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Mit Suzuki zu Besuch bei Europas größtem Autoterminal in Bremerhaven

Vor ein paar Wochen hatte ich doch einen 2013 Suzuki Kizashi 2.4 Sport (Link zum Fahrbericht meiner Probefahrt) hier bei mir in Bielefeld. Suzuki ist ja bekanntlich ein japanisches Unternehmen mit seinem Stammsitz in Hamamatsu. Neben Werken in Ungarn und Indien werden Suzukis natürlich in Japan produziert. Wie kommt denn also so ein Suzuki Kizashi, der in Sagara, Japan gefertigt wird nach Deutschland?

Suzuki Deutschland hatte mich sowie Jens Stratmann, Thomas Gigold und Sebastian Bauer nach Bremerhaven eingeladen, um dieser und anderen Fragen auf den Grund zu gehen. Die Antwort ergibt sich ja quasi schon ein wenig durch die geografische Lage von Bremerhaven. Als großer Umschlaghafen bekannt, kommen täglich mehrere große Autotransporter in Bremerhaven an. Nicht nur aus Fernost, sondern auch aus Nord- und Mittelamerika, wo bekanntlich viele deutsche Autobauer heute einen Teil Ihrer Fahrzeugflotte bauen.

Nun ist es aber nicht so, dass da ein kleiner Kahn anlegt, 2–3 Suzuki runterplumpsen und dann mal fix zum Händler hier in Deutschland gefahren werden. Zwischen 6.000 und 8.000 Fahrzeuge passen auf so einen Autotransporter. Die Zeiten, wo die Hersteller mit ihren Produkte einzelne Schiffe komplett gefüllt haben, sind längst vorbei. Vielmehr ist die Logistik mittlerweile selbstredend hoch effizient und kostenbewusst angelegt. Ein Autotransporter lädt an diversen Häfen in Japan Autos, ein Teil wird bei einem Stop in Indien wieder ausgeladen, andere Fahrzeuge dort aufgenommen. Auch in Brügge und Antwerpen befinden sich große Auto-Terminals wo Auto dann abgeladen werden bevor das Schiff letztendlich in Bremerhaven ankommt. Hier werden dann die Fahrzeuge von Suzuki ausgeladen und erst einmal auf einer der vielen Freiflächen des Terminals in Bremerhaven abgestellt.

Für alle Vorgänge in Bremerhaven zeichnet sich die BLG Logistics Group verantwortlich. Sie löschen (Abladen) die Schiffe. Allein dieser Vorgang ist schon interessant. In Bremerhaven beschäftigt man eine Heerschar von Fahrern. Diese werden mit einem „BLG Taxi“ in den Bau des Schiffes gefahren. Jeder Fahrer steigt dann an Bord in eines der Autos um und fährt es vom Schiff. Direkt nach der Rampe wird das Auto durch eine Scan-Station gefahren, damit es im Computersystem erfasst wird. Von dort geht es auf einen der riesigen Parkplätze, wo das Auto vorerst abgestellt wird. Auf dem Gelände der BLG ist Platz für bis zu 90.000 Fahrzeuge (davon sind mittlerweile 40.000 Stellplätze als Parkhäuser oder Fahrzeugregal, wie sie es dort im Fachjargon nennen, überdacht) – welche zusammen einen Wert von etwa 2 Milliarden Euro haben können.

Suzuki verwendet Bremerhaven als Zwischenlager. Alle Suzuki, die nicht in Ungarn gefertigt werden, verbleiben vorerst an der Küste, bis sie von einem Händler verkauft werden. Nach die Fahrzeuge abgeladen wurden, werden sie zunächst einmal – nachdem die Schutzfolie, die beim Transport den Lack auf Haube, Dach sowie die Aluflegen schützt – gewaschen, um die Spuren der Reise und Standzeit zu entfernen. In diesem Zug erfolgt ebenfalls eine Qualitätskontrolle. Wer Lack- oder kleiner Blechschäden entdeckt, können diese direkt auf dem Gelände der BLG von Facharbeitern beseitigt werden. Eine eigene Lackiererei (bis zu 80.000 verschiedene Lacktöne können sie dort vor Ort reproduzieren) – unter anderem mit Arbeitsplätzen zur Hotspot-Lackausbesserung – findet man auf dem Gelände ebenso, wie mehrere Werkstätten.

