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Feuer und Wind – 2012 Porsche 911 Carrera S Cabriolet (991) – Fahrbericht meiner Probefahrt

Pure Geschmeidigkeit! so hatte ich meinen Fahrbericht meiner Probefahrt mit dem Porsche 911 Carrera S betitelt. Damals hatte ich den 911er nur für 2 Tage, um von Bielefeld nach Stuttgart zu fahren, jetzt stand er ein paar Tage mehr in Bielefeld. Stand? Nein. Fast 2.000 Kilometer haben Jens und ich in dem offenen 2+2 Sitzer zurückgelegt. Meine Test-Fahrt von Berlin nach Bielefeld wird mir noch ein Weilchen sehr sehr gut in Erinnerung bleiben. Bevor ich jetzt aber das 2012 Porsche 911 Carrera S Cabriolet über den Klee lobe, hier vorab zur Einstimmung wieder eines unserer Ausfahrt.tv-Video:

Bielefeld – Berlin – Bielefeld. Ich mag die A2. Ich bin ja gebürtiger Berliner und bin diese Strecke schon unzählige Male gefahren. Früher, um meine Großeltern dort zu besuchen, heute, um Freunden hin und wieder mal einen Besuch abzustatten. Auf dem Hinweg hatte ich mehr als Pech. Fast überall Geschwindigkeitsbegrenzungen und wenn die mal aufgehoben waren, standen die anderen mehr oder weniger auf der linken Spur. Auf dem Rückweg das komplette Gegenteil. Kaum Tempolimits und dazu auch noch relativ wenig Verkehr. Auf jeden Fall hin und wieder längere Passagen, um das 2012 Porsche 911 Carrera S Cabriolet einfach mal laufen zu lassen. Und mein rotes Cabrio konnte laufen. Die Höchstgeschwindigkeit von 299 km/h habe ich nicht erreicht. Dafür reichte der Platz dann nicht. Aber ich kann bestätigen, dass man mit dem 2012 Porsche 911 Carrera S Cabriolet ganz bequem auf mit 275 km/h noch offen fahren kann. Na klar hört man dann nichts mehr – ausser eben die Windgeräusche und die sind dann auch recht laut, die Luftverwirbelungen in der offenen Fahrgastzelle halten sich aber erstaunlicher Weise in sehr angenehmen Grenzen. Und ja, natürlich hatte ich bei höheren Geschwindigkeiten die Fenster oben und auch das Windschott ausgefahren. Ich bin 42, ich brauche niemanden mehr etwas beweisen.

Und ich finde, dass ist auch genau der Spirit, der beim 911er Carrera S mitschwingt. Der braucht nichts beweisen, der kann es eben. Schnell fahren? Kann er. Langsam fahren? Kann er auch. Und so habe ich mich auch zu keinem Zeitpunkt irgendwie herausgefordert gefühlt auch nur irgendetwas zu probieren, was mich auch nur ansatzweise in eine strafbare oder bedrohliche Lage gebracht hätte. Mit dem 2012 Porsche 911 Carrera S brauchst Du nicht drängeln. Wozu auch? Zum einen ist das Überholprestige so krass, dass die meisten eh schon auf der rechten Spur sind, bevor man überhaupt in ihre Nähe kommt. Und selbst wenn dann mal jemand auf der linken Spur bei 120 km/h den Rückspiegel ignoriert – na und? Dann bremmst man eben ab. Wartet bis die Schlafmütze einen hellen Moment hat, geht dann wieder aufs Gas und ist mirnichts dirnichts wieder auf Betriebsgeschwindigkeit. Bis 250 km/h beschleunigt das Porsche 911 Carrera S Cabriolet als wäre Luft- oder Rollwiderstand eine dummes Ammenmärchen. Erst danach dauert es ein wenig länger. 4.5 Sekunden benötigt das Porsche 911 Carrera S Cabriolet mit dem PDK-Automatikgetriebe von 0 auf 100 km/h – hat man das Chrono-Paket mitgeordert, dann geht es im Sport+-Modus auch in 4.3 Sekunden. Für die Beschleunigung von 80 zu 120 km/h reichen 2.5 Sekunden. Hey, und wenn es drei wären. Wahnsinn!

