Probefahrten
Kommentare 7

Probefahrt mit einem Underdog: 2013 Suzuki Kizashi 2.4 Sport


Ralf Becker hatte jüngst einen Rant an die Automobil-Industrie verfasst, in dem er sich – er ist gerade auf der Suche nach einem neuen Auto – über das Angebot auf dem heutigen Automarkt beklagt hat. Zu wenig Eigenständigkeit im Design bemängelt er, wie auch die Reizüberflutung durch Assistenz-Systeme. In your face, Ralf! habe ich gedacht, nachdem ich ein paar Tage mit dem 2013 Suzuki Kizashi 2.4 Sport unterwegs war.

Und ich gestehe hier auch öffentlich, dass ich nicht alle Fahrzeuge von allen Herstellern auf dem Schirm habe. Ich wußte zwar, dass Suzuki einen Mittelklasse-Fahrzeug im September 2010 auf den deutschen Markt gebracht hat, aber so richtig angesehen habe ich mir den Suzuki Kizashi erst, als er hier bei mir vor der Einfahrt stand. Und was ich da gesehen habe, hat mir gut gefallen – was ich auch in dem nachstehenden Ausfahrt.tv Video sage:

2009 wurde der Suzuki Kizashi (sprich Kiiii-tzaaaa-schi, wenn ich es richtig verstanden habe) in den USA vorgestellt. Mittlerweile hat sich Suzuki dort ganz aus dem Markt zurückgezogen und einige Amis haben ihr Bedauern darüber bei Instagram ausgesprochen. Sie mochten das Auto. Und ich mag das Auto. Vollkommen subjektiv mochte ich es sofort, als ich es bei der Übergabe zum ersten Mal gesehen habe. Dabei ist nicht alles nur toll beim Suzuki Kizashi.

Mitnichten. Drei Punkte möchte ich hervorheben. Fange ich bei einem Luxusproblem an. Das Infotainment-Paket besteht aus einem Radio, an dass sich auch per Bluetooth ein externes Gerät anschliessen lässt. Ich habe es nicht geschafft, dass ich sowohl Bluetooth zum Abspielen von meiner Musik als auch zum Freisprechen nutzen konnte. Vielleicht habe ich die Anleitung auch nicht genau genug gelesen. Intuitiv ist jedenfalls anders und das Klötzchen-Display kann man auch nur mit viel gutem Willen als Retro-Chic bezeichnen. Navi gibt es somit auch keins. Dafür ist der Klang der Lautsprecher überraschend gut und hat mir gefallen.

Das zweite Problem ist dann schon elementarer. Der Vierzylindermotor hat 2.4 Liter Hubraum und leistet 178 PS. Das hört sich ja eigentlich ganz ordentlich an, was da aber an Leistung ankommt fühlt sich nicht entsprechend an. Das maximale Drehmoment von gerade mal 230 Nm spricht da ja auch schon Bände. Will man den Suzuki Kizashi sportlich fahren, dann muss man ihn ordentlich auf Drehzahl halten. Unter 4000 Umdrehungen ist ein sportlicher Fahrspass nicht gewährleistet. Bleibt man aber stets in dem Drehzahlbereich (dann lässt sich auch eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7.8 Sekunden ereichen, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 215 km/h ), so trinkt der Kizashi ordentlich und bewegt sich fix in zweistelligen Verbrauchswerten. Und schon der von Suzuki angegebene NEFZ-Durchschnittsverbrauch von 7.9 Litern auf 100 km erscheint erst einmal unverhältnismäßig hoch für ein Auto mit den Ausmaßen. Immerhin fasst der Tank 63 Liter, so dass man schon – je nach Fahrweise – auch längere Strecken ohne Tankstops zurücklegen kann.

Und schlussendlich ist die Vorderachse – so hat mir Jens meine Erfahrungen übersetzt – bei sportlicher Fahrweise – insbesondere in schneller Kurven wohl etwas überfordert. Das bringt einen nicht in kritische Situationen, fühlt sich aber seltsam an.

