestimmten Sonneneinstrahlungen nicht immer einfach abzulesen. Die Anweisungen bei der Routenführung werden aber auch in dem kleinen Display zwischen den Rundinstrumenten ausgegeben, so dass dies in Ordnung geht. Jens konnte auch die Lieder über seine iPhone-Spotify.app abspielen und über das Infotainment-System steuern, das macht ihn immer sehr glücklich.

Glücklich hat sich auch die Familie mit dem Range Rover Evoque gezeigt. Zumindest die Kinder mochten das Auto sehr. Meine Frau war hingegen wenig begeistert. Auch ein paar andere Damen habe ich um ihre Meinung gebeten – als Ergebnis halte ich für mich fest, dass der Evoque kein “Frauenauto” ist, da er bei Frauen und Männern gleichermassen gut ankommt. Zurück zu den Kindern im Fond. Die haben das riesige Panorama-Dach liebgewonnen. Zwar lässt sich dieses nicht öffnen (nein, es gibt auch alternativ kein kleineres Schiebedach für den Evoque), ist aber so gewaltig groß, dass man im Fond sitzend herrlich heraus sehen kann und das Wageninnere generell schön aufgehellt wird. Bei zu großer Sonneneinstrahlung kann man das Glasdach auch elektrisch mit einem Sonnenschutz verdunkeln. Platz haben im Fond auch zwei Erwachsene, zu dritt möchte man aber nicht hinten sitzen müssen, das ist – wenn überhaupt – nur auf kurzen Strecken zu empfehlen.

Das zulässige Gesamtgewicht für den Range Rover Evoque beträgt 2.350 KG. 500 KG davon sind für Passagiere und Gepäck bestimmt. In dem 550 Liter großen Kofferraum lässt sich einiges an Gepäck unterbringen, erfreulicher Weise gibt es keine Ladekante. Unser Testwagen hatte eine elektrische Kofferraum-Klappe. Ich muss so etwas nicht haben, aber es ist schon lässig und praktisch, wenn man nach dem Wocheneinkauf die Klappe per Funkfernbedienung öffnen kann, wenn man sich dem Fahrzeug nähert. Legt man die Rücksitzbank um, vergrößert sich das Ladevolumen auf 1.445 Liter, leider hat man aber keine plane Fläche. Das Schlafen auf der vergrößerten Heckfläche kann man bei einer zur Verfügung stehenden Länge von gerade mal 1.58m aber eh vergessen. Aber für den klassischen Ikea-Einkauf hat man schon ein bisschen Platz.

Im Gelände waren wir mit dem Evoque so gar nicht. Um ehrlich zu sein, hat er nur einmal Matsch gesehen, als ich ihn zum Fotografieren an das Raps-Feld gestellt habe. Schade eigentlich, denn das soll ja eine der großen Stärken des Evoques sein. Er ist nicht nur als SUV kategorisiert, man kann auch wirklich mit ihm ins Gelände fahren. 50cm Watttiefe, 22° Rampenwinkel – da geht schon was. Und wer das nicht glauben mag, ich war ja vor einem Weilchen mal in diesem Landrover-Experience-Center in Wülferath, wo ich den Landrover Defender gefahren bin, da konnten wir auch den Evoque über den Parcours bewegen.

Mein Highlight? Ganz klar das Tagfahrlicht (und auch die Rückleuchten). Ich mag die Form und wie es zu dem gesamten Auto passt. Es war mit eine Freude – jedes Mal wenn ich es gesehen habe – ob nun als Spiegelung im Lack meines Vordermanns an der Ampel oder eben wenn ich auf den Range Rover Evoque zugegangen bin. Ungemein praktisch fand ich auch noch, dass man per Funkfernbedienung die Frontscheinwerfer an bzw aus schalten – ohne dabei das Fahrzeug zu ver- oder entriegeln – konnte. Gerade wenn man sich im umbekannten Dunklen bewegt, ist das sehr nützlich. Ach – einen habe ich noch. Richtig, richtig, richtig funky finde ich, dass unter den Spiegeln kleine Lampen sitzen, welche im Dunklen die Silhouette des Evoques auf den Asphalt zeichnen.

Und was ist mit den Hipstern? Nun, ich kenne schon ein paar Leute, die durchaus sehr hipp sind und den Range Rover Evoque fahren oder sehr gerne fahren würden. Selbst wenn es so wäre, mich würde es nicht von meiner Kaufentscheidung abhalten …

Mein Fazit: Der 2013 Range Rover Evoque 2.2 SD4 Pure ist ein schönes – wenn nicht gar schickes – Auto, was sich auch gut fahren lässt und den Fahrer mit einem ansprechenden Interieur begeistern kann. Nachstehend habe ich mal unseren Testwagen nachkonfiguriert, um zu sehen, was da auf dem Preisschild gestanden hat – zudem gebe ich noch ein paar subjektive Empfehlungen bzgl. der Konfiguration.

