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Familienurlaub: mit dem Auto in die Toskana

Wenn ich in alten Erinnerungen schwelge, dann fallen mir diverse Urlaubsfahrten mit meiner Mutter ein. In den Osterferien sind wir immer in die Schweiz zum Skilaufen gefahren. Eine Wegstrecke von nicht ganz 800 km über die ich aus heutiger Sicht eher lächle. Aber damals™ war doch vieles noch ganz anders, was auch zeigt, wie die automobile Entwicklung in den letzten 30 Jahren vorangeschritten ist. Meine Mutter hatte damals einen VW Polo (Typ 86, also die erste Baureihe, die zwischen 1975 und 1981 gebaut wurde). Der Kleinwagen hatte zwar nur ein Leergewicht von 700 kg, dafür aber auch nur 50 PS (Nur mal zum Einordnen: 50 PS hiessen damals ein Topspeed von 142 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 100 in 15.4 Sekunden! Das Ganze bei einem Durchschnittsverbrauch von 7.3 L/100 km. Eine beheizbare Heckscheibe war damals eine nennenswerte Serienausstattungs-Option…). Die Kassler Berge wirkten damals gigantisch und der vollbeladene Polo mit Skihalter auf dem Dach quälte sich nur mühsam über die Steigungen. Einen ganzen Tag waren wir für diese 800 Kilometer unterwegs und meine Mutter nach der Ankunft nicht nur sehr erleichtert, sondern auch noch vollkommen ko. Nichts, was man sich zu einem gelungenen Urlaubsstart wirklich wünscht.

Ich war nun in den Sommerferien mit der ganzen Familie für eine Woche in der Toskana. Die Wegstrecke zwischen Bielefeld und unserem Ferienort Gambassi Terme betrug 1.300 Kilomter. 12 Stunden reine Fahrtzeit errechnet Google Maps, wir sind die Strecke mit ein paar Pausen in 14 Stunden gefahren. Als wir angekommen sind, war auch ich erleichtert, aber alles andere als vollkommen ko. Dank hydropneumatischem Fahrwerk, Tempomat, Massagefunktion, 140 Diesel-PS und einem angenehmen leisen Innenraum ist das Reisen mit dem Auto ungleich angenehmer und entspannter. Mal ganz abgesehen davon, dass ich auch noch den Luxus hatte, mich mit meiner Frau beim Fahren abwechseln zu können.

Unser Gepäck für 4 Personen und noch allerlei Lebensmittel (Nein, wo denkt ihr hin, es gibt in Italien keine Supermärkte und wenn dann sind die total überteuert und haben auch nichts, was wir kennen. Naja, wir sind halt deutsch, oder?) mussten wir nicht wie damals beim Polo in ein Gepäckabteil von 284 Litern pressen. Naja. Ich hatte damals auf der Rückbank quasi eine kleine Höhle. Hinter dem Fahrersitz hatte ich meinen Sitzplatz und neben und hinter mir türmten sich Gepäck und Lebensmittel – damals waren Gurte im Fond übrigens auch noch nicht in allen Autos vorhanden. Meine Kinder kennen so etwas natürlich nicht mehr. Gerade mal eine Tasche mit Reiseverpflegung und ihre Sachen zum Spielen und Zeit totschlagen mussten sie im Fond unterbringen. Den Rest haben wir ganz locker im 533 Liter fassenden Kofferraum des Citroen C5 Tourer verstauen können. Gerechnet wird bei der Angabe bis zur Gepäckabdeckung. Die hatte ich zugegebener Massen ausgebaut, weil der eine Koffer sonst dagegen gedrückt hätte. Wir hatten aber freie Sicht im Rückspiegel, was man von meiner Mutter damals nicht sagen konnte.

Gambassi Terme ist erstmal ein Kaff, was im Nirgendwo der Toskana liegt. Ich kann einen Familien-Urlaub dort wirklich empfehlen – zumindest wenn man mit dem Auto fährt. Denn das Nirgendwo liegt eben extrem zentral. In das wunderschöne Florenz fährt man gerade mal eine Stunde. Ich muss nicht wirklich etwas zur Wiege der Renaissance schreiben, oder? Fahrtechnisch darf ich anmerken, dass der Verkehr in Florenz von vielen Einbahnstrassen geprägt ist, deren System man erst gar zu verstehen versuchen sollte. Auch sollte man sich beim Fahren von den Tourismuszentren aka Innenstadt fernhalten, weil einem da ständig irgendwelche Sandalenträger vor die Motorhaube springen. Wir haben im Parkhaus Parcheggio sotterraneo Fortezza (Via Ruggero Bardazzi, 49, 50127 Firenze) geparkt, was sich unter dem Fortezza da Basso befindet. Das Parkhaus war ansatzweise preiswert, angenehm leer und alles andere als eng (im vergleich zu den Einfahrten, die ich da bei anderen Parkhäusern in Florenz gesehen habe). Der Hauptbahnhof ist direkt nebenan und dort ist man dann auch schon direkt im Leben. Zur Ponte Vecchio beispielsweise läuft man vom Parkhaus etwa 20 Minuten.

