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2013 Mazda3 Skyactiv-G 120 (BM) – Fahrbericht meiner Probefahrt mit Mazda durch Sibirien

Es war wohl bislang die ungewöhnlichste Fahrveranstaltung zu einem Neuwagen an der ich je teilgenommen habe, zumal es an sich keine Fahrveranstaltung war. Dennoch hatte ich in der letzten Woche die Gelegenheit, mit dem neuen Mazda3 etwa 1.600 km durch Sibirien zu fahren. Von Vladivostok nach Blagoweschtschensk um genau zu sein. Nach so einer extremen Tour kann man viel erzählen – entsprechende Beiträge zur #MazdaRoute3 habe ich verfasst – nun will ich meine Erfahrungen zu dem Fahrzeug selbst verschriftlichen. Und dazu versuche ich mal von den ganzen außergewöhnlichen Erlebnissen Abstand zu nehmen und mich voll und ganz auf das Auto zu konzentrieren. 1977 stellte Mazda in Deutschland mit dem Mazda 323 ein Fahrzeug der Kompaktklasse, was sich mit dem gleichen Namen in 6 Modellgenerationen ganz gut bei uns verkaufen liess. Im September 2003 wurde dann auf der IAA in Frankfurt der Nachfolger des 323 präsentiert: der Mazda3. Ich bin nun die dritte Modellgeneration des Mazda3 gefahren, der das Typenkürzel BM trägt. Der neue 2013 Mazda3 Skyactiv-G 120 wird dann im September 2013 auf der IAA dem deutschen Publikum vorgestellt. Zur Einstimmung auf meinen Fahrbericht gibt es selbstredend auch ein Ausfahrt.tv-Video:

Im Gegensatz zum Vorgängermodell haben die Japaner zunächst einmal eine ganze Menge am Design gefeilt. Ich selbst bin gestern auf der Autobahn an diversen, noch aktuellen Modellen vorbeigefahren und finde, dass der neue Madza3 im KODO-Design doch deutlich dynamischer daherkommt. Die jetzigen Modelle erscheinen mir fast altbacken im Vergleich mit der neuen Linienführung. Doch hat man ja schon diverse Automodelle in Schönheit sterben sehen, die inneren Werte sind es doch, die einen Kaufentscheidung mit prägen.

Unser Testfahrzeug war der 2013 Mazda3 Skyactiv-G 120, die 120 stehen dabei für die PS Anzahl, die aus einem 2.0 Liter Reihenmotor mit Direkteinspritzung gewonnen werden. Ein maximales Drehmoment von 210 Newtonmeter wird dabei an die Vorderachse abgegeben, denn natürlich verfügt der Mazda3 über Frontantrieb. 120 PS – das hört sich nicht viel an. Und die Fahrleistungen auf dem Papier werden auch keinen Speed-Junkie in Verzückung bringen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 195 km/h (die wir in Russland nie erreicht haben, 110 km/h darf man auf „Autobahnen“ fahren und der Strassenbelag, den wir befahren haben, hat auch nicht zum Austesten des Vmax annimiert), für den Sprint von 0 auf 100 km/h benötigt der 2013 Mazda3 Skyactiv-G 120 ganze 8,9 Sekunden. Das Schalten kann man sich von einer 6-Gang-Automatik abnehmen lassen, unser Modell war mit dem 6-Gang-Schaltgetriebe ausgestattet. Den NEFZ-Verbrauch dieser Motor/Getriebe-Kombination gibt Mazda mit 5.1 Litern/100 Kilometer an.