Das 2012 Porsche 911 Carrera S Cabriolet ist bei weitem nicht das potenteste Fahrzeug, was ich ja gelenkt hatte. Auch bin ich schon deutlich schneller beschleunigt worden und auch schon schneller gefahren. Was mich am 911 Carrera S Cabrio aber so fasziniert ist die oben schon angesprochene Geschmeidigkeit mit der das alles von Statten geht. Während andere Sportautos eher mit einem Sprinter beim 100m Lauf zu vergleichen sind, kommt mit der 911 Carrera S wie eine Primaballerina vor, die ebenso schnell aber deutlich eleganter zum Ziel kommt. Und diese Primaballerina hat sich übrigens mit 10.1 Litern feinstem SuperPlus auf 100 km begnügt – auf dem Weg von Bielefeld nach Berlin. Der von Porsche angegebene NEFZ-Verbrauch von 8.9 Litern ist also erreichbar.

Und dann. Dann drückst Du diese Sport+-Taste. Ade Ballerina. Willkommen Phoenix! Das PDK schaltet mal eben zwei Gänge zurück, das Porsche Active Suspension Management (PASM) wird aktiviert – das Fahrwerk also deutlich straffer und die Klappensteuerung der vierflutigen Abgasanlage läßt den Phoenix brüllen! Vorwärts heisst das Kommando. Der Porsche nimmt das Kommando so prompt auf, dass es den Fahrer erstmal in die Sitze drückt. Und zeigt gleich bewegen sich die Mundwinkel steil nach oben. An einem Abend bin ich mit meinem Sandkastenfreund eine Runde gefahren. Hier in Bielefeld gibt es eine Stadtautobahn, liebevoll Ossidamm genannt, die endlich (!) direkt zur A33 führt. Es ist nicht kalt, aber schon etwas kühl an diesem Abend. Und weil auf der lang gezogenen Zufahrt eh ein Tempolimit von 60 km/h ist, öffne ich das Verdeck während der Fahrt (laut Porsche geht das bis zu 50 km/h und dauert 13 Sekunden). Mein Freund guckt mir fragend an. Die Auffahrt führt unter dem vierspurigen Ossidamm entlang. Kein Tunnel. Aber eine lange Brücke. Kurz vor der Brücke drücke ich die Sport+-Taste und trete das Gas durch. Der Klang ist einfach phänomenal. Es folgen auf meiner Teststrecke noch 3 solcher Brücken. Den Rest des Abends kichern wir wie kleine Jungs.

Auch sonst ist das 2012 Porsche 911 Carrera S Cabriolet gut angekommen. Bei meiner Frau. Bei den Kindern. Bei den Nachbarn. Und wer Platz genommen hatte, wollte kaum mehr aussteigen. Das lag zum einen durchaus an der tiefen Sitzposition. Ich gestehe. Wohlgenährt und ungelenkig, wie ich mich heuer präsentiere, war das Aussteigen schon ein wenig quälend. Man sitzt halt tief und man muss sich aus dem Auto schälen. Wenn man hingegen einsteigt und sich die 14fach elektrisch verstellbaren Sportsitze an den Körper schmiegen, dann hat man auch noch einen zweiten, positiven Grund nicht aussteigen zu wollen. Die Strecke Bielefeld – Berlin – Bielefeld ist etwas über 800 km lang, die ich mehr oder weniger in einem Stück gefahren bin. Weder der Rücken noch die Knie waren nach meiner Fahrt irgendwie angeschlagen. Man sitzt so gut, wie das Auto fährt.