Betrachtet man nun also meine Kritik und denkt wieder an den eigentlichen Zielmarkt USA, so zeigt sich schnell, warum sich die Dinger so verhalten, wie sie es tun. Hubraum ist wichtig in den USA, aus Prestige. Leistung muss auf dem Papier stehen, wird aber eh nie abgerufen. Und sportliche Fahrer kann man in den USA auch mit der Lupe suchen.

Wenn man also nicht den Anspruch hat, stets sportlich durch Kurven zu rutschen, sondern ein preiswertes, nicht alltägliches Auto sucht, der wird – trotz meinen Kritikpunkten – mit dem Suzuki Kizashi bestimmt sehr glücklich. Vieles ist auch herrlich einfach – aber nicht schlicht – beim Kizashi. Das fängt bei dem Preis an. Farbe aussuchen (Super Black Pearl Metallic heisst die Farbe die unser Testfahrzeug hatte). Und fertig. Der Einheitspreis für einen 2013 Suzuki Kizashi 2.4 Sport mit Metallic-Lackierung liegt bei 27.430 Euro. Es gibt nichts zu konfigurieren. Lederausstattung innen, Elektrische Sitzverstellung, Sitzheizung, elektrisches Schiebedach, 18″ Alus. Alles inklusive. Alles einfach.

Was man dafür bekommt ist eine – meiner Meinung nach sehr hübsche – Mittelklassen-Limousine mit einem ansprechend großen Kofferraum, der 460 Liter fasst und sich – wie im Video schön zu sehen ist – allerhand an Koffern aufnimmt. Die Rücksitzbank ist bei Bedarf umklappbar – dann hat man 770 Liter zur Verfügung und kann zur Not auch mal längere Sachen einladen. Ich habe ein Fahrrad im Kofferraum gehabt (Vorderrad hing aussen), das ging prima. Die zulässige Zuladung darf 485 kg nicht übersteigen, was ich bei dem Fahrzeug als angemessen empfinde. Wer auch mal einen Hänger ziehen möchte, die zulässige Anhängelast beträgt 1.7 Tonnen beim Kizashi.

Meinem Umfeld hat der Kizashi sehr gut gefallen. Ein Dialog, der sich fortwährend wiederholte: „Schick, was ist das für einer?“ – Ein Suzuki Kizahsi. – „Aha, sieht gut aus, wie fährt der sich denn?“ – … Und ich finde durchaus, dass der Suzuki innen wie aussen schick ist. Innen wertet die Lederausstattung das Fahrzeug auf und vor allem dem Fahrer geben das an den Griffflächen perforierte Lederlenkrad und die hübsch weiß illuminierten Rundinstrumente ein gutes, komfortables Gefühl. Die Sitze sind elektrisch verstellbar, der Fahrersitz verfügt zudem über eine Memory-Funktion. Prima. Die Coupé-Form gibt dem Wagen etwas besonderes, was man zumindest von deutschen Straßen so nicht unbedingt gewöhnt ist. Die Auspuffblenden am Heck unterstreichen die sportliche Optik und die 18″ Felgen stehen dem Wagen gut.

Den Kindern hat der Kizashi auch gefallen. Sie hatten im Fond auch ausreichend Platz. Leider sind die Gurtpeitschen nicht weit genug auseinander, so dass der Nachwuchs im Kindersitz Probleme hatte, sich alleine anzuschnallen. Auch gibt es bei den hinteren Fenstern keinen Einklemmschutz, was bei meinen Kindern nicht mehr so das Problem ist, bei kleineren Kindern im Fond aber nicht vergessen werden sollte. Man kann die Funktion der hinteren Fensterheber aber von vorne sperren. Generell läßt sich der Kizashi sehr komfortabel ruhig bewegen. Das Fahrwerk ist übrigens ganz unamerikanisch nicht zu weich, sondern angenehm – wirklich angenehm – weder zu straff noch zu weich.

Rundum, ich mochte den Kizashi. Wer es nicht immer eilig hat, dafür aber ein Auto sucht, was aus der Masse heraussticht und keinen Sozialneid erzeugt, sollte sich den 2013 Suzuki Kizashi 2.4 Sport mal genau ansehen und auch eine Probefahrt vereinbaren. Weiter Fotos von dem 2013 Suzuki Kizashi 2.4 gibt es in der nachstehenden Galerie: