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2013 MINI Cooper SD Paceman – Fahrbericht meiner Probefahrt

Während meiner Studienzeit bin ich den klassischen Mini zwei Jahre lang gefahren. Und hatte damit eine Menge Spass, aber auch viel Ärger. Ich sage nur „falschherum eingebaute Lüfterräder bringen im Hochsommer das Kühlwasser zum Kochen“. Und so war ich mehr als gespannt als ich im Jahre 2007 als Übergangslösung für ein halbes Jahr einen MINI Cooper als Firmenwagen bekommen habe. Nicht die ganz scharfe S-Variante, aber auch der normale Cooper war eine kleine Rakete und beim Ampelstart kaum zu schlagen. Ich war von dem kleinen so angetan, dass wir zeitweise überlegt hatten, den MINI Clubman Countryman – also den Kombi mit der kurzen Selbstmördertür auf der rechten Seite – als Familienwagen anzuschaffen. Dieses war ich damals als Diesel Probegefahren und fand den Motor wenig überzeugend. Während der Benziner mir damals auf Dauer zu laut war.

5 Jahre später stellt mir der freundliche Überführungsfahrer also einen 2013 MINI Cooper SD Paceman in der Farbe Blazing Red vor die Tür, der für eine Woche in Bielefeld verbleibt. Acht unterschiedliche Modellvarianten bietet MINI mittlerweile an. Der Paceman stellt dabei die aufgebockte, zweitürige Variante meines damaligen Firmenwagens dar. Mini-Coupe-SUV wäre wohl die richtige Bezeichnung des Fahrzeugs, welches 2012 in Paris erstmals vorgestellt wurde und seit März 2013 verkauft wird. Und die Form trifft nicht wirklich meinen Geschmack, aber darum geht es ja auch nicht, ich will Euch ja nur von meinen Erfahrungen mit dem 2013 MINI Cooper SD Paceman berichten. Als Einstimmung haben wir ein Ausfahrt.TV-Video mit dem MINI Paceman erstellt:

2013 MINI Cooper SD Paceman. Mini stellt die Motorenbezeichnung vor die Karosserie-Bezeichnung. Cooper SD steht für einen 143 PS starken 2.0 Liter-Diesel-Motor. Mit dem unauffälligen und einfach zu schaltenden manuellen 6-Gang-Schaltgetriebe erreicht dieser Paceman eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und sprintet in 9.2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Den NEFZ-Verbrauch gibt MINI mit 4.6 Litern Diesel auf 100 Kilometer an. Wer nicht selbst schatlen mag, kann auch ein Automatikgetriebe wählen, welches aber laut Mini durchschnittlich über 1 Liter mehr Diesel verbraucht. Optional kann man den 2013 MINI Cooper SD Paceman auch mit dem Allradantrieb 4ALL bestellen, was ich wohl machen würde, denn der Basispreis liegt keine 2.000 Euro über der Version mit reinem Frontantrieb und weder bei den Leistungs- noch bei den Verbrauchswerten macht sich das 4ALL negativ bemerkbar.

Ich fand den 2013 MINI Cooper SD Paceman in der Stadt und auf der Landstrasse durchaus spritzig. In der Mittelkonsole ist einer der Kippschalter mit „Sport“ (Aufpreis 130 Euro) betitelt. Ich bin ja ein großer Fan dieser Sport-Tasten. Im Alltag fährt man eben ganz normal, aber wenn man mal etwas mehr Fahrspass haben möchte auf der Lieblingslandstrasse, dann genügt eben ein Fingertip und schon nimmt das Fahrzeug wesentlich besser Gas an und bewegt sich deutlich agiler. Auf der Autobahn hingegen könnte der MINI Cooper SD Paceman für meinen Geschmack noch ein wenig mehr Leistung vertragen. Nichts hindert einen davon auch auf den linken Spuren zügig mitzuschwimmen, wer aber auf der freien Autobahn die 200 erreichen will, der muss ein wenig Geduld haben. Und wenn dann mal wieder so ein Laster-Rennen den eigenen Fahrfluss auf 100 km/h herunterbremst, dann dauert es halt eben erstmal bis man wieder schnelle Fahrt aufgenommen hat. Dafür ist der Paceman auch bei höheren Geschwindigkeiten – mal von den der Bauform geschuldeten Windgeräuschen abgesehen – durchaus angenehm ruhig.