Weg von den Papierwerten: Im Stadtverkehr in Russland hat sich der Mazda3 bravurös geschlagen. Wer viel in der Stadt und auf der Landstrasse unterwegs ist, wird die Leistung des Skyactiv-G 120 als vollkommen ausreichend empfinden. Wer sich hingegen auch viel auf der Autobahn bewegt, greift dann wohl eher zum Diesel, der neue Mazda3 wird auch mit einem Skyactiv-D 150 angeboten, der weniger verbraucht, dafür 15 km/h schnell in der Endgeschwindigkeit ist und auch im Sprint fast 1 Sekunden schneller ist als der kleine Benziner. Das manuelle 6-Gang-Getriebe lässt sich einfach und präzise schalten, die kurzen Schaltwege haben mir gefallen. Wer verbrauchsoptimiert fahren will, muss allerdings fleissig schalten. An unserem zweiten Tag der Route haben wir festgestellt, dass wir fast ausschliesslich im 4. Gang unterwegs waren. Dies war dadurch bedingt, dass der vierte Gang im Vergleich zum 5. und 6. sehr elastisch ist. Hat man in den 6. Gang geschaltet und will beschleunigen, dann heisst es „Zurück in den 4.“. Den Motor aber die ganze Zeit im Vierten auf Drehzahl zu halten, schlägt sich dann fix auf den Verbrauch nieder. Am zweiten Tag lag dieser bei unserem Fahrzeug bei 7.1 Litern/100 km. Am dritten Tag haben wir dann darauf geachten, immer fleissig zu schalten – im Cockpit weisst das Fahrzeug auch immer darauf hin, wenn man schalten soll – und siehe da, schwups lagen wir unter der 6-Liter-Marke.

Als Autoblogger muss man sich ja immer mal wieder „erden“. Wenn man leistungsstarke Fahrzeuge mit über 400 PS fährt, dann kommt einem eine 120-PS-Motorisierung natürlich erstmal wie „Rasenmäher schieben“ vor. Ist man dann aber ein Weilchen gefahren relativiert sich dies natürlich umgehend. Ich bin ja generell ein Freund von Diesel-Fahrzeugen, nicht zuletzt wegen dem höheren Drehmoment, dennoch fand ich mich beim Fahren mit dem 120 PS-Benziner zu keiner Zeit untermotorisiert. Wir mussten ja auch immer wieder auf unserer Wegstrecke überholen – auch teils an weniger einsichtigen Passagen und wenn man dann zurückgeschaltet hat, dann kam der 2013 Mazda3 Skyactiv-G 120 auch auf den Punkt.

Der Preis für den SKYACTIV-G 120 Benziner in der zweithöchsten Ausstattungslinie „Center-Line“ beginnt bei 20.290 Euro. Der vergleichbare Diesel SKYACTIV-D 150 Diesel startet bei 24.390 Euro. Das ist durchaus die Preisklasse in der ich selbst auch nach einer neuen Familienkutsche suchen würde. Somit war das Platzangebot des neuen Mazda3 bei mir von großem Interesse. Sowohl auf dem Fahrer- als auch auf Beifahrersitz hat man viel Platz – eigentlich selbstverständlich. Aber auch im Fond kann man als Erwachsener sehr bequem sitzen. Ich stelle mir den Sitz vorne immer so ein, dass ich mehr als bequem sitzen kann. Wenn ich dann im Fond immer noch ausreichend Platz habe, bekommt der Wagen einen großen Pluspunkt. Der Mazda3 hat ihn bekommen. Sowohl die Beinfreiheit als auch die Kopffreiheit sind für Passagiere (zumindest bis 180cm Körpergröße) im angenehmen Rahmen vorhanden. Prima. Stichwort Familienfreundlichkeit. Die Gurtpeitschen der beiden äußeren Sitze sind starr, so dass sich der Nachwuchs auch ohne Probleme alleine anschnallen kann. Sitzen 2 Erwachsene im Fond, will man keine weitere Person dort hineinzwängen, was natürlich auch bedeutet, dass sich keine drei Kindersitze im Fond platzieren lassen. Die Fenster der Türen im Fond sind formbedingt recht schmal. Kinder, die tief sitzen, werden Probleme haben, die Aussicht zu geiessen, als Erwachsener hat man eine ausreichende Sitz. Die Fenster lassen sich komplett versenken. Elektrisch im Übrigen. Was etwas nervt – weder vorne noch hinten – verfügen die elektrischen Fenster über eine Automatikfunktion. Man muss also den Finger die ganze Zeit am Schalter lassen. Zudem hat man auch am Einklemmschutz gesparrt – das muss heute nicht mehr sein, oder?

