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#MazdaRoute3 – Tag5 – Birobidzhan – Blagoveshchensk

4.8.13 – Tag 4 – 21:00 MESZ – im Hotel in Blagoveshchensk

Ich bin eben um 3:30 Uhr lokaler Ortszeit aufgewacht. Ein Tribut an den Wechsel der Zeitzonen. Und nein, dreieinhalb Stunden Schlaf ist deutlich zu wenig und auf Dauer auch nicht gesund. Aber mein Geist ist wach und mag den Körper auch nicht überzeugen, weiter zu schlafen. So sitze ich hier in meinem Hotelzimmer in Blagoveshchensk und sichte die 350 Fotos, die ich auf der Wegstrecke gestern – bei der wir übrigens die Zeitzone gewechselt haben und Deutschland jetzt „nur“ noch 8 Stunden voraus sind – geschossen habe.

Ich schreibe es mal ganz platt: Russland verstehen heisst Russland erleben. Vieles hier kann man nicht begreifen und es auch schlecht in Worte kleiden, wenn man es nicht selbst gesehen und erlebt hat. Allein diese unendliche Weite in der dann doch wieder hier und da Menschen auftauchen. Gut 30 Minuten nachdem man die letzte menschliche Behausung gesehen hat, sitzen plötzlich Menschen an der Strasse. Woher kommen die? Wo wohnen die? Fahren die auch 30 Minuten, nur um sich eben dort hinzustellen und ihren Honig anzubieten? Und wenn auf den nächsten 30 Minuten Wegstrecke auch kein Ort – geschweige denn ein Haus auszumachen ist, bohrt sich eben diese Frage noch tiefer in Deinen Kopf.

Unser Mittagessen haben wir an einem „Roadcafe“ – eine Mischung zwischen Imbiss und Restaurant – eingenommen. Das gelbe Gebäude stand an einer Kreuzung. Von der einen Seite kamen wir. Aus dem Nichts sozusagen. Und wir sind später weiter gefahren. In das Nichts. Und die Traverse führte – soweit ich sehen konnte – auch ins Nichts. Und dann kam da plötzlich ein Päarchen zu Fuss. Sie war so braun gebrannt, dass sie problemlos indischer Abstammung hätte sein können und trug Flip-Flops. Beide hatten schwarze Plastiktüten in der Hand. Woher? Keine Ahnung! Wie lange schon? Das war meine zentrale Frage. Und wohin? Die beiden steuerten auf eine Bushaltestelle zu. Wie? Was? Wo? Warum? Eine Bushaltestelle? Was für ein Bus kommt hier wie oft vorbei? Und während ich noch fassungslos über eben jene Frage sinnierte, standen die beiden von der blaulackierten Holzbank schon wieder auf und setzen ihren Marsch fort. Wohin nur?

Der Lieblingsbaum meiner Mutter ist die Birke. So bin ich seit Kindheitstagen sensibilisiert. Weisse Rinde? Birke! Und ich freue mich halt immer, wenn ich eine Birke sehen. Eine Birke. Vielleicht mal zwei oder wenn man Glück hat, sieht man bei uns mal eine kurze Birken-Allee. Wir sind Stunden an ganzen Birkenwäldern vorbeigefahren. Stunden! Wälder! Ich bin immer noch beeindruckt und auch ergriffen. Die Vegetation hat sich im Vergleich zu unseren vorherigen zwei Wegstücken deutlich geändert. Statt Wäldern und Bergen haben wir gestern weite Landschaften mit Birkenwäldern und Mooren gesehen. Moor. Morast. Überschwemmte Wiesen. Kaum Tiere. Mal einen Hund hier und da in einer der wenigen Ortsdurchfahrten. Nicht eine Kuh. Kein Rind.

Dafür aber Insekten. Ich hatte mich zum ersten Mal mit Autan eingesprüht – schon bei der Abfahrt. Die ersten Kollegen hatten auch schon mit Stichen zu kämpfen – einer der beiden Portugiesen hat mich gestern seinen Stich gezeigt – er hat eine Beule am unteren Oberarm, die aussieht als wäre sein Bizeps verrutscht. Ich bin gestern – trotz Autan – auch ein paar Mal gestochen – vielleicht auch gebissen – worden. Bei eben jenen Mittagsstop schwirrten diverse Insekten um uns herum. Eine Art Fliege, die in Aussehen und Größe sehr nah an das herankommt, was ich als Hornisse kenne. Dann grüne Fliegen, die meines Erachtens auch gestochen haben. Und teilweise waren ganze Schwärme zu sehen, wenn wir in unserem weissen Mazda3 sassen. Meine Zeilen mögen sich lapidar anhören, ich bin aber wirklich schwer beeindruckt.