Bei Youtube kam in einem Kommentar die Frage „Wie empfindet ihr die allgemeine Verarbeitungsqualität im Mini? Ich habe immer das Gefühl, dass für den Preis kein sonderlich hochwertiger Innenraum geboten wird (viel schwarzes Plastik).“ Ich kann dieses Gefühl nicht bestätigen. Sicher, im Innenraum findet sich eine Menge Plastik. Dies ist meiner Meinung aber der Gradwanderung zwischen dem Aufgreifen von Elementen aus dem klassischen Mini und den heutigen Sicherheitsanforderungen geschuldet, die meines Erachtens durchaus gelungen ist. Wer ein wenig mehr Blink-Blink im Innenraum haben möchte, kann bei der Konfiguration das Paket „Chrome Line Interieur“ für gerade mal 100 Euro dazu buchen. Mir gefallen die beiden Konsolen mit den Kippschaltern – einmal in der Mittelkonsole für diverse Funktionen rund um das Auto, und einem einmal am Innenspiegel für die Innenbeleuchtung.

Das serienmäßige Lederlenkrad (für 250 Euro Aufpreis bekommt man zusätzlich wie bei unserem Tester die Bedienelemente für das Infortainment-System ins Lenkrad integriert, was ich auf jeden Fall wählen würde – wenn nicht wegen dem Komfort, dann doch wegen der erhöhten Fahrsicherheit) mit seinen roten Nähten liegt nicht nur griffig in der Hand, es wertet den Innenraum auch auf und harmoniert prima mit der optionalen Lederausstattung, die unser Paceman hatte (Aufpreis 1.500 Euro). Die manuelle Sitzverstellung ist etwas umständlich. Im Besonderen der Hebel zur Lehnenverstellung ist eher suboptimal angebracht. Dafür sind die Sitze bequem und bieten ausreichend Seitenhalt. Im Fond befinden sich übrigens auch nur zwei Einzelsitze, die von einer Alu-Schiene getrennt sind, auf der man unterschiedliche Zubehörteile aufstecken und verschieben kann. Diese Schiene zieht sich bis zum Schaltknüppel vorne durch, so dass der MINI-Fahrer sich aussuchen kann, wo er Becher- und Handy-Halter sowie das Brillenfach am besten gebrauchen kann. Dieses flexible Schiebesystem finde ich durchaus pfiffig. Weniger pfiffig hingegen die Platzwahl von USB- und Klingenstecker-Anschluss am Ende der Schiene unter dem wie ein Flugzeug-Gashebel geformten Feststellbremshebel.

Vor der Bremse befinden sich drei Bedienelemente für das Infotainment-System. Das Navigationssystem (für gerade mal 600 Euro Aufpreis zu bestellen – auf jeden Fall hat es meine Empfehlung, denn es hat mich gut geleitet) lässt sich dabei, wie auch alle anderen Funktionen sehr komfortabel über den mittigen Joystick bedienen. Das Display ist in dem großen Tacho in der Wagenmitte integriert. Während sich das Display prima ablesen lässt und auch ein scharfes Bild liefert, habe ich dem Tacho beim Fahren nicht ein einziges Mal meine Aufmerksamkeit geschenkt. Zu schlecht lässt sich dort für meinen Geschmack die Geschwindigkeit ablesen. Dankenswerter Weise wird diese aber auch digital auf einem kleinen Display in dem zentral hinter dem Lenkrad platzierten Drehzahlmesser angezeigt.