Der Sitzkomfort ist super. Ich hatte ein wenig Bedenken. 3 Tagen in einem Kompaktfahrzeug. Ich habe da schnell mal „Rücken“ und „Knie“, aber Pustekuchen. Die Sitzposition der Vordersitze ist sehr bequem. Beim Beifahrersitz hat Mazda leider auf eine Höhenverstellung verzichtet. In Verbindung mit der Lederausstattung bekommt man auch elektrisch verstellbare Sitze. Die beiden äußeren Sitze im Fond sind angenehm ausgeformt und der Kollege von AutoBild.tv, die zu dritt im Auto fuhren und er hatte den Sitz im Fond, meinte, dass auch der Sitzkomfort auf der langen Strecke hinten gut sei.

Ein Fahrzeug der Kompaktklasse mit ausreichend Platz im Innenraum. Ok. Dann kann man wohl nicht viel vom Kofferraum erwarten, oder? 350 Liter können dort verstaut werden. Soll heissen? Nun zunächst einmal bekommt man zwei 77-Liter-Reiskoffer nebeneinander in den Kofferraum. Das fand ich ziemlich bemerkenswert, weil wir das bislang noch nicht so gesehen haben bei einem Fahrzeug der Kompaktklasse. Wer also die Kofferraum-Abdeckung entfernt sollte mit 4 großen Koffern und allerlei Kleinkram verreisen können. Das sollte zumindest für die Fahrt einer 4-köpfigen Familie zum Flughafen ausreichen. Den Hausrat für ein zweiwöchigen Ferienhaus-Aufenthalt in Dänemark wird man hingegen nicht einladen können. Wer die Rücksitzbank umlegt, kann sich über eine nahezu ebene Ladefläche freuen, in die man dann Gegenstände mit einer Grundfläche von 1m x 1.6m legen kann.

Apropos legen. Die Ablageflächen im Vorderwagen sind ausreichend vorhanden. Aber kurz eingeschoben – ich werde mir auf jeden Fall bei nächster Gelegenheit einer der Interieur-Designer von Mazda schnappen und ihn fragen, was sie sich denn bitte mit der Gestaltung ihrer Türverkleindungen gedachten haben. Dort findet man nämlich weder Taschen noch Fächer, sondern lediglich einen Einschub für ein Flasche. Zugegeben, es passt immerhin eine Liter-Flasche dort hinein und diese lässt sich dann auch praktisch herausziehen, aber es grenzt geradezu an Platzverschwendung, dass man keine weiteren Ablageflächen dort anbietet. Gerade im Fond, wo die Kinder „leben“, kann es doch gar nicht genug Staufächer geben. Dort hat man aktuell neben eben diesen Einschüben noch jeweils ein Gepacknetz an dem Vordersitz und in der ausklappbaren Mittelarmlehne finden sich noch zwei Becherhalter. Vorne ist man da besser dran. Neben den Einschüben, findet man ein Brillenfach am Dachhimmel, eine kleine Fläche vor dem Schaltknüppel für Kulis und Portemonnaie, Das Handschuhfach selbst, was einiges an Platz bietet, zwei Getränkehalter hinter dem Schaltknüppel und eben noch ein Staufach unter der Mittelarmlehne.

In eben diesen Staufach finden sich gleich zwei USB-Anschlüsse, die sich auch betrennt voneinander vom Infotainment-System ansteuern lassen. Leider mussten wir noch mit einer BETA-Software-Version des Infotainment-Systems vorlieb nehmen. Die finale Version ist für die IAA geplant. So konnten wir noch nicht mit den Online-Spielereien anfangen, die das finale System dann bereitstellen wird. Das Navigationssystem basiert nun nicht mehr – wie bei aktuellen Mazda-Modellen – auf einem TomTom-System, sondern verfügt über eine Mazda-eigene Lösung, die sich bequem bedienen lässt und uns auch – sofern wir das bei dem verfügbaren, russischen Kartenmaterial prüfen konnten – gut funktioniert. Die 3D-Ansicht lässt sich bis zu einer Weltkugel herauszoomen, was zumindest einen hohen Unterhaltungswert hat. Neben den beiden USB-Geräten kann man auch ein Endgerät per Bluetooth ansteuern, dann werden allerdings (zumindest in der BETA) keine Cover-Bilder angezeigt. Das Radio-Element scannt fleissig nach neuen Sendern und hält diese über eine entsprechende Liste parat. Bedient werden kann das System über den 7-Zoll-Farbbildschirm selbst – es ist ein Touchscreen, der auch nicht zu träge ist, sich zudem auch immer gut ablesen lässt – oder eben über den Joystick in der Mittelkonsole. Nach dem ersten Tag der Nutzung ist das System durchaus intuitiv zu bedienen. In unserem Fahrzeug war zudem das optionale BOSE®-Soundsystem mit neun Lautsprechern verbaut. Das löst die Klänge vielleicht nicht so sauber auf, wie sich das ein Mensch mit audiophilen Ansprüchen wünscht, versorgt aber den Innenraum prima mit ausreichend Klang und es ist kein Geheimnis, dass Jens und ich auf unseren Testfahrten immer schön Party machen – das war im neuen Mazda3 mit dem Bose-System sehr schön umzusetzen.

