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2013 BMW i3 – Gedanken nach der Weltpremiere

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Gestern mittag Europäischer Zeit hat BMW in den Metropolen New York, London und Shanghai gleichzeit die Weltpremiere ihres jüngsten Sprosses, dem Eletroauto BMW i3 zelebriert. Ich habe den Livestream nebenbei mitverfolgt und dann anschliessend die zahlreichen Kommentare bei Facebook gelesen. Und mir nebenbei meine eigene Meinung gebildet.

Es geht ja nicht darum, dass BMW nun auch ein Elektrofahrzeug anbietet. Das tun ja nun schon bereits diverse Hersteller, Nissan hat ja jüngst schon das erste Facelift ihres Stromers Leaf gezeigt. Eher geht es wohl darum, dass der erste Premium-Hersteller aus Deutschland nun im Segment Elektrofahrzeug richtig gross durchstartet. Unlängst hat man in München nicht nur an einem Auto, sondern quasi an einem neuen Brand gearbeitet. Denn das „i“ des BMW i3 kommt nicht von ungefähr.

BMW i steht für visionäre Fahrzeuge und Mobilitätsdienstleistungen, ein inspirierendes Design sowie ein neues Verständnis von Premium, das sich stark an Nachhaltigkeit orientiert. Die Marke BMW i definiert die individuelle Mobilität neu. Der BMW i3 ist das weltweit erste Premium Elektrofahrzeug, das von Grund auf für diese Antriebsform konzipiert wurde. Dabei entstand ein Automobil, das pure BMW typische Fahrfreude vermittelt und emissionsfrei fährt. liest man da in einer aktuelle Pressemitteilung. Und wenn man das Marketing-Blabla streicht, bleibt, was ich wirklich spannend finde.

BMW i bildet einen eigenen Brand. Der BMW i3 wurde eigens als Elektroauto konzipiert. Es geht also nicht darum, in ein bereits vorhandenes Auto mal ein paar Elektromotoren einzubauen. Es geht darum, dass BMW wirklich einen grossen Schritt in Richtung Elektromobilität unternimmt. Und es nicht nur bei dem Fahrzeug belässt, sondern auch wirklich ein Mobilitätskonzept anbietet. Denn klar ist – mit dem BMW i3 kann man nicht mal eben in den Urlaub fahren.

Die Reichweite beträgt im EU-Zyklus 190 Kilometer, im Alltag werden Kunden laut BMW eine Wegstrecke zwischen 130 und 160 Kilometer mit dem i3 überbrücken können. Der BMW i3 ist ja auch nicht das erste Elektrofahrzeug der Bayern. Mit dem MINI E und dem BMW ActiveE hat man schon Erfahrungen sammeln könenn. Auswertungen haben ergeben, dass die Fahrer mit ihren BMW-Elektrofahrzeugen im Schnitt nicht mehr als 64 Kilometer am Tag zurücklegen. So hält man in München eine Reichweite von 130 km mehr als ausreichend. Der im BMW i3 verbaute Lithium-Ionen-Akku weist übrigens eine Kapazität von 22 kWh auf und kann innerhalb von acht Stunden an einer „handelsüblichen“ Steckdose geladen werden. Wer seinen i3 an einer Schnellladesäule aufladen kann, spart Zeit, an diesen Säulen kann der Akku des BMW i3 innerhalb von 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden.

Wer jedoch zu 90% mit der Reichweite des BMW i3 auskommt, kann bei Kauf- oder Leasingabschluss eine Option dazubuchen, dass man x Mal von BMW auf ein herkömmliches Fahrzeug zurückgreifen kann. Mitte August will man dann die zum Fahrzeug passende BMW i App vorstellen, die u.a. die diversen Dienste von BMW verknüpfen soll. Wie weit komme ich mit meinem BMW i3? Ich muss von A nach B. Die App soll den Batterie-Zustand auslesen können und damit auch anzeigen können, wie weit man mit der Ladung kommt (soweit ich das verstanden habe auch unter Einbeziehung von Verkehrsdaten). Ist die Reichweite nicht ausreichend, werden Schnell-Ladestationen, DriveNow-Stationen und öffentliche Verkehrsmittel vorgeschlagen. Auch wenn dies technisch vielleicht noch nicht ganz ausgereift ist, zeigt es doch deutlich den Weg, den BMW i bestreiten will und den finde ich extrem interessant. Und ich bin nicht mal ein Freund von Elektromobilität – ich stehe eher auf alternative Kraftstoffe.

2013-bmw-i3

Jens zeigt sich wenig begeistert vom Erscheinungsbild des neuen BMW i3: Der erste Eindruck zählt. Das gilt oft bei der Liebe, bei zwischenmenschlichen Beziehungen und bei mir eigentlich auch bei Automobilen. Wenn ich den Wagen optisch schon nicht “attraktiv” finde, dann wird oft nichts aus uns, selbst wenn der Rest noch so gut, stimmig, hochwertig ist. Rein subjektiv betrachtet kann ich nun schon sagen, dass ich mir keinen BMW i3 kaufen würde, sry BMW! Ich kann dem gar nicht zustimmen. Jens begründet auch noch, was er warum nicht so optisch ansprechend findet. Geschmäcker sind eben verschieden und das ist gut so.