Nicht nur von den Insekten. Eigentlich von allem. In den letzten Tagen haben wir ja schon einiges an Baustellen gesehen. Und auch wenn sich die russischen Strassen gestern in einem deutlich besseren Zustand präsentiert haben, so war da eine Baustelle, wo wir gefühlt kilometerweit einfach durch schlammigen Schotter gefahren sind. Bergauf und bergab. Unsere russischen Begleiterin im Führungsfahrzeug erklärte uns über das Funkgerät, dass die Strasse bis zum Jahresende fertig sein soll. Unfassbar und dann doch – in Russland – durchaus denkbar.

Wir werden hier ja von einem Tross russischer Helfer begleitet von denen einige Englisch sprechen. Das ist auch gut so. Es ist wirklich schwer gewesen für mich, hier auch nur ansatzweise Orientierungspunkte zu finden. Die kyrillischen Schriftzeichen ergeben auch nach 4 Tagen vor Ort einfach keinen Sinn. Ich habe vor ein paar Jahren mal in einem Anfall von Größenwahn einen Volkshochschulkurs in Polnisch belegt. Die polnische Sprache ist der russischen nicht ganz unähnlich. Ein guter polnischer Freund hat es mir gesagt, es wäre in etwas wie holländisch und deutsch. So konnte ich hier ohne Hilfe ein Bier bestellen. Das war es aber auch schon. Auch beim Fahren ist es verwirrend. Das Navigationssystem im Mazda3 spricht aktuell deutsch und englisch. Es verwendet auf jeden Fall lateinische Schriftzeichen. Auf den Strassenschildern befindet sich natürlich nur kyrillischer Buchstabensalat. Passte nicht zusammen.

Die ganze Tour obliegt einem sehr straffen Zeitplan. Es ist wirklich nicht viel Zeit, um mal eben einen Abstecher zu machen. Mal davon abgesehen, dass es auch so nicht einfach ist. Allein eine passende Fotolocation zu finden, ist sehr schwer. Wie oben beschrieben – da ist die eine Strasse. Und davon abgesehen nicht viel. Also sehr viel – auch sehr Schönes, aber eben nicht mal eben mit dem Auto zu erreichen. Hallo Mazda, ich habe mal eben euer neues Fahrzeug im Moor versenkt, aber guck mal, das Foto, was ich vorher noch geschossen habe, ist doch schön, oder? Das ist aber nicht mein Punkt, ich schweife ab. Wir sind jeden Tag bislang immer unglaublich pünktlich zu den jeweiligen im Programm festgelegten Punkten gekommen. Wenn Pünktlichkeit nur eine deutsche Tugend ist, dann haben unsere russischen Begleiter sie perfektioniert. Ich war an den ersten zwei Tagen ein wenig genervt. Schnell, schnell. Weiter, weiter. Manno! Ich bin doch ein Künstler! Gestern erst habe ich begriffen, warum der ganze Druck. Wir müssen schliesslich auch noch schlafen und da ist es gut, wenn man in dem straffen Zeitplan bleibt.

So sind wir auch gestern wieder pünktlich angekommen. In Blagoveshchensk angekommen. Trotz einem Umweg von über 100 Kilometern, den wir aufgrund von Überschwemmungen nehmen mussten. Die Stadt haben wir schon vom weitem gesehen – und auch das Umwetter, was sich ihr von einer anderen Richtung aus genähert hat. Und beim Abendessen im 16. Stock des Hotels konnte man durch das Gewitter hindurch noch die andere Seite des Amur erkennen, auf der sich die chinesische Stadt Heihe, die mit 1.75 Millionen Einwohnern nicht nur ein wenig größer ist als die russische Seite mit ihren knapp 215.000 Bewohnern. Für mich ein schöner Tagesabschluss.

Und während ich dann heute wieder zum Flugplatz gefahren werde, um über Moskau in die Heimat zu fliegen, übernimmt hier ab heute der junge Kollege Fabian Messner den Part von Jens (Habt ihr seine Beiträge schon gelesen? Nein? Hier klicken!) und mir und wird in seinem Blog Autophorie weiter über den Fortgang der Mazda Route3 berichten. Ich melde mich dann noch einmal aus Deutschland mit einem Abschluss und verweise auf die nachstehende Galerie mit weiteren Eindrücken und Impressionen des gestrigen Tages. Und wer gerne wissen möchte, wo sich der Tross gerade befindet, sollte sich diese Seite der Autobild bookmarken.

Disclaimer: Dieser Beitrag wurde mit freundlicher finanzieller Unterstützung von Mazda Deutschland realisiert. Mazda hat keinen Einfluss auf den Inhalt, meine Meinung oder die Gestaltung.