Natürlich bietet Florenz nicht nur genug Sehenswürdigkeiten, um dort ein paar Tage zu verbringen. Ich habe gelernt, dass man dort auch ganz toll shoppen kann. Wer also mehr als einen Trip in die toskanische Großstadt plant, sollte vielleicht ein Mal einen Abstecher nach Vinci unternehmen. Dort findet sich neben dem Geburtshaus Leonardo da Vincis im Ortsteil Anchiano auch das Museo Leonardiano di Vinci, in dem man Zeichnungen, Modelle und Repliken von Leonardos Maschinen und Erfindungen bewundern kann.

Von Gambassi Termin erreicht man auch innerhalb von 30 Minuten die wirklich sehenswerten Städtchen Volterra und San Gimignano (der historische Stadtkern gehört zum Weltkulturerbes der UNESCO): Beide Orte sind bei unserem Besuch ziemlich überlaufen gewesen und es war schwer einen Parkplatz zu finden (die im Übrigen aber kostenfrei waren). Und nicht nur die Städte an sich lohnen sich. Es macht einfach sehr viel Spass über die kleinen Landstrassen durch die Toskana zu fahren. An einigen Stellen hätte ich mir statt des Citroen C5 einen Sportwagen gewünscht. Zu verlockend waren die Kurven und sehnsüchtig habe ich die Motorradfahrer verfolgt, aber im Grunde war ich auch sehr glücklich, dass das hydropneumatische Fahrwerk des C5 die ganzen Bodenwellen so nett geschluckt hat.


Unser Appartement in Gembassi Terme war Teil einer kleinen Anlage mit 5 Wohneinheiten und einem kleinen Pool, der alle Male ausgereicht hat, um sich hin und wieder von der toskanische Hitze abzukühlen. Die Wohnungen selbst waren sehr ansprechend eingerichtet und auch der Aussenbereich teil sehr liebevoll gestaltet. Ein Beispiel gefällt. In unserem “Vorgarten” standen unter anderem Blumenkübel mit Rosmarin und Basilikum, was wir dann auch schön zum Kochen verwendet haben. Wobei auch in unmittelbarer Nähe (2-3 km zum Ort) sich diverse Restaurants und Pizzarien befinden. Einkaufen konnte man bequem in einem Spar in Gambassi Terme, der auch über eine gut sortierte Frischetheke verfügte sowie augenscheinlich Obst und Gemüse aus der Region anbot. Wer es noch frischer haben möchte kann auf den Markt in eins der umliegenden Städtchen fahren. Und wurde der Markt in Certaldo empfohlen, den wir aber irgendwie nicht gefunden haben (ok, so richtig bemüht haben wir uns auch nicht). Wer es ein wenig preiswerter haben möchte, der fährt 15 Minuten nach Castelfiorentino, wo es einen Lidl gibt, der auch ein paar bekannte Produkte führt.


Öh – nur ein Pool? Nun ja. Zum Meer ist es auch nicht weit. Allerdings haben wir unser Vorhaben diesbezüglich gegen einen Tag mehr Faulenzen am Pool getauscht. Das Meer wie auch Pisa erreicht man in etwa 90 Minuten. Bologna ist übrigens auch nicht soooo weit entfernt und wenn man auf dem Rückweg nach Deutschland ein wenig Zeit abzwackt kann man auch noch ins Lamborghini-Museum springen, was Autobahn-nah liegt, aber alles andere als günstig mit den Eintrittspreise ist. Wir sind allerdings am Abreisetag schon um 4 Uhr nachts losgefahren, weil die Autobahn von Florenz gen Norden nur zweispurig ist und wir keine Lust hatten mit allen anderen, die ihr Appartement um 10 Uhr räumen müssen, dann gemeinsam im Stau zu stehen. Das war ein guter Plan – wir sind ohne nennenswerte Behinderungen nach Hause gekommen. Zudem ist es wundervoll zum Sonnenaufgang durch die Alpen zu fahren.


Apropos Alpen. Für Österreich braucht man ja eine Vignette, die 8.50 EUR kostet. Dazu mussten wir noch an einer Mautstation weiter 8.50 EUR bezahlen. Die Autobahnfahrt in Italien hat 35 EUR gekostet. Jeweils pro Wegstrecke.

Wer jetzt Lust auf die Toskana bekommen hat und sich für unser Urlaubsdomizil interessiert – Borgo Le Colline, die Verwalterin spricht Englisch und Deutsch. Der Kollege Thomas Gigold war auch mit der Familie unterwegs, allerdings im Norden: #north5 – unser Roadtrip durch Nordeurpa. Ansonnsten empfehle ich immer und gerne meine beiden Lieblingsreisebloggerinnen Heike und Yvonne, die jüngst ein wenig nördlicher in Italien unterwegs war – Ein Road Trip in der Emilia-Romagna. Und selbstverständlich wird es auch noch einen Fahrbericht zum Citroen C5 geben.

Disclosure: Der Citroen C5 ist nicht mein Privatfahrzeug, sondern ein Testwagen gewesen. Natürlich bewegt man sich hier in einer Grauzone, wenn man sagt, man würde den Wagen im Urlaub ja auch testen. Ich werde bei meiner Steuererklärung den geldwerten Vorteil für die Urlaubsfahrt selbstredend angeben und entsprechend versteuern.