Konfigurations-Empfehlungen zum Range Rover Evoque
Der Range Rover Evoque mit dem 190 PS starken 2,2-Liter SD4 Dieselmotor und manuellem 6-Gang-Schaltgetriebe kostet in der Basis-Version der kleinsten Ausstattungsvariante “Pure” 38.100 Euro. Die auf den Fotos gezeigte Lackierung “Colima Lime” ist aufpreispflichtig und kostet wie alle anderen Farben ausser “Fuji Weiß” (Hier in Bielefeld sehe ich immer wieder einen weißen Evoque und finde, dass ihm weiß sogar sehr gut steht) 720 Euro. Das große Panorama-Dach in Verbindung einer Kontrastlackierung der verbleibenden Dachfläche in Schwarz macht sich mit 1.550 Euro auf dem Bestellzettel bemerkbar, wer auf die schwarze Lackierung verzichtet, kann 600 Euro sparen. Ich würde mir auf jeden Fall das Panorma-Dach hinzu konfigurieren, da nicht nur der Innenraum deutlich heller wird, sondern auch die Kinder so ihren Spass haben. Allerdings muss man in diesem Fall noch weitere Ausstattungsmerkmal im Wert von 3.300 Euro dazu buchen – an solchen Stellen verstehe ich die Autobauer wirklich nicht. Das Panorama-Dach gibt es nämlich nur in Verbindung mit – Achtung festhalten – dem kleinen Meridian Soundsystem (380-Watt-Verstärker und 10 Lautsprecher plus Subwoofer), Bluetooth®- fähiges Telefonsystem mit Schnittstelle für Audio-Streaming, der Bestuhlung in Almond/Espresso-Leder und dem Technikpaket Pure ( Mittelarmlehne hinten mit 2 Getränkehaltern; Teppichmatten; Ambiente Innenraumbeleuchtung; Anschluss für portable Audiogeräte (1x Aux, 2x USB); Audio-Zusatzanschluss; Stoßfängerleisten, vorne; 18″-Leichtmetallfelgen Style 2 mit 7 Speichen in Sparkle Silver (Bereifung 235/60R18). ). Äh ja.

Das Soundsystem hat oben eh schon meine Empfehlung bekommen, also passt das schon irgendwie – oder auch nicht. Unser Fahrzeug hatte dann noch das Winterkomfort-Paket. Für einen Aufpreis von 850 Euro bekommt man sind beheizbare Frontscheibe, Sitze, Lenkrad und Scheibenwaschdüsen. Ok. Wäre für mich sowieso in meiner Konfiguration dabei – ich kaufe doch kein Fahrzeug mehr ohne Sitzheizung und auch so eine Lenkrad-Heizung ist sehr charmant. Zumal weiss jeder Nicht-Garagen-Parker so eine beheizte Frontscheibe zu würdigen. Die wunderschönen Scheinwerfer bekommt man nur, wenn man das “Sichtpaket” für 1.300 Euro dazu bucht – es umfasst eine Scheinwerferwaschanlage, Nebelscheinwerfer, sensorgesteuertes Fahrlichtsystem, Scheibenwischer mit Regensensoren und Xenon Scheinwerfer mit einzigartiger LED-Signatur und automatischer Leuchtweitenregulierung. Das Navigationssystem wird für weitere 2.150 Euro integriert. Ich war bislang nie der Fan von integrierten Navi-Lösungen, mittlerweile denke ich da auch etwas anders, zumal die System immer besser funktionieren. Ansatzweise günstig – zumindest im Vergleich zu anderen Herstellern ist das Zubuchen des DAB-Radio-Moduls, das kostet gerade mal 330 Euro Aufpreis.

Die elektrische Heckklappe kostet 640 Euro Aufpreis, auf die könnte ich auch verzichten, obschon ich zugeben muss, dass sie sehr praktisch war. Wer “schlüssellos” den Range Rover Evoque öffnen, starten und später wieder verriegeln möchte, der benötigt “Keyless Entry” für XXX Euro, was aber auch nur in Verbindung mit den elektrischen Außenspiegeln (noch einmal 280 Euro dazu – bzw wenn man sie mit Memory-Funktion versehen haben möchte alternativ 560 Euro) gebucht werden kann. Rückfahrkamera (hat meine Empfehlung!) und Parksensoren kosten zusammen 810 Euro Aufpreis. Gerne hätte ich ja auch den Einparkassistenten des Evoque ausprobiert. Dieser war aber nicht in unserem Fahrzeug verbaut, kann aber für 690 Euro dazu bestellt werden. Wer nicht ausschliesslich alleine fährt, weiss auch eine 2-Zonen-Klima-Anlage zu schätzen (200 Euro extra), und Eltern spendieren dem Nachwuchs auch gerne Lüftungsdüsen für den Fond (120 Euro). Ein automatisch abblendbarer Innenspiegel sollte meiner Meinung nach ja heutzutage zur Serienausstattung jedes Autos gehören, Landrover verlangt dafür 200 Euro Aufpreis in Pure. Unser Evoque hatte keine elektrisch verstellbaren Vordersitze – ich würde diese mittlerweile immer dazu buchen – auch wie hier für 1.300 Euro – allein wegen der Memory-Funktion und weil ich mir oft mit meiner Frau das Auto teile und wir nunmal recht unterschiedliche Sitzpositionen haben. Witziger Weise ist die mittlere Kopfstütze im Fond für 50 Euro optional. Das heisst also man kann sie auch weglassen und hat dann bessere Sicht nach hinten. Wer die getönten Scheiben ab der B-Säule mag und/oder seinen Kindern mehr Privatsphäre bieten möchte, muss noch mal 420 Euro veranschlagen.

So komme ich übrigens auf einen Preis von 51.190 Euro für das von uns gefahrene Fahrzeug, was schon sehr nah an meiner Wunschausstattung liegen würde. Jede Menge Fotos zum 2013 Range Rover Evoque 2.2 SD4 Pure gibt es wie immer in der nachstehenden Galerie, darunter auch zahlreiche Detailaufnahmen.