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Probefahrt mit dem 2013 Seat Ibiza Cupra – toro, torero, olé

Meine Spanisch-Kenntnisse sind mehr als begrenzt. Ich bin der torero, der 2013 Seat Ibiza Cupra ist der toro und alle rufen olé! Das passt irgendwie schon. Cupra ist übrigens kein spanisches Wort. Wenn ja, sollte es wohl “Führerscheinvernichter” bedeuten (es steht im Übrigen für “Cup Racing”). Aber ein paar Schritte zurück. Den Seat Ibiza kennen wir seit 1984. In Jahre 2000, 2 Jahre vor dem nächsten Modellwechsel wurde zum ersten Mal eine Sonderedition 1,8 T Cupra R mit 180 PS vorgestellt. Seit der dritten Modell-Generation des Seat Ibiza gibt es den Cupra dann als Benziner oder Diesel (160 PS). Wir hatten jetzt die vierte Modellgeneration des Seat Ibiza Cupra in Bielefeld, die es seit 2008 gibt, aber im März 2012 modellgepflegt wurde. Feuerrot präsentiert sich mir der spanischen Kleinwagen mit deutschen Ahnen. Eine agressive Front hat er und ein äußerst sportliches Heck – insbesondere die mittige Doppelauspuffanlage gefällt mir gut. Diese klingt auch sehr schön, wenn man das DSG im Sportmodus befördert, was leider in unserem nachstehenden Ausfahrt.tv-Video nicht ganz so toll rüberkommt:

Meine erste Fahrt: Hinein in die schwarz-weißen Sportsitze, die nicht nur sehr guten Seitenhalt bieten, sondern auch noch bequem sind. Schlüssel im Schloss gedreht – den belederten Wahlhebel der 7-Gang DSG Automatikgetriebes auf “D”, beide Hände ans griffige, unten abgeflachte und ledernde Sportlenkrad und los geht es. Mit 30 km/h durch unsere Strasse. Aber dann am Ende. Wahlhebel auf “S(port)” und los – sprich Fuss voll aufs Gas. Der Motor heult auf und das ESP-Signet im Rundinstrument blinkt wild auf und will sich gar nicht mehr beruhigen. Gut. Am Ende unsere Strasse muss ich eben rechts abbiegen. Und Lenkeinschlag plus sportliche Beschleunigung, das mag der 2013 Seat Ibiza Cupra nicht so wirklich. Zumindest offenbart er da Traktionsprobleme. Nachdem ich um die Kurve bin und das Lenkrad wieder gerade steht, kommt auch der erwartete Beschleunigungsschub. Und dazu eine wundervolle Begleitung dank der elektronischen Abgasklappensteuerung, die im Sportmodus erst so richtig aufdreht.

Doch Obacht. Und zwar richtig! Nur einmal darf man sich innerhalb geschlossener Ortschaft den akustisch sehr anregenden Gangwechsel anhören, dann steht der Zeiger des Rundinstrumentes auch schon auf 70 km/h. Führerschein-Neulinge, denen ein 2013 Seat Ibiza Cupra zur Verfügung gestellt bekommen, müssen entweder über eine übernatürliche Selbstbeherrschung verfügen oder aber sie melden sich sofort zur Nachschulung an. Der Motorklang im Sportmodus ist wie die biblische Schlange. Stets fühlst Du Dich in Versuchung. Komm schon! Gib Gas! Ach komm schon. Nur ein wenig … Trau Dich. Irgendwann wirst Du weich. Blick in den Rückspiegel, Blick nach vorne. Broooaaaam. Aber nur ein Mal. Ne. Wirklich. Ganz ehrlich. Oder auch nicht.

Ich will damit auch nur sagen, dass der 2013 Seat Ibiza Cupra irre viel Spass macht. Vor allem dann auch auf der Landstrasse. Wer sich an die Vorderachse gewöhnt hat, wird mit einem chronischen Grinsen von seiner Lieblingsstrecke nach Hause kommen. Eine elektronischer Quersperre hilft beim Beschleunigen (6,9 s benötigt der Seat Ibiza Cupra von 0 auf 100 km/h) aus engen Kehren. Das Fahrwerk ist straff und mehr als gefällig!