Gemessen an seiner Länge von 4.11m verlangt der Paceman nach einem recht üppigen Wendekreis von 11,60 m. Und während die Sicht nach vorne aufgrund der etwas höheren Sitzposition (deutlich höher im vergleich zum normalen Mini aber nur leicht erhöht im Vergleich zu jedem anderen Kompaktfahrzeug) sehr gut ist, beschränken bauformbedingt die breite C-Säule wie auch die kleine Heckscheibe die Rundumsicht. Meines Erachtens sollte MINI da alsbald eine optionale Rückfahrkamera, wenn nicht sogar eine 360°-Kamera anbieten, denn die optionale Park Distance Control hinten (350 Euro Aufpreis) allein, scheint mir nicht mehr zeitgemäß für eine Kompaktfahrzeug im Premium-Segment. Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall das HiFi Lautsprechersystem von harman/kardon zu einem Aufpreis von 850 Euro, mit dem man den Paceman richtig rocken kann.

Taugt der 2013 MINI Cooper SD Paceman als Familienfahrzeug. Dagegen sprechen natürlich erst einmal die zwei fehlenden Türen für den Zugang im Fond. Allerdings lassen sich die Vordersitze beim Umlegen einfach nach vorne schieben, so dann man auch als Erwachsener einigermassen problemlos in den Fond einsteigen kann. Kopf- wie Beinfreiheit sind ausreichend, um auch längere Strecken im Fond zu verbringen. Starre Gurtpeitschen erleichtern dem älteren Nachwuchs das Anschnallen, und auch Kleinkinder lassen sich aufgrund des großzügigen Einstiegbereiches einfach anschnallen.Natürlich nicht so komfortabel wie bei einem Viertürer, aber es geht. Die Fenster im Fond lassen sich übrigens weder ausstellen noch herunterfahren, bieten aber – obschon recht schmal – auch Erwachsenen noch einen akzeptablen Ausblick.

Obacht sollten gut genährten Menschen mit ebensolchen Freunden, die öfters mitgenommen werden sollen, walten lassen. Gerade mal 395 kg Zuladung kann der Paceman aufnehmen. Das sind 98.75 kg pro Sitzplatz inklusive Gepäck. Dieses lässt sich in dem 330 Liter fassenden Kofferraum verstauen. Mit dem optionalen Gepäckraumpaket (230 Euro) bildet der Kofferraum eine ebenen Ladeboden, der direkt an der Heckklappenöffnung anschliessen. Auf jeden Fall sehr angenehm zum Beladen des MINIs. Unter dem herausnehmbaren Ladeboden befindet sich dann noch ein Staufach. Auf dem Ladeboden selbst kann man mit Gummibändern ggf. Gestände verzurren, damit sie nicht bei Kurvenfahrten herumschleudern. Klappt man die Rücksitze um, ergibt sich zwar keine weitere ebene Fläche, man kann dann aber Gegenstände mit einer Länge von bis zu 180cm an er Beifahrerseite durchladen.

Mein Fazit? Einen MINI Paceman kauft man meines Erachtens nicht, weil man ein Kompakt-SUV-Coupe sucht, sondern weil man das Lebensgefühl MINI zu schätzen weiss, was unter der Leitung von BMW meines Erachtens sehr schön in unsere heutige Zeit gerettet wurde. Technisch ist der 2013 MINI Cooper SD Paceman meiner Meinung nach ein sehr ordentliches Auto, was durchaus Potential für freudiges Fahren bietet. Alltagstauglich erscheint er mir durchaus für Familien mit bis zu zwei Kindern – vorzugsweise als Zweitwagen, denn wer 4 Personen und Gepäck zum Flughafen transportieren will, der muss schon extrem kompakt packen – nicht nur den MINI Paceman auch seine Koffer. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt, lassen sich Exterieur wie Interieur sehr individuell gestalten, was ja durchaus dem Zeitgeist von bestimmten Zielgruppen sehr entgegenkommt. Der Basispreis für den günstigsten MINI Cooper Paceman liegt bei 23.800 Euro, den hanggeschalteten MINI Cooper SD Paceman gibt es ab 28.500 Euro.

Nachstehend in der Galerie biete ich dem geneigten Interessenten noch weitere Detailbilder und Fotos vom 2013 MINI Cooper SD Paceman in Blazing Red. Jens Sicht auf den Paceman kann man zeitnah bei Rad-Ab.com nachlesen.