Wundervoll griffig fühlt sich das Sportlenkrad im Ledermantel an. Zu 90% meiner Fahrzeit hatte ich beide Hände artig am Lenkrad. Umso befremdlicher ist es da, dass Porsche nicht wenigstens eine Minimalausstattung an Tasten zum Bedienen des Infotainment-System bietet. Sicher, so nackt ist das Lenkrad sportlich schlicht und schön. Aber gerade bei der Knopfwüste des Infotainment-System in der Mittelkonsole (ja, das ist Kritik!) wünscht man sich diese Tasten am Lenkrad umso mehr. Immerhin kann man Telefonate (Freisprechen klappt auch bei geöffnetem Verdeck bis ca. 120 km/h einigermassen gut) mit dem Hebel rechts unten am Lenkrad annehmen mit dem man sich durch die verschiedenen Ansichten des Rundinstrumentes rechts neben dem zentralen Drehzahlmesser navigieren kann. In dieser Uhr, in der sich ein kleines Display verbrigt, werden auch die Anweisungen des Navigationssystem ausgegeben, was ich sehr angenehm fand. Das Infotainment-System selbst ist mit einem Touchscreen ausgestattet. Menüführung und Handhabung lässt auf nahe Verwandschaft zu anderen Systemen aus dem VW-Konzern schliessen. Die Boxen der Serienausstattung sind ok, ab 140 km/h können sie dem Fahrtwind bei geöffnetem Verdeck wenig entgegen setzen. Bei geschlossenem Verdeck ist der Carrera S wirklich leise. Will schreiben – unglaublich leise. Das Stoffverdeck ist wirklich klasse. Sicher kommen gerade bei höheren Geschwindigkeiten Windgeräusche, aber nichts, was man als allzu störend empfinden würde.

Platz ist in der kleinsten Hütte – auch im Porsche 911 Carrera S Cabriolet? Ich war überrascht. Der Kofferraum vorne fasst 135 Liter. Das hört sich nach nichts an, aber ich habe da zwei Bord-Trolleys, einen Rucksack und zwei Stative verstauen können. Quasi meine komplette Ausrüstung. Also ein prima Firmenwagen für mich, oder? Die Rücksitzbank – die Fahrzeugklasse 2+2 Sitzer lässt es erraten – ist nicht mehr als ein Witz. Als Erwachsener möchte man da nicht mal den Weg zum nächsten Zigarettenautomaten mitfahren. Und selbst Kinder sollten wohl nicht älter als 10 Jahre sein. Allerdings sitzen sie hinten auch bei geöffnetem Verdeck recht windgeschützt. In dem Fall lässt sich dann das Windschott nicht mehr nutzen.

Ich kann den Artikel wohl nicht beenden, ohne wenigstens einmal kurz die Motorwerte zu nennen. Der 3.8 Liter Boxer-Motor im Heck leistet 400 PS und kann ein maximales Drehmoment von 440 Nm erzeugen. In Einheit mit der PDK verschmilzt es zu etwas, was das Prädikat „perfekt“ verdient. Und dies gilt ebenso für das Fahrwerk. Das Porsche 911 Carrera S Cabriolet (991) klebt quasi an der Strasse. Nie hat mir das Kurvenfahren mehr Spass gemacht!

Wer mindestens EUR 121.416,50 zur Verfügung hat (oder finanzieren kann), darf das Porsche 911 Carrera S Cabriolet (991) in sein Eigentum überführen. Allerdings ist die Aufpreis- oder im Marketingsprech Optionsliste bei Porsche lang. Und wenn man nur ein wenig Musik hören möchte und die Spasstasten haben will. Naja und dies noch und das noch, dann ist man wohl schnell bei 135.000 Euro. Wie viel darf ein perfektes Auto kosten? So viel wie die Leute bezahlen, richtig? Aktuell kann man übrigens ein wenig sparen. Dank dem 50jährigen des 911 gibt es derzeit ein Sondermodell mit Preisvorteil.

Mein Fazit? Ein Traum. Wird er wohl auch weiter bleiben. Eifrig hypothetisch unterwegs, bin ich übrigens am Überlegen, ob ich nicht das Coupé mit Schiebedach dem Cabrio vorziehen würde. Allein, weil ins Coupe in den Fond auch Teenager passen. Aber dann, wenn ich mir den Porsche mal leisten kann, sind die Kinder eh aus dem Haus …

Nachstehend noch einige weitere Fotos und Detailbilder von dem indischroten 2012 Porsche 911 Carrera S Cabriolet (991):