Hat in der Stadt die Vernunft gesiegt, schaltet man schnell wieder von “S” auf “D”. Denn wenn man es nicht geniessen kann, dann zehrt der Motorklang schon ein wenig an den Nerven. Dafür gibt es aber eben die normale Fahrstufe, in der aus dem Cupra wieder ein braver und leiser Kleinwagen wird. In dieser Fahrstufe kann man sich dann auch dem NEFZ-Verbrauch von 5.9 Litern auf 100 km nähern oder sogar erreichen (Jens hat das geschafft, ich nicht). Bei sportlicher Fahrweise kommt man aber auch gut und gerne über die 10 Liter. Wer ständig so fährt, muss sich aber an häufige Tankstops gewöhnen, der Tank fasst gerade mal 45 Liter.

Der Motor selbst hat gerade mal 1.4 Liter Hubraum. Dafür hat er aber einen Kompressor und einen Turbolader spendiert bekommen. Daraus zieht der 4-Zylinder dann eine Leistung von 180 PS und gibt 250 Nm Drehmoment weiter. Im siebten Gang erreicht man dann eine Spitzengeschwindigkeit von knapp 230 km/h. 1.4 Liter? 180 PS? Das ist doch nichts! Geschmeidig bleiben. Wie der Cupra selbst. Denn der bringt gerade mal 1.2 Tonnen Leergewicht auf die Waage. So, und jetzt rechne mal fein die PS pro kg aus … Oder lass es eben, glaub mir es reicht.

Schubidu. Schubidu. Szenenwechsel. Familienvater Jan bringt die Kinder zur Schule. Mit zwei Türen empfiehlt sich der 2013 Seat Ibiza Cupra natürlich nur bedingt als Familientransporter. Immerhin kann man den rechten Vordersitz beim Umklappen auch nach vorne schieben. Leider sind die hinteren Sitze recht eng bemessen, so dass der Nachwuchs im Kindersitz Probleme hat, die Gurtschnalle zu erreichen. Erwachsene haben im Fond nicht viel zu lachen. Ist der Einstieg noch ohne größere Verrenkungen möglich, so stösst man sich hinten sitzend auch schnell mal den Kopf. Auch die Beinfreiheit sollte für längere Strecke großzügiger sein. Der Kofferraum hat gerade mal 255 Liter. Da passen zwar schon ein paar Boradtrolleys hinein oder auch ein größerer Koffer, der Wochenendeinkauf für vier Personen muss aber teilweise auf der Rücksitzbank platziert werden, auf jeden Fall, wenn man noch ein Kiste kühles Nass transportieren möchte. Ist der Nachwuchs hingen aus dem gröbsten hinaus, so spricht nichts gegen den Seat Ibiza – auch nicht als Cupra.

Was noch? Das Infotainment-System ist knuffig. Der aufgesetzt Bildschirm ist zwar klein, lässt sich aber gut ablesen und die Bedienung des Touchscreens ist problemlos. Unglücklich finde ich die Verbannung der Bedienelemente vom Sportlenkrad an einen Schalter auf der Seite. Das ist nicht nur unsexy, sondern nach meinem Gusto auch unpraktisch. Die Serienlautsprecher sind ok. Die Anbindung des iPhones einfach. Unter dem Kofferraumboden verbirgt sich überraschender Weise ein echtes Ersatzrad. Bei einem Basispreis von 23.590 Euro erwartet man schon irgendwie eine Rückfahrkamera heutzutage, das Display zeigt allerdings nur den Abstand von Objekten am Heck an. Zwar ist der Seat Ibiza Cupra alles andere als unübersichtlich, aber gerade in Städten mit Parkplatznot und sehr engen Parklücken schätzt man doch so eine Kamera.

Kurzum zum Ende kommen: Ich gehöre bestimmt nicht zur Zielgruppe eines 2013 Seat Ibiza Cupra, dennoch kann auch ich bestätigen, dass der kleine und feurige Spanier eine ganze Menge Spass macht, dabei meiner Meinung nach nicht nur sportlich, sondern richtig gut aussieht und mit knapp 24.000 Euro für 180 PS auch noch bezahlbaren Fahrspass anbietet. Die Meinung von Jens findet ihr in seinem Blog: Fahrbericht – Kritik – Test: Seat Ibiza Cupra – 2013, in der nachstehenden Galerie findet ihr noch eine ganze Menge Fotos vom 2013 Seat Ibiza Cupra: