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Zu Besuch im Nissan Racecamp der GT Academy in Silverstone

Ich bin eben auf einem Teilstück des Silverstone Circuit mit dem Nissan GTR herumgefahren.Selbst für mich als jemanden, der mit dem Rennsport nicht viel anfangen kann, ist Silverstone etwas wirklich Großes! Das erste Formel1-Rennen wurde hier ausgetragen und somit kann man die Strecke hier, die immer noch als Austragungsort für den „Großen Preis von Großbritannien“ im Formel1-Zirkus genutzt wird, getrost als eine der Wiegen des Motorsports bezeichnen.

Das Areal ist riesig und er komplette Kurs in kleinere Teilstücke unterteilt. An einem dieser Teilstücke befindet sich eine Gebäudekomplex, der als Zentrale für das diesjährige Nissan Racecamp der GT Academy genutzt wird. Alle Playstation-Besitzer, die das Rennspiel Gran Turismo besitzen, kennen das – für alle anderen eine klitzekleine Zusammenfassung. Als Playstation-Eigner kann man sich in einem bestimmten Zeitraum eine bestimmte Version des Rennspiels Gran Turismo aus dem Sony eigenen Online-Shop herunterladen. Mit dieser Demo spielt man jetzt bis zum Umfallen oder eben bis man richtig gut ist. Die Besten werden dann zu einem ersten nationalen Ausscheidungskampf eingeladen, bei dem sie dann zum ersten Mal mit einem richtigen Auto auf einer richtigen Rennstrecke fahren dürfen.

Die 12 Besten dieser Ausscheidungskämpfe dürfen dann ins Nissan Racecamp, was an der Rennstrecke von Silverstone ausgetragen wird, wo sie mit unterschiedlichen Fahrzeugen und der Unterstützung von professionellen Instrukteuren ihre Fähigkeiten verbessern können. Zum Schluss bleibt noch eine Person übrig. Diese Person – in der aktuellen Gruppe sind es nur Jungs – bekommt dann quasi eine Ausbildung als Rennfahrer. In diesem Jahr waren es allein in Deutschland über 100.000 Bewerber, weltweit haben über 1.2 Millionen Spieler die Demo-Version des Spiels heruntergeladen.

Die GT Academy wurde im Jahr 2008 von Sony Computer Entertainment Europe und Polyphony Digital Inc. in Zusammenarbeit mit Nissan Europe ins Leben gerufen. Das Prinzip hat so gut funktioniert, dass es neben dem europäischen Wettbewerb auch noch einen rein deutschen, einen amerikanischen und neuerdings auch eine afrikanischen und einen Wettbewerb im Nahen Osten gibt. Dort traten im ersten Jahr nur 15.000 Teilnehmer an. Die Zeiten des diesjährigen Gewinners lagen auf dem gleichen Niveau wie die Zeiten vom Peter Pyzera, dem deutschen Gewinner von 2012, der mittlerweile fest zum Team gehört und in diesem Jahr gute Chancen hat, mit seinen Teamkollegen, die allesamt GT Academy-Absolventen sind, im letzten Rennen am Nürburgring den Titel zu holen. Was nicht zuletzt zeigt, dass das Prinzip GT Academy funktioniert.

Ein Zuckerschlecken ist es aber nicht. Das Racecamp ähnelt einem Bootcamp. Den Teilnehmern wird eine Menge abgefordert. Und auch der Druck ist hoch, was man unschwer aus den Gesichtern der Kanditen ablesen konnte. Wer eine Karriere vom Couchpotato zum Rennfahrer anstrebt, muss eine Menge körperliche Fitness mitbringen wie auch Disziplin. Nur schnell zu fahren reicht nicht. Auch werden die Jungs schon mal ansatzweise auf den Medienrummel und die damit verbundenen Marketing-Aktivitäten vorbereitet. Ein Fernsehteam von RTL begleitet die Schritte im Racecamp. Somit muss neben der eigentlichen Konzentration auf die einzelnen Aufgaben auch noch hier begeistert vor der Kamera abgeklascht werden, wenn einer der Kollegen seine Prüfung bestanden hat. Im Gespräch mit den Teilnehmer haben sie mir versichert, dass sie aber auch genügend Kamera-freie Zeit haben, um gänzlich abzuschalten. Das Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht in kleineren Gruppen, wie wir es auch aus anderen Casting-Shows kennen. Alle 12 Kandidaten schlafen in einem Raum mit Feldbetten. Und während ich heute morgen mich noch einmal im Bett umgedreht habe, sind die Jungs schon durch den Nieselregen gelaufen.

Damit wir uns ein ganz bisschen in die Jungs hineinversetzen können, hatten auch wir gestern einen aktiven Part. Zunächst ging es wie eingangs erwähnt mit dem 2013 Nissan GTR (Link zu meinem Fahrbericht) auf eine Teilstrecke von Silverstone. So dass ich jetzt mit Recht behaupten kann, dann ich die legendären Kurven Woodcote, Copse, Maggots, Brooklands und Luffield vom Silverstone Circuit durchfahren habe. Wohl nicht schnell genug, denn ich wurde angewiesen, die geschätzte Kollegin Simone Amores passieren zu lassen. Ihr könnt mir glauben, das lag alles nur an meinem Instruktor (Lüge!) – der mir vom Beifahrersitz die Brems- und Einlenkpunkte gezeigt hat. Bei feuchten Strassenbelag wollte mich hin und wieder das Heck überholen – trotz Allrad-Antrieb und von der tadellosen Funktion des ABS konnte ich mich auch überzeugen. Was für ein Spass. Danach ging es dann auf einen anderen Kurs, wo wir den 2013 Nissan Juke Nismo (Link zu meinem Fahrbericht) bewegen durften. Zum Abschluss durften wir auf einem riesigen Parkplatz mit zwei präparierten 2013 Nissan 370Z Nismo das Driften üben. Ich kann nicht behaupten, dass ich das ansatzweise hinbekommen habe, aber es hat mir so viel Spass gemacht, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte.

Was für mich ein toller Spass war, stellte für die Teilnehmer jeweils eine Challenge dar. Mit dem GTR beispielsweise mussten sie auf der gleichen Strecke versuchen, innerhalb von 1.5 Runden 3 von Instruktoren gelenkte GTRs zu überholen. Als wir uns dann ins Hotel verabschiedet haben, sahen die Jungs schon ganz schön kaputt, aber teilweise auch sehr glücklich aus.

Ich hatte nicht wirklich die Chance mir ein Bild von dem Können der Teilnehmer zu machen. Mit zwei der Jungs habe ich mich ein wenig länger unterhalten, denen drücke ich jetzt die Daumen. Deren Rückflug ist schon für Mittwoch gebucht, dann wird es einen Gewinner geben. In der nachstehenden Galerie gibt es noch ein paar Impressionen von meinem Besuch: