Probefahrten
Kommentare 6

2013 Chevrolet Captiva LTZ 2.2 Diesel 4WD – Fahrbericht einer Probefahrt

Am 27. Mai 2012 habe ich bereits einen Beitrag über den 2013 Chevrolet Captiva LTZ 2.2 Diesel 4WD geschrieben. Damals konnten wir uns bei einer Fahrveranstaltung ein erstes Bild von dem SUV nach seinem Facelift machen. Nun hatten wir den 2013 Chevrolet Captiva LTZ 2.2 Diesel 4WD für zwei Wochen in Bielefeld und konnten ihm deutlicher und deutlich länger erfahren. Eine Zusammenfassung im Bewegtbild haben Jens und ich Euch in unserem Ausfahrt.tv-Video erstellt:

Ich habe das Fahrzeug vor 2 Wochen in Frankfurt abgeholt und bin dann erstmal 3 Stunden über die Autobahn nach Hause gefahren. Dabei hat sich der Captiva durchaus als Reisemobil empfohlen. Überholprestige auf der linken Spur (mal ehrlich, wer fährt nicht rechts rüber, wenn so ein Riesending von hinten angerollt kommt), angenehm ruhiges Fahrverhalten bei Geschwindigkeiten zwischen 120 und 160 km/h. Das Beschleunigen von 0 auf 180 km/h erfolgt in einem Zug und ohne großes Stocken, wobei klar sein muss, dass der Captiva trotz seiner 183 Diesel-PS kein Rennwagen ist – 11 Sekunden benötigt er für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Bei 190 km/h ist dann auch schon die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Wer viel auf der Bahn fährt und auch nicht die Musse hat, stets mit 120 km/h zu cruisen, muss dafür dann des öfteren an die Tankstelle fahren. Bei meiner Fahrt – erst zügige Autobahn-Fahrt, danach nur noch Stadtverkehr – hatte ich einen Verbrauch von 11 Litern auf 100 Kilometern. Laut Chevrolet soll man den Captiva auch mit 7.9 l/100 km bewegen können. Wer Sprit sparen will, sollte die neben dem Wahlhebel der unauffälligen 6-Gang-Automatik die ECO-Taste drücken. Dann nimmt der Chevrolet Captiva LTZ 2.2 Diesel die Befehle vom Gaspedal in gedämpfter Form entgegen, so lässt sich der Verbrauch minimieren.

Gleiches könnte durch das Abschalten des Allrad-Antriebs auch geschehen, dieser ist aber permanent geschaltet und lässt sich nicht deaktivieren. Sperrdifferienziale sucht man vergeblich. Der Captiva ist eben ein SUV, kein Geländewagen. Auf Eis und Schnee wird man im Alltag von dem Allrad-Antrieb profitieren können und auch Ausflüge über sandige Wege oder matschige Felder wird man mit dem Chevrolet meistern können.

Meiner Meinung nach ist der 2013 Chevrolet Captiva LTZ 2.2 Diesel 4WD aber vor allem eins: ein Familientransporter mit amerikanischer Note. 5 Erwachsene können bequem im Captiva reisen, dürfen dann aber nicht viel Gepäck mitführen, denn bei einem Leergewicht von 1.978 kg beträgt die maximale Zuladung gerade mal 560 kg. Der Kofferraum schluckt aber gut und gerne, 477 Liter oder eben all unsere Lufthansa-Koffer passten hinein und das sind ja immerhin 3 Kabinentrolleys und zwei große Jumbo-Trolleys. Legt man die Rückbank um, so erhält man eine durchaus ebene Liegefläche mit einer Länge von etwa 175 cm, wenn man sich quer legt, sollten auch Personen bis 185cm Körpergröße im erweiterten Kofferraum Platz finden. Bei umgeklappter Rückbank erhält man ein Ladevolumen von stolzen 2021 Litern.

Will man hingegen die dritte Sitzreihe nutzen, so schrumpft der Kofferraum eklatant. Im Prinzip passen dann da noch ein paar Aktentaschen hinter die Sitze. Nicht mal ein Kabinentrolley wollte da bei unserem Test passen. Der Zugang zur dritten Sitzreihe erfolgt ausschliesslich über den rechten Rücksitz. Der macht beim Umklappen quasi einen Salto vorwärts und selbst ein gut genährter Erwachsener wie ich, kommt ohne Verrenkungen zu seinem Platz („älteren Herrschaften“ sollte man dies aber bitte nicht zumuten). In der dritten Reihe kann man sogar als Erwachsener noch halbwegs bequem sitzen. Die Beine muss man recht nah an den Körper ziehen, aber Fahrten bis zu 2 Stunden Dauer sollte man problemlos überleben ohne großen Schaden zu nehmen.