Mich erinnert der neue BMW i3 ein wenig an den Audi A2. Auch dieser war damals bei der Masse optisch durchgefallen, heute zahlt man noch horrende Gebrauchtwagenpreise, weil der Wagen eben gut war und wohl auch tragischer Weise einfach seiner Zeit zu sehr voraus. Und ich mag die orange-schwarze Farbgestaltung, das Schwarz ergibt sich durch die verbauten Carbon-Elemente.

Thomas beschreibt den BMW i3 als alltagstauglichen 4-Sitzer: Man verzichtet weitgehend auf Stahl, setzt konsequent auf Leichtbau und bekommt so ein Gewicht von nur 1.195 Kilogramm für das Auto hin – trotz schwerer Batterien. Die sind nicht wie bei vielen aktuellen Elektrofahrzeugen im Kofferraum oder Motorraum untergebracht, sondern im Unterboden. Das garantiert hohen Nutzwert, weil man keinen Platz opfern muss, und gute Fahrdynamik – dem niedrigen Schwerpunkt sei dank. Der Nutzerwert in Fakten: vier Personen finden Platz, 260 Liter Kofferraumvolumen bietet der BMW i3 plus ein wenig Raum vorn unter der “Motorhaube”. Nur 1.2 Tonnen. Bei meinem Besuch in der BMW Welt konnte ich mich jüngst noch sehr plastisch davon überzeugen, wie leicht Carbon – der Werkstoff, der im i3 konsequent genutzt wird – wirklich im Vergleich zu Stahl ist. Sicher 260 Liter Kofferraum-Volumen ist nicht die Welt, reicht aber zumindest für einen Wocheneinkauf und wenn wir mal ehrlich sind, können in den wenigsten Autos mit 5 Sitzplätzen wirklich 5 Personen Platz finden.

Die Frage, die sich stellt, ist meiner Meinung auch nicht, ob BMW alles richtig gemacht hat. Die Frage ist eher, ob wir – die breite Masse (oder zumindest der Teil, der sich ein Elektroauto ab 35.000 Euro leisten kann) schon bereit für einen BMW i3 ist.

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Don ist auch alles andere als angetan von dem Exterieur-Design, meint aber: Innen sieht der Wagen gut aus, bis auf das Display für den Fahrer. Ich habe noch nicht in einem i3 gesessen, frage mich aber, warum das Display kleiner ist, als das fürs Entertainment. Und was man darauf alles ablesen soll. BMW hat bezüglich des Innenraums Mut bewiesen. Nichts von der herkömmlichen BMW-Interieur-Designsprache findet man im BMW i3 – vom Logo auf dem Lenkrad vielleicht abgesehen. Wenig verspielt, ansatzweise nüchtern wie bei Audi präsentiert sich der Innenraum. Rundinstrumente gibt es nicht. Hinter dem Lenkrad findet der Fahrer ein kleines Display – das größere (je nach Ausstattungsvariante – derer gibt es drei: Loft, Lodge und Suite – 6,5 bzw 8,8 Zoll) Display des Infotainment-Systems ist hingehen von allen Sitzplätzen gut einzusehen.

Auch sonst wird mit dem Innenraum eine neue Ära eingeleitet. Und ich meine das genau so! Pathos ahoi! Wenig bis gar kein Metall findet man im Innenraum. Neue Werkstoffe hat man in München für den neuen Stromer ausprobiert und verwendet. Geklebt statt verschraubt. Wie haltbar dies im Alltag sein wird, werden wir dann in 2-3 Jahren sehen. Aber ich mag durchaus den nahezu revolutionären Ansatz.

Benny weist darauf hin, dass es den BMW i3 optional mit einem Range Extender geben wird: Allerdings sorgt der Range Extender des BMW i3 REX auch für ein um 120 Kilogramm höheres Gewicht und wirkt sich entsprechend negativ auf die Fahrleistungen aus: Während der normale BMW i3 in 7,2 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt und den Zwischensprint von 80 auf 120 km/h in 4,9 Sekunden absolviert, benötigt der i3 REX für die gleichen Übungen 7,9 beziehungsweise 5,5 Sekunden. Die für den Stadtverkehr kaum relevante Höchstgeschwindigkeit wird bei beiden i3 auf 150 km/h limitiert. Der Preis des BMW i3 REX wurde noch nicht kommuniziert, dürfte aber ebenfalls unter 40.000 Euro liegen. Range Extender sind eine gute Sache.

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Mir hat der Range Extender im Chevrolet Volt auf jeden Fall beruhigt, weil ich wusste, dass es noch weiter geht, auch wenn der Akku leer ist – auch im Vergleich zu meiner Fahrt mit dem Nissan Leaf, wo ich teilweise Bedenken hatte, die Klimaanlage einzuschalten. Wohl aber war beides eher meiner Unerfahrenheit mit Elektroautos geschuldet. Mit dem Range Extender lässt sich die Reichweite des BMW i3 auf 340 Kilometer erhöhen. Damit wird man sich dann auch bequem aus einem Ballungsraum heraus bewegen können.

Ich bin gespannt wie Bolle, wie sich der BMW i3 fahren lässt. Das erste Mal sehen werde ich ihn dann wohl auf der IAA in Frankfurt, eine Fahrveranstaltung wird es wohl zeitnah im Anschluss geben. Wenn wir dort eingeladen werden, bekommt ihr postwendend einen Fahrbericht und ein Ausfahrt.tv-Video zu unseren Erfahrungen mit dem BMW i3.