Und sonst so? Der 2013 Mazda3 Skyactiv-G 120 wird mit einer Art HUD ausgeliefert. Die aktuelle Geschwindigkeit wie auch Anweisungen vom Navi werden auf ein kleines transparentes Stück Plastik projeziert, welches sich beim Starten des Fahrzeugs oberhalb des Lenkrad ausklappt. Nicht mein Ding. Entweder sollte man solche Informationen direkt in die Scheibe projizieren, so dass man die Augen nicht von der Strasse nehmen muss, oder es eben lassen. Dem einen oder anderen wird es gefallen, ich fand es nicht so toll. Genutzt habe ich es übrigens trotzdem, weil man die Anzeige der Geschwindigkeit, die im unteren Teil des mittig platzierten Drehzahlmessers untergebracht wurde, nur schlecht ablesen kann.

Was mir hingegen sehr gefallen hat, ist die generelle Haptik im Innenraum. Bei japanischen Fahrzeugen rechnet man ja immer erst mit einer mehr zweckmässigen, statt wohl anmutenden Innenraumwelt. Mazda hat da nach einem Geschmack einen sehr guten Job gemacht. Die unterschiedlichen Kunststoffe machen einen hochwertigen Eindruck und fühlen sich auch gut an. Die Strassenverhältnisse, die wir in Russland erlebt haben, waren nicht immer die Besten. Auf den ganz nigelnagelneuen Strassenabschnitten konnte der neue Mazda3 bei mir auch noch mit seiner Laufruhe und dem angenehmen Geräuschpegel im Innenraum punkten. Positiv hervor zu heben ist auch die Zwei-Zonen-Klimaanlage. Bei Außentemperaturen über 30°C haben wir im Innenraum immer schön einen kühlen Kopf behalten dürfen.

Das belederte Lenkrad hat mir auch gefallen, allerdings könnten für meinen Geschmack weniger Schaltflächen zur Bedienung von Infotainment, Bordcomputer und Tempomat auch den gleichen Zweck erfüllen. Die Rückspiegel bieten eine schön große Spiegelfläche, sind aber meines Erachtens ziemlich hässlich und passen nicht zum restlichen, schön gezeichnetem Erscheinungsbild des neuen Mazda3.

Mein Fazit: Der neuen Mazda3 ist ein gelungener Wurf der Japaner, die schon mit dem neuen Mazda6 im KODO-Design bei der deutschen Käuferschaft punkten konnten. Das wird beim neuen Mazda3 auch nicht anders werden. Das Fahrzeug hat meines Erachtens gute Chancen durch seine Ausstattung, das Design, die Haptik und die angebotenen Motor/Getriebe-Kombinationen sich seinen Anteil des hart umkämpften Kompaktklassen-Marktes zu sichern. Ich freue mich, dass ich im September im Rahmen der internationalen Fahrveranstaltung noch den Diesel fahren kann und hoffentlich auch noch das Automatikgetriebe testen darf. Bis dahin verweise ich zunächst einmal auf meinen Artikel Alle Daten und Fakten zum neuen 2013 Mazda Mazda3 (Typ BM), in dem alle Preise und Ausstattungsoptionen vorgestellt werden. Und bis ihr den neuen Mazda3 dann selbst auf der IAA ansehen könnt, habe ich in der nachstehenden Galerie noch einige Fotos und Detailbilder von unserem 2013 Mazda3 Skyactiv-G 120 für Euch bereitgestellt. Wer noch mehr Bewegtbild sehen möchte, kann sich unseren englischen Youtube-Clip noch ansehen, den ich nach der Galerie noch eingebettet habe.