Das Platzangebot auf der zweiten Sitzreihe ist übrigens deutlich üppiger. In der LTZ-Ausstattungslinie freut man sich zudem über beheizte Aussensitze. Die Gurtpeitschen sind leider nicht wirklich starr befestigt, mein Sohn hatte trotzdem wenig Probleme mit dem Anschnallen, was auch daran liegen kann, dass die Gurtpeitschen nicht direkt neben dem Kindersitz sassen – soll heissen, man hat durchaus Platz auf den Aussensitzen. Weniger lustig ist der fehlende Einklemmschutz bei der Fensterhebern. Lediglich der Fahrer wird geschützt. Das macht in meinen Augen wenig Sinn und ist auch nicht durchdacht. Da sollte Chevrolet sofort nachbessern. So ein Relais kann nicht die Welt kosten. Die Fenster lassen sich dafür aber komplett versenken und die Fensterflächen ermöglichen eine gute Sicht nach draussen. In den Fond kann man von aussen hingegen nicht so einfach sehen, denn die Scheiben hinter der B-Säule sind getönt. Schade allenfalls dass das große im LTZ serienmäßige Schiebedach nicht noch ein wenig länger ist und den Innenraum im Fond ebenfalls ein wenig Licht von oben spendet.

Denn das tut es sehr schön auf den Vordersitzen. Diese sind im Übrigen sehr bequem, lassen aber jeglichen Seitenhalt vermissen. Was nicht so viel macht, denn so sportlich fährt man den 2013 Chevrolet Captiva LTZ 2.2 Diesel 4WD nun auch nicht. Dafür verfügen die Sitze über eine passable Sitzheizung und der Fahrersitz ist elektrisch verstellbar (Aber auch nur der Fahrersitz, wer rechts sitzt, muss selbst Hand anlegen). Und irgendwie trohnt man in den Sitzen. Schon allein wegen der angenehm hohen Sitzposition,a ber auch wegen dem Gestühl selbst. Zwei Mal den Schulterblick – einen links, einen rechts – der Chevrolet Captiva ist durchaus übersichtlich. Beim Parken soll die Rückfahrkamera behilflich sein, deren Bild leider mit unnötigen Grafiken überlagert wird – da wünscht man sich, man könne das abstellen. Das Bild der Kamera selbst ist aber gut und brauchbar.

Dem Infotainmentsystem gebe ich die Schulnote 3. Die Musik aus den Lautsprechern verwöhnt nicht unbedingt audiophile Ohren, wird aber den Durchschnittshörer glücklich machen. Die Radio-Einheit ist dabei vom Display gelöst und nachträglich verbunden. Oder so ähnlich. Es wirkt jedenfalls nicht wie aus einem Guss, funktioniert jedoch sehr passabel. Das Navigationssystem hat einen kleinen Haken, den man vielleicht beheben kann, ich habe aber nicht die Musse gehabt zu suchen: Wenn man der Routenführung lauscht, wird bei jeder kleinen Tempolimitübertretung ein Piepser erzeugt. Das nervt auf Dauer etwas, deaktiviert man das Geräusch auf die einfache Art, so hört man keine Kommandos des Navis mehr. Letztendlich funktioniert aber alles ganz passabel und lässt sich auch einfach bedienen. Herauszustellen sind vielleicht die zahlreichen Getränkehalter und Ablagemöglichkeiten im Vorderwagen. Auch ein üppig grosses Handschuhfach sieht man ja heuer eher selten bei den Autos. Mein persönliches Hightlight: Die Heckscheibe lässt sich getrennt von der Heckklappe öffnen. Das ist ungemein praktisch, wenn man mal eben etwas in den Kofferraum legen möchte oder aber Car-to-Car-Fotos machen will *hüstel*.

Rundum: Ich mag den Captiva. Es ist ein wenig anders. Nicht alles ist stimmig, aber das gibt ihm einen besonderen Charme. Die Zeiten in denen bei amerikanischen Fahrzeugen Sicherheitsbedenken haben musste, sind eh längst vorbei, zudem hat der Captiva beim Euro-NCAP alle 5 Sterne für gute Sicherheit bekommen. Wer einen Familienwagen sucht, der ein wenig anders, dafür aber durchaus preiswert ist, sollte sich den 2013 Chevrolet Captiva LTZ 2.2 Diesel 4WD auf jeden Fall mal genauer ansehen. Mein Gefühl sagt mir, dass man mit dem SUV auch prächtig Anhänger ziehen kann, die Anhängelast ist aber auf 2 Tonnen beschränkt. Eine zweite Meinung findet ihr bei Jens im Blog: Fahrbericht – Test – Kritik: Chevrolet Captiva 2.2 AWD – 2013, bei mir nachstehend noch die obligatorische Bildergalerie – wer mehr Bilder sehen will, kann auch noch in meinem alten Beitrag einige finden.