Hat das Fahrzeug den Qualitätscheck bestanden, so werden die in Deutschland üblichen Gegenstände ins Auto gelegt wie die Bedienungsanleitung, aber auch Verbandskasten oder Warndreieck. Zudem können auch Fahrzeuge in Bremerhaven veredelt werden. Es gibt von dem leichten Geländewagen Suzuki Jimny das Sondermodell Ranger, was man nur in Deutschland findet. Das Modell ist speziell auf die Bedürfnisse von Jägern zugeschnitten. So wird bei der Bestellung eine Suzuki Jimny Rangers, ein „normaler“ Jimny von der Freifläche geholt und mit diversen Aufklebern, einer Anhängerkupplung wie auch einem Trenngitter im Innenraum veredelt. Auch dies ist ein Service der BLG.

Wie auch die Anbringung einer Wachsschicht am Unterboden zum Schutz vor Schnee und Salz in unserem kalten Land. Nur Modelle, die für Deutschland und Österreich bestimmt sind, werden auf diese Weise noch einmal zusätzlich bearbeitet. Die Modelle für den südeuropäischen Markt bekommen keinen zusätzlichen Schutz.

Nach dieser Prozedur kann der Suzuki – egal ob Jimny oder Kizashi – dann auf einen LKW verladen und zum Händler gebracht werden. Auch hier werden längst die Fahrzeuge unterschiedlicher Marken auf einem LKW geladen, um die Wege kurz und die Transportkosten niedrig zu halten.

Auch bei der Verschiffung und Lagerung der Suzuki-Fahrzeuge die in Ungarn gebaut werden, arbeiten Suzuki und die BLG zusammen. Auf der Donau werden die Fahrzeuge von Esztergom in Ungarn nach Kelheim gebracht, wo sich ein Binnen-Terminal von der BLG befindet. In Ungarn werden mittlerweile mit dem Swift und dem SX4 die Topseller von Suzuki gefertigt, so dass mittlerweile 65% aller deutschen Suzuki dort umgeschlagen werden.

Aber noch einmal kurz zurück nach Bremerhaven: 2.15 Millionen Autobewegungen hat man 2012 dort gezählt. Nur 20% davon betreffen die Importfahrzeuge (größter Importeur in Bremerhaven ist übrigens … wer weiss es, wer weiss es? .. BMW), 80% aller Bewegungen entstehen durch Fahrzeuge, die exportiert werden. Diese werden in 700m langen Autozügen aus den Werken in Stuttgart, München, Leipzig, Wolfsburg und und und nach Bremerhaven geschafft. Je 8 Züge kommen pro Tag von Mercedes und BMW an, Volkswagen schickt 4 Züge pro Tag. Entladen und abgestellt, bevor sie sich dann auf die große Reise machen. 25% des Exportes wird mittlerweile nach China geschafft. 4 Tage steht ein Fahrzeug in Bremerhaven durchschnittlich bevor es in Richtung Bestimmungshafen verladen wird.

Wer zum ersten Mal das Terminal in Bremerhaven besucht, wird von der Anzahl der Fahrzeuge dort einfach erschlagen. Minuten lang fährt man an einer Flotte von Mercedes, BMW, Audi, Kia, Hyndai oder Fahrzeugen aus dem Volkswagen-Konzern vorbei. Luxuskarossen stehen da im Dutzend auf den Parkplätzen herum. Hier und da findet man sogar ein paar automobile Perlen – sprich Oldtimer – die auch ihren Weg über Bremerhaven nach Deutschland gefunden haben.

Am meisten beeindruckt hat mich jedoch, dass die BLG in Bremerhaven eigentlich einen sehr schönen automobilen Mikro-Kosmos unterhält, wo man sehr autark sämmtliche Arbeiten an den Autos durchführen kann. Denn sie bieten dort wirklich einen Full-Service an, der auch genutzt wird. Bei Export-Fahrzeugen wird dort in letzten Minute noch mal eben bei 200 Fahrzeuge die Sitzkonsole oder das Türscharnier gewechselt. Alles ziemlich beeindruckend.

Nachstehend noch ein paar Impressionen, die Euch hoffentlich einen kleinen visuellen Eindruck geben: